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Künstliche Intelligenz

24 Fragen: Kann Ihre Agentur Künstliche Intelligenz?

02.08.2023 Sie wollen wissen, wie ihre Firma mit Künstlicher Intelligenz umgehen soll und fragen ihre Agentur. Aber weiß die überhaupt, wovon sie spricht? 24 Fragen, mit denen sie es herausfinden.

Können diese Gesichter lügen? Können diese Füße (nicht im Bild) fremdgehen? Besser man fragt nach. Sonst spricht man mit Menschen (nicht im Bild), die von Künstlicher Intelligenz (Autorin dieses Bilds) unbeleckt sind (Bild: Midjourney/Sebastian Halm)
Bild: Midjourney/Sebastian Halm
Können diese Gesichter lügen? Können diese Füße (nicht im Bild) fremdgehen? Besser man fragt nach. Sonst spricht man mit Menschen (nicht im Bild), die von Künstlicher Intelligenz (Autorin dieses Bilds) unbeleckt sind

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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
Referenzen, Ziele und genaue Spezifikationen des KI-Modells sollten immer erfragt werden, bevor man sich an eine Agentur bindet.
Künstliche Intelligenz ist Mainstream-Thema, seitdem es ChatGPT auf das öffentliche Radar gehoben hat: Seit Ende 2022/Anfang 2023 kann jeder KI, macht jeder KI und jeder will KI. Tatsächlich gibt es aber sowohl in der Expertise der Berater und Agenturen als auch in der Ausrichtung der KI-Tools schon lange enorme Kompetenz-Unterschiede.

Manche Agenturen setzen schon seit Jahren KI ein, ohne es jemals an die große Glocke gehängt zu haben, manche Tools leisten seit Jahren wertvolle Dienste (etwa in Medizin, Anomalien-Detektion) ohne, dass hundert Pressemitteilungen ihr Loblied gesungen haben. Was wir sagen wollen: Die Agentur, welche am lautesten KI brüllt, ist nicht unbedingt die kompetenteste. Kann natürlich sein. Ist aber oft eben nicht so. Wie man weitgehend sicher gehen kann, dass man einen KI-kompetenten -Dienstleister für sein KI-Projekt hat, lässt sich ganz gut einschätzen, wenn man die richtigen Fragen stellt. Hier sind 24 kluge Fragen zum Thema Künstliche Intelligenz, die Marken auf der Suche nach KI-Kompetenz eine Orientierung geben können.

Mal grundsätzlich gefragt...?

  1. Brauche ich überhaupt ein KI-Tool? - Ja, es ist absolut denkbar, dass Ihre Firma auch ohne noch weiter existieren kann. Doch selbst wenn Sie KI dringend in Ihre Abläufe integrieren sollten - die Agentur muss schon eine bessere und individuellere Antwort haben als: "Machen jetzt alle, ist die Zukunft, sonst hängt einen der Wettbewerb ab, Studien zeigen Unternehmen Mit KI sind fortschrittlicher/umsatzstärker etcblabla". All das ist zweifelsohne richtig, aber spannend ist nur, was konkret KI für Ihre Firma leisten kann und wieso ausgerechnet diese Agentur es umsetzen kann.
  2. Wenn ich KI brauche, wozu? In welchen Bereichen wird es wie in die Prozesse integriert? Setzt es Kapazitäten frei? Und wenn ja, was mache ich mit der freigesetzten Arbeitskraft?
  3. Haben Sie Tipps dazu, wie ich das ganze einpreisen soll? Sinken meine Preise und vielleicht die Budgets, wenn ich KI einsetze und kann ich dem entgegenwirken? - Wenn KI Abläufe schneller macht und der ein oder andere Mitarbeiter nun weniger Zeit mit basalem Kram verbringt, wie bilde ich das preislich ab? Niedrigere Preise sind selten eine gute Idee, man kann auf verschiedene Arten die Budgets neu einsetzen - etwa, indem man höher qualifizierte Mitarbeiter einsetzt oder im Rahmen desselben Budgets mehr Output generiert.

Wer sind Sie und was tun Sie?

  1. Welche Informationen benötigen Sie von mir, um ein konkretes Angebot zu erstellen? (Ziele, Wünsche und so fort) - Hier sollte der Dienstleister sich dann nach beim Kunden vorhandenen Trainings-Daten erkundigen, nach deren Zustand. Auch wenn er nach der Kompetenz auf Kundenseite fragt ist das etwas Gutes: Habt ihr einen Fachmann bei Euch, der mithelfen kann?
  2. Worauf sind Sie spezialisiert? - KI ist ja nicht gleich KI. Ein generatives Tool wie ChatGPT etwa, das sich zur Content-Erstellung eignet, ist etwas anderes als eine KI zur Anomalie-Detektion, die Fehler in Industrieanlagen aufspüren hilft.
  3. Haben Sie Referenzen? Vorzugsweise aus einer artverwandten oder derselben Branche? - Christian Bennefeld ist studierter Informatiker und Mathematiker, der Datenexperte und Serien-Gründer empfiehlt hier nicht nur nach den generellen Erfahrungen zu fragen, sondern gezielt, ob "er das schon in meinem Kontext gemacht hat, also hat er Domänen-Wissen? Wenn ich etwa ein Versicherer bin, sollte ich fragen, ober er schon für andere gearbeitet hat?" Hintergrund dieser Frage-Strategie ist die Tatsache, dass KIs extrem spitze Tools sind. ChatGPT kann zwar Aktientipps geben, aber es existieren nur für diesen zweck konzipierte und trainierte Spezial-KIs, die viel weniger können als das gehypte Foundation-Modell von OpenAI; aber die eine Sache, die sie können, beherrschen sie viel besser. Daher ist es ein Plus, wenn der Dienstleister die branchenspezifischen Spezialtools kennt.
  4. Haben sie juristische Expertise im Haus? - Die Verwendung von Daten für eine KI zu Trainingszwecken kann sehr heikle rechtliche Fragen aufwerfen, besonders, wenn so heikle Aspekte berührt werden wie etwa Gesundheit, etwa in diagnostischen KI-Umfeldern. Wenn der Dienstleister hier nicht Auskunft geben kann, was geht und was nicht, dann muss man eine entsprechende Beratung eventuell zukaufen.
  5. Wie viele Jahre Erfahrung haben Sie in Sachen Künstlicher Intelligenz? Es gibt Agenturen, die nach dem ChatGPT-Hype mal schnell die entsprechenden Keywords auf der Webseite verstaut haben und Agenturen, spezialisierte wie auch breit aufgestellte, die schon seit Jahren KI-Tools nutzen. Interessanter als die Schlagworte auf der Webseite ist es zu erfahren, wieviel Personen mit welcher Erfahrung dort arbeiten.
  6. Welches KI-Modell brauche ich Ihrer Ansicht nach? - Es gibt KIs, die speziell für den Kunden trainiert werden, es gibt Foundation-Models, die so etwas sind wie Schweizer Taschenmesser und dann für verschiedenste Aufgaben angepasst werden können. Es gibt OpenSource-Modelle. Manche Modelle, laufen extern, andere auf dem Server des Kunden selbst.
  7. Überprüfen Sie auch wie unser Wettbewerb Künstliche Intelligenz einsetzt, so dass sichtbar wird, inwiefern wir hinterherhinken oder wo Defizite und Chancen liegen?
  8. Arbeiten Sie gar bereits für einen Konkurrenten von uns? - Und wenn ja: Würden Sie unsere Daten nutzen, um dessen KI zu trainieren? Oder umgekehrt: Würden Sie uns eine KI anbieten, die mit den Daten von Wettbewerbern trainiert wurde? - Letzteres mag verlockend erscheinen, sollte aber alle Alarmglocken losgehen lassen. Denn wer so etwas anbietet wird wohl kaum zögern, KI-basierte Leistungen weiter zu verkaufen, nachdem sie mit kritischen Daten gefüttert wurde.
  9. Wo hin genau gehen Daten, die wir ihnen zur Verfügung stellen? Bleiben Sie bei Ihnen? Bekommt sie auch ein Dienstleister wie Open AI  , Amazon Web Services  ?
  10. Welche KI-Tools nutzen Sie? - Wenn hier nur über ChatGPT geredet wird, dann haben Sie es wohl mit einem kleinen Surfer auf der hype-Welle zu tun, denn tatsächlich gibt es haufenweise eigene KI-Tools, die je nach Branche und Spezialisierung um einiges präziser arbeiten und besser geeignet sind. Auch mit PlugINs sollte sich eine Agentur auskennen: Im SEO etwa lässt sich mittels diverser PlugIns die Keyword-Analyse und Generierung von Metatiteln automatisieren (siehe iBusiness-Analyse zu ChatGPT im SEO).
  11. Legen Sie für ihre Kunden Promptdatenbanken an/raten Sie Ihren Kunden dazu und wieso ist das Ihrer Ansicht nach sinnvoll(nicht sinnvoll? - Wenn es schon ChatGPT sein soll, wird ihnen eine gute Agentur erklären, wie man das Tool spezifisch trainieren und mittels Promptdatenbanken genauer machen kann (wie das geht hat iBusiness hier analysiert). Andrerseits gibt es auch Argumente, die dagegen sprechen: Datenschutz etwa. Wenn zum Beispiel die Datenbank auf einem externen Server gespeichert wird, gibt man den KI-Tool-Anbietern eventuell Tipps, die sie dann indirekt der Konkurrenz weitergeben. Man darf also auch hier die Frage nach Speicherorten/Datenschutz stellen.

Kreuzverhör, andersherum: Was die Agentur den Kunden oder die Kundin fragen sollte

Ein gutes Zeichen ist es auch, wenn die Agentur selbst anfängt, intensiv zu fragen.

  1. Was sind eigentlich Ihre genauen Ziele? Ab welchem messbaren Ergebnis wären Sie zufrieden mit unserer Leistung? (etwa mehr Output mittels generativer KI, deutliche Entlastung der Mitarbeiter via Künstlicher Intelligenz oder reden wir über harte Kennzahlen wie Mehrumsatz?)
  2. In welchem finanziellen Rahmen bewegen wir uns, um Ihre Ziele zu erreichen?
  3. Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen und von wem? - Wer sind Ihre Hauptkonkurrenten, damit wir nicht mit einem Messer zu einer Schießerei laufen und wissen, worauf wir uns einlassen?
  4. Haben Sie intern Kompetenz zum Thema KI im Haus? Was ist ihr Wissensstand? Gibt es MitarbeiterInnen, die fest auf das Projekt angesetzt werden und nun mit uns kooperieren?

Vertrag, Kosten

  1. Ist es möglich, regelmäßig den Erfolg zu prüfen und bei Erfolglosigkeit ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch zu nehmen? - Gerade bei KI-Projekten kann sich nämlich herausstellen, dass man irgendwann nicht wie geplant weiterkommt, beispielsweise wenn man herausfindet, dass die Daten nicht im erhofften Maße für das Training taugen? "Manchmal geht es nach der ersten Phase eines KI-Projektes schon nicht mehr in die richtige Richtung", sagt Christian Bennefeld. "Man sollte also Sollbruchstellen in verschiedenen Projektphasen einbauen, pausieren und nachsehen, was genau da passiert."
  2. Welche Kosten entstehen mir? Fallen Zusatzkosten an? - Hier ist es spannend zu erfahren auf welcher Basis die KI aufsetzen soll: Läuft sie lokal bei der Firma selbst? "Wenn sie dagegen in einem Rechenzentrum läuft, können dafür monatliche Zusatzkosten anfallen, da stellt sich die Frage, ob die noch obendraufkommen", sagt Bennefeld.
    Auch Nachtrainings können anfallen, die Zeit, Aufwand und Geld fressen. Eine Fluglinie etwa hatte eine KI eingesetzt, die die Koffer der Passagiere auf die Förderbänder verteilt. Hier kam es dazu, dass sich Koffer in den Anlagen verfangen haben. Weil sie schief lagen oder besondere Formen hatten. Die Fluggesellschaft musste dann nachtrainieren lassen, wie Koffer aussehen, wenn sie falsch auf dem Band positioniert sind oder wenn sie schwierige Formen haben, die Anlage leitete diese schweren Fälle dann auf spezielle Transportstraßen um.

Nicht unbedingt künstlich intelligente, aber trotzdem recht kluge Bonus-Fragen

Es gibt eine Reihe von Fragen, die nicht explizit etwas mit KI zu tun haben, die man einer Agentur aber trotzdem sehr gut stellen kann, bevor man ein KI-Projekt angeht.
  1. Wie rechnen Sie ab? (Nach Stunden, Tagen, Pauschalen oder Erfolg)
  2. Muss ich vor Vertragsabschluss für eine erste Analyse oder Recherche bezahlen?
  3. Bekomme ich Support bei der Umsetzung oder machen Sie das neben der Beratung auch exekutiv, also Full-Service-Paket?
  4. Wie transparent arbeiten Sie? Kann ich Ihre Maßnahmen selbst nachvollziehen oder ist es eine Art Black Box?
  5. Wie lange wird es dauern, bis die ersten Ergebnisse zu sehen sind?
  6. Habe ich einen festen Ansprechpartner oder wechselt das jedes Mal, wenn ich anrufe?
  7. Welche Reaktionszeit können Sie garantieren bei spontanen Fragen?
  8. Welche Dinge müssen wir intern lösen und welche können Sie uns abnehmen?
  9. Wie viele Stunden oder Tage kalkulieren Sie in Ihrem Angebot für uns ein, bis wir unsere gemeinsam definierten Ziele erreicht haben?
Thema: 24 Fragen: Kann Ihre Agentur Künstliche Intelligenz?

Kommentar von Sebastian Halm

Keine Referenzen? Nicht unbedingt ein Problem?

Man sollte darauf achten, dass die Agentur beim KI-Projekt kundenaffine Referenzen hat. Fehlen die, muss das trotzdem kein Auschlusskriterium sein.

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Leitet 200 Agenturen und hat noch Zeit zu rauchen: iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Midjourney/Sebastian Halm)
Bild: Midjourney/Sebastian Halm
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