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iBusiness out in Africa: Zu viel Staub, ein Sieg als Niederlage und ein ganz anderes Schulprojekt

22.11.13 Wie bringt man das Internet nach Afrika? Das ist gar nicht so schwer, wie es sich anhört. Mit flächendeckendem Glasfaser in den Großstädten, einem intensiven Mobilfunkwachstum und guten IT-Jobs. Aber wie bringt man Internet in die ländlichen Regionen? Das hingegen ist tricky. Vor allem, wenn da noch eine globale Schuldenkrise ist. Das mussten auch wir lernen.

Tafelanschrift in dem IT-Telezentrum in Byangabo: IT-Lehrerausbildung muss bei den Basics beginnen (Bild: Joachim Graf)
Bild: Joachim Graf
Tafelanschrift in dem IT-Telezentrum in Byangabo: IT-Lehrerausbildung muss bei den Basics beginnen
Veranstaltungen in Afrika sind langwierig. Man kann sich das ein bisschen so vorstellen wie eine Podiumsdiskussion, bei der sämtliche Fragesteller im Publikum ausführliche eigene Referate halten - und man selbst auf dem Podium sitzt. Es macht es nicht einfacher (oder spannender), wenn man die Sprache nicht spricht.

Ich sitze im IT-Telezentrum T.CommIT in Byangabo, am Fuß der 4000 Meter hohen Vulkane im Norden von Ruanda, westlich der Provinzhauptstadt Musanze. Die Macher des Telezentrums wollten vor rund zwei Jahren für Frauen und Mädchen eine sechsmonatige IT-Ausbildung anbieten. Ziel war es, sie zu "ICT-Fachfrauen in Anwendungssoftware" zu machen. So etwas ähnliches wie Bürokaufleute hierzulande. Die Idee dahinter: Es gibt in der Region einerseits viele Kleinunternehmen, die IT-kompetente Bürokräfte einstellen wollen. Und andererseits viele Mädchen, die nach ihrer neunjährigen Primärschule arbeitslos sind. Denn öffentliche Berufsschulen gibt es in Ruanda nicht. Weil sich aber nicht jedes Mädchen die exorbitanten Ausbildungskosten in Höhe von 120 Euro für sechs Monate Vollzeitausbildung leisten kann, (Bafög gibt es in Ruanda nicht) haben wir Spenden gesammelt. Und selbst gespendet. Für ein selbstverwaltetes Mikrokreditprojekt namens IT-Ausbildungspatenschaft für Byangabo zur Homepage dieses Unternehmes Relation Browser . Insgesamt über 3.000 Euro sind zusammengekommen, die das Telezentrum bekommen hat, um die IT-Ausbildung der Mädchen zu finanzieren. Dann wird die Rückzahlung eingesammelt. Um dann die nächsten Mädchen zu finanzieren.

In der Stunde vor dieser Veranstaltung haben wir erfahren: Das Projekt ist nicht so gut gelaufen, wie wir uns das gedacht haben. Die gute Nachricht: 30 Mädchen sind ausgebildet worden, weitere sieben sind zur Zeit in der Ausbildung. Insgesamt 15 davon haben den Mikrokredit in Anspruch genommen - der Großteil davon hat überhaupt nur deswegen die Ausbildung angefangen. Das ist die gute Nachricht.

Allerdings das mit der Rückzahlung hat nicht funktioniert. Ein Mädchen hat geheiratet und ist weggezogen. Uneinbringbar. Drei stottern ihre Raten noch ab - deutlich langsamer, als geplant, weil im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise und der starken Inflation hier auf dem Land nur sehr niedrige Löhne gezahlt werden. Und 12 weitere Mädchen fanden die Ausbildung so toll, dass sie sich zusammen geschlossen haben, um ebenfalls ein Telezentrum aufzumachen. In Nyabihu, im Süden des Landes. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht: Unser schön ausgedachtes Projekt hat nicht funktioniert. Weil Selbstständige Probleme haben, Kredite zurückzuzahlen. Weil parallel die katholische Kirche beschlossen hat, dem Projekt des Telezentrums Konkurrenz zu machen - mit einem kostenlosen Kurs. Weil die Rückzahlung der Mikrokredite in IT-Jobs im ländlichen Ruanda deutlich schwieriger ist, als von allen gedacht. Deswegen hat das Telezentrum das Mikrokreditprojekt gestoppt und das Geld in Ersatz-Hardware investiert, die wegen dem immer fliegenden Staub kaputt gegangen war.

Jetzt sitzen wir vor den neuen Kunden des Telezentrums: 4 Direktoren und 2 Direktorinnen von Grund- und Mittelschulen aus den Bergdörfern zwischen Musanze und Gisenyi an der kongolesischen Grenze. Und sie alle haben ein Problem: Ruanda will in den kommenden Monaten und Jahren One Laptop per Child zur Homepage dieses Unternehmes Relation Browser flächendeckend umsetzen. Und die Schulen wollen darauf vorbereitet sein. Allerdings: Es gibt in diesen Dorfschulen keinen Lehrer, der die Kinder in Computer und Internet unterrichten kann, wenn sie dann die begehrten OLPC-Notebooks bekommen.

Nötig ist also eine IT-Lehrerausbildung für die Region. Insgesamt zwischen 30 und 60 Lehrer sollen die grundlegenden Computerkenntnisse von den Experten des Telezentrums vermittelt bekommen. Allerdings: Die Schulen haben kein Geld dafür, das Bildungsministerium im fernen Kigali hat flächendeckend die Mittel eingefroren - Wirtschaftskrise und so weiter. Und der anwesende Gemeinderat winkt ab. Mit sehr vielen Worten zwar, aber eindeutig: Die Gemeinde könne die horrende Summe von umgerechnet 10 bis 20 Euro pro Lehrer nicht tragen - schon gar nicht für die Nachbargemeinden.

Während ich auf dem Podium auf meinem Hintern unruhig hin- und herrutsche, tausche ich SMS mit München aus. Nach einem halben Dutzend Nachrichten mit meinem Partner Daniel Treplin Daniel Treplin in Expertenprofilen nachschlagen ist klar: Der HighText Verlag übernimmt die Kosten für die OLPC-Lehrerausbildung in Nord-Ruanda - sozusagen anstelle von Kunden-Weihnachtsgeschenken.

Ich bekomme Applaus für meine Ankündigung. Am lautesten neben Telezentrums-Chef Claude klatscht übrigens der Gemeinderat. Es klingt irgendwie erleichtert.

Übrigens: Wenn Sie mithelfen wollen, Lehrer in Ruanda auszubilden, dass diese Schüler (und andere Lehrer) in Sachen IT-Kompetenz weiterbilden können, dann können Sie auch spenden: Ruandische Diaspora in Deutschland (Kto/IBAN DE74370501980009582974 bei der Sparkasse Köln/Bonn, Verwendungszweck: "OLPC-Lehrerausbildung").

(Autor: Joachim Graf)

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