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Änderung bei Computergefahren für Unternehmen: Sabotage statt Spionage

11.09.15 Unternehmen müssen sich gegen eine neue Dimension von sich schnell entwickelnden Cyberrisiken wappnen. Fürchten Unternehmen heute vor allem Datendiebstähle, Datenschutzverletzungen und Reputationsschäden, so werden in Zeiten von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge künftig Betriebsunterbrechungen in den Vordergrund rücken. Auch katastrophale Schadenszenarien sind nach einer jetzt veröffentlichten Studie denkbar. Versicherungen decken das bislang nicht ab.

 (Bild: Ken Shelton Pixabay)
Bild: Ken Shelton Pixabay
In der neuen Studie - "A Guide to Cyber Risks: Managing The Impact of Increasing Interconnectivity" (siehe Download unter diesem Artikel) - untersucht der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty zur Homepage dieses Unternehmes Relation Browser (AGCS) die neuesten Entwicklungen zu Cyberrisiken, die Unternehmen immer stärker gefährden. Allein die Folgen von Cyberkriminalität kosten die Weltwirtschaft ca. 445 Milliarden US-Dollar pro Jahr (CSIS/McAfee); auf die zehn größten Volkswirtschaften der Welt entfällt die Hälfte dieser Summe. In Deutschland entstehen jährlich Schäden in Höhe von 59 Mrd. US-Dollar.

"Vor nur 15 Jahren waren Cyberangriffe sporadisch und die wenigen Vorfälle meist das Werk von 'Hacktivisten'. Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung, der Globalisierung und der Kommerzialisierung von Internetkriminalität kam es zu einer Explosion der Cyberangriffe sowohl hinsichtlich ihrer Häufigkeit als auch hinsichtlich ihrer Schwere", sagt Chris Fischer Hirs Chris Fischer Hirs in Expertenprofilen nachschlagen , CEO von AGCS.

Strengere Regulierung steigert Nachfrage

Auch wenn derzeit erst weniger als zehn Prozent der Unternehmen Cyberpolicen kaufen, geht AGCS davon aus, dass das weltweite Prämienaufkommen von Cyberversicherungen von derzeit zwei Milliarden US-Dollar in den kommenden zehn Jahren auf über 20 Milliarden US-Dollar steigen wird. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von über 20 Prozent. Zwei Faktoren werden die Nachfrage nach Cyberversicherungen beschleunigen: Zum einen wächst das Risikobewusstsein in vielen Unternehmen. Zum anderen verschärft sich das regulatorische Umfeld.

"Es gibt einen allgemeinen Trend zu strengeren Datenschutzsystemen, deren Verletzung mit empfindlichen Geldstrafen geahndet wird." Hongkong, Singapur und Australien gehören zu den Ländern, die entsprechende neue Gesetze planen oder bereits umgesetzt haben. Selbst wenn sich die Europäische Union nicht auf die geplanten paneuropäischen Datenschutzvorschriften einigen könnte, ist mit strengeren Richtlinien in den einzelnen Ländern zu rechnen.

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In Deutschland ist der Anteil der Computerkriminalität am Brutto-Inlandprodukt mit Abstand am höchsten
(chart: AGCS)


Bisher fürchteten Unternehmen vor allem Datendiebstähle und Datenschutzverletzungen, wenn es um Internetkriminalität geht. Doch die jüngste Generation der Cyberrisiken hat eine neue Qualität erreicht: Unternehmen drohen künftig der Diebstahl geistigen Eigentums, virtuelle Erpressungen und die kostspieligen Folgen von Betriebsunterbrechungen (BU) in Folge von Cyberangriffen oder auch rein technischen IT-Ausfällen oder Prozessfehlern. "Wenn Unternehmen an Cyberrisiken denken, dann denken sie nicht zuallererst daran, dass ihr Betrieb oder ihre Produktion still stehen könnten. Das ändert sich gerade", beobachtet Georgi Pachov Georgi Pachov in Expertenprofilen nachschlagen , Cyber-Experte bei AGCS. Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre würden sich Betriebsunterbrechung zu einem zentralen Risiko für internet- und technologiebasierte Unternehmen entwickeln - und die entsprechende Deckung zu einem wichtigen Element von Cyberversicherungen.

Vernetzung schafft Risiko

Die virtuelle Vernetzung von Geräten und Maschinen sowie das wachsende Vertrauen in die Übertragung von Echtzeit-Daten auf persönlicher und geschäftlicher Ebene im Internet der Dinge schafft weitere Angriffspunkte für Internetkriminalität. Schätzungen zufolge könnten bis 2020 eine Billion Geräte untereinander vernetzt sein; 50 Milliarden Maschinen könnten täglich Daten austauschen. Industrielle Steuerungssysteme, wie sie in Kraftwerken oder Fabriken zum Einsatz kommen, stellen ein weiteres Einfallstor für Hacker dar. Denn viele sich heute noch in Betrieb befindende Systeme stammen aus einer Zeit, als IT-Sicherheit noch keinen hohen Stellenwert hatte. Würden industrielle IT-Systeme durch einen Hackerangriff lahmgelegt, könnte dies Sachschäden durch Feuer oder Explosion auslösen und auch zu Betriebsunterbrechungen führen.

Während es bereits einige schwere Fälle von Datendiebstahl gab, nimmt die Wahrscheinlichkeit eines durch Internetkriminalität verursachten Katastrophenschadens zu. Zu denkbaren Szenarien zählen ein erfolgreicher Angriff auf die Internetinfrastruktur, ein weitreichender Datenvorfall oder ein Netzwerkausfall bei einem Cloud-Service-Provider; ein schwerer Cyberangriff auf einen Energieanbieter oder ein Versorgungsunternehmen könnte nicht nur zu einem großssssflächigen Ausfall von Dienstleistungen führen, sondern auch hohe Sachschäden verursachen oder schlimmstenfalls sogar Menschenleben kosten.

Aus Sicht der Allianz sollten Cyberversicherungen ihren Deckungsumfang erweitern und auch Betriebsunterbrechungsrisiken einschließssen. Cyberausschlüsse in klassischen Schaden- und Haftpflichtpolicen werden sich weiter durchsetzen. Im Gegenzug werden sich Cyberversicherungen als eine eigenständige Produktkategorie etablieren. Außsserdem werden sich die Versicherer - wie bei anderen neu aufkommenden Risiken und Versicherungslösungen auch - mit Herausforderungen hinsichtlich Tarifierung, nicht getesteten Policen-Wordings, Modellierung und Risikoakkumulation konfrontiert sehen.

(Autor: Joachim Graf)

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