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Ihr prügelt Google und die Piraten - und meint doch den Fortschritt

24.04.12 Google ist schuld. Die Raubkopierer sind schuld. Die Piraten sind schuld. Die Kunden sind schuld. Jetzt machen wir ein paar Gesetze und alles ist wieder wie früher, in der guten, alten Zeit.

Joachim Graf (Bild: Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
Joachim Graf
Sagt einmal, glaubt Ihr das selber?
  • Glaubt Ihr Künstler Eure Lebenslüge, dass Ihr morgen reich und berühmt werdet, wenn nur das Internet nicht wäre? Ihr sitzt derselben Illusion auf, die hunderttausend von Pubertierenden in die gierigen Arme von Deutschland sucht den Superstar Relation Browser und andere dieser unsäglichen Castingshows treibt: Dass der ganz große Erfolg ganz ohne Blut, Schweiß und Tränen - und ohne ganz viel Glück - doch kommen könnte.

    Noch nie in der Geschichte konnten alle, die sich als Musiker, als Maler, als Künstler verstanden, von ihrer Kunst leben. Nur das Internet, die Mediengesellschaft bringt den Erfolg einen Mausklick nahe. Da ist die Enttäuschung groß, wenn er doch ausbleibt, der Erfolg. Und macht die Wut auf die Schuldigen groß. Doch eine Lebenslüge bleibt eine Lebenslüge. Weil ein erfolgreicher Künstler durch das Internet noch erfolgreicher werden kann. Ein unerfolgreicher Künstler aber nicht.

  • Glaubt Ihr Verleger und Zwischenhändler Eure Lebenslüge, dass Euer Geschäftsmodell erhalten bleibt, wenn Ihr Euch Gesetze machen lasst und Raubkopierer jagt? Wo doch Euren Job längst das Netz übernommen hat. Nicht Google - das Netz. Schafft Google ab und hundert andere Suchmaschinen nehmen seine Stelle ein. Wir brauchen Euch nicht mehr für das, was ein Algorithmus tausendmal besser und schneller macht.

    Wir brauchen keinen von Euch geschmierten Discjockey mehr, um zu hören, welchen Song wir hören wollen. Und wir lesen nicht die Zeitung, die schon unsere Großeltern gelesen haben, weil Ihr in der Gegend die gesamte Konkurrenz aufgekauft habt.


Das Internet verändert vieles. Im Content-Markt verändert es fast alles. Ändert Euch mit oder lasst es bleiben. Aber hört endlich auf, über den Fortschritt zu jammern.

(Autor: Joachim Graf)

In diesem Beitrag genannt:

Trackbacks / Kommentare
Von: Michael Zinnäcker Zu: Ihr prügelt Google und die Piraten - und meint doch den Fortschritt 24.04.12
Ich halten den Artikel, zumindest was die schreibende Zunft im Online-Bereich angeht, für ziemlichen Unsinn. Aktuell ist für Content-Produzenten (Freelancer/Mini-Agenturen)viel einfacher als noch vor zwei, drei Jahren gut bezahlte Aufträge zu bekommen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich vom üblichen Marketing-Gedudel verabschiedet und die Prinzipien des Content-Marketings ernst nimmt und verinnerlicht. Nur wer ein gute Basis an SEO/SEM-Kenntnissen mit guter Schreibe vereint kann da bestehen.
Von: Thomas Brandt, sellsios Relation Browser Zu: Ihr prügelt Google und die Piraten - und meint doch den Fortschritt 24.04.12
Wie sinnbefreit die Verleger sich aufregen wurde an dem Urteil GEMA vs. Google doch sehr deutlich. Die dpa veröffentlichte eine Meldung und alle, und ich meine wirklich alle, kauften und veröffentlichten diese fehlerhafte Meldung. Eine Stunde später wurde diese geändert, nicht von allen.

Solange Verleger glauben, dass eine Nachricht einen Unternehmenswert bildet, sorry dann sterbt endlich aber bitte schnell!

Das gleiche gilt für diese abstruse Künstlerdiskussion. Wieviele neue Kanäle gibt es, kunstvoll zu sein. Wieviele neue Medien und Kanäle gibt es durch die Künstler ohne "Paten" (u.U. auch die italienische Variante) den Weg zur Berühmtheit schafft. Wieviele Künstler leben inzwischen von der Verbreitung durch das Netz? Bekommen wir, als Kunden, in einem solchen Fall Geld zurück?

Urheberrecht ja aber bitte mit Mehrwert! Apple... ach die schon wieder, ja die schon wieder... haben es mehrfach vorgelebt. Ende der 90er jaulten die gleichen Unternehmen mit anderen Managern, dass Sie Ihre Musik niemals wieder verkaufen könnten. Tja, was war damals passiert? Die Musik war da aber was fehlte war das Medium. Wieso lernt Ihr nicht?

Was geistiges und künstlerisches wertvoll macht ist nicht allein der Inhalt sondern auch das Medium. Also für die einfach gestrickten Manager der Industrien einmal einfach

1+1=Erfolg oder Kunst+Verpackung=Erfolg

Von: Gerald Rusche Rusche, GERUWEB Relation Browser Zu: Ihr prügelt Google und die Piraten - und meint doch den Fortschritt 21.05.12
Es gibt in allen Schichten, Altersklassen und Berufsgruppen nach wie vor Menschen, die im Internet nur die Gefahr für ihr gelerntes Leben erkennen. Änderungen die nicht freiwillig erfolgen schmerzen immer.

Neue Bands die über Kontinente hinweg zusammen neue Musik generieren (Urheber). Oder wie wir gerade an einem internationalen Filmprojekt mitgewirkt haben. Weltweit haben Filmemacher (Urheber) einen Trailer gedreht, für einen Film der erst noch seine Zuschauer und Produzenten sammeln muss um eventuell produziert zu werden. http://www.youtube.com/watch?v=3MEWmXW5qPM

Diese neuen Wege sind alle beschwerlich, erfordern Kraft, Mut und Zeit. Aber langfristig lässt sich nur content nutzbringend verbreiten, der nicht nur künstlich nachgefragt ist, sondern sich auch an echten Wünschen und Bedürfnissen orientiert. Das müssen alle Produzenten erst eimal lernen. Nach Kunst und Kultur wird das meiner Meinung nach, langfristig sogar materielle Dinge betreffen. Die Macht der Masse entscheidet künftig. Das muss nicht zwangsläufig Qualität bedeuten. Aber das ist ja nix Neues.

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