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Was KI für das Personal in Agenturen bedeutet
05.02.2025 Erst Jobzerstörer, dann Effizienzwunder - die Versprechungen, wie KI den Agentur-Alltag verändert, sind Legion. Aber was ist denn nun wahr? Ein Realitäts-Check.
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Previsualization, Recruiting, interner Buzz: Was KI wirklich in den Agenturen verändert
"KI wird vielmehr unterstützend für die Agenturmitarbeiter eingesetzt werden", sagt Asbjörn Rosenberg, Geschäftsführer der Kreativagentur Lawinenstift digital GmbH . So biete die Technologie das Potenzial von Previsualization: "In der Kreation können wir damit Möglichkeiten bei übersichtlichen Kosten schnell ein Video erstellen, das zeigt wie das Endprodukt aussehen kann, aber wir generieren nicht die Endprodukte selbst."Das hat aber keine negativen Folgen für das Personal, vielmehr wird es das Recruiting verändern: Neue Profile bei den Stellenausschreibungen entstehen, die nach KI-Kenntnissen fragen, "so wird ein neuer Mitarbeiterstamm entstehen, der die kreative Idee versteht und die technischen Module zur Umsetzung bedienen kann." Aber es werde weiter Experten geben, die die Produkte umsetzen, sowohl rein technische Talente als auch rein kreative, denen "man ein DIN-A4-Skript geben und sagen kann: 'Seht mal, wie man das umsetzt!'" So sieht das auch Gregor Schermuly, Director CommsTech & AI bei der PR- und Kommunikationsagentur OSK : "Wir ändern das Hiring und fragen nach den Einstellungen der Menschen zu KI-Tools."
Und so wird die KI weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abschaffen, sondern "Menschen, die mit KI umgehen können, werden solche verdrängen, die das nicht können. Für uns heißt das, wir müssen systematisch unsere Leute schulen", sagt Uwe Tüben, Geschäftsführer der Agentur für Digitale Transformation Valantic .
Damit die nötige Bereitschaft entsteht, sich mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, "müssen wir zusätzlich zum Buzz draußen auch noch einen internen in den Agenturen erzeugen, damit die Mitarbeiter dranbleiben", sagt Tüben: "Wenn jemand sagt: 'In meinem Bereich ist KI nicht anwendbar', dann müssen wir den Gegenbeweis erbringen."
Im Personal wird ein Zeitalter des Moderators anbrechen, glaubt Asbjörn Rosenberg: "Eine Übergangszeit wird von Moderatoren als neuer Gattung Mitarbeiter geprägt sein: Die ModeratorInnen knacken Silos und bringen die Abteilungen zusammen." Verschiebungen der Bedeutung einzelner Abteilungen sieht auch Oliver Bohl nicht, es wird also nicht sein, dass die Kreation beispielsweise zugunsten der Technik verliert oder umgekehrt, "eher gewinnen die Generalisten an Bedeutung. Und eine Ausprägung hier wird der Moderator sein, der die Stränge zusammenführt; ein Generalist von neuem Kaliber, während die Gewerke spitzer werden." Die Frage lautet wohl, "wer entcheidet künftig, ob und wie etwas in Code übersetzt werden muss - der Coder oder der Manager", meint Oliver Bohl: "Also werden die Coder eher businessnäher oder die Coder eher techniknäher, es entwickelt sich auf jeden Fall ein neues Rollenverständnis."
Muss der Buchhalter zittern? Nicht wenn er selbst smart ist!
Selbst scheinbar repetitive Ablagejobs wird die KI nicht zwingend auffressen: Der smarte Buchhalter bleibt KI-resistent, denkt Oliver Bohl und bringt ein medizinisches Beispiel: "Radiologen stürben aus, heißt es, denn KI kann Bilder besser analysieren als es Radiologen vermögen. Doch der Radiologe ist es, der Zusammenhänge erklärt, der vermittelt, Sorgen nimmt. Ob das dann auch eine Maschine machen kann?", fragt Bohl, "der Transfer auf den Buchhalter-Job ist: Was genau macht der? Hat er schlaue Lösungen und Ideen? ? Kann er zentrale Aspekte gut vermitteln? Ob wir also mehr oder weniger Menschen in dieser oder jener Abteilung haben, lässt sich aktuell nicht quantifizieren." Auch IT sei nicht ohne weiteres mit KI ersetzbar, auch wenn die noch so viel Code ausspuckt, sagt Christian Grötsch: "Quality Assurance von ProjectCode ist eine Aufgabe für Einsteiger, das macht künftig eher die KI, sie schreibt die Tests. Aber an komplizierte Themen muss ein erfahrener Entwickler heran, etwa wie man ein System mit einem performanten Code aufbaut."Die Personalstämme dürften also stabil bleiben, der Bedarf an Fachleuten ungebrochen, sagt Oliver Bohl, "denn wir müssen mit KI dann eher an sechs statt an drei Projekten arbeiten. Man steht auf einem Berg an Digitalisierungs-Arbeit, den es abzuarbeiten gilt und dann kommt der nächste: Ich sehe keine endliche Anzahl an Herausforderungen, die man KI-sieren kann." Asbjörn Rosenberg sieht hier eher die Gefahr, dass weniger der Mitarbeiterstamm schwindet, als der Kundenkontakt, denn "viele Firmen, die sich als digital bezeichnen, heben stark auf KI ab: Die meinen, dann, nichts anderes mehr zu brauchen. Da sehe ich die Gefahr des wegbrechenden Kundenkontaktes: Man schreibt sich nur noch Mails statt zu telefonieren."
KI sollte genau hier ansetzen und als der lang erwartete Beschaffer von Kapazitäten fungieren: "Endlich haben wir mal etwas Luft, damit wir wieder mit Menschen reden können, um eine Weiterentwicklung anzutreiben, die über den reinen Effizienzgedanken hinausgeht." Und Gregor Schermuly denkt nicht daran, die neu gewonnene Effizienz in Personalabbau zu übersetzen: "Wenn wir Effizienzgewinne dank der neuen Tools haben, dann müssen wir die die weitergeben: Wenn wir es gut machen, haben wir beispielsweise 60 Prozent Effizienzgewinn und geben davon 40 Prozent weiter. Endlich haben wir als Agentur mal Marge!" Zwei-Mann-Betriebe können plötzlich gegen 250-Köpfe-starke Dienstleister antreten. Die Großen sollten sich daher mit ihrem starken Personalstamm darauf konzentrieren, Großes zu leisten, so Schermuly: "Ein Zwei -Leute-Betrieb kann nicht Events organisieren oder zwanzig Journalisten über sechs Monate hinweg mit neuen Autos testfahren lassen. Da können wir Großen etwas liefern, was Kleine nicht können."
Und auf der kreativen Seite könnte 'Menschengemacht' bald das neue 'Made in Germany' werden, "ich rechne mit einer Rückkehr zu mehr Realness in der Produktion von Inhalten. Authentischer und von Menschen gemachter Content wird künftig wieder stärker geschätzt", glaubt Uwe Tüben: "Hier könnte ich mir entsprechende Siegel gut vorstellen, die mit festen Qualitätskriterien bei der Content-Erstellung verknüpft sind."
Der große Beratungstrend
Wenn es einen Brennpunkt gibt, in dem sich KI in neuen Aufgaben und Anforderungen an das Personal niederschlägt, dann in der Beratung, von der die Unternehmen mehr brauchen denn je: Viele Unternehmen sind noch nicht soweit, nicht bei den Daten, den Prozessen, den Systemen, den Silos: Hier lässt sich nicht eine KI einsetzen und alles wird, der Scheißprozess bleibt auch mit KI ein Scheißprozess. Und so sieht Gregor Schermuly "einen starken Shift aller Gewerke in Richtung Beratung, wegen der enormen Möglichkeiten: Aufgaben, die vorher das Servicecenter machen mussten, können Abteilungen nun selbst leisten , das passiert gerade."Und so ist die große Kündigungswelle, aus deren Fluten dann die automatisierte Agenten-Agentur auftaucht, nicht in Sicht: Keiner der Befragten sieht eine Lösung des Personalmangels durch KI kommen, vielmehr zeichnet sich eine Verschärfung des Fachkräftebedarfs aufgrund der neuen Technologien ab.
Kein Wunder: Chat GPT schreibt vielleicht mal mehr, mal weniger gute Artikel - aber die Agenturen brauchen ja nicht so sehr Leute, die Artikel schreiben, sondern vielmehr kluge Köpfe.
