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Der Krieg im Wohnzimmer: Nato startet Web-TV

01.04.2008 Der Krieg frisst seine Kinder. Das können Väter und Mütter heldenmütiger Landser jetzt auch im Web-TV hautnah verfolgen. Die Nato möchte endlich in Sachen Kommunikation nicht mehr hinter den Taliban zurückstehen.

Im Krieg stirbt als erstes bekanntlich die Wahrheit. Die Nato   will schon in Friedenszeiten ihre PR-Arbeit intensiveren. Das Sicherheits-Bündnis startet einen eigenen TV-Kanal im Internet. "Erfolg im Krieg ist auch immer eine Frage der Wahrnehmung", dozierte Israels Außenministerin Zipi Livni vor einigen Wochen nach Angriffen der Israelis im Gazastreifen. Das mächtigste Militärbündnis der Welt fühlt sich in Sachen Kommunikation in der "Steinzeit", beschwerte sich Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer in den vergangenen Monaten mehrfach. Die Taliban seien der Nato bei der Propaganda weit überlegen.

Doch jetzt setzt das Bündnis zur Großoffensive an: Pünktlich zum Nato-Gipfel in Bukarest geht Nato.tv ans und ins Netz. Berichtet wird über allgemeine Wehr-Themen, aber auch über den Krieg in Afghanistan. Ein Kanal soll öffentlich zugänglich sein, ein anderer Schnittmaterial für TV-Sender liefern. Schon jetzt sei, so ein Nato-Sprecher, ein Kamerateam der Nato in Afghanistan, um vor dem Start des Senders Bildmaterial zu beschaffen. Insgesamt will die Nato dort in den kommenden Wochen fünf Fernsehteams ins Feld schicken.

"Nato.tv wird nicht bloß ein Web-TV-Sender" erklärt Major April Scherz von der Tactical Psychological Operations Detachment (TPD) der US-Army. Nato.tv werde für die Truppe zu einem eigenen sozialen Netzwerk ausgebaut. "Die Kameraden können sogar eigene Front-Videos vom letzten Schusswechsel mit den Taliban online stellen, Fotos von den Schädeln der Getöteten in einer Bilder-Gallerie veröffentlichen oder den letzten Kill eines Freundes bewerten", freut sich Major Scherz. Monetarisieren soll sich der Sender über Werbung. Führende Rüstungskonzerne "rennen uns jetzt schon die Türen ein", um sich die begehrten Werbeplätze zu sichern.
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