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Analyse: Warum Facebooks Messenger bald Geld überweist
18.03.2015 Social-Media-Marktführer Facebook will in den kommenden Monaten eine Überweisungsfunktion in seinen Messenger einführen. Die Hintergründe.
Mit einem Dollar-Button können sich die Nutzer gegenseitig Geld überweisen, zeigt das Unternehmen in seinem Newsroom .
Nachdem Facebook seine Messenger-Anwendung vergangenen Sommer aus der Social-Media-Mutter-App ausgelagert hat, bekommt diese nun eine neue Funktion: Freunde können eine Koversation starten und sich in deren Verlauf Geld überweisen. Dafür arbeitet Facebook mit Kreditinstituten zusammen, die Überweisungen werden über die EC-Karten abgewickelt.
Ein Anwendungsszenario wie es sich Facebook vorstellt: Zwei Freunde verabreden sich zum Konzert, der eine hat schon die Tickets und der andere überweist ihm sofort das Geld - nachdem er erstmal laut "Awesome" getextet hat, wie es sich für technologie-affine Kalifornier gehört, die im Begeisterungstaumel neuer Features oder Apple-Produkte gefangen sind.
Warum tut Facebook das?
Facebook verhindert so zum einen, dass Nutzer die App verlassen, um Geldgeschäfte zu machen - etwa in Richtung von Online-Banking oder - noch schlimmer: der Social-Media-Konkurrenz. Denn Snpachat erlaubt schon seit einiger Zeit mit der Funktion Snapcash genau das, was Facebook jetzt einführen wird.
Es dürfte dem Netzwerk also weniger um den Revenue-Stream der Provisionen gehen als vielmehr darum, die Nutzer an sich zu binden und im Facebookuniversum zu halten.
Welche Chancen hat das Produkt in Deutschland?
Von einem weltweiten Rollout verrät Facebook noch nichts. Es ist also noch nicht einmal erwiesen, ob das Feature nach Deutschland kommt (übrigens hat Apples Payment-Lösung Apple Pay auch noch keinen Deutschland-Starttermin). Sollte das passieren, dann erscheint ein Erfolg aus mehreren Gründen fraglich: Da ist die deutsche Mentalität, die ungerne über Geld redet:
- Man leiht sich hierzulande ungern etwas bei Freunden aus und abgerechnet wird im Falle von kurzfristigen Schuldverhältnissen eher verschämt das Geld zurück gegeben.
- Zum anderen ist da noch diese andere deutsche Mentalität, die extrem auf Sicherheit setzt: Eine im 20. Jahrhundert bis in die DNA von Inflationen erschütterte Nation vertraut ihre Geschäfte nur ungern Institutionen an - es sei denn die heißen Bank oder Sparkasse.
Zuviele zweitrangige Sicherheitsbedenken schwingen außerdem mit: Was geschieht beim Verlust des Handys? Bei einem Hack des Handys? Was macht Facebook mit meinen Daten?
Zudem ist die Zahl der Anwendungs-Szenarien auch begrenzt: Man kann Freunden das Geld auch gerne zurückgeben, wenn man sie das nächste mal sieht. Im Facebook-Beispiel der zwei Konzertbesucher stellt sich die Frage: Warum drückt der eine Kumpel dem anderen am kommenden Abend - wenn sie sich sowieso auf dem Konzert begegnen - nicht einfach den Zwanziger in die Hand?
Technologie hat einen hohen Spaß- und Geekfaktor: Man experimentiert gerne damit rum - besonders auf dem Smartphone und gerne auch in Deutschland. Aber zumindest bei uns hört der Spaß auf, wenn es um Kohle geht.
