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Endlich verständlich: Facebooks Datenskandal in einer Infografik
04.04.2018 Wer steckt hinter Cambridge Analytica, welche Verbindungen nach Russland gibt es bei dem Skandal und was genau hat das alles mit dem Brexit zu tun? iBusiness entwirrt das Geflecht hinter Facebooks Datenskandal - mit der ultimativen Infografik.
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- Plötzlich entdecken die Firmen das Herz für ungezielte Werbung (was auch aus blankem Eigennutz schon längst sinnvoll gewesen wäre, wie iBusiness schon 2012 in einer Analyse über Retargeting feststellte): Google startet ein Advertisingprogramm mit ungezielter Werbung (iBusiness berichtete) - das ist zwar primär als Reaktion auf die Datenschutzgrundverordnung zu sehen, doch der Zeitpunkt der Veröffentlichung, unmittelbar nach Facebooks Datenschutzskandal, ist Programm: Hier signalisiert ein Unternehmen, dass es was tut.
- Die Post und einige politische Parteien geraten auf einmal wegen Datengeschäften unter Rechtfertigunggsdruck: Da wird eifrig und korrekt bei Spiegel Online versichert, Post-Daten zu Wahlkampfzwecken seien streng nach Datenschutz gehandelt und genutzt worden und das Ganze sei sowieso branchenüblich. Doch gerade der Umstand, dass nun Geschäfte skandalierungsfähig sind, die bisher keinen Nutzer und Reporter interessiert haben, zeigt, wie sehr Facebook und Cambridge Analytica mit ihrem Datenaderlass am Nutzer den kollektiven Argwohn entfesselt haben. Es hat sich etwas geändert.
- Unterdessen wirft Facebook die Datenhändler mit der Schaufel von der Plattform und kommt zu dem Ergebnis, es werde Jahre dauern, bis das soziale Netzwerk für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nutzerdaten umgebaut sein wird (siehe Tagesschau.de ).
iBusiness hat den Skandal, der die Online-Advertising-Industrie verändern wird, bereits in einer Analyse (Facebook, Advertising, Trump: Wen der Cambridge-Analytica-Skandal zerstört) im Detail dokumentiert. Doch es fehlt nach wie vor an einer visuellen Übersicht, die die komplexen Verstrickungen des Cambride-Analytica-Falls erfassbar macht. Außerdem sind in der Zwischenzeit neue Details und Verstrickungen klar geworden, die den Bedarf nach einer Übersicht erhöhen.
Die Visualisierung, umgesetzt von iBusiness-Layouterin Monika Herbig, macht einige Dinge deutlich, die die Lektüre noch so vieler Berichte kaum evident macht.
- Die Russland-Connection: Es gibt eine lose Verbindung nach Russland, die jedoch beim aktuellen Kenntnisstand nicht über den Status des Nebulösen hinausreicht. Auffällig ist, dass Cambridge Analytica bei einer Firma namens Lukeoil zum Pitch vorstellig wurde, die manchen als ausführendes Organ des Kreml gilt. Auch Alexander Kogan, der hinter der Selbstvermessungs-App 'Thisisyourdigitallife' steckt, hat Russland-Kontakte. 'Thisisyourdigitallife' sammelte die Daten, die Kogan AGB-widrig an Cambridge Analytica weiterreichte.
- Ein Skandal im Herz der Web-Branche: Mittelbar haben auch Amazon und über drei Ecken auch Google untergeordnete Rollen gespielt: Sei es nur, dass die Tochter des Ex-Google-Bosses Eric Schmidt zur rechten Zeit zwei Firmen in Kontakt bringt oder Amazons Crowdsourcing-Plattform 'Mechanical Turk' das Seeding der Datensammel-App 'Thisisyourdigitallife' besorgte: Nichts davon ist illegal und vieles davon nicht einmal moralisch zweifelhaft - es zeigt aber auf, wie tief die Affäre Facebook am Pulsschlag des Internets sitzt und wie tief das selbstverständliche Geschäft mit den Nutzerdaten in der DNA der Webgiganten steckt.
- Die Brexit-Connection: Cambridge Analytica hat nicht nur in der US-Wahl, sondern auch im Wahlkampf um den EU-Austritt Großbritanniens eine Rolle gespielt - eine offizielle. Die Firma war ein Dienstleister im Wahlkampf der Austrittsbefürworter. Indes haben die Verstrickungen des Unternehmens nichtsdestotrotz zu Razzien auf der EU-abtrünnigen Insel geführt, wie n-tv berichtet.
- Vertuschen statt Aufklären: Von Mark Zuckerberg kam wenig Aufklärerisches bevor der Skandal nicht mehr geheim zu halten war: Erst versetzt er mit Security-Chef Alex Stamos einen Facebook-internen Unterstützer von Transparenz in ein betriebliches Sibirien, dann wirft er alle Beteiligten des Skandals (inklusive Whistleblower Chris Wylie) von der Plattform.
- Folge den Daten: Es lässt sich anhand der Verstrickungen nicht aufklären, inwiefern Cambridge Analytica zum Brexit-Erfolg oder Erfolg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl geführt hat. Was das Chart zeigt, ist eine Verquickung von Datenströmen und Beteiligungen: Fast immer sind die Transfers von Daten an Beteiligungen oder Investments gebunden - die Verbindungen legen eine Identität von Finanz- und Datenströmen nahe.
Vier Szenarien für den Cambridge-Analytica-Fallout
Ein Facebook-Skandal
Die Wogen des Skandals lassen sich im Rest der Advertising-Branche noch glätten, da Facebook den meisten Fallout abbekommt: Es wird eher ein Unternehmensskandal als ein Branchenskandal. Der Rest der Branche stürzt sich nun in Selbstverpflichtungen, betont, wie wichtig ihm die DSGVO ist und sammelt weniger eifrig als bisher Daten. Damit kommt er ganz gut durch, aber es gibt keinen Wilden Westen des Advertisings mehr. Eher einen milden Westen.
Ein Advertising-Skandal
Wenn sogar deutsche Minister Facebook ins Kreuzverhör nehmen wollen, ist der Zug raus: Der DSGVO folgen weitere Regulierungen, staatliche Behörden in aller Welt schauen den Interaktivkonzernen genauer auf die Finger: Der Skandal reicht weit über Facebook hinaus und beendet das Online-Marketing in der Form wie wir es heute kennen. Nun begreifen vollkommen neue Bevölkerungsschichten, was da mit ihren Daten abläuft - ein Adblocker-Nutzungsboom ist nur eine der Folgen.
Ein Skandälchen
Nach einem personellen Kahlschlag bei Cambridge Analytica (das vielleicht sogar als Firma vom Erdboden verschwindet) und ein paar rollenden Köpfen bei Facebook schafft es die Branche, sich wieder zu berappeln und es geht grob weiter wie bisher: Diese doofe DSGVO gibt es ja nun mal leider, aber es kommt nicht viel nach: Man erklärt Selbstverpflichtungen, faselt was vom Respekt gegenüber dem Nutzer - passt!
Ein Politskandal
Es hört nicht auf: Weitere Skandale und Verstrickungen neuer Internetfirmen werden bekannt und auch die Rolle von Kreml und Donald Trumps Wahlkampfteam im ganzen Skandal deutlicher. Cambridge Analytica wird eine weitere Gewichtsscheibe auf der Waage, die zu Ungunsten des US-Staatsoberhauptes und seiner Entourage ausschlägt. Was ein reiner AGB-Verstoß war, wird zum Politdebakel.
