Interaktiv-Branche kürt Stoiber zum Auf- und Schröder zum Absteiger des Jahres 2002
17.03.03 (iBusiness) Siehstemal, Gerhard, da hat der Edi Dir gezeigt, wo der Digitalhammer hängt. Ohne Marketing ist alles nix, da hilft Unwissenheit alleine nicht - das haben die Interaktiv-Profis erkannt und kürten den Ex-Kandidaten zum Sieger. Wer mokiert sich dann schon über den winzigkeinen Schönheitsfehler in der Nominierung?
Schröder erkämpfte sich hier den Spitzenplatz der Absteiger - 65 Prozent machten bei ihm das Kreuzchen - wegen seines umstrittenen Änderung des Urheberrechtsgesetzes, das nicht nur vom Deutschen Multimedia Verband stark kritisiert wurde. Stoiber setzte sich gegen 22 weitere Kandidaten zum Aufsteiger des Jahres durch. Er gewann 51 Prozent der Stimmen durch seine Geldversenkerfolge rund um Bayern Online. Den zweiten Aufsteiger-Platz des Jahres 2002 belegt mit 45 Prozent der Stimmen Matthias Kurth, Chef der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Seine Standfestigkeit hatte ihm die Nominierung eingetragen, weil er trotz aller Kritik eine TDSL-Gebührenerhöhung der Telekom durchwinkte und damit dem Breitbandmarkt positive Impulse zum schnelleren Wachstum gab. Dritter ist Google-Vizepräsident Omid Kordestani, dessen Suchmaschine bei einer Studie als bester Referrer für Publisher-Sites ausgezeichnet wurde.
Vize-Absteiger des Jahres ist Ex-Pixelpark-Chef Paulus Neef gefolgt von Ulrich Kromer als erfolgreichstem Beerdiger einer der wichtigsten Messen der Multimedia-Industrie, der 'Multimedia-Market' alias 'ITX' alias 'IT Plus'.
Das Ranking samt Begründungen der iBusiness-Redaktion als Nominierungskommission:
| Aufsteiger des Jahres 2002 | ||
|---|---|---|
| Aufsteiger | Wahlergebnis | Begründung |
| Edmund Stoiber, Investor | 51 % | Der Kandidat zeigt in innovativer Manier, wie man mit heiklen Themen im interaktiven Feld umgeht. 130 Millionen hat der Ex-Kanzlerkandidat in 'Bayern Online' versenkt. Der Bayerische Oberste Rechnungshof monierte, dass 8,5 Millionen Euro an Steuergeldern verschleudert worden sind. Die Staatskanzlei dementierte kurz, damit interessiert das Thema niemanden mehr. |
| Matthias Kurth, Regulierer | 45 % | Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, erntete heftige Ablehnung aus der Internet-Gemeinde, als er die TDSL-Preiserhöhung der Deutschen Telekom guthieß. Kurzfristig zwar unangenehm, aber volkswirtschaftlich langfristig positiv, weil die Angebotsvielfalt sich erhöht und sich Breitbandinvestitionen früher rechnen. Der Mann hat recht und sagt es auch noch trotz Widerständen. |
| Omid Kordestani, Google | 44 % | PR-technisch konnte dem für Europa verantwortlichen Google-Vizepräsident nichts besseres passieren: Der niederländische Marktforscher OneStat hat Suchmaschinen analysiert und herausgefunden, dass Publisher, die bei ihrer Suchmaschinenoptimierung auf Google setzen, überdurchschnittlich oft mit Besuchern belohnt werden. |
| Sören Stamer, Coremedia | 22% | Er hat die Lizenz. Die Lizenz zum Gelddrucken. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Coremedia soll zusammen mit Materna der gesamten Bundesverwaltung ein Content-Management-System zimmern. Nicht nur ein Großetat, sondern auch ein Türöffner in den Milliardenmarkt E-Government. |
| Dieter Bohlen, Teppiche | 18% | Der Kandiat bewies dass auch im Internet Intelligenz siegt. Er schaffte, wovon Online-Vermarkter nur träumen können: Er verschaffte seinem sinnfreien Buch bei den deutschen Surfern eine Bekanntheit von 91,4 Prozent. Die Online-Werbevermarkter hatten es mit vereinten Kräften gerade mal geschafft, ihre Banner-Kampagne "Jeder Zweite ist online. Ihre Werbung etwa nicht?" 15,5 Prozent der Befragten bekannt zu machen. |
| Matthias Greve, Web.de | 16% | Der Web.de-Vorstandsvorsitzende hat im Portalwettkampf einen wichtigen Partner gewonnen. Der Webkatalog Web.de baut Deutschlands beliebtesten Crawler, Google, in sein Angebot ein. |
| Dr. Rainer Zimmermann, BBDO | 16% | Still und leise verwandelt der Kandidat seine Multimedia-Agentur BBDO Interactive zu einer der ganz großen der deutschen Branche. |
| Prof. Dieter Stolte, ZDF | 14% | Sieg auf ganzer Linie für den Vorsitzenden der ARD-/ZDF-Medienkommission, ZDF-Intendant Prof. Dr. h.c. Dieter Stolte: Die IVW will künftig auch die Zugriffe auf werbefreie Online-Angebote messen und folgt damit der Forderung der Öffentlich-Rechtlichen nach einem einheitlichen Messverfahren. |
| Absteiger des Jahres 2002 | ||
| Absteiger | Wahlergebnis | Begründung |
| Gerhard Schröder, SPD | 65 % | Nicht nur, dass der Regierungschef für das schlechteste interaktive Wirtschaftsklima seit sieben Jahren sorgte. Mit seinem aktuellen Regierungsentwurf zur Urheberrechtsnovelle treibt er die Branche auf die Barrikaden. Zentraler Vorwurf: Die Regierung will Raubkopien legalisieren und entzieht der Content-Industrie die Rechtsgrundlage. |
| Paulus Neef, Pixelpark | 58 % | Es gibt viele Gründe, den Kandidaten zu nominieren. Sein Umgang mit der Belegschaft ist allerdings der wichtigste. Mitarbeiter und Betriebsrat von Pixelpark mussten erst einen offenen Brief schreiben, um Informationen über die in den Medien kursierenden Verkaufs- und Schließungsgerüchte zu erhalten. |
| Ulrich Kromer, Messe Stuttgart | 46 % | Über 500 Aussteller auf 'Multimedia-Market', 'Publishing Market' und 'Modernes Büro' hatte Vorgänger Gering dem neuen Chef der Messe Stuttgart 2001 vorgelegt. Kromer wollte sich als neuer Besen profilieren und warf alles zur 'ITX' zusammen, die nach Rechtsstreit 'IT-Plus' heißen muss. Eine bundesweite Leitmesse wurde erfolgreich zur regionalen IT-Verkaufsausstellung degradiert. |
| Verona Feldbusch, Blondine | 44% | Zum Marketingdesaster hat sich die Klage entwickelt, mit der die hauptamtliche Blondine der Nation den Eltern der 22 Monate alten Celine Katleen Verona Feldbusch die Domain Verona-feldbusch.info abnehmen wollte. Nach einem Medienaufstand ruderte der Promi hastig zurück. |
| Markus Scheer, Moorhuhn | 44% | Geflogen wurde das Obermoorhuhn, nachdem der Verdacht aufkam, die letzten Bilanzen von Phenomedia seien falsch. |
