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Die Dmexco-Trends: Wer den Agenturen wirklich die Geschäfte wegknabbert
16.09.2024 ... und wie Dienstleister dem Dreiklang Krieg, KI und Corona-Folgen begegnen wollen.
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So wird die Dmexco vor dem Hintergrund einer Landschaft spielen, in der viele Dienstleister ums simple Überleben und ihre MitarbeiterInnen kämpfen. Wo das Geld herkommt, das ist eine Frage, die einfach nicht einfacher werden möchte: Adam Singolda, CEO und Gründer von Taboola , etwa spricht für die Publisher, wenn er feststellt: "Früher erwirtschafteten sie ihre Einnahmen vor allem aus Display-Werbung. Heute können sie mit Commerce Content, Abo-Modellen, nativer Werbung und vielem mehr Umsatz erzielen. Das wird sich in den nächsten Monaten deutlich verstärken." Alles ist diverser, komplexer und mühsamer geworden.
Und dann ist da ja noch die KI.
Von vielen als vermeintliche Zeitenwende im Marketing gefeiert, stellen nüchterne Analysten fest, dass die Revolution bislang als beinahe komplett ausgeblieben bezeichnet werden muss (so stellte etwa der Economist fest, dass die Technologie bislang praktisch null ökonomische Folgen gehabt hat). Wie wird sie sich auf die Dmexco auswirken? Eines lässt sich absehen: Sie wird das dominierende Thema sein - zum einen als Gegenstand auf der Messe selbst, die ja sogar das im obligaten Englisch gehaltene Motto "Prompting the Future" trägt. Zum anderen als Gespenst, das sich diverse Marketing-Disziplinen einverleiben wird, die dieses Jahr noch viele Dienstleister-Stände in Köln haben dürften - vor allem gemeint hier: SEO. Auch die On-Off-Beziehung Googles mit seinem Langzeit-Partner, den Third-Party-Cookies, wird (mal wieder) Thema sein. Es ist Murmeltiertag in Köln und anderswo, aber irgendwie scheint man hier und da den Kanal voll zu haben und sich nicht mehr auf Googles Hin-und-Her einlassen zu wollen.
Und so stellt Matthias Postel, Gründer und CEO der iCompetence , fest, dass "First Party Data die Zukunft des Marketings ist, denn egal, wie lange Google noch Third Party Data toleriert - mit DSGVO, Cookieless und Walled Gardens ist diese Methode Geschichte und interessiert innerhalb der EU niemanden mehr. Face it, Google."
Und Alexander Weißenfels, VP DACH bei Adform , findet es "eher unrealistisch, auf eine einheitliche Lösung zu warten, um Cookies zu ersetzen, denn mit weltweit über 400 IDs, die bereits verwendet werden, haben wir schon zu lange auf diese Veränderung gewartet. Die Zukunft ist eine Zukunft der First-Party-Daten."
Doch 1st-Party gehört eher ins Reich der ewigen Nachwuchstalente. Trends, die 2024 auf der Dmexco wirklich etwas verändern, sind andere: Wir haben mehr als 60 Branchenkenner danach gefragt.
Trendkomplex Künstliche Intelligenz
Liesel Klokkers, Solution Engineering Leader bei Salesforce , sieht autonome KI-Assistenten auf dem Vormarsch, die nächste KI-Revolution stehe "in Form von autonomen Assistenten schon vor der Tür. Im Gegensatz zu Chatbots, die nur bestimmte programmierte Fragen beantworten können, können unsere beispielsweise bereits echte Gespräche führen und auch Aktionen eigenständig umsetzen." Felix Schirl, CEO der trbo , sieht die meisten deutschen NutzerInnen "mittlerweile damit vertraut, sich mit einer Maschine zu unterhalten." Dank ChatGPT. Das künftige Augenmerk dabei sollte sein, "eine gesunde Mischung zwischen KI-basierten und menschlichen Antworten bereitzustellen."
In der Customer Centricity sieht Karen Cavallaro, Head of UX bei best it , ein Feld für die KI-Revolution, denn sie "ermöglicht personalisierte Kundenerfahrungen. Unternehmen, die diese Strategie umsetzen, profitieren von verbesserten Kundenerlebnissen, gesteigerter Innovationsfähigkeit und stabileren Umsätzen."
Dabei betont Dr. Felix Marcinowski, Vice President Digital Marketing & KI bei OMMAX , die Bedeutung individualisierter Lösungen: "SaaS-Modelle und kleinere Hacks durch den Einsatz von ChatGPT sind wichtig, am Ende aber mehr ein Hygienefaktor. Einen echten Unterschied bewirken individuell entwickelte KI-Lösungen, die sich auf sehr spezifische Business-Herausforderungen konzentrieren."
Laura Timmermann, Senior Integrated Campaigns Manager DACH beim Plattformanbieter HubSpot , sieht die Notwendigkeit darin, KI in Prozesse zu bringen, denn die meisten deutschen Unternehmen würden sich, "was KI angeht, noch in der Phase des Ausprobierens befinden. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, werden sie KI in den kommenden 18 Monaten fest in ihre Prozesse integrieren müssen."
Eine große KI-immanente Gefahr sieht Simone Schiebold, Geschäftsführerin bei FLAD & FLAD , in Bias: "Einseitige Trainingsdaten führen zu diskriminierenden Ergebnissen, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder anderer Merkmale benachteiligen." Künftig müsse der Fokus darauf liegen, diese Verzerrungen zu identifizieren und zu beseitigen. "Ein weiterer Trend wird die Lösung von KI-Halluzinationen sein. Insbesondere Firmen aus Medien, E-Commerce, Werbung und Technologie müssen in F&E investieren."
David Brinkmann, Head of Marketing bei macaw , sieht das KI-Potenzial in "Predictive Analytics und Machine Learning. Sie sorgen für präzisere Zielgruppenansprachen und erhöhen die Effizienz von Marketingmaßnahmen. Dabei wird es immer wichtiger, KI nicht nur als Tool, sondern als Bestandteil der Marketingstrategie zu betrachten."
Max Klinger, CEO bei Adindex , sieht bei allen KI-Projekten Datenschutz und Nutzertransparenz als essentiell an, "Unternehmen müssen transparente Datenverarbeitungsprozesse etablieren und den Nutzern klare Kontrollmöglichkeiten über ihre Daten bieten, um Vertrauen aufzubauen und gesetzeskonform zu agieren."
Auf den erforderlichen Ethos weist Kristian Trpcevski, Managing Director / Head of SEO bei SeoGuideline , hin, denn "die Herausforderung besteht darin, diese Technologien sinnvoll zu integrieren und gleichzeitig ethische Standards zu wahren." - Während Oliver Bohl, Geschäftsführer und Partner von Triplesense Reply , einen steigenden Anspruch an Kreative prognostiziert, denn "Standardtätigkeiten werden künftig von KI-Tools übernommen - und zugleich steigen die Ansprüche der KonsumentInnen. Kreative müssen vor diesem Hintergrund ihre Nischen finden und ihr Talent so einbringen, dass wirklich kreativer Content und einzigartige Lösungen entstehen. Dabei sollten Kreative die KI als (Sparrings-)Partner akzeptieren."
Markus Bockhorni, Geschäftsführer bei eMBIS , sieht ein Tool, dem iBusiness eine ganze Analyse widmete, als bedeutungsvoll an, denn "um einheitliche Standards bei der Nutzung von KI zu gewährleisten, werden derzeit Prompting-Datenbanken wie "ChatGPT-Team" oder die "Teams KI-Bibliothek" immer populärer." Die nutzen indes nur was, wenn die Leute sie auch nutzen: "Die Herausforderung liegt darin, die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden und in den oftmals kreativen Teams hierfür zu erreichen."
Oliver Pauly, Geschäftsführer der tripuls media innovations , sieht nach dem Influencer-Hype nun ihre besser zu bändigen, KI-generierten Zwillinge am Horizont aufziehen: "Virtuelle Influencer unterliegen keinen menschlichen Beschränkungen (Verfügbarkeit, mangelnder Brand Fit beeinflusst durch das "echte" Influencer-Leben, Alterung, ...) und sind daher besonders gut auszusteuern." Dabei mag die Frage im Raum stehen, inwiefern junge Menschen entgegen aller von Marktforschern abgefragten Begeisterung wirklich bereit sind, Robotern zu folgen, die von mittelalten Managern gesteuert werden, anstatt Vertretern ihrer Peer-Group.
Eine IT-Revolution dank KI sieht Oliver Pauly in No-Code-/Low-Code-Anwendungen: "Deren Verbreitung im Marketing ermöglicht es auch Nicht-Technikern, Marketing-Automatisierungen, Websites und komplexe Kampagnen zu erstellen. Dies reduziert die Abhängigkeit von Spezialisten und ermöglicht eine schnellere und agilere Umsetzung kreativer Prozesse."
Und es knabbert wie so vieles am Dienstleister und Agentur-Geschäft.
Andere dagegen sehen die Entwicklung und die auf das Web zudonnernde Content-Flut durchaus optimistisch: So sieht Jörn Bittner, Senior Consultant bei ProCampaign , "Marketingautomation und Content-Production immer mehr Hand in Hand gehen. Das Match gelingt, weil das Nutzungsspektrum von KI-gestützten Tools immer breiter wird: Komplexe Inhalte wie Blogbeiträge, Pressemitteilungen und Produktbeschreibungen markieren keine Grenze mehr."
Ein bisschen Anti-KI und Gegenwind müssen jedoch auch sein, finden vereinzelte Experten. So etwa Thilo Kölzer, COO der DocCheck . Er fordert eine UX + x: "Das steht für mich für den Trend, UX-Regeln gezielt zu brechen, um das gewisse Etwas zu realisieren. Werden die UX-Regeln befolgt, führt das meiner Meinung nach zu einem 'quadratisch, praktisch, gut'-Ansatz, bei dem in letzter Konsequenz alles irgendwie ähnlich aussieht und sich ähnlich anfühlt. Ich vergleiche das mit dem cW-Wert von Autos: Werden Gestaltungselemente hinzugefügt, die den cW-Wert zwar, erzeugen jedoch einen 'Twist'."
Auf KI jenseits des Webs will Kim Schubert setzen, Senior New Business Representative bei mso digital : "Die programmatische DOOH-Werbung gewinnt an Bedeutung, da sie Flexibilität, gezielte Ansprache und hohe Reichweite im öffentlichen Raum bietet. Der regionale Fokus ermöglicht dabei präzisere Zielgruppenansprache. Durch die Integration von Echtzeitdaten und KI wird die Personalisierung und Effektivität weiter gesteigert."
Trendkomplex Datenkooperationen und Medianetzwerke
"In den USA hat der Trend zu Media-Netzwerken bereits Branchen außerhalb des Einzelhandels erfasst. Diese Entwicklung werden wir bald auch hierzulande beobachten können", sagt Aline Zenses, Managing Director DACH bei InfoSum . Zusammenschlüsse von Publishern und Marken sind ein mögliches Rezept gegen die alles dominierende Datenmacht der GAFA-Konzerne. "Media-Netzwerke funktionieren in jeder Branche, solange der Fokus auf der Erschließung und Monetarisierung hochwertiger First-Party-Daten liegt und der Datenschutz im Vordergrund steht."Oliver Bohl weist auf das Potenzial strategischer Partnerschaften hin: "Angebotsbündel aus Produkten, Dienstleistungen und Erlebnissen zu schaffen. Diese Ökosysteme erweitern das Angebotsspektrum des jeweiligen Anbieters, ziehen neue Zielgruppen an und bieten ein nahtloses, ganzheitliches Kundenerlebnis." Und Ville Mikkola, Regional Director DACH bei Appsflyer , sieht Einzelhändler und Marken zunehmend umfangreiche First-Party-Daten und Verhaltensanalysen nutzen, um neue Ebenen der Personalisierung zu erschließen und die Notwendigkeit für eine effizientere Datenzusammenarbeit im gesamten Ökosystem zu steigern.
Trendkomplex Neues SEO
Die Macht von Google als Eingangstor zum Web gehörte zu den ersten Dingen, die die Branche angesichts des KI-Booms bröseln sah - und damit tauchten zwangsläufig die Fragen nach der Zukunft von SEO auf. Wohin die Suchmaschinenoptimierung gehen wird, dürfte eine zentrale Frage sein, wenn sich die Branche am Rhein trifft. Dr. Felix Marcinowski, Vice President Digital Marketing & KI bei OMMAX , denkt, dass "SEO bleibt, sich aber stark verändert. Wegen immer komplexeren Darstellungsformen ist es ein Muss, stärker in SERP-fähigen Content zu investieren (Videos, Bilder, FAQs, Stories), der auch auf 3rd-Party-Plattformen wie Instagram gehostet sein kann." Unternehmen müssten nun in Brand Awareness investieren, damit sie wiedererkannt und gesucht werden und dementsprechend nicht in immer engeren Suchergebnissen verschwinden: "So wird auch die Bedeutung von Upper- und Lower-Funnel-Aktivitäten auf Social-Plattformen und Lead Nurturing für B2B (z.B. via LinkedIn) steigen."
In Voice Search (noch ein Einwechselspieler von der Reservebank der ewigen Nachwuchstalente) sehen nicht wenige ein großes Ding, das nun endlich kommen wird: "Voice Search und Sprachassistenten werden in den nächsten 18 Monaten das Online-Marketing revolutionieren. Deshalb müssen Unternehmen ihre SEO-Strategien anpassen, um bei sprachbasierten Suchanfragen gut abzuschneiden", sagt Sven Korhummel, geschäftsführender Gesellschafter der Agentur cyperfection .
Zum neuen Suchverhalten gehört auch die visuelle Suche, sagt Alexander Geißenberger, Geschäftsführer der MAI xpose360 : "Die gewinnt an Bedeutung, da Verbraucher zunehmend nach Bildern suchen, um Produkte zu finden oder Inspirationen zu sammeln. Diese Trends erfordern eine Anpassung der Content-Strategien, um visuell ansprechende und suchoptimierte Inhalte zu liefern." Eric Heiliger, Vice President Strategic Growth EMEA von Acxiom Deutschland , sieht Unternehmen daher vor der Herausforderung stehen, so "qualitativ hochwertige und gleichzeitig kosteneffiziente Videoinhalte zu produzieren, die auf die spezifischen Interessen und Wünsche ihrer Zielgruppen zugeschnitten sind." Vermutlich werden sich hier KI-Tools wie Sora andienen, um den Bedarf zu decken, den sie selbst geweckt haben.
Auch Oliver Pauly, Geschäftsführer der tripuls media innovations , sieht "ein verändertes Suchverhalten aufgrund Sprachassistenten, einer verbesserten KI-basierten Verarbeitung natürlicher Sprache sowie Bilderkennung. Um Sichtbarkeitsverlusten entgegenzuwirken, müssen Unternehmen ihre SEO-Strategien an die neuen Suchmethoden anpassen. Der intelligente Einsatz von KI kann dabei helfen, in der Sprach- und Bildsuche Spitzenpositionen im Ranking einzunehmen." Olga Fedukov, Marketing Manager bei eology ,
geht davon aus, dass neue Suchmethoden wie Voice und KI verschmelzen werden: "Voice Searches könnten mit dem Release des "Advanced Voice Mode" von OpenAI und der Ankündigung von "SearchGPT" wieder deutlich an Bedeutung gewinnen. Es ist zu erwarten, dass diese Technologien nahtlos ineinandergreifen, was das Potenzial für Sprachsuche enorm steigert."
Patrick Benner, Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur ARTUS interactive , beobachtet, wie Konsumenten ihre Produktsuchen "zunehmend mithilfe von KI starten. Wer versteht, wie die KI-Suche der verschiedenen KI-Systeme funktioniert und welche Quellen für welche Anfragen herangezogen werden, erreicht die nächste Stufe der Suchmaschinenoptimierung." Auch Yvo Richner, Managing Consultant bei elaboratum suisse , sieht SEO zu Answer Engine Optimization (AEO) mutieren, "einer Weiterentwicklung der klassischen Suchmaschinenoptimierung (SEO), die sich auf die Optimierung von Inhalten für KI-gestützte Antwortmaschinen und digitale Assistenten konzentriert. Das umfasst die Strukturierung von Inhalten in Form von FAQ-Seiten, die Verwendung von strukturierten Daten und die Optimierung für Featured Snippets."
Und Kristian Trpcevski, Managing Director / Head of SEO bei SeoGuideline , sieht die jedem guten SEO geläufige E-E-A-T-Richtlinie als probates Mittel, um hin zum KI-SEO zu kommen: "Google legt weiterhin großen Wert auf "Helpful Content" - Inhalte, die echten Mehrwert für Nutzer bieten. Dabei werden die E-E-A-T Metriken noch wichtiger. Noch kann eine KI keine Laufschuhe tragen und diese bewerten."
Trendkomplex: Die Wiederentdeckung des Menschen
Als eine Art Gegentrend zur alles beherrschenden KI gehört für einige Experten die stärkere Betonung. "Trotz beeindruckender technologischer Fortschritte sehnen sich viele Menschen nach echten, menschlichen Erfahrungen", sagt Paluszak, Geschäftsführung und Partner bei atlantis dx . "Mit Hilfe von Influencern und User-Generated Content fühlen sich die Kunden stärker eingebunden und wertgeschätzt."
Und Martin Philipp, Co-CEO der SC-Networks , sagt, "angesichts Künstlicher Intelligenz und der Flut an generischem Content Menschlichkeit und realen Austausch an Bedeutung gewinnen. Durch Community Management lassen sich direkte und authentische Verbindungen zu Kunden aufbauen."In diesen Kontext gehört auch die Warnung von Markus Bockhorni, Geschäftsführer bei eMBIS , Marken müssten "sicherstellen, dass ihre Inhalte nicht in einem "Einheitsbrei" standardisierter KI-generierter Inhalte untergehen. Dabei ist es entscheidend, die Empathie und das Verständnis für Kundenbedürfnisse aufrechtzuerhalten, um eine echte Verbindung zu den Kunden zu bewahren."
Aber auch die Verbindung zu den eigenen Angestellten darf nicht zu kurz kommen, mahnt Martin Molch, Teamlead in Digital Marketing bei Telekom MMS : "In vielen Branchen macht sich zwar eine Wirtschaftsflaute bemerkbar, aber trotzdem wird es eine Herausforderung bleiben, Mitarbeitende zu binden und motiviert zu halten, neue Formen der Zusammenarbeit zu fördern und alternative Reputationsmodelle in Organisationen zu entwickeln." Und um von den technologischen Möglichkeiten profitieren zu können, sagt Martin Philipp, Co-CEO der SC-Networks , "muss der Bedarf an Befähigung innerhalb der Teams erkannt und gedeckt werden."
Themenkomplex Rohstoff Daten
Die KI-Goldgräberstimmung lässt zum einen den Bedarf nach dem Rohstoff Daten weiter wachsen, zum anderen wächst auch die Erkenntnis mit, dass auch Schrott glänzen und vom guten Datengold getrennt werden muss. Radek Paluszak, Geschäftsführung und Partner bei atlantis dx , etwa glaubt, in der KI selbst einen Helfer zu haben, da "Mithilfe von KI-Algorithmen große Datenmengen analysiert werden können , um wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten und die Vorlieben der Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus automatisiert KI viele Marketingprozesse, wie Content-Erstellung, E-Mail-Marketing und Social-Media-Management, was zu einer erheblichen Zeit- und Kostenersparnis führt." Patrick Benner, Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur ARTUS interactive , sieht in Agenturen eine große "Verlockung, Konsumentendaten zum Trainieren maßgeschneiderter KI-Modelle zu verwenden. Unternehmen und Agenturen müssen den schmalen Grat meistern, alles aus KI-Tools herauszuholen, während die dafür eingesetzten Daten geschützt bleiben."Für Jan Linketscher, CEO der i22 Digitalagentur , ist KI der "Treiber einer neuen Welle der Automatisierung im Marketing: Agenturen setzen zunehmend Automatisierungsprojekte um, bauen und pflegen die Systeme. Das geht zulasten des angestammten Agenturgeschäfts."
Ähnlich groß wie der Bedarf an Daten ist für Jens Kambor, Vice President of Sales DACH bei Informatica , allenfalls noch der Bedarf an Tools, "mit KI-gestützten Datenmanagement-Lösungen gelingt es, die digitalen Marketingdaten über den ganzen Vertriebszyklus hinweg zu betrachten. Die Datenintegrations-Tools helfen bei der Konsolidierung von Daten aus verschiedenen Quellen wie CRM, ERP, sozialen Medien und anderen Marketing-Tools in einer zentralen Plattform. Datenmanagement-Plattformen bereinigen, überprüfen und standardisieren Daten im gesamten Unternehmen."
Fabian Gutsche, Chief Digital Officer von team neusta , ergänzt die Customer Data Pools, welche "eine hochgradige Personalisierung von Inhalten und Marketingmaßnahmen ermöglichen und Silos mit verteilten Kundendaten in Unternehmen aufbrechen. Durch die zentrale Sammlung und Analyse von Kundendaten aus verschiedenen Quellen, können Unternehmen ein tiefes Verständnis für das Verhalten und die Präferenzen ihrer Kunden entwickeln."
Trendkomplex Retailmedia
In Retail Media gewinnt die Offsite-Monetarisierung an Relevanz, sagt Marco Dohmen, Country Manager Germany, TripleLift . "Marketer entdecken das Potenzial, Zielgruppen nicht nur auf den Plattformen der Händler, sondern auch auf externen Websites effektiv zu erreichen. Diese Erweiterung ermöglicht es, Konsumenten entlang ihrer gesamten Online-Journey gezielt anzusprechen und ihre Kaufentscheidungen zu beeinflussen." Corinna Hohenleitner, Director Activation Central Europe bei Criteo denkt nicht, dass jemand an Retail Media und seinen einzigartigen Möglichkeiten mehr vorbeikommt, "die aktuelle Definition der Gattung durch den RMC (Retail Media Circle des BVDW) zeigt ganz klar, warum: Marken und Produkte lassen sich genau dort präsentieren, wo ihre Relevanz, Wahrnehmbarkeit und Akzeptanz hoch, ihr Weg zu den Kundinnen und Kunden sehr kurz und ihr Kontext am natürlichsten sind." Markus Rohmeyer, CPO der novomind , sieht "Handelsunternehmen als Werbeplattform - ein Megatrend." Auf der Basis evidenter Kundendaten der Händler ließen sich in Onlineshops gezielt Anzeigen schalten, die individuell zugeschnitten sind und so "der Zielgruppe einen größeren Mehrwert bieten als Onlinewerbung nach dem Gießkannenprinzip. Mit dem passenden Shopsystem sind entlang der Customer Journey erfolgreiche Formate wie Sponsored Products, Native Ads oder Coupon Promotions einsetzbar, die schnell zusätzliche Umsätze generieren."
Nicht wirklich Trends, aber auch da: LinkedInger und die Dauer-Revolution mit VR-spätung
Nach dem durch konsequente Abschaffung aller liebgewonnenen Funktionen eingetretenen Massenexodus aus Xing steht LinkedIn als aufnahmefreudiger B2B-Wettbewerb der 2020er bereit: Dr. Alexander Trommen, CEO bei Appsfactory , sieht darin "die Nummer-1-Plattform für B2B-Outbound-Kampagnen. Auf keiner Anderen Plattform lassen sich so zielgerichtet über Tools Daten anreichern, und Mailkampagnen fahren." Das sagt auch Dominique Korschinek, Geschäftsführer bei The Digitale : "Es bietet als Ökosystem sehr gute Möglichkeiten (B2B-)Zielgruppen zu erreichen und an Marken zu binden. Das Potential ist aktuell insbesonders im DACH-Raum noch nicht ausgeschöpft. Auf LinkedIn lassen sich zum Beispiel Content Marketing im Upper Funnel, Lead Generierung oder Account Based Marketing auf Basis von bereits existierenden Daten abbilden, um darüber gezielt einzelne Ziel-Unternehmen sehr effizient anzusprechen."
Es gibt Menschen, die noch immer an VR glauben. Einer von ihnen ist Oliver Pauly, der Immersive Commerce aufziehen sieht: "Er wird durch die Integration von Technologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und 3D in den Online-Shopping-Prozess gefördert. Diese intelligente Verknüpfung hat das Potenzial, das Einkaufserlebnis zu revolutionieren. Retourensenkung!"
Ein zweiter Enthusiast ist Sven Spöde, Senior Consultant Digital Communication bei OSK , der sich überzeugt zeigt, "eine neue Generation AI-fähiger Brillen eröffnet innovative Möglichkeiten für interaktiven und immersiven Marketing-Content. Setzten sich die Brillen durch, machen sie den Weg frei für ein völlig neues Segment digitaler Inhalte."
Auch Nachhaltigkeit ist kein neuer Trend, aber das Wort dürfte hin und wieder in den Dmexco-Gängen zu hören sein. Tamina Ems, Marketing & PR Managerin bei Welect , verweist auf die Nachhaltigkeitsberichtspflicht im Rahmen des CSRD: "Damit gewinnt die Messbarkeit von CO2-Emissionen im Marketing an Bedeutung. Werbedienstleister, die schon jetzt die CO2-Emissionen ihrer Service- und Technologieangebote messen und reporten können, erleichtern ihren Advertisern und Agenturen die künftige Erfüllung ihrer Berichtspflicht." Dagegen rät Simon Edel, Marketing Administrator bei Laudert , zur Vorsicht, bevor man das Nachhaltigkeitshorn ansetzt, um kräftig und PR-wirksam hineinzustoßen: "Werbemaßnahmen werden zunehmend an gesellschaftlichen Werten wie etwa Nachhaltigkeit, Diversität und Inklusion ausgerichtet, aber aufpassen: Zielgruppen reagieren unterschiedlich darauf, man muss seine Zielgruppe gut kennen." Oliver Bohl glaubt nicht, dass sich Nachhaltigkeit und Digitalität entkoppeln lassen, "denn die nachgewiesenen Erfolge einer Zwillingstransformation - also der digitalen UND der Nachhaltigkeitstransformation - führen zu einer erfolgskritischen Dualität beider Bestrebungen."
Für Christian Berens, Geschäftsführer der NetFederation , erzeugen die Anforderungen durch Regulierungen und die Green Claim Directive ein Spannungsfeld, "zwischen authentischer Kommunikation und der Einhaltung strenger Vorschriften. Unternehmen müssen hier eine strategische Balance finden."
Und mahnende Worte kommen von Martin Molch, Teamlead in Digital Marketing bei Telekom MMS , der Unternehmen quasi dazu verdammt sieht, Farbe zu bekennen (wie es Agenturen bei iBusiness schon taten), denn "in den nächsten eineinhalb Jahren wird die Positionierung des Unternehmens, seiner Produkte und Services im gesellschaftlichen Wertekontext an Bedeutung gewinnen. Allein die Bundestagswahl 2025 in Deutschland wird eine klare wirtschaftspolitische Stellungnahme vieler Organisationen provozieren. Umso wichtiger ist es, die eigene Produkt-, Preis-, Lieferanten- und Kommunikationsstrategie abseits von Greenwashing und Rainbow-Washing zu finden."
