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Studie: Unternehmen halten sich für wachstumsstark, scheuen aber radikale Veränderungen

11.07.2018 Drei Viertel der Fach- und Führungskräfte in Deutschland schätzen das eigene Unternehmenswachstum im Vergleich zum Wettbewerb als durchschnittlich bis überdurchschnittlich ein. Um dies zu sichern, verfolgt die Mehrheit vor allem bewährte Strategien. 85 Prozent bauen auf das Kerngeschäft. Deutlich weniger setzen auf Veränderung: 46 Prozent der Unternehmen entdecken die Nicht-Kunden als Wachstumsmarkt, beispielsweise neue Alters- und Einkommensgruppen. Nur 19 Prozent setzen auf radikale Erneuerung, indem sie komplett neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das sind die Ergebnisse der Studie 'Potenzialanalyse flexibel wachsen' von Sopra Steria Consulting   und dem F.A.Z.-Institut  .

 (Bild: Joe M500 / WEST LOOP CHICAGO)
Bild: Joe M500 / WEST LOOP CHICAGO
Bild: Joe M500 / WEST LOOP CHICAGO unter Creative Commons Lizenz by
Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland hält sich für wachstumsstark. Uneinigkeit herrscht darüber, ob das auch in Zukunft noch so sein wird. Aus Sicht von 47 Prozent der Befragten wird das eigene Geschäftsmodell in seinem Grundkonzept auch in zehn Jahren noch funktionieren. Gleichzeitig spüren Unternehmen, dass Wachstum in den vergangenen zehn Jahren immer schwerer zu erreichen war. Der Konkurrenzdruck hat aus Sicht von 77 Prozent der Befragten in den vergangenen drei Jahren stark beziehungsweise sehr stark zugenommen. Zu radikalen Veränderungen des eigenen Geschäftsmodells ist es bislang allerdings selten gekommen. Beispiele wie der Einstieg von MAN Truck & Bus in die Logistikbranche mit der eigenen Cloud-Plattform Rio sind die Ausnahme. 20 Prozent der Befragten berichten, das eigene Unternehmen erziele heute einen beträchtlichen Teil seines Wachstums mit Produkten und Dienstleistungen, die nicht zum ursprünglichen Kerngeschäft gehören.

71 Prozent der Befragten nennen als wichtigstes Wachstumserfordernis eine kontinuierliche Selbstreflexion des unternehmerischen Handelns und das Hinterfragen des eigenen Geschäftsmodells. 90 Prozent halten mehrgleisige Strategien für sinnvoll, beispielsweise Unternehmenszukäufe mit dem Erschließen neuer Kundengruppen zu kombinieren. Zudem erkennen Unternehmen, dass sie wichtige Wachstumsquellen nicht anzapfen können, weil die Voraussetzungen fehlen. Digitalpioniere wie Netflix   und Spotify   machen beispielsweise vor, wie aus exakter Kundenkenntnis ganze Geschäftsmodelle entstehen. Hiesige Unternehmen wollen hier technologisch aufholen: Knapp sechs von zehn investieren in neue IT-Systeme für eine verbesserte Kundenansprache. Rund jedes vierte forciert die Entwicklung internetbasierter Geschäftsmodelle.

Um zu wachsen, haben die Unternehmen in den vergangenen drei Jahren diverse Maßnahmen ergriffen. Der wichtige Wachstumsmotor ist das Know-how der Mitarbeiter. Sechs von zehn Unternehmen haben in Weiterbildung investiert. Ebenso viele haben neue Produkte in ihr Sortiment genommen. Jedes zweite Unternehmen hat sich technologisch modernisiert. Forschung und Entwicklung, Kooperationen mit anderen Unternehmen und Hochschulen sowie Expansion in Ausland sind weitere zentrale wachstumsfördernde Maßnahmen.

55 Prozent der Befragten berichten, dass Schwierigkeiten bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter das Erreichen der Wachstumsziele signifikant erschwert. Jedes dritte Unternehmen steckt zudem tief in Veränderungsprozessen und kämpft mit Problemen wie verunsicherten Mitarbeitern und der Implementierung neuer Technologien. Externe Effekte fallen als Wachstumshemmnis dagegen weniger ins Gewicht. Eine hohe Steuer- und Abgabenentwicklung oder steigende Energie- und Rohstoffpreise gefährden nur für jeden fünften Befragten das Erreichen der Wachstumsziele, so die Studie.
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