Lesestudie: Ältere Leser profitieren von E-Books
11.02.13 Aus neuronaler Sicht ist das Lesen auf einem Tablet-PC für ältere Menschen leichter als das Lesen eines gedruckten Buchs oder eines Kindle, so eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Das Lesen von elektronischen Büchern ist für das Gehirn nicht anstrengender als das Lesen von herkömmlichen, auf Papier gedruckten Büchern. Im Gegenteil: Älteren Menschen fällt das Lesen auf einem Tablet-PC sogar leichter. Dies ergab eine Lesestudie, die unter Federführung von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität MainzSo fanden auch die 56 Testpersonen, die an der Studie der Universitäten Mainz, Göttingen und Marburg teilnahmen, das Lesen auf Papier am angenehmsten und konstatierten eine bessere Lesbarkeit. Im Experiment zeigte sich aber, dass diese Einschätzung, die gleichermaßen von den jungen wie von den älteren Probanden geäußert wurde, nicht mit der Analyse der Augenbewegungen und der Gehirnströme übereinstimmt. Die Testpersonen im Alter von 60 bis 77 Jahren wiesen eine höhere Lesegeschwindigkeit und eine geringere Gehirnaktivität beim Tablet-PC auf im Vergleich zum gedruckten Buch und auch im Vergleich zu einem E-Ink-Reader wie etwa dem Kindle. "Der kognitive Aufwand ist für die älteren Probanden beim Lesen am Tablet-PC geringer als bei einer nicht hintergrundbeleucheten Version eines E-Ink-Reader und der Papierseite. Dies wird durch die Beobachtung der Blickbewegungen beim Lesen und der gleichzeitigen Messung der Gehirnaktivität eindeutig bestätigt", erklärt Kretzschmar.
Der Grund für die aus neuronaler Sicht bessere Lesbarkeit ist vermutlich der stärkere Kontrast durch die Hintergrundbeleuchtung des Tablet-Computers. Diese hilft bei der Buchstaben- und Worterkennung und wirkt sich bis in die höchsten Sprachverarbeitungsebenen aus. Bei den jüngeren Probanden im Alter von 21 bis 34 Jahren scheint das keine Rolle zu spielen: Hier schnitten die drei Lesemedien in etwa gleich ab. Und egal ob Jung oder Alt, das Leseverständnis war in beiden Gruppen für alle drei Lesemedien gleich gut.
Die Ergebnisse zeigen also, dass die subjektive Beurteilung digitaler Lesemedien nicht mit den tatsächlichen kognitiven und neuronalen Anstrengungen bei der Informationsverarbeitung übereinstimmt, schreiben die Wissenschaftler aus Mainz, Göttingen und Marburg in einer Veröffentlichung
. Vermutlich sei der subjektive Eindruck stark an den hohen Status des traditionellen, gedruckten Buches als Teil unseres kulturellen Erbes geknüpft.
(Autor: Joachim Graf)
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