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Deutschland 2041: Ständig Freizeit oder immer arbeitslos? So sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus

14.07.2016 Roboter-Taxis, Einkaufsagenten und künstliche Media-Bots: In Zukunft werden sich unsere Jobs gewaltig verändern. iBusiness blickt anlässlich seines (bevorstehenden) 25. Geburtstags nach vorn - und zeigt, wie die Arbeitswelt in 25 Jahren aussehen wird.

Der Unterschied ist fein, aber durchaus entscheidend: Werden wir jetzt alle arbeitslos oder haben wir einfach nur etwas länger frei? (Bild: FrankWinkler / pixabay.com)
Bild: FrankWinkler / Pixabay
Der Unterschied ist fein, aber durchaus entscheidend: Werden wir jetzt alle arbeitslos oder haben wir einfach nur etwas länger frei?

HANDLUNGSRELEVANZ

 
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
TL;DR
In 25 Jahren werden wir wahrscheinlich nicht weniger, aber in weltweit gespannten Netzwerken arbeiten, die sich schnell auf- und abspannen lassen. Arbeitskraft wird ein extrem flexibel einfügbarer Faktor.
Erstaunlich, wie sich die Zukunft im Laufe der Zeit wandelt. Noch in den 70er-Jahren sah die vorherrschende Fiktion vor, dass die meisten Menschen bei steigendem Wohlstand immer weniger arbeiten müssen. 1972 strahlte das ZDF die Produktion "Richtung 2000 - Vorschau auf die Welt von morgen  " aus. Dort klingelt der Wecker zwar immer noch morgens um 7:30 Uhr - denn, wie der Sprecher erklärt, "arbeiten immerhin noch die meisten 25 Stunden pro Woche" -, den Hauptteil des Tages verbringen die Menschen jedoch in vollautomatisierten Wohneinheiten mit den angenehmen Dingen des Lebens: Video-Telefonie, Teleshopping, Zeitunglesen (kommt aus der Telefonleitung) ... . Arbeit? Erledigen Maschinen!

Ganz andere Sorgen machen sich die Menschen dagegen im Jahr 2016: Wenn immer mehr Arbeit von Robotern und Computern erledigt wird, wovon soll dann die Mehrheit der Menschen leben? Schon in den nächsten fünf Jahren werden fünf Millionen Arbeitsplätze in den Industrieländern für immer wegfallen, sagte jüngst die Studie "The Future of Jobs  " des Weltwirtschaftsforums in Davos voraus. Die Prognose ist noch konservativ: 2013 kam die Oxford-University zu dem Schluss, dass 47 Prozent der Jobs in den USA hochgradig (zu 70 Prozent) automatisierungsgefährdet sind ("The Future of Employment; How Susceptible are Jobs to Comuterisation?"  ).

Immerhin: Das Thema - Automatisierung - ist in den vergangenen fünf Jahrzehnten gleich geblieben. Nur die Schlussfolgerung hat sich radikal geändert. Es spricht einiges dafür, dass sich daraus eher etwas über den jeweiligen Ist-Zustand der Gesellschaft ableiten lässt: In den 70er-Jahren klang offenbar noch die Wirtschaftswunder-Erfahrung nach, der zufolge ein steigender Wohlstand der gesamten Bevölkerung zugute kommt. Nach der Jahrtausendwende scheint dagegen die Annahme realistischer, dass ein kleiner Teil von Wohlhabenden einen großen Teil der Bevölkerung vom Wirtschaftswachstum ausschließen will.

Ranking der am wahrscheinlichsten (=1) und am unwahrscheinlichsten (=0) automatisierbaren Jobs laut Osborne/Frey-Studie
0,0028 Freizeittherapeut
0,0042 Chirurg
0,0065 Computersystemanalytiker
0,01 Lehrer
0,013 Vertriebsleiter / Marketingmanager (0,014)
0,021 Modedesigner/Fotografen
0,038 Autoren/Schriftsteller
0,055 Redakteure
0,084 ErzieherInnen
0,13 Tänzer
0,17 Feuerwehrleute
0,2 Statistiker
0,35 Klempner
0,55 Piloten
0,6 Schlachter/Fleischverpacker
0,7 Zimmermänner
0,9 Taxifahrer/ Chauffeure
0,92 Versicherungsverkäufer
0,94 KellnerInnen
0,95 Manikürist/Pedikürist
0,96 Köche (Restaurant)
0,98 Kassierer
0,99 Telemarketing-Angestellte
Quelle: Osborne/Frey-Studie   (2013)
Tatsächlich sind Rationalisierung und Automatisierung ein Dauerthema. Seit den Anfängen der Industrialisierung gab der mechanische Fortschritt immer wieder Befürchtungen vor einer drohenden Massenarbeitslosigkeit Nahrung. Ende des 19. Jahrhunderts waren es Dampfmaschinen und Webstühle, in den 1950er-Jahren die Mechanisierung der Landwirtschaft, in den 1980er-Jahren Industrieroboter, Ende des 20. Jahrhunderts die Einführung von Computer, Internet und E-Commerce. Und nun steht mit künstlicher Intelligenz, ausgefeilter Robotertechnik, dem Internet der Dinge (IoT) und der globalen Vernetzung von Industrie und Handel (Industrie 4.0) die nächste Evolutionsstufe bevor. Wieder drohen Millionen von Arbeitsplätzen wegzufallen.

"Es gibt mehr Branchen, die Arbeitsplätze verlieren, als Branchen, die Arbeitsplätze schaffen", warnt der Harvard-Ökonom Larry Summers . Das "zweite Maschinenzeitalter" wird die Einkommensunterschiede zwischen den Menschen vergrößern und zumindest als Übergangsphänomen Massenarbeitslosigkeit unausweichlich werden lassen. Nicht nur einfache Arbeiter, Taxifahrer und Postboten, sondern auch Krankenschwestern, Buchhalter, Anlageberater, Redakteure und Mediaplaner werden von schlauen Algorithmen, Self-Service-Angeboten und selbstlernenden Maschinen ersetzt. Was der Industrieroboter für die Fertigungsstraße war, ist der Algorithmus für die Dienstleistungsgesellschaft.

Massenarbeitslosigkeit? Weltuntergang??

Gerade deswegen hält der Wirtschaftsprofessor und Wachstumskritiker Niko Paech , der über jeden Verdacht des Wirtschaftsliberalismus erhaben ist, die düsteren Arbeitsmarktszenarien aber für überzogen. Rationalisierung führt zu Wirtschaftswachstum und Wachstum kompensiert die Arbeitsmarkteffekte. "Durch Produktivitätswachstum sinkt der Bedarf an Arbeitskräften. Nur mittels noch stärkerem Wirtschaftswachstum lässt sich dieser Effekt aufheben", erklärt Paech.

Niko Paech: 'Gesellschaft ist süchtig nach Wachstum'

Bislang hat dieses System funktioniert, aber die Gesellschaft ist dadurch süchtig nach Wachstum geworden. Je stärker die Rationalisierungseffekte ausfallen, desto stärker wächst diese Abhängigkeit. Je schneller sich Technologien entwickeln, desto schneller muss neues Wachstum geschaffen werden. Der gefühlte Stress steigt.

Die wahrscheinlichste Entwicklung liegt - wenig überraschend - zwischen der euphorischen 70er-Jahre-Vision vom immer währenden Freizeitpark und dem düsterne Weltuntergangsszenario eines Arbeitslosenheers: Genauso wie es in den vergangenen Jahrzehnten eingetreten ist, arbeitet auch in Zukunft niemand weniger. Grund dafür ist der wachsende Gesamtkonsum. Die gesteigerte Produktivität wird durch steigenden Verbrauch egalisiert; der Arbeitskräftebedarf bleibt gleich.

Kaugummi Magic Gum mit Pop Rocks: Der Fortschritt liegt im 'Brrzzz' (Bild: Hersteller)
Bild: Hersteller
Kaugummi Magic Gum mit Pop Rocks: Der Fortschritt liegt im 'Brrzzz'

Oder anders gesagt: Die durch das Auto eingesparte Arbeitszeit in den 50ern führte in den 60ern zur Waschmaschine, die in den 80ern zur Spülmaschine verhalf, weshalb in den 90ern Zweitwagen und Handy sowie in den 2000ern das Smartphone mit Internetzugang angeschafft werden konnte. Letzteres erlaubte es, die eigene Produktivität weiter zu steigern, so dass 2015 Staubsaugroboter und Thermomix eingeweiht wurden.

Der Rest an Produktivitätszuwachs ging für Farbfernsehen, Pushup-BHs und Kaugummis mit Brzzz-Pulver drauf.

Insgesamt bleibt zwar fraglich, ob sich auf diese Art im vergangenen halben Jahrhundert auch das individuelle Lebensglück steigern ließ - die Chancen stehen aber gut, dass es zumindest zweimal Urlaub im Jahr dazu gab.

Viel wichtiger aber: Solange noch Visionen wie das Smart Home, die VR-Welt, das selbstfahrende Auto oder autonome Putzroboter unverwirklicht sind, scheint es unwahrscheinlich, dass Arbeitslosenheere entstehen, die nicht an der Umsetzung dieser Visionen arbeiten.

Stand heute: Die entscheidenden Techniktrends

Technik wird genutzt, um mit einer Ressource (die am Ende immer Arbeitskraft kostet) effektiver umzugehen - darin liegt der wirtschaftliche Wert einer Entwicklung. An dieser Systematik wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die wichtigsten technischen Trends hierzu lauten aus heutiger Sicht:

     (Bild: Thomas Cook)
    Bild: Thomas Cook

  • Virtual Reality:
    Der (noch) hohe Sensationseffekt von VR-Systemen wie Oculus Rift oder Samsungs Gear VR wird sich bald abnutzen. Die komplette Abschottung des Nutzers beschränkt zusätzlich die Einsatzszenarien. VR-Systeme lassen sich trotzdem dort einsetzen, wo das soziale Stigma des Digital-Addicted weniger relevant ist: In geschlossenen Nutzungsumgebungen bei Simulation, Computer Aided Design (CAD), Architektur und Stadtplanung, Medizin, Psychologie, E-Learning und Bildung, Touristik und Reisen (siehe iBusiness: Interaktiv-Trends 2016/2017 - Virtual Reality und Augmented Reality).
  •  (Bild: AREAL)
    Bild: AREAL

  • Augmented Reality:
    Ein größeres Potenzial dürften Augmented-Reality-Systeme entwickeln, die weniger immersiv sind. Die soziale Akzeptanz ist höher (Stichwort: Pokémon Go, Head-Up-Displays). Sie lassen sich hervorragend einsetzen, um die Arbeitsleistung zu optimieren. Picklists für Lagermitarbeiter, Navigation für Postboten, Montagehinweise für Mechaniker, aber auch Zusammenarbeit und Kolloboration: AR-System wie Microsofts Hololens - werden schon in den kommenden fünf bis sechs Jahren eine großen Einfluss haben.
  •  (Bild: Sandra Junker, TU Darmstadt)
    Bild: Sandra Junker, TU Darmstadt

  • Robotik / Autonome Systeme:
    Fußball-, Rasenmäher- und Staubsaugroboter sind längst Realität - und doch nur der Anfang. Die Entwicklung geht zu selbstfahrenden Autos, Lieferdrohnen und Pflegerobotern. Weniger spektakulär, aber von großem Einfluss: Häuser werden in Zukunft von Maschinen gemauert, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verbessert. Dies ermöglicht einen flexibleren Einsatz innerhalb und außerhalb von Fabriken. Die Auswirkungen liegen auf der Hand: Viele Dienstleistungsjobs - von der Reinigungskraft bis zum Postboten und Taxifahrer - werden entfallen. Produktionsstraßen lassen sich leichter planen und flexibler umrüsten.
  •  (Bild: Klaas Bollhoefer)
    Bild: Klaas Bollhoefer

  • Bots / Machine Learning / Künstliche Intelligenz:
    Roboter erhalten aber nicht nur mehr Fähigkeiten, um sich in fremden Umgebungen selbst zurechtzufinden. Sie werden auch schlau. Mittels komplexer Algorithmen sind sie in der Lage, bestehende Daten zu verknüpfen und zu interpretieren. Sie können selbständig Reisen planen und buchen, Einkaufsempfehlungen abgeben, Versicherungs-, Tarif- oder Anlageentscheidungen treffen. Sie dienen als Marketingautomaten, Expertensysteme und können Ergebnisse und Analysen journalistisch aufbereiten.

    Aber auch das ist nur der Anfang. Mittels Deep Learning werden Maschinen gerade dazu gebracht, Daten nicht nur nach starren Regeln zu bearbeiten, sondern selbst Regeln zu erkennen und zu erlernen. Ein Beispiel dafür sind Computer, die mittels Youtube-Videos Kochrezepte verstehen oder anhand von Millionen Bildern selbst lernen, Katzen, Hunde und Menschen zu unterscheiden (siehe iBusiness: Megatrend Machine Learning - Wie Algorithmen E-Commerce und Marketing verändern).
  •  (Bild: Siemens)
    Bild: Siemens

  • Internet der Dinge / Industrie 4.0: Beide Themen sind eng verwoben. Sie beschreiben die Vernetzung nahezu aller Alltagsgegenstände und Maschinen durch das Internet. Außerdem werden die Geräte mit Sensoren ausgestattet. Auf diese Weise können Maschinen beispielsweise eine Produktion selbst planen und optimieren, Wartungsintervalle festlegen und - zumindest theoretisch - Aufträge selbständig annehmen und abarbeiten, wenn sie nicht ausgelastet sind. Die Produktion kann weltweit vernetzt werden, da eine Designänderung in Sekundenbruchteilen an alle beteiligen Maschinen weltweit mitgeteilt werden kann.

Die Arbeitswelt von 2041 wird unterm Strich von zwei Trends geprägt sein:
  1. Intensive und reibungsarme Vernetzung von Menschen und Maschinen (sowohl miteinander als auch untereinander).
  2. Und Automatisierung von Aufgaben, die Orientierung, Interaktion und - vor allem - Denkarbeit, Einschätzungsfähigkeit und analytisches Vorgehen erfordern.
Beide Trends sind nicht wirklich neu, sondern eine Fortschreibung einer lange anhaltenden Entwicklung.

Welche globalen Megatrends die Arbeit bestimmen

Die technologische Entwicklung kann sich jedoch nicht allein und ungebremst entfalten - auch wenn Technik-Nerds und Silicon-Valley-Enthusiasten das gelegentlich glauben. Es gibt eine Anzahl von globalen Megatrends, die ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die Arbeitswelt von Morgen haben. Nicht alle davon sind technischer Natur und nicht alle von gleicher Bedeutung. Im Folgenden stellt iBusiness dar, welche Megatrends die zukünftigen Arbeitswelten treiben - und welche selbst davon getrieben werden.

Die Megatrends 2041 in Bezug auf die Arbeitswelt: Was die Entwicklung treibt und welche Faktoren von anderen Einflüssen getrieben werden
Die Megatrends 2041 in Bezug auf die Arbeitswelt: Was die Entwicklung treibt und welche Faktoren von anderen Einflüssen getrieben werden (Grafik: Hightext)


So sieht 2041 aus: Die Arbeitswelt gehört den Micro-Multinationals

Nein, Massenarbeitslosigkeit gehört nicht den zu den wahrscheinlichsten Szenarien. In einen gewaltigen Freizeitpark wird sich Deutschland aber auch nicht verwandelt haben. So wie es heute üblich ist, wird in Zukunft aber auch nicht mehr gearbeitet. Zusammengefasst ergeben sich diese Trends:

  • Arbeit globalisiert und internationalisiert sich.
  • Arbeitswelten fragmentieren sich.
  • Die Organisationsform "Unternehmen" verliert an Einfluss.
  • Unternehmen übernehmen die Rolle von Peer-Groups.
  • Das Modell des angestellten Arbeitsnehmers verliert an Bedeutung.
  • Selbstständigkeit, Anpassungsfähigkeit und. Organsiationstalent sind von Arbeitnehmern gefordert.

2041 wird die Arbeitswelt von einer Vielzahl von kleinen Unternehmen und Betrieben bestimmt, die in multinationalen Organisationen vernetzt sind. Die hervorragenden Vernetzungsmöglichkeiten reduzieren die Kosten radikal, um Ad-hoc-Organisationen zu etablieren, die die Aufgaben eines klassischen Unternehmens erfüllt. In vielen Fällen werden diese Kosten geringer sein, als selbst eine feste Zahl von Arbeitskräften ständig vorzuhalten. Forschung, Entwicklung, Produktion, Betriebswirtschaft, Marketing und Vertrieb lassen sich wie aus einem Baukasten zusammenfügen und jeweils die günstigsten lokalen Gegebenheiten nutzen. Die Entwicklung findet zum Beispiel an Standorten mit hoher Bildung statt, die Herstellung in Regionen mit günstigen Produktionsbedingungen oder in der Nähe der Verbraucher.

Unter der Voraussetzung, dass die herstellenden Maschinen vernetzt arbeiten und die Logistik optimiert wird, ist es kaum nötig, dass jedes Unternehmen selbst Fabriken und Fertigungsstraßen besitzt. Ähnlich wie Apple seine iPhones schon heute von Auftragsfertigern bauen lässt, ist es in Zukunft auch für kleine Unternehmen möglich, einzelne, nicht ausgelastete Maschinen zur Produktion anzumieten. Flexible Fertigungsstraßen, autonom agierende Industrie-Roboter, 3D-Druck und die Vernetzung aller Komponenten erlauben es, die Fertigung eines Produkts fortwährend über den Globus rotieren zu lassen, ohne dass der Prozess ins Stocken gerät.

Deutschland in 25 Jahren

 (Bild: cs)
Bild: cs

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, mit der iBusiness Szenarien für die Entwicklung Deutschlands in den kommenden 25 Jahren (und dem Weg dorthin) entwickelt. Sie werden auf der Zukunftskonferenz 'Zukunftthing 2041' am 10. November 2016 (im Vorfeld der 25-Jahre-Geburtstagsparty von iBusiness) mit interessierten Branchenexperten diskutiert und vertieft.
Details und Anmeldung Zukunfthing 2041

Auf die selbe Art und Weise werden Dienstleistungen wie Marketing, Vertrieb und Betriebswirtschaft erbracht. In kleine Einzelarbeitsschritte zerlegt und hochgradig automatisiert wird die Arbeitswelt für viele Menschen zu einem immer kurzfristigeren Engagement. In Zukunft wird nicht der Generalist, sondern das granulare Kleinunternehmen, das einen Teil der Wertschöpfungskette perfekt beherrscht, am Markt erfolgreich sein.

Bleibt die Frage, wer in dieser Welt der Einzelkämpfer die soziale Verantwortung trägt. Eine Antwort könnte lauten: der Anbieter des Netzwerks. Denn egal ob dieser Amazon, Ebay, Google oder Alibaba heißt - diese Anbieter werden als universelle Gatekeeper eine zentrale Position innehalten - und noch mächtiger sein, als es heute viele multinationale Konzerne sind.

Treiber und Bremser der Entwicklung in Richtung der Arbeitswelt 2041

25 Jahre ist eine lange Zeit, was die Entwicklung von Technologie anbelangt. Es ist aber gleichzeitig eine relativ kurze Zeit im Hinblick auf die Menschheit. Es ist knapp eine Generation. Da soziale Entwicklungen in Jahrzehnten statt in Monaten gemessen werden (bei Technik ist es umgekehrt), ist es wahrscheinlich, dass es zu einer Fortschrittsspaltung zwischen Technik und Gesellschaft kommt. Wie in unserer Trendmatrix abzulesen ist, sind die sozialen und gesellschaftlichen Faktoren getriebene Faktoren. Hier wird reagiert, weniger gesteuert.

Fragmentierte Arbeitswelten, Robotisierung, vernetzte Arbeitsformen sind Treiber der Entwicklung - aber nur für einen kleinen Teil der Gesellschaft und der Arbeitswelt. Die Wissensarbeiter in den reichen Industrienationen werden in dieser Entwicklung vermutlich (als Treiber oder Mitläufer) zu den Gewinnern zählen. Ihre Zahl ist aber - auch wenn sie in den kommenden 25 Jahren auch in Deutschland wachsen wird - immer noch vergleichsweise überschaubar bleiben. So ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Erwerbstätigen in Handel und Industrie binnen 20 Jahren   lediglich von 50,9 Prozent auf 41,8 Prozent gesunken - trotz der gewaltigen Umwälzungen seit 1991. Diese zwei Fünftel der deutschen Arbeitsbevölkerung werden nicht zu den Gewinnern zählen. Entscheidend wird sein, ob der Produktivitätsgewinn, den die Technik bis 2041 bringt, bei den Eigentümern der Netzwerke hängen bleibt, oder ob auch die davon profitieren, die nicht zur privilegierten Schicht der Wissensarbeiter und hochspezialisierten Facharbeitern gehören. Gesellschaftliche Diskussionen über bedingungsloses Grundeinkommen, Finanzierungsmodelle für mehr Jobs im Sozialen, über Beschäftigungsprogramme für Wenigqualifizierte und über soziale Absicherung für das wachsende Digitale Microjobbing-Proletariat werden uns in den nächsten 25 Jahren wohl immer stärker begleiten.

Vier Szenarien für die Arbeitswelt 2041

Best-Case-Szenarien
Worst-Case-Szenarien
Aktiv
1%
Best-Case-Szenario

Roboter statt Arbeiter, Lizenzen statt Maschinen

Deutschland wird zum Industrie-4.0-Standort, Roboter und KI-Agenten ersetzen 2041 in immer stärkerem Maße die menschliche Arbeit, unsere Gesellschaft verkauft sehr viel mehr Wissen als Maschinen. Die nun Abgehängten erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die wachsende Beschäftigung in Kunst, gesellschaftlichen und sozialen Berufe wird über die Digitaleinnahmen finanziert. Und Schalke schafft das Double.

Aktiv
33%
Worst-Case-Szenario

Gesellschaftliche Spaltung

Dasselbe Szenario, nur im wirtschaftsliberalen Modus: Arbeitslosigkeit steigt, Renten und soziale Sicherungssysteme werden immer unbezahlbarer. Aufstieg der politischen Extremisten bis hin zu neuen europaweiten faschistischen Bewegungen. Die immer schlechter bezahlten Digitalarbeiter entziehen sich der politischen Entwicklung und dem sinkenden Lebensstandard durch Auswanderung in aufstrebenden (und billigen) Interaktiv-Hotspots in Vietnam, Mittelamerika und Schwarzafrika.

Passiv
65%
Best-Case-Szenario

Alles dauert länger

Roboter sind zwar klug, aber blöde. Und Menschen vermehren sich von alleine. Die deutsche Ingenieurskunst bleibt auch in den kommenden 25 Jahren erfolgreicher Kern einer kleiner werdenden, aber immer noch erfolgreichen Volkswirtschaft. Es wird so viel digitalisiert, wie nötig ist. Die hocherfolgreichen Digitalunternehmen kaufen sich gerne deutsche Mittelständler zu, um Know-how aus der nach wie vor wichtigen Kohlenstoff-Welt zu erwerben. Im Kern bleibt alles, wie bisher - es wird eben nur anders. Auch hier ist aber das Szenario "Gesellschaftliche Spaltung" möglich, wenn nicht gegengesteuert wird.

Passiv
1%
Worst-Case-Szenario

Deutschland verliert den Anschluss

Uber und Google übernehmen die Rolle der deutschen Autoindustrie, Facebook macht die Verlagsindustrie platt und Amazon killt den Handel. Und das alles, weil die deutschen Manager nichts, aber auch gar nichts tun. Und der FC Bayern steigt in die 3. Liga ab.

Thema: Deutschland 2041: Ständig Freizeit oder immer arbeitslos? So sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus

Kommentar von Dominik Grollmann

Vernetzung bedeutet Macht und Einfluss

Unternehmen und Staaten sind bewährte Organisationsformen. Die Netzwerkstrukturen des Internet erlauben jedoch eine parallele Organisationsform, die besonders schnell, flexibel und manchmal unberechenbar agiert. Mit ihr muss in Zukunft gerechnet werden.

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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