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Brennpunkt KI

KI: Eine neue Politik-Elite erblickt das Licht einer gefilterten Welt

10.05.2024 Schön wäre es, wenn KI "in aller Munde" wäre, wie man ständig liest. Dann würden wir sie ja irgendwann verdauen. Tatsächlich wird KI zur Politik und KI-Konzern-Chefs werden Politiker.

KI ist in aller Munde (Bild: Sebastian Halm/ Midjourney)
Bild: Sebastian Halm/ Midjourney
KI ist in aller Munde
Die Menschheit kaut offenbar sehr langsam, denn KI ist auch heute, anderthalb Jahre nach dem ChatGPT-Urknall, noch immer "in aller Munde". Google   listet eine unerschöpfliche Liste von Newsseiten, die auch heute noch den Menschen die smarten Algorithmen zwischen die Kauleisten schieben. Zweite Standardfloskel der KI-Berichterstattung ist die KI, die "gekommen ist, um zu bleiben". Manchmal schäme ich mich für/fürchte mich um meine Journalisten-Kollegen: Was sollen wir denn den ChatGPTs   und Geminis   dieser Welt entgegensetzen, wenn wir so schreiben, dass die Euros in der Floskelsau klimpern? Und falsch ist es auch noch.

Denn KI ist nicht in den Mündern, sondern aktuell vor allem in Asien. Dort tobt eine wahre Investitionsschlacht. Der aktuelle Marktführer USA will ein strammes Standbein in die Nervenzentren der aufblühenden KI-Industrie in Fernost setzen. Denn vor allem China muss man im Auge behalten, die Nation ist nicht nur technisch gut aufgestellt und rücksichtslos nutzenorientiert - ist gibt dort aufgrund der zahlreich vertretenen Menschen auch Daten, dass der Rest der Welt blass wird: China hat mit 1,4 Milliarden datenproduzierenden Individuen so viele Einwohner wie die USA, Europa und ganz Südamerika zusammen. Und wenn es eines noch mehr hat, dann sind das keine Hemmungen, diese Date zu erfassen.

Und so gehen Industriechefs wie einst Staatschefs auf Asien-Tournee und verteilen abfotografiert Dollars, dass jedem Entwicklungshilfe-Minister die Neides-Tränen rinnen:

Microsoft-Chef Satya Nadella hat in drei Tagen drei Nationen besucht und mit Milliarden von US-Dollar beglückt: 1,7 Milliarden Dollar gehen nach Indonesien, ein unbekannte Betrag an Thailand und 2,2 Milliarden Dollar an Malaysia. Microsoft   investiert damit in einen neuen Markt und Entwicklungsstandort für sein Cloudgeschäft. Und damit das brummt sollen die Microsoft-Taler in Infrastruktur und Aus- und Weiterbildung fließen: Das ehrgeizige Ziel lautet, binnen eines Jahres 2025 2,5 Millionen Arbeiter in Südostasien KI-fit zu machen.

Und in das nicht gerade finanziell unterversorgte Abu Dhabi gehen auch Milliarden, wie das Handelsblatt berichtet  : Öl ist ja bald alle und man muss irgendwie reich bleiben - KI ist der Schlüssel zur Fortsetzung der auf Petrodollar gebauten Dynastien. Woher das Geld kommt scheichegal!

Die Privatwirtschaft legt da ein Tempo vor, bei dem keine Politik mithalten kann. Währenddessen wartet in Deutschland eine einsame Grundschullehrerin auf den IT-Support für das Whiteboard wartet und die Nation diskutiert, ob man Tablets im Unterricht verwenden sollte.

Die Konzerne dieser Welt werden damit noch mehr zu Politikern, als sie es ohnehin schon sind. Sie lassen Weltregionen gedeihen oder veröden, erschaffen ein Prekariat an unterbezahltem Lieferpersonal hier, heben dort das Bruttosozialprodukt einer Nation mit günstigen Steuergesetzen in die Höhe. Wie KI immer mehr Politik wird, hat iBusiness bereits in der Analyse KI-Ökonomie beleuchtet. Dass Wirtschaft und Politik kaum zu trennen sind, ist nichts Neues, aber mit KI kommt ein neuer Aspekt hinzu, den man im Auge behalten muss: KI entscheidet über immer mehr Bereiche des Lebens - das ist problematisch, weil die Daten bestehende Ungerechtigkeiten eher verstärken als abmildern: Schätzt eine KI ein, wer wohl kriminell werden wird, wird sie die immer gleichen Bevölkerungsgruppen auswerfen. Da ihre Prognostik anhand Daten von Kriminellen trainiert wurde (wie sonst), entsteht ein Befangenheits-Teufelskreis, ebenso bei Bewerbungen und in vielen anderen Bereichen.

So etwas darf man genau so wenig Konzernen überlassen, wie die Entscheidung darüber, was wir noch zu sehen bekommen: KI wird der Filter, den die AI-Anbieter unserer Weltsicht vorschalten. Bei Midjourney darf man schon milde erotische Bilder nicht generieren, weil so viele Reizwortfilter vorgeschaltet sind, die verhindern sollen, dass der Bild- zum Pornogenerator wird.

Auf Youtube soll demächst eine neue Funktion namens 'Jump Ahead' dabei helfen, langweilige Stellen in Videos zu überspringen und direkt zum Kern eines Videos zu wechseln, berichtet Heise  . Youtube könnte also beispielsweise festlegen, ob kritische Aspekte gegenüber dem Alphabet-Konzern oder seinen Partnern laaaaaaangweilig sind und dem von TikTok bereit aufmerksamkeitsgeschwächten NutzerInnen nahelegen, den Quatsch doch zu überspringen.
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