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China: Die zweitgrößte Webnation der Welt macht Nutzer mundtot
08.12.2003 (iBusiness) In China ist erneut ein Internet-Dissident zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er im Internet politische Freiheiten gefordert hatte. Das Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte in China hatte berichtet, dass dem 32-jährigen Yan Jun "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" vorgeworfen wird.
In der vergangenen Woche hatte China vor dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Studentin wieder auf freien Fuß gesetzt, die im Internet für demokratische Reformen geworben hatte (iBusiness berichtete). Die chinesische Regierung habe zwar mit den Freilassungen ein positives Signal gegeben, erklärte Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen in Paris. "Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Informations- und Meinungsfreiheit im Internet täglich unterdrückt werden", kritisierte er. Die Menschenrechtsorganisation erinnert daran, dass immer noch mehr als 40 Cyberdissidenten in China hinter Gittern sind, weil sie im Internet regimekritische Texte veröffentlichten.
China ist nach den USA das Land mit den meisten Internetnutzern weltweit: geschätzte 78 Millionen bis zum Ende des Jahres. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge forciert die chinesische Regierung zwar den Ausbau des Webs, als Chance für die Wirtschaft und als Propagandaplattform. Regierungskritische Foren dagegen würden blockiert und zensiert.
Dabei ist der Bedarf der Chinesen an freier Meinungsäußerung über das Internet enorm: Bei einer Pekinger Umfrage antworteten dem Zeitungsbericht zufolge 71 Prozent, dass das Netz ihnen mehr Gelegenheiten gebe, ihre politischen Ansichten auszudrücken.
