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Deutschlandstudie: Corona verändert Retourenverhalten
23.02.2021 Warenrücksendungen sind im Onlinehandel nach wie vor eine der größten Gewinnvernichter. Doch die Gründe, weswegen Kunden gekaufte Produkte zurückschicken, haben sich während Corona und Lockdowns geändert, wie unsere exklusive Deutschlandstudie ermittelt hat.
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Aber auch der Anteil wächst: Im Jahr 2018 wurde im Schnitt etwa jedes sechste ausgelieferte Paket und jeder achte bestellte Artikel zurückgeschickt, so die Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Uni Bamberg . Die nicht-repräsentative Händlerbundstudie aus dem Jahr 2020 vermeldete dann, dass die Retourenquoten der Onlinehändler ansteigt. Während bei der Vorgängererhebung 20 Prozent von "sehr vielen" oder "vielen" Retouren sprachen, sind es in dieser Untersuchung bereits 36 Prozent der Befragten. Dabei werden Retourenquoten über fünf Prozent als hoch gewertet.
Ein teures Vergnügen für den Onlinehandel sind die 286 Millionen Pakete, die im weltweiten Onlinehandel jährlich zurückgeschickt werden. Ein retournierter Artikel verursacht schließlich im Mittel Kosten in Höhe von 11,24 Euro (5,67 Euro Transportkosten + 5,57 Euro Bearbeitungskosten), eine Retourensendung Kosten in Höhe von 19,51 Euro (9,85 Euro Transportkosten + 9,66 Euro Bearbeitungskosten). Als relevanteste Kostentreiber nennen die Teilnehmer die Porto-/Transportkosten (80,9 Prozent), den Wertverlust bei Artikeln, die sich nicht mehr als A-Ware verkaufen lassen (45,5 Prozent), die Sichtung und Beurteilung der Artikel (33,8 Prozent) sowie die Retourenvereinnahmung/Identifikation der Artikel (30,9 Prozent).
Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der ECommerce-Händler belasten. Die Umweltwirkung der Retouren beläuft sich 2018 geschätzt auf 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente, dies entspricht in etwa der Umweltwirkung von täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau (Annahme: 150 g CO2/km).
Warum die Deutschen online gekaufte Waren zurückschicken
Doch warum schicken die Deutschen eigentlich online gekaufte Waren zurück? Das Hamburger Marktforschungsinstitut Splendid Research hat für uns nach 2019 zum zweiten Mal 1.014 Bundesbürger in einer bevölkerungsrepräsentativen Erhebung gefragt. Wenig verwunderliches Ergebnis: Der Großteil der Retouren ist danach produktabhängig: Fast 60 Prozent aller Retouren kommen daher. Dabei sind es vor allem nicht passende Kleidung und schlecht verarbeitete Ware, die für die Rücksendung verantwortlich sind. Mehr als jeder dritte Mann und fast so viele Frauen schicken Produkte zurück, weil sie kaputt sind.
In der Coronazeit hat sich offensichtlich das Retourenverhalten verändert: So haben weniger Befragte als zu Vor-Corona-Zeiten angegeben, dies wegen der falschen Größe zu tun. Auch die vorab geplanten Retouren - Mehrfachbestellungen wegen unterschiedlicher Größen, Farben oder Ausführungen sind leicht zurückgegangen. Das kann unter anderem daran liegen, dass die Modeverkäufe insgesamt weniger geworden sind, Sport- und Freizeitkleidung weniger größensensibel ist oder mehr Erstonlinekäufer geantwortet haben, die dieses Kaufverhalten weniger gewöhnt sind.
Deutliche Unterschiede beim Retourenverhalten
In der unten stehenden Tabelle haben wir die Abweichungen nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Familienstand, Ausbildung und Berufsabschluss ausgewertet. Farbig markiert sind dabei diejenigen Werte, die eine Abweichung von mehr als 5,0 Prozentpunkten gegenüber dem Durchschnittswert ausweisen: Beispielsweise sagen insgesamt 18,8 Prozent der Bundesbürger, sie schickten gewöhnlich ein Produkt zurück, das sie online gekauft haben, weil sie es in unterschiedlichen Größen bestellt haben. Allerdings sagen das über 30 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und nur 10,8 Prozent der über 60-Jährigen - eine Abweichung von plus 11,9 beziehungsweise minus 8,0 Prozent.
Einige Erkenntnisse kann man aus den Werten gewinnen:
- Männer schicken signifikant weniger Mode zurück, weil sie nicht passt, als dies Frauen tun.
- Je höher das Haushaltsnettoeinkommen ist, um so wichtiger ist es, dass alles passt - und um so wichtiger ist die exakte Produktbeschreibung, die keine Fehlinterpretationen zulässt.
- Je jünger ein Käufer ist, um so häufiger bestellt er gleich mehrere Versionen eines Produkts.
- Die Generation 60plus schickt deutlich weniger zurück als andere Altersgruppen.
- Mehrfachbestellungen wegen unterschiedlicher (Kleidungs-)Größen werden überdurchschnittlich von Familien mit Kindern getätigt.
- Je höher der Bildungs- und Berufsausbildungsstand, um so eher werden mehrere Produktvarianten bestellt.
