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Zweitkarriere Business Angel: Wie CEOs zu Engeln mutieren
21.10.11 Wenn aus dem eigenen Start-up ein erfolgreiches Unternehmen geworden ist, dann kommt für viele Eigner der Zeitpunkt, um weiterzuziehen. Manche gründen neue Unternehmen in Folge. Andere geben ihre Erfahrung weiter, investieren und werden Business Angels. Was diese sich von der Meta-Karriere versprechen und wie es genau funktioniert, wenn man eigenes Geld in Start-ups steckt.
Dass der Suchmaschinenriese Gründerfirmen fördert, liegt auf der Hand, zumal es die eigene Branche betrifft. Trotz Milliardenumsätzen versucht man das Unternehmen stets nahe am Start-up-Flair zu halten. So können Google-Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte verwenden. Und sollte ein Googlianer dennoch die Suchmaschine zum Zweck der Selbstständigkeit verlassen, gibt es ja noch den hauseigenen Wagniskapitalisten.
Nicht jedes Internet-Unternehmen kann sich abseits des Tagesgeschäfts im Venture-Capital-Umfeld engagieren. Noch dazu hat in Deutschland die Kombination aus klassischem Internetgeschäft und Wagniskapital-Engagement Seltenheitswert. Die Telekom
-Tochter T-Ventures
oder DW Capital
, die Beteiligungsgesellschaft der Denkwerk-Agenturgruppe
sind die Ausnahmen. Wesentlich häufiger sind individuelle VC-Karrieren: Aus dem erfolgreichen Agenturgründer oder Internet-Unternehmer wird ein Business Angel.
Aber auch Prominente wie der US-Schauspieler Ashton Kutcher
, der das Berliner Start-up Amen
mit zwei Millionen Dollar sponsert
oder gar Milliardäre wie Deutschlands reichste Frau - Susanne Klatten
, die sich an einem extra von der TU München
angelegten Fonds für Gründerunternehmen beteiligt, agieren als Investoren. Nach Ansicht
der Quandt-Erbin fehlt es in Deutschland weniger an Ideen, sondern an der Bereitschaft von Investoren, mit jungen Unternehmen ein Risiko einzugehen, so die Motivation der Milliardärin.
Neugründungen brauchen nicht nur beim Aufbau des Unternehmens und der Entwicklung des Produkts finanzielle Unterstützung, sondern vor allem für eine zügige internationale Markteinführung, um nicht von größeren Konzernen nachgeahmt und abgehängt zu werden, so die gereifte Erkenntnis von Beratern und Marktbeobachtern. Und genau hier kommen die Business Angels ins Spiel.
Nicht selten handelt es sich dabei um erfolgreiche Unternehmer wie den Gründer des Browser-Gaming-Portals Bigpoint
, Heiko Hubertz
, die ihre Kompetenz und ihre Erfahrung aus den Gründerjahren in die Waagschale werfen und aktiv Start-ups fördern. Sie werden zu Business Angels, nutzen ihre Netzwerke für die auserwählten Start-ups und werden damit teils zum Zweit-und Drittunternehmer. Manche schließen sich zusammen und machen auf sich aufmerksam, andere agieren eher verborgen und werden umworben.
"Business Angels investieren ihr Geld, um einen hohen Return zu bekommen", sagt Olaf Jacobi
von Target Partners
, der selbst mehrere Jahre in jungen Unternehmen im IT- und Internet-Bereich in dieser Funktion tätig war und jetzt als Venture Partner aktiv ist. Wenn sich ein Start-up gut entwickelt, "dann lohnt es sich für einen Business Angel", versichert Jacobi, der zugleich auf die drei wichtigsten Voraussetzungen für eine Beteiligung an einem Star-tup hinweist:
- Wachstumspotenzial
- Gute Technologie oder Business-Case
- Gutes Team
Für Jacobi steht fest: in Deutschland gibt es deutlich zu wenig Venture-Capital-Geld. Die Spannbreite der Beteiligungssummen liege etwa zwischen 50.000 Euro aufwärts auf Seiten der Business Angels bis zu zehn Millionen Euro bei den Beteiligungsgesellschaften. Gute Chancen also für engagierte Geschäftsführer, denen ihr eigenes Geschäft vielleicht nach ein paar Jahren zu langweilig oder zu berechenbar geworden ist, und die als Business Angel mal wieder Start-up-Luft spüren wollen - oder die einfach Erfahrung weitergeben wollen.
Gute Chancen für angehende Business Angels
Target Partners hat sich nach eigenen Angaben zusammen mit dem bestehenden Investor Earlybird Venture Capital soeben in einer sogenannten Series-B-Finanzierungsrunde mit insgesamt vier Millionen Euro am Social-Gaming-Unternehmen Crowdpark Crowdpark
Ein Beispiel für ein erfolgreiches Investment. Doch das ist eher die Ausnahme. "Es geht viel schief", sagt Reinhard Hoffmann
, Vorstandsvorsitzender der TowerVenture
in Jena, ein Zusammenschluss von zwölf ehemaligen Gründern und heutigen Business Angels. "Die Risiken liegen nicht nur in der Idee, sondern auch in den Marktumständen, den Gründern und den Mitfinanzierern", verrät Hoffmann, der seit 2007 inzwischen zehn Investments mit seinen elf Kollegen begleitet hat. Er kooperiert zugleich in einem Netzwerk Thüringer Business Angel
(TüBA). Denn, so Hoffmann: Business Angels stehen nicht in Konkurrenz zueinander.
Von den von ihm betreuten Start-ups seien drei gut bis sehr gut gelaufen, zwei seien liquidiert und der Rest bilde das Mittelfeld, so die durchwachsene Bilanz bei den Jenaern, die aber sogar besser ist als die eines durchschnittlichen Wagniskapitalisten.
Wie Business Angel und Start-up zusammenfinden
Start-up-Finanzierung per Wagniskapital ist wie ein Heiratsmarkt: Ein Gründerteam, das sich aus eigener Kraft nicht finanzieren kann, sucht sich Investoren aus. Investoren umgekehrt entscheiden sich für die aus ihrer Sicht vielversprechendsten Unternehmen, erzählt Florian Kamps, der als Gründer des Start-ups Pactas
zwar einen Investor fand, nach nur acht Monaten vor der Liquidation steht. "Ohne persönliche Kontakte läuft nicht viel", weiß Kamps, der in der Research-Phase häufig auf Branchenevents unterwegs war und sich "von Ast zu Ast" hangelte, wie er selbst beschreibt. Wenn das Gründerteam die Hürde des Erstkontakts bewältigt, hat es die Chance Team, Idee, Produkt und Geschäftsmodell vorzustellen.
Der persönliche Kontakt ist ein "Türöffner", heißt es von Beratern, Gründern und Investoren. Wichtig ist, dass der Gründer in der Lage ist sein Geschäftsmodell in "knappen und klaren Worten", darzustellen, erklärt der Berater und Dozent Prof. Oliver T. Hellriegel
. Am schlimmsten sei es, wenn beim Kennenlernen ein "Rundflug" stattfindet, so Hellriegel. "Der berühmte Elevator Pitch ist nach wie vor wichtig: Zu zeigen warum ich besser bin als die anderen."
Nicht selten handelt es sich bei den Gründern um ausgezeichnete Erfinder oder Ideengeber, die aber zugleich nicht in der Lage sind, ihr Unternehmen derart zu präsentieren, dass der Funke beim potenziellen Kapitalgeber überspringt. Das ist auch für einen frischgebackenen Business-Angel-to-be schwierig: "Wenn das Gespräch schief geht, gibt es keine zweite Chance", weiß Entrepreneur Hellriegel. Und das gilt für beide Seiten.
Es müsse beiden Seiten gelingen, sich gegenseitig klar zu machen, dass man für den jeweils anderen der richtige Investmentpartner ist. Danach ist alles weitere ein funktionaler Ablauf, in dem festgelegt ist, welche Mittel wie, wann wohin fließen.
Ein Business Angel hilft mit. Ein Wagniskapitalist investiert
Doch der Weg zum Break-even ist lang. Problem für den Gründer: Wenn der Investor nicht mehr mitzieht, ist es aus eigener Kraft nicht länger durchzuhalten. Es ist für alle Seiten häufig besser einen Neuanfang zu starten "wenn die im Beteiligungsvertrag definierten Meilensteine nicht komplett erfüllt sind", weiß Kamps aus der jüngsten eigenen Erfahrung. Doch auch die Option, nach einem neuen Investorzu suchen erweist sich meist als sehr schwierig, weil ein komplettes neues Setup notwendig wird. Zudem habe man keine drei bis vier Monate Zeitpuffer, um dies zu erreichen. Die einzige Option ist - wie bei Kamps - die Liquidation.Wenn statt einem Wagniskapitalisten ein Business Angel investiert, bekommt man, so die Erfahrung vieler Gründer, die Kuh einfacher vom Eis. VC-Firmen sind eher mit Banken vergleichbar, Business Angels sind zuallererst Unternehmer, die neben Geld auch Herzblut investieren müssen. Denn ein Start-up, das man als Business Angel nicht liebt, sollte man ohnehin den prozessgetriebenen VCs überlassen.
Es geht um viel mehr als nur um das reine Geld
Ob man der richtige Investor für ein Unternehmen ist, hängt davon ab, in welcher Finanzierungsphase es sich befindet. Seed-Kapital und Early-Stage-Kapital sind für Business Angels ideal. Zum einen wird weniger Geld benötigt. Zum anderen geht es in diesen frühen Phasen um viel mehr als nur um das reine Kapital, meint Oliver Hellriegel. Wichtiger sei es, das Knowhow zur Verfügung zu stellen. Es gilt das Asset Knowhow gewinnbringend für ein Unternehmen einzusetzen, als "unterstützende Komponente" die letztlich den USP eines Business Angels ausmacht. "Junge Unternehmen profitieren davon, jemanden an der Seite zu haben, der das schon mal gemacht hat", so Hellriegel. "Solche Erfahrungen setzt ein Business Angel mehr ein als der klassische Venture-Capitalist (VC)", dem es häufig einfach nur um reines Geld gehe.
Große Wagniskapital-Unternehmen sind dann sinnvoll, wenn es um die Finanzierung von Expansion oder gar Internationalisierung geht. Eine ganze Reihe auch von deutschen VC-Unternehmen steigen überhaupt erst ein, wenn eine zwei- oder dreistellige Millionensumme benötigt wird. Gründer und Business Angel werden in solch eine Phase gemeinsam vorgehen, um so ein großes Rad zum drehen zu bringen.
Business Angels sollten nicht mit den großen Geldbuden konkurrieren, sondern sich auf das konzentrieren, wo sie gut sind: Bei der sogenannten "Smart Money" geht es nicht um die nominale Summe, sondern um intelligentes Geld, das Erfahrungs-Kapital der Business Angels. "Das Ziel eines Business Angels sollte sein, Knowhow und Geld dergestalt ins Business zu investieren, dass es erfolgreich ist", betont Hellriegel. Deswegen ist es für einen Business Angel sinnvoll, nur in solche Start-ups zu investieren, in denen er selbst auch Erfahrung und ein funktionierendes Netzwerk hat.
Die Thüringer haben mit ihrem Modell der Business-Angel-Kooperation natürlich auch einen höheren Dealflow im Visier. So werden zum einen die Risiken verteilt und zum anderen kann das TowerVenture-Team auch das zwölffache an Investments erzielen. "Im erfolgreichen Fall wird der Return allerdings auch unter mehr Beteiligten aufgeteilt", sagt Hoffmann.
| Bestandteile eines Beteiligungsvertrags |
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Wenn Business Angels ins Spannungsfeld zwischen Kreativität und Unternehmertum geraten
Nicht jeder junge Unternehmer, der eine "tolle Idee" hat, möchte von jemandem gesponsert werden, der ihm sagt, wie sein Business am besten funktioniert, weiß Oliver Hellriegel. Schnell kann ein Gründer den Eindruck gewinnen, "es sitzen zu viele Alphatiere am Tisch und er hat nichts mehr zu sagen". So subjektiv die Wahrnehmung des Gründers auch ist, das Kunststück besteht darin, den "Smart-Money-Geldgeber auch mit demjenigen Gründer zusammenzubringen, der nur Geld möchte und keine Management-Expertise", unterstreicht Hellriegel.
Vor allem müsse den Jungunternehmern klargemacht werden, dass ihre Kreativität unangetastet bleibt. Selbstredend: denn jeder Business Angel weiß, dass der Erfolg maßgeblich von den Ideen lebt.
Während sich ein klassischer VC gar nicht erst in die Führungsbelange des Unternehmens einmischt, kümmert sich ein Business Angel mit Smart-Money-Ambitionen immer darum, was der Gründer braucht, damit dieser sich kreativ entfalten kann, so das Grundmotto. Leitmotiv ist die Erkenntnis, dass die klassische Unternehmensführung oft die kreative Entfaltung behindert.
Die menschliche Komponente ist ausschlaggebend. Denn wenn die Seiten kompatibel miteinander sind, können die Spannungen rund um die Unternehmensführung leichter bewältigt werden. Die persönliche Ebene, die über das reine Investment hinausgeht, wird so zum entscheidenden Faktor. Doch klar ist auch, dass es keinen Businessplan gibt, der der Realität standhält. "Damit, dass der Businessplan angepasst werden muss, können viele nicht umgehen", bestätigt Reinhard Hoffmann, der vor allem weiß, dass es die Realität und die Gründerpersönlichkeit sind, die Projekte scheitern lassen.
Welche Regelungen Business Angels und Gründerunternehmen treffen
Klassische VCs wollen skalieren, Business Angels nicht minder, jedoch nicht im klassischen Multiple-Verfahren. Sie investieren etwa einen Teil des Geldes in das Unternehmen, um nominale Anteile zu erhalten, den Rest stellen sie als Darlehen zur Verfügung, das über einen bestimmten Zeitraum zu einem bestimmten Zinssatz zurückgezahlt werden muss.
Im Zentrum steht die Frage wie die Anteile verteilt werden. "Wenn ein Business Angel einen 51-Prozent-Anteil bekommt, ist es anders als bei einer Minoritätsbeteiligung von zehn Prozent", so Hellriegel. Die Spannbreite der Beteiligung startet im sechsstelligen Bereich; nach oben sind keine Grenzen gesetzt, bis in den siebenstelligen Bereich kann das Investment reichen. Bei kleineren Beträgen ist es oft sinnvoller mit "Friends-and-Family"-Modellen zu starten, plädiert Hellriegel.
Je nachdem wie der Gesellschaftervertrag ausgestaltet ist, kann es auch vorkommen, dass bei einem Scheitern des Jungunternehmers ein Business Angel das Geschäft weiterführt, erzählt Alexander Hüsing. Schließlich agieren Business Angels auch als "ganz normale Gesellschafter des Unternehmens." Umgekehrt zieht sich der Business Angel sukzessive aus dem Unternehmen zurück, sobald eine zweite Managementebene erfolgreich etabliert wurde. Dann ist ja auch meist die Faszination des Gründens vorbei. Der Engel kann weiterfliegen.
Auf einen eher bitteren Aspekt des Geschäfts der Business Angels weist Reinhard Hoffmann hin: "Aus steuerlichen Gründen ist Venture Capital nicht besonders marktgemacht, weil die Verluste schlecht geltend zu machen sind." Es gibt noch immer keine steuerliche Unterstützung dafür, daher ist das Verlust-Risiko extrem groß."Es sollte mal ein Gesetz geben - das Wagniskapitalgesetz", dies sei aber verpufft.
Nichtsdestotrotz wollen die Thüringer weiter die Lücke füllen, die zwischen den Investments von halbstaatlicher und von staatlicher Seite besteht. "Wir wollen uns auch Projekte ansehen, für die sich andere nicht interessieren", so Hoffmann, der weiß, dass es andere Investoren, die noch hadern, durchaus bestärkt, wenn sich ein Business Angel mit einer kleineren Summe beteiligt.
Von der wahren Mentalität der Business Angels
Dem Business Angel geht nicht in erster Linie um sich selbst, sagt Oliver Hellriegel aus Erfahrung. "Es geht darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben." Es gilt das Motto: "Ich war schon erfolgreich und habe bewiesen, wie es geht und will von meinem Knowhow etwas an die nachfolgendene Generation weitergeben". Hellriegel spricht von einem "agieren im Hintergrund", und weiß zugleich, dass es auch solche Business Angel gibt, die es für den eigenen Lorbeeerkranz tun. Doch die Mehrheit der Angels handelt andersherum, ist sich der Berater sicher. Da gehe es nicht um den Egotrip sondern darum, die Erfahrung zu vermitteln. Eine Mentalität, die vor allem in den USA zuhause ist. Dort wollen erfolgreiche Unternehmen auch ihren Teil dazu beitragen, anderen Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen.
Apropos Erfolg: Muss sich der gleich beim ersten Mal einstellen? Gibt es keine zweite Chance? Während hierzulande ein erstes Scheitern besonders kritisch beäugt wird, ist in den USA selbst dies kein Manko. Im Gegenteil: Es gehört zum erfolgreichen Unternehmertum, weil man aus dem Scheitern lernen kann. Das macht es den Gründern in den USA leichter, an Geld zu kommen. Florian Kamps von Pactas wird ganz sicher seine zweite Chance suchen, wie er selbst bestätigt: "Sonst wäre ich kein Unternehmer."
(Autor: Markus Howest)
- 1. Teil: Zweitkarriere Business Angel: Wie CEOs zu Engeln mutieren
- 2. Teil: Markus Howest: Mehr als nur reine Kapitalgeber
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