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Spionage, Sabotage, Datendiebstahl: Deutscher Wirtschaft entsteht jährlich ein Schaden von 55 Milliarden Euro

24.07.17 Mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland (53 Prozent) sind in den vergangenen beiden Jahren Opfer von Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Dadurch ist ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro pro Jahr entstanden.

  (Bild: 3844328/ Pixabay)
Bild: 3844328/ Pixabay
Laut einer Studie des Bitkom ist der Anteil der Betroffenen binnen zwei Jahren leicht von 51 auf 53 Prozent gestiegen, der Schaden ist zugleich um rund acht Prozent von 51 auf 55 Milliarden Euro gewachsen. In jedem sechsten Unternehmen (17 Prozent) wurden in den vergangenen zwei Jahren demnach sensible digitale Daten gestohlen. Vor allem Kommunikationsdaten wie E-Mails (41 Prozent) sowie Finanzdaten (36 Prozent) fielen dabei häufig in die Hände der Angreifer. In 17 Prozent der Fälle von Datendiebstahl wurden Kundendaten entwendet, in 11 Prozent Patente oder Informationen aus Forschung und Entwicklung, in 10 Prozent Mitarbeiterdaten.

Die Angreifer haben es aber nicht immer ausschließlich oder direkt auf digitale Daten abgesehen. Häufigstes Delikt ist der Diebstahl von IT- oder Telekommunikationsgeräten wie Notebooks oder Smartphones. Davon waren 30 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren betroffen, wobei in der Regel unklar ist, ob die Täter es auf die Geräte an sich oder auf die darauf gespeicherten Daten abgesehen haben. Rund jedes fünfte Unternehmen berichtet von Social Engineering (Analoges Social Engineering 20 Prozent, Digitales Social Engineering 18 Prozent). Dabei werden Mitarbeiter manipuliert, um an sensible Informationen zu kommen, mit denen dann in einem weiteren Schritt zum Beispiel Schadsoftware auf die Firmenrechner gebracht werden kann. Jedes achte Unternehmen (12 Prozent) ist Opfer von digitaler Sabotage geworden, durch die zum Beispiel die Produktion gestört wurde. Acht Prozent berichten vom Ausspähen der digitalen Kommunikation wie E-Mails, sieben Prozent vom Abhören von Telefonaten oder Besprechungen. Klassische analoge Angriffe kommen demgegenüber eher selten vor. So wurden 17 Prozent der Unternehmen Opfer eines klassischen Diebstahls von Dokumenten wie Papieren, Mustern oder Bauteilen, in lediglich vier Prozent der Unternehmen wurden Produktionssysteme oder Betriebsaufläufe auf analogem Weg sabotiert und lahmgelegt.

Täter sind besonders häufig aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. 62 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl wurden, haben die Täter in diesem Personenkreis identifiziert. 41 Prozent der betroffenen Unternehmen machen Wettbewerber, Kunden, Lieferanten oder Dienstleister für die Angriffe verantwortlich, 21 Prozent Hobby-Hacker und sieben Prozent Personen aus der organisierten Kriminalität. Ausländische Nachrichtendienste wurden in 3 Prozent der Unternehmen als Täter identifiziert. Sieben Prozent der Unternehmen geben an, dass die Täter unbekannt waren. Jedes dritte von Angriffen betroffene Unternehmen (37 Prozent) berichtet, dass die Täter aus Deutschland kamen. Der Großteil der Angriffe aber kommt aus dem Ausland: 23 Prozent der Unternehmen berichten von Tätern aus Osteuropa, 20 Prozent aus China und 18 Prozent aus Russland. Erst danach folgen die USA (15 Prozent), die Summe aller westeuropäischen Länder (12 Prozent) und Japan (7 Prozent).

Nicht einmal jedes dritte betroffene Unternehmen (31 Prozent) schaltet staatliche Stellen ein. Eine interne Untersuchung haben 46 Prozent der Unternehmen eingeleitet, externe Spezialisten wurden von 34 Prozent hinzugezogen. Überhaupt keine Untersuchung wurde nur von 3 Prozent der Betroffenen veranlasst, vor zwei Jahren waren es noch 10 Prozent. Erster Ansprechpartner bei den Behörden für die Unternehmen ist die Polizei, an die sich 84 Prozent jener Unternehmen wenden, die überhaupt staatliche Stellen einschalten. Die Staatsanwaltschaft informieren 57 Prozent. An die Datenschutz-Aufsicht oder an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wenden sich jeweils 15 Prozent, an den Verfassungsschutz drei Prozent.

Hauptgrund dafür, sich nicht an die Behörden zu wenden, ist die Angst vor Imageschäden. Das geben 41 Prozent der Unternehmen an, die auf das Einschalten staatlicher Stellen verzichtet haben. Jeweils gut jedes dritte Unternehmen gibt an, man habe auf eine entsprechende Information verzichtet, weil man Angst vor negativen Konsequenzen habe (35 Prozent), weil die Täter ohnehin nicht gefasst würden (34 Prozent) oder weil der Aufwand zu hoch sei (29 Prozent).

Viele Unternehmen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um sich besser gegen Angreifer zu schützen. So setzen alle Unternehmen einen technischen Basisschutz wie etwa Passwörter auf allen Geräten, Firewalls und Virenscanner ein und fertigen regelmäßig Backups ihrer Daten an. Anspruchsvollere Maßnahmen sind dagegen selten, etwa
  • Intrusion Detection Systeme (20 Prozent) oder
  • Penetrationstests (17 Prozent).
Auch im Bereich der organisatorischen Sicherheit sind Standardmaßnahmen weit verbreitet, etwa
  • die Festlegung von Zugriffsrechten für bestimmte Informationen (99 Prozent),
  • die eindeutige Kennzeichnung von Betriebsgeheimnissen (85 Prozent) oder
  • die Festlegung von Zutrittsrechten in bestimmte Unternehmensbereichen (81 Prozent).
  • Dagegen setzt nur eine Minderheit auf Sicherheits-Zertifizierungen (43 Prozent) oder
  • regelmäßige Sicherheits-Audits durch externe Spezialisten (24 Prozent).
Großen Nachholbedarf gibt es im Bereich der personellen Sicherheit. Nur sechs von zehn Unternehmen (58 Prozent) führen Background-Checks bei Bewerbern für sensible Positionen durch, nur jedes zweite hat einen Sicherheitsverantwortlichen benannt (54 Prozent) oder schult Mitarbeiter zu Sicherheitsthemen (53 Prozent).

(Autor: Susan Rönisch)

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