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Lieferengpässe und Black Friday: Wie Händler jetzt reagieren müssen
06.10.2021 Lieferengpässe, Peitscheneffekte und Preisexplosionen: Industrie-Insider warnen vor Verwerfungen im Weihnachtsgeschäft. Deswegen ist es für Onlinehändler im Jahr 2021 besonders wichtig, früher als in den Vorjahren zu starten. Denn der Black-Friday-Termin droht für viele Produkte zum Endpunkt des Weihnachtsgeschäfts zu werden.
Der Black Friday hat seinen Ursprung in den USA, wo er seit Jahrzehnten für Kaufrausch in den Läden sorgt: Es handelt sich um den Tag nach Thanksgiving, dem Erntedankfest, das immer auf den letzten Donnerstag im November fällt - dieses Jahr also Freitag, der 26. November 2021. Erstmals lockten 1961 Händler in Philadelphia an dem Tag mit Schnäppchen. Weil die Polizei die daraufhin mobilisierte Menschenansammlung nur noch als schwarze Masse wahrgenommen haben soll, wird der Tag seither "Black Friday" genannt. Mit dem Aufkommen des Onlinehandels ist zunächst der darauffolgende Montag als "Cyber Monday" hinzugekommen. Mit Globalisierung und dem Wachstum des Onlinehandels "Black Weeks" und "Shopping Weeks" rund um den Globus.
Laut Studien löst der Black Friday bei VerbraucherInnen die Tendenz aus, sich selbst etwas zu gönnen, der Cyber Monday hingegen verleitet sie dazu, für andere etwas einzukaufen. Junge Zielgruppen nutzen für ihre Onlineeinkäufe vor allem den Black Friday.
2021 wird der Black Friday noch wichtiger
Für den Handel entscheidet sich traditionell im Weihnachtsgeschäft, wie das Jahr läuft: Zwischen einem Drittel und der Hälfte des Jahresumsatzes wird in dieser Zeit gemacht. Im Jahr 2021 - nach einer harten Coronazeit - wird die Vorweihnachtssaison noch entscheidender. Eine Umfrage von Sitecore hat ermittelt, dass 88 Prozent der deutschen Handelsmarketer der Meinung sind, die Weihnachtszeit 2021 stelle für ihr Unternehmen eine entscheidende Weichenstellung dar. Allerdings fühlen sich nur 23 Prozent vollständig darauf vorbereitet.
Allerdings: Nur 64 Prozent der Marken planen eine Black-Friday-Aktion, genauso wie im letzten Jahr. Und 85 Prozent der Marketingverantwortlichen im Präsenzhandel hat die Pandemie genutzt, um die Verkaufspraktiken am Black Friday zu verändern. 75 Prozent sind der Meinung, dass der Black Friday "nicht mehr zeitgemäß" ist und "negativ mit der Konsumkultur assoziiert" werde.
Während im Präsenzhandel also der Trend zu Rabattgetrommel für volle Ladengeschäfte eher nachlässt, ist bei den Plänen der Onlinemarketer von Zurückhaltung wenig zu spüren. Noch dazu, weil vor kurzem eine juristische Hürde weitgehend abgeräumt worden ist: Der Bundesgerichtshof (BGH ) hat jetzt eine frühere Entscheidung des Bundespatentgerichts bestätigt, wonach eine Reihe von bisher eingetragenen Warenbezeichnungen der Marke 'Black Friday' keinen Markenschutz mehr hat und damit wieder frei verwendet werden darf (BGH, I ZB 21/20)).
Unter anderem wird die Marke für die Dienstleistungen 'Marketing', 'Organisation und Durchführung von Werbeveranstaltungen', 'Planung von Werbemaßnahmen', 'Verbreitung von Werbeanzeigen' und 'Werbung im Internet für Dritte' sowie eine Vielzahl weiterer im Zusammenhang mit Werbung stehender Dienstleistungen jetzt endgültig aus dem Markenregister gelöscht.
Das bedeutet, dass jetzt Onlineshops sehr viel freier als in den Vorjahren Marketingaktionen rund um den Black Friday durchführen können. Man muss kein Zukunftsforscher sein, um zu prognostizieren, dass das vermehrt Aktionen und einen Run auf entsprechende Keywords auslösen wird.
Black Friday und das globale Lieferproblem
Doch das zentrale Problem für Handelsunternehmen ist vor allem die Zeit. Dieses Jahr wird die Weihnachtssaison kürzer, weil die Kundinnen und Kunden früher bestellen und die Lieferketten anfälliger sind als vor Corona. Die Sitecore-Studie, bei der unter anderem VerbraucherInnen gefragt worden sind, prognostiziert einen früheren Beginn der Weihnachtsshopping-Saison. Ein Grund: Immer mehr ExpertInnen und ECommerce-BloggerInnen empfehlen KaufinteressentInnen, ihre Weihnachtsgeschenke online möglichst früh zu bestellen - weil sie sonst nicht rechtzeitig geliefert werden können.
Bei den Insidern stehen die Warnampeln ohnehin seit Monaten auf Rot: "Die Wartezeit für Waren aus China beträgt derzeit bereits über 100 Tage. Dies könnte die Lieferungen in der Vorweihnachtszeit gefährden", warnte jüngst auch Trans-Info : "Es kann passieren, dass an Heiligabend viele Säcke mit Geschenken sich noch auf See oder an den Kais der chinesischen Häfen befinden werden", so der Logistik-Analysedienst.
Noch härter formuliert es Dr. Detlef Trefzger , CEO des Logistikunternehmens Kühne und Nagel , Ende September im Interview : "Wer nicht saisonale Ware verschenken will, etwa ein Elektrofahrrad, für den kann ich nur hoffen, dass seine Bestellung schon draußen ist." Er warnt vor Peitscheneffekten wie der Havarie des Containerschiffs Ever Given im Suezkanal. Kleiner Effekt, große Wirkung: "So ähnlich läuft es auch gegenwärtig: Die Kundennachfrage ist in kurzer Zeit stark gestiegen. Hersteller, Lieferanten und Verkäufer schaukeln ihre Prognosen hoch, dadurch nimmt am Ende die Gefahr von Verstopfungen in Engpässen zu."
Die Lieferengpässe hatten bereits in den vergangenen Monaten auch zu einem massiven Anstieg der Frachtpreise im internationalen Warenverkehr geführt. Laut Tagesschau.de kam es im ersten Halbjahr zu einer Verteuerung von 46 Prozent. Letzten Endes werden E-Retailer diese Zusatzkosten auf ihre Kundschaft umlegen müssen.
"Die Tatsache, dass sich Schiffe weiterhin verspäten und nun auch Ausbrüche von COVID-Varianten in wichtigen chinesischen Produktionszentren zunehmen, könnte weitreichende Konsequenzen für den Black Friday und die Weihnachtseinkaufszeit haben", glaubt auch Josh Brazil, Marketing-Vizepräsident von Project44. "Wir beobachten große Unterschiede bei Verspätungszeiten und Routen. [...] Dies erschwert das Lieferketten-Management für die jeweiligen Unternehmen erheblich", fasst er die prekäre Lage zusammen.
Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator, warnt: "Findet der Warenhandel mit China nicht schnell zurück zu normalen Abläufen, droht sich die Krise auch im Weihnachtsgeschäft mit fehlenden Produkten und höheren Preisen bemerkbar zu machen."
Mehrere Reedereien wie Maersk und Hapag-Lloyd warnten schon im August aktuell vor weiteren Staus und Verzögerungen, da sie die Routen ihrer Schiffe anpassen müssen. Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen geht inzwischen davon aus, dass die Lage sich "frühestens im ersten Quartal 2022 entspannen wird ". Er glaubt nicht, "dass sich die Situation schnell normalisieren wird - trotz aller Anstrengungen und der zusätzlichen Containerkapazitäten, die in den Markt gebracht werden."
Sieben unmittelbare Folgen für die Händler
Nicht nur die China-Route, auch der Schifffrachtverkehr in andere Regionen der Welt ist von dem Corona-bedingten Peitscheneffekt betroffen. Das hat eine Reihe von Auswirkungen:- Waren, die aufgrund ihres hohen Gewichts nicht mit Luftfracht transportiert werden können, werden deutlich später ankommen als in den Vorjahren.
- Aufgrund der sich ändernden Politik der Kommunistischen Partei Chinas greift diese bei Arbeitszeitverstößen stärker zu. In Kombination mit den nach wie vor stattfindenden gelegentlichen Shutdowns kann es zu einzelnen, kaum vorhersehbaren Produktionsengpässen in China kommen.
- Die steigenden Containerpreise sorgen für höhere Seefrachtkosten.
- Weil ein Teil des Frachtverkehrs sich in dieser Folge in die Luft verlagert, kann man mit Preiserhöhungen und Engpässen auch bei der Luftfracht rechnen.
- Das Problem ist mittlerweile auch in den Massenmedien angekommen. Die Folge wird sein, dass in den obligatorischen Vor-Weihnachts-Ratgebern allseits geraten wird, früher zu bestellen.
- Der Black Friday wird an manchen Stellen bereits jetzt schon als "letzter Bestelltermin vor Weihnachten" kommuniziert. Black Friday/Cyber Monday werden also 2021 zum entscheidenden Stichtag.
- Wenn Produktlieferungen nicht rechtzeitig ankommen und in der Folge nicht rechtzeitig zu Weihnachten ausgeliefert werden können, ist mit einer steigenden Stornoquote beziehungsweise nach Weihnachten mit mehr Retouren zu rechnen.
| Was Onlinehändler jetzt tun können |
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1. Bestellung: Jetzt
Was immer Sie noch brauchen: Bestellen Sie es sofort und klären Sie mit Ihren Lieferanten möglichst verbindliche Liefertermine. Prüfen Sie mit Ihren Lieferanten und Logistik-Dienstleistern, inwieweit Sie auf Luftfracht ausweichen können. Erhöhen Sie - sofern möglich - Ihren Lagerbestand, so dass Sie auch im Nach-Weihnachtsgeschäft im Januar 2022 lieferfähig bleiben. Kalkulieren Sie bei Containerware zudem Ihre Preise mit dem spitzen Bleistift. Unter Umständen müssen Sie sich kurzfristig nach alternativen Lieferanten umsehen - selbst, wenn Sie die Preise erhöhen müssen.2. Kommunizieren Sie Lieferzeiten und Lieferkosten frühzeitig
Vor allem bei Nicht-Saisonware sollten Sie zeitnah Liefergarantien kommunizieren. Auch eine Aktion "Sicher bestellen per Luftfracht direkt vom Hersteller" zu Zusatzgebühren ist unter Umständen für den einen oder anderen Bestellenden eine Alternative. Getreu dem Motto: "Lieber etwas mehr bezahlen, aber dafür die Ware garantiert erhalten".3. Investieren Sie in Ihre Marke
Es kann sicher nicht schaden, bei der Kommunikation im Vorfeld zum Black Friday mit unterschiedlichen Szenarien zu planen. Grundsätzlich gilt: Sämtliche Inhalte, die nach draußen gelangen, sollten relevant sein. Ob Sie nun auf Wettbewerber-Kampagnen aufspringen und Ihre Community unterhalten oder einige Tipps für die kalte Jahreszeit bereithalten: Regelmäßige Inhalte mit Mehrwert zahlen stärker auf eine Marke ein als Tiefpreise, die es nur einmal im Jahr gibt.
Entsprechend können gerade ECommerce-Unternehmen die nächsten Wochen nutzen, um noch mehr Menschen für sich und ihre Marke(n) zu begeistern. Doch Brand-Kommunikation bietet nicht nur die Möglichkeit, die eigene Sichtbarkeit zu bestimmten Themen und Produkten zu steigern. Eine entsprechende Kampagne in den digitalen Kanälen kann obendrein nützliche Daten liefern und dazu beitragen, durch eine verbesserte Kundenkenntnis den Absatz am Black Friday zu steigern.
4. Gestalten Sie Budgets flexibel
Während frühzeitige Branding-Kampagnen noch vergleichsweise preiswert ausfallen dürften, ist zu erwarten, dass zum Black Friday der Wettbewerb um mögliche Käuferinnen und Käufer extreme Ausmaße annehmen wird. Das wird sich in den Anzeigenpreisen bemerkbar machen, ob nun bei Google, Facebook oder Instagram. Auf diese Zeit kann man sich vorbereiten - zum einen, indem man, wie oben ausgeführt, der Konkurrenz einen Schritt voraus ist und den Fokus zunächst auf die Markenkommunikation richtet. Darüber hinaus bietet es sich an, Werbebudgets in diesem Jahr möglichst flexibel zu gestalten und so in der Lage zu sein, seine Ausgaben kurzfristig zu erhöhen, wenn das Geschäft in Schwung kommt. Ein Blick auf die Zahlen des Vorjahres kann da zur Orientierung sicherlich nicht schaden - dennoch sollten sich Werbetreibende darüber bewusst sein, dass der Black Friday im Jahr 2021 ein gänzlich anderes Event sein wird als 2020 - und auch ein anderes als im Vorjahr.
5. Frühzeitig Testkampagnen starten
Aufgrund der gänzlich neuen Voraussetzungen für das Weihnachtsgeschäft 2021 wird ein Erfolgsrezept darin bestehen, bewusst anders und vor allem früher zu kommunizieren. Das übergeordnete Ziel sämtlicher Sales-Aktivitäten sollte dennoch weiterhin darin bestehen, Ihren KundInnen einen echten, auf die derzeitige Situation abgestimmten Mehrwert anzubieten, statt sich nur auf den Preis zu konzentrieren. Denn speziell in diesem Jahr wird es selbst am Black Friday nicht nur um den besten Deal gehen.
Die Liefersituation bietet den perfekten Anlass, sein eigenes Produktportfolio zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Statt also am Black Friday ausschließlich Bestseller hervorzuheben und Platz im Lager zu schaffen, könnte es Sinn machen, Produkte speziell zu promoten, die gerade nicht von Lieferverzug betroffen sind. Gerade dann, wenn entsprechende Produktgruppen ohnehin schon Teil des Sortiments sind. "Produkte aus der Region", "Made in Germany", "Ware aus Europa" - das zahl auch auf das wachsende Interesse und noch auf Nachhaltigkeit ein.
6. Click & Collect anbieten, wo immer es geht
Die KonsumentInnen erwarten, dass Unternehmen aus den Erfahrungen während des Lockdowns, als es nicht selten zu Verzögerungen bei der Lieferung oder Nicht-Zustellungen kam, gelernt haben. Eine Option zur Optimierung ist hier die tatsächliche Verknüpfung von online und offline: Für Marken mit einer physischen Präsenz in Form von Ladengeschäften hat sich "Click & Collect" nachhaltig etabliert. Das sorgt bei KonsumentInnen auch für Sicherheit, weil man die Ware sicher und schnell in Händen hält.
Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass neue Formen des Shoppings ohne direkten Personenkontakt auch in Europa kein bloßes Zukunftsszenario mehr sind. Wie die Universität St. Gallen in einer gemeinsamen Studie mit dem Innovationsdienstleister Zühlke ermittelt hat, sind kontaktlose Formen des Einkaufens unter VerbraucherInnen auf dem Vormarsch, insbesondere automatisierte Selbstservice-Läden sowie virtuelle Geschäfte.
7. Keine Geschenkidee: Nutzer inspirieren und beraten
Spätestens zum Black Friday startet nicht nur die Schnäppchen- sondern auch Geschenkesuche. Hier stehen viele vor der Frage: Was soll ich schenken? Shopbetreiber können ihren NutzerInnen hier mit Inspirationsseiten zu den schönsten Geschenkideen unter die Arme greifen. Eine weitere Möglichkeit sind Beraterfunktionen im Shop: Mit Hilfe eines Geschenkeberaters finden die Nutzerinnen und Nutzer sicherlich zur idealen Geschenkidee für Familie und Freunde. Hierbei werden die Userinnen und User durch einen vordefinierten Fragenkatalog geführt. Schritt für Schritt wird das Sortiment durch Informationen wie z.B. Alter und/oder Geschlecht des zu Beschenkenden aber auch das Preissegment, in dem man sucht, eingegrenzt, bis am Ende Vorschläge für die passenden Geschenke stehen.8. Die 'Auf den letzten Drücker'-Kommunikation schon jetzt planen
Auch für VerbraucherInnen scheint das Heraufziehen der Weihnachtszeit oft eine Überraschung zu sein. Gerade war man (endlich) im Urlaub, schon bleiben nur noch wenige Tage, um die Geschenke zu besorgen. Das bedeutet in diesem Jahr besonders die Besorgnis, ob die Lieferung auch pünktlich unter dem Weihnachtsbaum liegt. Deshalb ist es für Sie wichtig, ausdrücklich auf die Lieferzeiten zum Fest hinzuweisen und klare Deadlines zu nennen. 2021 werden Sie diese vermutlich anpassen müssen: "Bis 6.12. 12:00 Uhr bestellen und die Lieferung garantiert vor Weihnachten erhalten", dieser Satz nimmt den KundInnen bekanntlich die Angst.Doch was tun, wenn Teile des Sortiments nicht mehr rechtzeitig ankommen? Eine Möglichkeit ist es, die Recommendation-Engine dahin anzupassen, dass sie Alternativprodukte empfiehlt, die es garantiert unter den Baum schaffen. Oder Sie bieten eben einen "Super-Express-Luftfracht-Upgrade" für einzelne Waren an.
