Wie man SEO-Märkte erobert: Fünf Strategien für fünf Umfelder
24.02.11 Wer als SEO vor einem neuen Projekt steht, der möchte natürlich von Anfang an wissen, wie schwer es sein wird die Konkurrenz einzuholen. Dabei lassen sich einige Idealtypen von SEO-Konkurrenzsituationen erkennen, wie sie oft in den Suchergebnissen vorkommen.
1. Der Loser-Markt
Ausgangssituation:In diesem Markt halte ich mich sehr gerne auf: Die Konkurrenz schläft und niemand in den Top10 betreibt wirklich professionelles SEO. Die letzten Backlinks der Konkurrenz sind Webkatalogeintragungen aus dem Jahr 2007 und schon allein anhand von Shopsystemen (OScommerce der letzten Generation und nie geupdatet) sieht man, wie altbacken die Suchergebnisse sind. Oft befindet man sich hier in einer extrem kleinen Nische mit sehr spezialisierten Webseiten. Die Konkurrenz hat meist sehr wenige Backlinks und Linkbuilding-Anstrengungen liegen Jahre zurück. Doch Vorsicht: Solche Domains können eine Menge Trust aufgeladen haben und das Überholen eines solchen "alten Hasen" sieht oft auf den ersten Blick einfacher aus als es tatsächlich ist.
Vorgehen:
Besonders wichtig ist hier ein natürlicher Linkaufbau, der natürlich aussieht, riecht und schmeckt (aber es niemals ist, liebe "SEO-Vertriebler-Freunde des natürlichen Linkaufbaus"!). Wer allzu aggressiv vorgeht, der wird sich hier ein blaues Auge holen, daher sollte man lieber nach dem Prinzip "Eile mit Weile" vorgehen.
2. Der Trust-Markt
Ausgangssituation:Der zweite Markt sieht auf den ersten Blick oft aus wie ein Loser-Markt, aber es ist keiner. Auch hier sind die Seiten veraltet und unoptimiert, aber die Backlinks haben es in sich. Besonders oft sieht man hier klassische Offline-Marken: Schlecht Onpage-optimiert, aber mit einer Menge Trust-Backlinks von Kooperationspartnern, Presse und einfach aus der Tatsache heraus, dass man diese Marke oft verlinkt.
Hier sollte man schon ein wenig aggressiver vorgehen, denn man hat eine Menge aufzuholen. Gleichzeitig sollte man darauf achten, ständig auf etwa dem gleichen Trust-Level wie die Konkurrenz mitzuspielen. Das kann sich als sehr schwierig bis sogar unmöglich erweisen. An Links von Traditionsmarken kommt man schlecht heran und dass so gut wie jede deutsche Zeitung online über eine neue Webseite berichtet passiert auch sehr selten. Jahrelang gewonnenen Trust mal eben innerhalb von ein paar Monaten nachzubauen ist in manchen Branchen unmöglich. Nicht zuletzt aufgrund der Brand-Updates hat der alte Mitbewerber oft einen unglaublichen Vorteil. Hier muss auch die Markenstrategie stimmen. Unmöglich ist jedoch nichts und mit ein wenig gezielter und andauernder SEO-Arbeit kann man auch hier gute Erfolge erreichen.
3. Der Platzhirsch-Markt
Ausgangssituation:Hier finden wir einige sehr gut etablierte Mitbewerber vor. Alle haben SEOs oder SEO-Agenturen und neben zwei bis drei Platzhirschen gibt es noch rund ein Dutzend kleinerer Mitbewerber. Der Linkgraph sieht meist (zum Glück) recht stabil aus: Die jeweilige Agentur hat im Jahr 2007 ihren Kunden nach vorne gebracht und legt seitdem die Füße hoch.
Vorgehen:
Ganz einfach den Abstand in Sachen Links kleiner machen bis man die Mitbewerber überholt. Aber Vorsicht! Wir sprechen hier von etablierten Online-Unternehmen. Die Chefs dieser Unternehmen werden aktiv sobald ihr ihnen in den Suchergebnissen zu nahe kommt oder sie gar überholt. In der Regel wird dann der SEO-Agentur in den Hintern getreten oder eine neue Agentur eingestellt. Sehr schnell kann sich dann wieder Linkbuilding seitens des Wettbewerbs einstellen, das oft budgetmäßig auch sehr hoch angesetzt wird (etablierte Unternehmen haben mehr Geld als "Aufsteiger"). Als Aufsteiger muss man dann zusätzlich zu den "Aufhol"-Links noch die neuen Links des Mitbewerbers toppen.
4. Der High-End-Markt
Ausgangssituation:Das sind die Kür-Disziplinen des SEO. Hier reden wir von den Top-Keywords und Top-Branchen, von großen Unternehmen, guten SEO-Agenturen und ganzen Inhouse-Teams, gegen die man antritt. Hier will jeder "mehr" und Stagnation ist für den Auftraggeber beziehungsweise Chef ein Verlust. Bis in die Top-30 hinein hat man es hier mit ernsthaften Mitbewerbern zu tun. Als völliger Neuling im Markt kann man schon mal gute zwei Jahre mit der Etablierung der Webseite in Anspruch nehmen. Wenn man dann auf Augenhöhe ist, kann man sich auch nie zurücklehnen. Die Konkurrenz sieht jeden neuen Link, holt selbst neue und der gesamte Markt ist die reinste Materialschlacht.
Hier geht es aber nicht nur um Material (=Links), sondern auch um politische Entscheidungen. Hat das Unternehmen auf Platz eins einen neuen SEO-Leiter? Hat er nichts drauf? Dann freut euch! Kleinste Details in Sachen Onpage-Optimierung, das Zusammenspiel von Programmierern und SEOs und der Rückhalt seitens der Firmenleitung, insbesondere in Budgetfragen sind hier teilweise wichtigere Faktoren als das reine SEO. Die SERPs sind teilweise recht stabil, teilweise aber auch sehr volatil: Bei Fehlern wird man sehr schnell bestraft. Die SEO-Taktiken sind bei (fast) allen immer auf dem neuesten Stand. Aus diesem Markt kommen auch die Innovationen im SEO-Bereich. Gleichzeitig gibt es hier oft auch spektakuläre Abstrafungen. Das greift Hand-in-Hand: So manche innovative SEO-Taktik wird Google
nach kurzer Zeit zu bunt. Aus dem klaren Vorsprung wird dann ein Grund für eine Penalty.
Vorgehen:
Sehr aggressives Vorgehen ist hier unerlässlich. Als persönliche Grundeinstellung gehört vor allem "Geduld" zu den wichtigsten Tugenden. Ob Inhouse-SEO oder Agentur: Man muss sich im Klaren sein, dass man lange kein Land sehen wird. Nicht nur SEO entscheidet hier das Rennen: Auch Mehrwert und andere Marketingkanäle sind wichtig. Budget, persönliche Eignung des SEOs und Position von SEO im Unternehmen müssen stimmen - wer hier Nachteile hat, der hat kaum eine Chance.
5. Der Affiliate-Markt
Ausgangssituation:Hier ist einer schlechter als der andere. Meist handelt es sich hier um etablierte Märkte, die aber von reinen SEOs oder Affiliates betrieben werden. Beim Ansehen der Backlinks wird einem schlecht und die Seiten schreien geradezu nach Affiliate. Oft gibt es einfach keine anderen Mitbewerber und Google kann nur zwischen Not und Elend entscheiden.
Vorgehen:
Mehrwert schaffen. Wer mehr Informationen / Hintergründe / News als andere bietet, der ist klar im Vorteil. Dann reichen einige wenige Links aus um die Mitbewerber zu überholen.
Mischformen
Es gibt in der freien Wildbahn fast nur Mischformen dieser Märkte und verschiedene Marktteilnehmer treten in den gleichen Märkten auf. So kann eine schlechte Affiliate-Webseite im Loser-Markt durchaus gut da stehen, während sie im High-End-Markt völlig untergehen würde. Ebenso kann es in einem Loser-Markt auch eine High-End-Webseite mit Inhouse-Team und professionellem SEO geben - dann wird das Erreichen von Platz zwei sehr einfach, während Platz eins immense Anstrengungen bedeutet. Natürlich geht es auch immer um Keywords: Nicht jedes Keyword ist unglaublich hart umkämpft - aber in ausgewachsenen High-End Märkten (Immobilien, Finanzen, Versicherungen) findet man sehr oft die gleichen zehn bis zwanzig Marktteilnehmer.
iBusiness-Autor Julian Dziki
(Autor: Sebastian Halm)
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