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Flipped Classrooms: Wie wir unsere Kinder aus der Kreidezeit befreien

von Stephan Bayer

19.06.12 Deutschland vergeudet seine Bildungsressourcen. Statt unsere Kinder auf die Internet-Zukunft vorzubereiten, hält die unheilige Allianz aus Lernmittel-Industrie und 16-fachem Postkutschen-Förderalismus unsere Schulen in der Kreidezeit. Dabei gibt es mit Flipped-Classroom-Strategien längst Ansätze, deutsche Schulen auf die Gegenwart vorzubereiten und für die digitale Zukunft fit zu machen. Einblicke in die Digitale Schule von morgen und neue Visionen von zukunftsfähiger Bildung.

Schüler im Flipped Classroom, bei dem sich die Schüler eigenständig zuhause auf den Unterricht vorbereiten (Bild: Sofatutor)
Bild: Sofatutor
Schüler im Flipped Classroom, bei dem sich die Schüler eigenständig zuhause auf den Unterricht vorbereiten
Das familiäre Fotoalbum im Bücherschrank wirkt auf die jugendlichen Betrachter heutzutage fast antik gegen den digitalen Bilderrahmen auf dem Bücherschrank - der per W-LAN automatisch die neuesten Fotos ins Wohnzimmer strahlt. Videorecorder geraten, als Staubfänger umfunktioniert, in Vergessenheit und das analoge Fernsehen ist endgültig von der Bildfläche verschwunden. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Digitalisierung nahezu alle Bereiche des Lebens verändert.

Auch unsere Schulen spüren diesen Trend und reagieren - langsam. Bevölkert von jenen, die ganz selbstverständlich in diese neue digitalisierte Welt hineinwachsen, scheint der sonst alles zu vereinnahmende Trend ausgerechnet hier im feinen Sand der Tradition zu verlaufen. Der selbstverständliche Umgang mit dem Handy auf dem Pausenhof kollidiert in nahezu paradoxer Selbstverständlichkeit mit dem Bild des Lehrers vor einer grünen Tafel, ausgestattet mit Kreide, Zeigestock und Klassenbuch. Medienmogul Rupert Murdoch kennzeichnet den gegenwärtigen Bildungsmarkt in einem Essay als "Digitals next frontier". Doch die angelsächsischen Bildungsmärkte sind traditionell fortschrittsfreundlicher als der deutsche. Genauer: Als die 16 (Landes-) plus der eine (bundesweite) deutschen Bildungsmärkte.

Sicher ist, dass das Internet als ein maßgeblicher Katalysator wirkt. Als universales Medium zum Lernen sowohl im Unterricht als auch zuhause, wird es sich in den kommenden Jahren weiter etablieren. Mehr noch: Es liefert das Potenzial, trotz schrumpfender Bildungsetats den Traum von individueller Förderung für eine breite soziodemografische Bevölkerungsschicht möglich zu machen, Lehrer zu entlasten und zugleich akademische und schulische Bestleistungen zu erreichen, während der Schulalltag auch für die Eltern nachvollziehbarer wird. Damit ergibt sich eine diskutable These, welcher in diesem Beitrag anhand der Betrachtung von zwei bisher relativ unabhängigen Konstrukten nachgegangen werden soll: Vormittagsmarkt und Nachmittagsmarkt.

1. Der Vormittagsmarkt:

Staatlich regulierter B-to-B-Markt mit großem Potenzial

Im Vormittagsmarkt stehen das Unterrichten im Klassenverband und alle damit zusammenhängenden Methoden und Materialien im Vordergrund. So haben sich etwa die Unterrichtsmethoden an deutschen Schulen in den vergangenen Jahren in großen Teilen verändert. Vergleichsweise oft tauchen nun Gruppenarbeiten, Präsentationen, eigenständige Rechercheaufgaben und andere Schwerpunkte im Lehrplan auf, womit die Entwicklung einer selbstbewussten Schülerpersönlichkeit gefördert wird. Nahezu unverändert ist jedoch der Einsatz von neuen Medien im Unterricht geblieben. Noch immer sind Bücher und - seit einigen Jahren in überschaubarem Maße - interaktive Whiteboards neben der klassischen Tafel und Schwarz-Weiß-Kopien die gängigen Tools.

Der Flipped Classroom verändert die Rolle des Lehrers im Unterricht
Neue Impulse zur Veränderung des klassischen Unterrichts lieferten vor wenigen Jahren die amerikanischen Lehrer Aaron Sams Aaron Sams in Expertenprofilen nachschlagen und Jonathan Bergmann Jonathan Bergmann in Expertenprofilen nachschlagen mit der Entwicklung der so genannten "Flipped Classroom"-Methode: Das Prinzip des herkömmlichen Unterrichts wird dabei einfach "umgedreht". Schüler bereiten sich zuhause eigenständig auf die im Unterricht behandelten Themenbereiche vor, indem sie etwa entsprechende Online-Lernvideos ansehen und sich den Stoff auf diese Weise aneignen. Die eigentliche Unterrichtsstunde wird nicht wie zuvor größtenteils durch Monologe des Lehrers an der Tafel gefüllt, sondern stattdessen zum gemeinsamen Aufarbeiten, Problemlösen und Diskutieren genutzt.

 (Bild: Sofatutor)
Bild: Sofatutor

Auf diese Weise verbleibt der Lehrer nicht in der Rolle des alleinigen zentralen Wissensvermittlers, sondern wird als Moderator und Mediator des Lernprozesses zum individuellen Lernpartner des Schülers. Damit bietet diese Lernmethode Lehrern und Schülern gleichermaßen Vorteile, erleichtert sie doch die Arbeit des Lehrers und führt durch die individuelle Betreuung des Schülers zu mehr Effektivität des Unterrichts.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie der Beliebtheitsgrad des Mathematiklehrers bei den Digital Natives in die Höhe schnellt, sobald der statt des einsamen, monotonen Rechnens von Aufgaben aus dem Mathematikbuch die eigenständige Herleitung der Lösungswege mit Hilfe von motivierenden Onlinevideos als Hausaufgabe aufgibt. Das liegt nicht zuletzt an den eindeutigen Vorteilen, die das Medium "Video" mit sich bringt: Bewegtbilder können oft komplexe Sachverhalte greifbar und verständlich visualisieren und zugleich aktiv in Lernprojekte oder Tests integriert werden.

Medienklassen als erfolgreiches Projekt
Ein gelungenes Praxisbeispiel, wie neue Lernmethoden dieser Art auch in den deutschen Schulalltag eingebettet werden können, ist der Aufbau von Medienklassen am Berliner Archenhold Gymnasium, in denen jeder Schüler dieser Klassen mit einem Netbook ausgestattet ist. An drei Tagen in der Woche nutzen die Schüler ihr Netbook gleichberechtigt zu den klassischen Lern- und Lehrmethoden im Unterricht und bei den Hausaufgaben. Die Lehrinhalte können in vielfacher Weise vermittelt werden, gewinnen durch interaktive Elemente an Attraktivität und steigern zudem die Medienkompetenz und die Fähigkeit des eigenständigen Arbeitens der Schüler. Durch die Vernetzung kann dabei ein projektorientierter und auf gezielte Zusammenarbeit ausgerichteter Unterricht umgesetzt werden, der in dieser Form früher nicht möglich gewesen wäre.

Rollenwechsel: Vom Dozenten zum Lernpartner


Im Kern steht das Flipped-Classroom-Modell damit dem klassischen Frontalunterricht entgegen und ebnet zugleich den Weg eines digitalisierten Vormittagsmarktes, welcher zunehmend ohne schwere Bücher und Zettelwirtschaft auskommt. Diese Entwicklung verlangt nach einer weitreichenden Anpassung an die Mediennutzungs- und Lerngewohnheit der Digital Natives durch die Lehrer, welche ihren Unterricht dementsprechend gestalten und ihre Dozenten-Rolle gegen die eines aktiven Lehr- und Lernpartners eintauschen müssen.

Lernmanagementsysteme (LMS) verbinden Schüler, Lehrer und Eltern online
Gegen die an deutschen Schulen bestehende Zettelwirtschaft aus Lehr- und Klassenbuch, Hausaufgabenheft und Aktenordner, sprechen vor allem auch die an deutschen Hochschulen bereits fest etablierten Lernmanagementsysteme wie Moodle, CLIX oder Blackboard. Professoren veröffentlichen dort ihre Präsentationsfolien online. Darüber hinaus ist der Reader digital im nicht-öffentlichen Bereich des Seminars verfügbar, Studenten können in internen Threads relevante Themen diskutieren und ihre Essays hochladen.

Unternehmen setzen mit Projektmanagement-Tools wie Asana, Basecamp und Co. auf ähnliche Softewarelösungen, um Teamarbeit online abzubilden. Doch in den Schulen finden sich vergleichbare Anwendungen bisher nicht. Dabei lassen sich solche Systeme genauso gut in den Vormittagsmarkt der Schule integrieren und haben damit das Potenzial, auch den Schulalltag für Lehrer und Schüler effizienter zu gestalten. Hausaufgaben, Stundenplan, Klassenarbeitstermine, Notendurchschnitt oder Vortragsthemen könnten online eingesehen und koordiniert werden.

Zusatzinformationen zum Unterrichtsstoff würden digital verschickt werden und Eltern könnten eingebunden werden, um regelmäßig über den aktuellen Stand auf dem Laufenden zu bleiben und somit mehr von ihren Kindern zu erfahren, als im jährlichen Elterngespräch mit dem Klassenlehrer. Die Einführung einer an den Schulalltag angepassten LMS-Lösung als Standard im Schulbetrieb ist damit über kurz oder lang nur die logische Konsequenz einer zunehmend digital organisierten Gesellschaft.

Ungedeckter Kostenfaktor hemmt die Entwicklung


Wer das Klassenzimmer verändern möchte, muss allerdings einige Hürden nehmen und die Zustimmung von den für die Freigabe von Unterrichtsmaterialien zuständigen Kultusministerien, Schuldirektoren, Lehrern und nicht zuletzt auch Eltern einholen, um mit seinem Produkt den Vormittagsmarkt betreten zu können. Im direkten Verkauf bestehen Hemmnisse. So stehen die Entscheidungsträger in den Schulen aktuell noch vor dem Problem, dass der Kauf von digitalen Produkten zunehmend mit "SaaS-Modellen" verknüpft ist, für deren Service regelmäßig eine nutzungsabhängige Gebühr fällig wird - ein Kostenfaktor, für den noch keine festen Budgets in öffentlichen Schulen zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund warten eine Handvoll Unternehmen, welche mit ihren LMS bereits im Hochschulmarkt und teilweise auch im Ausland etabliert sind, inzwischen seit einigen Jahren darauf, dass der Markt sich entwickelt.

EBook-Reader und Classmate-PCs gewinnen an Bedeutung
Neben der Gestaltung und Organisation des Unterrichts, nehmen auch die genutzten Unterrichtsmaterialien einen entscheidenden Stellenwert im Rahmen der Digitalisierung des Vormittagsmarktes ein. Im Einzelnen geht es hier vor allem um das klassische Lehrbuch als Gegenpol zum modernen E-Book. Lange eher ein Nischenmedium, schlägt die Umsatzkurve für E-Books auch wegen den inzwischen ausgereiften und weitreichenden Möglichkeiten zur mobilen Rezeption, etwa durch Kindle oder iPad, seit 2011 steil nach oben aus. Insofern sind die vergleichsweise preiswerteren digitalen Buch-Versionen inzwischen ein ernst zu nehmendes Thema in der Verlagsbranche und erfreuen sich stetig steigender Nutzerzahlen. Insbesondere mit Blick auf die Schule gewinnt dieses Thema an Bedeutung.

Schließlich verringern E-Books nicht nur die Ausgaben der privaten Haushalte für Lehrbücher, sondern vor allem auch das Gewicht der Schultaschen unserer Schüler - ein vor allem bei Schulanfängern seit vielen Jahren diskutiertes gesundheitliches Problem. Soweit zur Theorie. Doch abgesehen von ersten Ansätzen, wie sie etwa im genannten Berliner Beispiel existieren, sucht man in der Praxis noch vergeblich nach der deutschen Schule, die komplett auf iPads, Kindles oder Classmate-PCs umgerüstet hat.

Schüler tragen schwer an den digitalen Bildungslöchern
Ganz anders stellt sich die Situation in den USA dar, wo manche Schulen ihren Unterricht bereits ausschließlich mit Tablets gestalten. Laut Apple verwenden ca. 1,5 Millionen Schüler in den USA ein iPad. Auch Südkorea hat bereits 2011 die Digitalisierung ausgerufen und plant bis 2015 sämtliche Schulbücher durch Smartphones und Tablet-PCs zu ersetzen. In der Türkei möchte die Regierung in den nächsten vier Jahren sogar 15 Millionen Tablet-PCs für Schulen anschaffen. Soweit ist die Entwicklung in Deutschland (noch) nicht. Ursache dafür sind vor allem auch begrenzte oder fehlende finanzielle Mittel der Schulträger, denn in keinem Bundesland gibt es derzeit eigene Budgets nur für digitale Bildungsmedien. Deutsche Schüler tragen daher nach wie vor täglich kiloweise Totbaum-Bücher mit sich herum.

Netbookklassenzimmer am Berliner Archenhold Gymnasium, (Bild: Sofatutor)
Bild: Sofatutor
Netbookklassenzimmer am Berliner Archenhold Gymnasium,

Ein anderer, wichtiger Aspekt, sind die Kosten für Lehrbücher und Arbeitshefte, die Eltern zu Beginn jedes Schuljahres in die ausgedruckte Unterrichtsausstattung ihrer Kinder investieren. Im Rahmen der Elternbeteiligung der Lehrmittelfreiheit müssen Eltern je nach Bundesland und Regelung bis zu 160 Euro pro Schuljahr an privaten Kosten für die Lern- und Lehrmaterialien tragen. Hinzu kommt die schwierige Situation auf dem Schulbuchmarkt: Aufgrund der demografisch bedingten, sinkenden Schülerzahlen sowie den zum Teil reduzierten öffentlichen Ausgaben für Lehrmittel sind die Umsätze seit Jahren rückläufig.

Das digitale Lehrbuch ist damit ein Thema, mit dem sich derzeit alle Bildungsmedienverlage auseinandersetzen. Das wurde auch auf der weltweit größten Bildungsmesse Didacta Relation Browser deutlich, wo 27 Bildungsmedienverlage ihre ersten Lösungen für digitale Lehrbücher präsentierten. Die bestehende Lehrbuchindustrie hat dennoch wenig Anreiz, diese Situation zu ändern. Denn mit der Umstellung von Print auf E-Book schrumpft der Umsatz pro verkaufte Einheit. Hintergrund ist die geringere Zahlungsbereitschaft der Nutzer für E-Books im Vergleich zu Printprodukten. Käufer sind nicht bereit, die stolzen Lehrbuchpreise (häufig ab 20 Euro pro Buch zzgl. Arbeitsheft für ca. zehn Euro) auch für die rein digitale Version des Buches aufzubringen.

Verlage müssen digitale Versionen ihrer Lehrbücher aufwerten
Die Verlage stehen damit vor der Herausforderung, dem Schrumpfen ihrer Umsätze entgegenzuwirken. Dieses Problem lösen sie, indem die digitalen Versionen ihrer Bücher so aufgewertet werden, dass den Kunden ein Mehrwert entsteht, für den sie mehr zu zahlen bereit sind, als für das einfache PDF-ähnliche E-Book. Ein Weg besteht darin, die klassischen Textinhalte medial "anzureichern", etwa durch inhaltlich passende oder ergänzende Videos oder interaktive Animationen. Für diesen zusätzlichen Content können Kunden einen Aufpreis zahlen, sodass der Umsatz pro zukünftiger Digital-Kunde bestenfalls über dem Umsatz pro aktueller Print-Produkt-Kunde liegen wird. Von diesem medialen "Enrichment" profitieren dann sowohl die Industrie als auch die Anwender.

Das zweite Problem für die Verlage besteht darin, dass Lehrbücher meist auf ein bis zwei Jahrgänge und ein Schulfach beschränkt sind und die Produktion mitunter auf Jahre festgelegt und dementsprechend unflexibel ist. Schulbücher ähneln daher in gewisser Weise Telefonbüchern. Sie sind ein völlig überholter Versuch dafür, eine Vielzahl von Informationen zusammenzufassen und zu organisieren.

E-Books als Übergangsphänomen: Online-Plattformen als Content-Lieferant der Zukunft

Die aktuelle Entwicklung wird langfristig gesehen das klassische Schulbuch in Millionen digitale Teilchen sprengen. Denn stärker als bisher werden Schüler in den nächsten Jahren themenübergreifend lernen, sodass Lehrbücher, die ausschließlich auf einen Jahrgangs-, Fach- und Stoffbereich angelegt sind, langfristig unrentabel werden. Die einsetzende Digitalisierung der Lehrbücher durch E-Books bringt in dem Sinne zwar Vorteile mit sich und schont nicht zuletzt den Rücken der Schüler, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass E-Books letztendlich die digitale Version eines an sich inhaltlich stark eingegrenzten Lehrbuchs darstellen.

Online-Lernplattformen könnten Bücher komplett ersetzen
Einen Schritt weiter gedacht wäre es daher sinnvoll, sich gänzlich von dem Medium "Buch" zu lösen und stattdessen jahrgangsübergreifende Online-Lernplattformen in Betracht zu ziehen. Hier bestünde die Chance, den gesamten Lernstoff eines Schülerlebens auf einer einzigen Plattform zur Verfügung zu stellen und interaktiv zu verknüpfen. Die Fächer Mathe und Chemie würde dann nicht mehr eine ganze Lehrbuchsammlung trennen, sondern nur wenige Klicks. Von daher ist davon auszugehen, dass solche Lernplattformen in Zukunft fester Anwendungsbestandteil aller Lernenden sein werden. Ergo ist auch das E-Book von morgen nur eine Zwischenstufe auf dem Weg vom klassischen Lehrbuch hin zu fachübergreifenden, kontinuierlichen Inhaltslieferanten in Form einer Online-Lernplattform, die das Lernen von übermorgen maßgeblich gestalten wird.

2. Der Nachmittagsmarkt

Die digitale Revolution im Bildungsbereich findet nachmittags statt

Kreatives Unterrichten fernab von analogen, überholten Unterrichtsmethoden ist deshalb schon heute essenziell in einer Realität, in der das Internet fester integraler Bestandteil im Alltag der Schüler ist und die Sinne bereits früh auf digitale Inhalte gepolt werden. Anders als im Vormittagsmarkt hat diese digitale Revolution im Bildungsbereich den Nachmittagsmarkt bereits ordentlich aufgewirbelt. Mit mehr als zwei Millionen deutschen Schülern, die privat Nachhilfe in Anspruch nehmen, boomt dieser Markt bereits seit Jahren. Über 1,5 Milliarden Euro geben Eltern im Jahr für den zusätzlichen Unterricht ihrer Kinder aus, was sich in dem wenig regulierten Nachmittagsmarkt dank schneller Entscheidungswege besonders dynamisch niederschlägt. Die Anbieter digitaler Lehr- und Lernangebote sehen sich hier einer grundsätzlich offeneren und flexibleren Marktsituation ausgesetzt und stoßen mit vergleichsweise preiswerten Angeboten zugleich auf reges Interesse der Privathaushalte.

Ein attraktiver Markt und Experimentierfeld für B-to-C-Produkte und Services

Mit Online-Produkten lassen sich Preismodelle entwickeln, die das zentrale Bedürfnis der Kunden nach besseren Noten befriedigen und dabei so günstig sind, dass dadurch völlig neue Käufergruppen und -schichten erschlossen werden. Der oft kritisierten Chancenungleichheit in Deutschland, spürbar bei Familien mit geringem Einkommen, die von den Vorzügen der mitunter sehr teuren Nachhilfe nicht profitieren können, kann damit entgegengesteuert werden. Der Nachmittagsmarkt wird deshalb zum Sprungbrett der digitalisierten Bildung werden.
Mathe als Lernvideo (Bild: Sofatutor)
Bild: Sofatutor
Mathe als Lernvideo

Aufgrund der anspruchsvollen Nutzergruppen, die bereits digital gepolt sind, sowie dem stärker werdenden Wettbewerb, entstehen hier innovative Konzepte und Trends. Eine Entwicklung, die sich jetzt schon abzeichnet, ist das Ende des lange vorherrschenden Grundsatzes, dass die Qualität der Nachhilfe mit abnehmendem Preis automatisch abnimmt und generell nur gut ist, was auch viel kostet. Ähnlich wie beim E-Book können mit der Inanspruchnahme digitaler Vermittlungskanäle die Kosten diverser Ressourcen eingespart werden, ohne dass sich dies qualitätsmindernd auswirkt.

Nachhilfe anhand aussagekräftiger Lernvideos
Während beim E-Book die Kosten für Papier, Druck, Buchbindung und Vertrieb entfallen, profitieren Online-Nachhilfe-Angebote je nach Konzept vor allem davon, auf Anfahrtswege- und Kosten verzichten zu können und dem Kunden dafür einen flexiblen, selbstbestimmten Lernrhythmus zu ermöglichen. Noch profitabler ist es, die Nachhilfe auf Grundlage aussagekräftiger, online stets abrufbarer Lernvideos aufzubauen. Salman Khan Salman Khan in Expertenprofilen nachschlagen , ehemaliger Hedgefonds-Analyst und Gründer der Khan Academy, gilt international als bekanntester Vertreter dieses Nachhilfe-Konzepts per Online-Lernvideo. Er erreicht damit bisher mehr als 50 Millionen Nutzer weltweit.

Aber: Ein Schüler der 8. Klasse, der Schwierigkeiten in Mathematik hat, dürfte mit dem Stand seiner Englischkenntnisse wohl kaum eigenständig in der Lage sein, seine Lücken mit Hilfe einfach gestalteter, fremdsprachiger Videos zu schließen. Daher verfeinern deutsche Innovatoren wie etwa sofatutor.com die Idee der Nachhilfe via Onlinevideo bereits seit Jahren und fördern mit einer systematischen Curation der Inhalte, zusätzlichen Services wie Live-Chat und interaktiven Kontrollen durch Tests nach qualitativ hochwertigen Videos die dynamische Entwicklung des Nachmittagsmarktes.

Von der steigenden Konkurrenz digitaler Produkte auf dem Nachmittagsmarkt profitieren wiederum die Kunden: Um sich zu behaupten, nimmt die Qualität der bestehenden und entstehenden Produkte zu, während zugleich der Service erweitert und auf der Suche nach neuen, kundenfreundlichen Ideen innovativ gestaltet wird. Nichtsdestotrotz bleiben die vergleichsweise günstigen Preismodelle bestehen, um einer breiten Bevölkerungsschicht den Zutritt zu dem zu gewähren, was vielen lange versagt blieb: bezahlbare und zugleich erfolgsorientierte Nachhilfe.

Qualitativ hochwertiger Content als Garant für digitale Bildungsangebote

Die Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten auf dem Nachmittagsmarkt wird dementsprechend auch in Zukunft steigen und diesen erheblich vergrößern. Der maßgebliche Schlüssel, mit dem dieser Erfolg versprechende Ansatz weiterverfolgt werden kann, liegt letztendlich beim qualitativ hochwertigen Content, der diese Art von Bildung und individueller Förderung sicherstellt. Fest steht schon jetzt: Die Art, wie Bildung bisher funktioniert, wird durch die "digitale Revolution" in jedem Fall nachhaltig verändert; sowohl auf dem Vormittags- als auch auf dem Nachmittagsmarkt. Denn egal, in welcher Form sich das digitale Lernen durchsetzen wird, es ebnet für alle Bildungs- und Einkommensschichten den Weg für selbstständiges wie auch kostengünstiges Lernen und ermöglicht parallel dazu eine völlig neue, übergreifende Organisation des Lern- und Lehrprozesses.


Stephan Bayer, iBusiness Autor und Sofatutor Geschäftsführer (Bild: Sofatutor)
Bild: Sofatutor
Stephan Bayer, iBusiness Autor und Sofatutor Geschäftsführer
iBusiness-Autor Stephan Bayer Stephan Bayer in Expertenprofilen nachschlagen ist Gründer und Geschäftsführer von sofatutor.com Relation Browser , der größten Online-Nachhilfe-Plattform im deutschsprachigen Raum. Die Idee, eine Plattform für Lernvideos zu bauen, entstand während seiner eigenen Prüfungsvorbereitung im BWL-Studium.

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Trackbacks / Kommentare
Von: Gerald Rusche Rusche, GERUWEB Relation Browser Zu: Flipped Classrooms: Wie wir unsere Kinder aus der Kreidezeit befreien 19.06.12
Meine Tochter ist seit knapp drei Jahren in einer Notebook-Klasse (Modellversuch Niedersachsen) Die Noten, die Entwicklung und das Arbeitsverhalten unterscheidet sich nicht wesentlich von denen die nur aus Büchern lernen. Einzig die soziale Kompetenz wird von Lehrern als etwas höher bewertet. Allerdings kann die Notebook-Klasse durchgängig mit Word, Powerpoint, und einige sogar mit Photoshop und Sony Vegas umgehen, wie viele Erwachsene nicht.
Am Elternsprechtag präsentierten die Achtklässler am Whiteboard in Powerpoint, wie ich das von professionellen Vertrieblern und Marketeer bisher äusserst selten gesehen habe.
Allerdings gab es viel Gegenwehr im Lehrer-Kollegium. Doch jetzt kommen an der Schule iPAd-Klassen neu hinzu. Die Zukunft können auch Lehrer nicht aufhalten. Das war in den 70gern mit den Taschenrechnern schon so ;-)
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