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"Content-Ursuppe": Wie Blogs die deutschen Verlage verändern

16.12.11 Ersetzen Blogger zunehmend den Journalisten? Wie die Content-Generierung der Zukunft aussieht - fünf Erkenntnisse aus zehn Jahren Blogosphäre für eine neue Ära des Webpublishing.

  (Bild: Günter Havlena/pixelio.de)
Bild: Günter Havlena/pixelio.de
Erst Lokalblog, dann Print-Magazin: Die "Tegernseer Stimme" mausert sich zur erfolgreichen Medienalternative im Tegernseer Tal in Oberbayern.

Die Kunden von Istlokal Medienservice UG (haftungsbeschränkt) zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser , dem Verlag, in dem die Tegernseer Stimme erscheint, werden gleichzeitig Teil einer Nachrichten-Agentur-Organisation. Der Austausch von Inhalten ist obligatorisch. Ideen und Konzepte, Lösungen und Anwendungen teilen sich die Kunden solidarisch, um einen möglichst guten Lokaljournalismus im Internet unabhängig von großen Verlagen voranzutreiben, so die Losung von Istlokal. Somit steht internetbasierter Lokaljournalismus im Einklang mit den Bürgern, die auch den Content liefern können.

Ein weiteres Beispiel für diese Form des "Amateur- oder Laienjournalismus", wie er unter Kommunikationswissenschaftlern bezeichnet wird, ist das Print-Magazin "Der Blogger" zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser , das aus Blog-Geschichten zum Durchblättern besteht. Dafür hat Alex Grossmann Alex Grossmann in Expertenprofilen nachschlagen einen eigenen Verlag gegründet und die erste Ausgabe wird mit Hilfe von Crowdfunding finanziert.

Entschieden gegen den lokalen Hurra-Journalismus richtet sich der Heddesheimblog Relation Browser und betreibt konsequente Konkurrenz gegen den örtlichen Mannheimer Morgen Relation Browser , indem er kritisch die lokalen Projekte unter die Lupe nimmt. Hardy Prothmann Hardy Prothmann in Expertenprofilen nachschlagen steht für "ordentlich recherchierte Berichterstattung" im Gegensatz zum sogenannten "Bratwurt-Journalismus", der vor allem durch nichtssagende Floskeln glänzt.

Sein Konzept sei eine "Mischung aus Spiegel, Zeit und Lokalzeitung", wie es Prothmann in der TAZ zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser beschreibt. Das Konzept fällt auf fruchtbaren Boden: Die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich und liegen inzwischen bei rund 5000, vier weitere Blogs nach demselben Konzept hat Prothmann bereits gegründet. Die konsequente Berichterstattung im Sinne einer Wächterfunktion scheint nun die Konkurrenz wachgerüttelt zu haben: Seit einigen Monaten produziert der Mannheimer Morgen weitere Lokalseiten. Damit erfüllt sich die Prognose von Medienexperten, die Blogs besonders dort eine Zukunft voraussagen, wo es nur eine Zeitung am Ort gibt. Dort gewinnen sie mehr und mehr eine Korrektiv-Funktion.

Was bedeutet diese Entwicklung für den etablierten Journalismus? Droht eine langfristige Konkurrenz oder verbünden sich die beiden Inhaltsstränge im Sinne einer neuen Qualität des Contents? Fragen, die neben Kommunikationswissenschaftlern und Journalisten auch die Interaktivbranche verfolgt. Die fünf wichtigsten Erkenntnisse im Einzelnen:

Jens Wilhelm,  Wilhelm Innovative Medien (Bild: wilhelm innovative medien GmbH)
Bild: wilhelm innovative medien GmbH
Jens Wilhelm, Wilhelm Innovative Medien

1. Weblogs sind die journalistische Ursuppe

"Journalismus und Weblogs sind unterschiedliche soziale Systeme mit unterschiedlichen Regeln und Werten", sagt Jens Wilhelm Jens Wilhelm in Expertenprofilen nachschlagen , Geschäftsführender Gesellschafter von Wilhelm Innovative Medien Relation Browser Dienstleister-Dossier einsehen . In beiden äußerten sich "mehr oder weniger informierte und ausgebildete Menschen mehr oder weniger periodisch zum Geschehen oder zu Befindlichkeiten." Wilhelm zieht eine historische Parallele und vergleicht die Anfänge des Journalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts, der sich "aus Pamphleten, Briefwechseln und Salondiskussionen professionalisiert hat", mit den heutigen Weblogs, die nach Wilhelms Sicht "eine Form des Proto-Journalismus darstellen - journalistische Ursuppe sozusagen." Und diese sei oft "würziger als das verfeinerte journalistische Produkt."

2. Professionelle und nicht professionelle Medien ringen um Qualität

Dass Weblogs den Journalismus ersetzen werden, glaubt Jens Wilhelm nicht, denn sie seien mit ihren Themen selbst oft lohnender Gegenstand von Recherchen. Natürlich gebe es Übergänge vom Hobby zur Profession, "wenn die Amateure sich die Schwarmintelligenz zunutze machen", sagt Wilhelm, der Wikipedia zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser und Guttenplag zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser als passende Beispiele nennt.

"Amateur- und Hobbyjournalismus ist also da hilfreich und sogar notwendig, wo er dabei hilft, Demokratie zu entwickeln und durchzusetzen." Die "Süddeutsche Zeitung Relation Browser " hätte Guttenberg allein nicht enttarnen können, glaubt der Mann von Innovative Medien. Die professionellen Medien seien gut beraten, "ihren Qualitätsanspruch selbstbewusst zu verteidigen und die nichtprofessionellen Medien nicht als Konkurrenz wahrzunehmen."

Inwieweit stimmen Sie der Aussage  (Bild: Statista)
Bild: Statista
Inwieweit stimmen Sie der Aussage

3. Blogger können Journalisten nicht ersetzen, Social Media bleibt ohne sie wirkungslos

Im Rahmen einer Vorlesung am Publizistik-Institut der Universität Wien zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser stellt Professor Heribert Prantl Heribert Prantl in Expertenprofilen nachschlagen , Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Relation Browser , die These auf, "dass in jedem professionellen Journalisten auch ein Blogger steckt, allerdings nicht unbedingt umgekehrt:" Denn ein guter Journalist sei ein Forscher, Entdecker, Erklärer. Er sei in der Lage Dinge zu tun, "die andere nicht können und traut sich Dinge, die andere sich nicht trauen", sagt das journalistische Schwergewicht. Es gebe unzählige Menschen, die lesen und schreiben können, "aber sie haben das Handwerkszeug von Journalisten (wie z.B. richtiges Recherchieren) nicht gelernt", so Prantl. "Blogger können also Journalisten nicht ersetzen", folgert er. Was soll er auch sonst sagen. Aber vielleicht können Blogger Journalisten langsam verdrängen?

Eine komplementäre Beziehung zwischen Blogs und Journalismus

Chefredakteur Prantl gesteht ein, "dass das Internet die Zeitung in dem Punkt ablösen könnte, in dem sie ein Problem hat: die Aktualität." Print-Nachrichten hinkten druckbedingt immer den Mausklicks etwas hinterher. Prantl sieht darin aber "die Chance, dass die Zeitung sich wieder auf ihre Spezialität konzentrieren kann: qualitativ und sprachlich anspruchsvolle Texte, Kommentare, Glossen, usw.".

Eine "komplementäre Beziehung" zwischen Blogs und Journalismus hat der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger Christoph Neuberger in Expertenprofilen nachschlagen vom Institut für Kommunikationswissen der LMU München Relation Browser nachgewiesen. Denn inzwischen nutzten nicht nur Internet-, sondern auch klassische Nachrichtenredaktionen Weblogs als Recherchequelle. "Sie lassen sich inspirieren, finden neue Themen. Auf der anderen Seite greifen Weblogs Themen auf, die von den klassischen Medien vorgegeben werden."

Social Media stellt keine Bedrohung für den etablierten Contentfluss dar

Thomas Praus, Panorama3000 (Bild: Panorama3000)
Bild: Panorama3000
Thomas Praus, Panorama3000
Social Media wird den Journalismus "auf keinen Fall verändern", sagt Thomas Praus Thomas Praus in Expertenprofilen nachschlagen von Panorama3000 Relation Browser Dienstleister-Dossier einsehen . Es sei offensichtlich, "dass die meist geteilten Links in sozialen Netzwerken zu Nachrichtenstorys bekannter Medien-Marken gehen". Somit sei das Vertrauen in die etablierten Medien sehr groß und für die "Einschätzung der Glaubwürdigkeit und Relevanz sehr wichtig." Nach Praus Sicht der Dinge gibt es so viele Spamblogs und PR-Aktionen, "dass man zwar dem Urteil der eigenen Freunde vertraut, aber nur solange klar ist, dass sie sich richtig gut auskennen."
Medien werden mehr als je zuvor ihre Leser einbeziehen, glaubt Thomas Praus. Dass diese Strategie erfolgreich ist, zeigen etwa Beispiele wie Die Zeit zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser , The Guardian Relation Browser , BBC Relation Browser und auch Bild Relation Browser , die eher an Reichweite gewinnen als beispielsweise gegenüber Social Media verlieren. "Die Medien, die das nicht hinbekommen, werden verlieren", prognostiziert Praus, für den es um "sinnvolle Symbiosen" geht, denn die Nutzer wissen, "dass Journalismus wichtig ist, um glaubwürdige und geprüfte Nachrichten zu liefern." Praus ist daher überzeugt, dass Medienhäuser vor allem "in junge engagierte, medienversierte Mitarbeiter" investieren sollten. Dazu gehöre auch der Aufbau von Community Management und die Produktion multimedialer Contents, "die sich via Apps auch in Zukunft viel besser monetarisieren lassen werden", meint Praus.

4. Weblog-Inhalte sind ein Plus für die Demokratie

Blogs ersetzen den Journalismus nicht, haben aber neben ihrer wichtigen Ergänzungsfunktion als Recherchequelle auch eine Bedeutung als Resonanzraum. "Sie sind der Bereich, in dem die Anschlusskommunikation stattfindet", sagt Kommunikationswissenschaftler Neuberger. Der Journalismus stehe so mit dem Publikum im Dialog und motiviere es, "sich über die politisch wichtigen Themen zu unterhalten".

Im Grunde könne sich jeder in Blogs äußern, auch wenn die Wahrnehmung der Blogs noch immer recht begrenzt ist, so Neuberger. Doch Blogs wie der Heddesheimblog, die unbequem und kritisch besonders den lokalen Ereignissen nachspüren und auf diese Weise medial verstärken, stellen eine neue Qualität dar, die demokratiefördernd wirken kann und die es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Neuberger fordert daher: "Der Journalismus sollte sein Rollenverständnis ändern und sich im Netz als Moderator der gesellschaftlichen Selbstverständigung verstehen."

5. Ohne Zielgruppenrelevanz ist Content wertlos

Frank Antwerpes, DocCheck (Bild: DocCheck)
Bild: DocCheck
Frank Antwerpes, DocCheck
Für Frank Antwerpes Frank Antwerpes in Expertenprofilen nachschlagen von DocCheck zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser ist die Grenze zwischen Bloggern und Journalisten fließend. "Blogs müssen Marken mit guter Reichweite werden und ausreichend Geld einspielen, um dauerhaft erfolgreich zu sein", meint Antwerpes. Gelingt ihnen das, "können sie den klassischen Journalismus in vielen Teilbereichen ablösen" ist Antwerpes überzeugt.

In jedem Fall werde der Leser eine immer stärkere Rolle spielen - sei es als Rechercheur, Themenmacher, Kommentator oder Vervielfältiger, glaubt Frank Antwerpes. Das beste Beispiel hierfür ist die Einbindung der Lesergemeinschaft des Bildblog Relation Browser , wodurch wichtige Hinweise auf Fehler der Bild Relation Browser -Redaktion eingingen, die daraufhin korrigiert wurden. Die enge Vernetzung mit dem Leser sei im Informationsgeschäft der "beste Garant" für den Erfolgsfaktor Nr.1: Relevanz. "Ohne Zielgruppenrelevanz ist Content nur Informationsmüll", legt sich Antwerpes fest.

Eine gemeinsame Zukunft winkt

Fest steht, dass der Journalismus künftig die Internetnutzer viel stärker einbeziehen muss. Denn Weblogs werden auch künftig das Internet bereichern. Allerdings, so Neuberger, stehe im Hintergrund immer die Frage, "wie das Geschäftsmodell für den professionellen Journalismus im Netz aussehen könnte". Eine Antwort sei noch nicht gegeben. Denn Werbung und Paid-Content haben sich sowohl bis dato wie auch bis auf weiteres, wie der aktuelle Mediareport Prognos zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser zeigt, nicht als das erhoffte feste finanzielle Standbein erwiesen. Gefragt sind also neue Formen der Kooperation im Sinne des Contents, die beiden - Bloggern wie klassischen Medien - entgegenkommen.

Einige deutsche Tages- und Wochenzeitungen zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser bieten bereits eigene Weblogs an, Studien zufolge soll die Zahl bei etwa 20 Prozent liegen, wie Sitft&Blog zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser berichtet. Darunter fallen Experten und Redaktionsblogs wie auch Leser und Blattkritik-Blogs. Eine Variante unter vielen.

(Autor: Markus Howest)

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