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Agenturen und die AfD: Nehmt Ihr braune Kohle?
31.01.2024 Nach dem Erwachen der deutschen Demokratie-Anhänger aus ihrem Koma, wird auch die Interaktiv-Branche Farbe bekennen müssen. iBusiness hat Agenturen gefragt: Wie haltet ihr es mit AfD-Aufträgen?
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Der für jeden Menschen spürbare Gegenwind von bis zu 300 Anti-AfD-Demos pro Woche hat sogar messbar negative Wirkung auf die Umfrage-Ergebnisse der AfD zur Folge. Die Haltung zur Partei ist ein Faktor, der sich auch jenseits des politischen Diskurses nicht mehr ausklammern lässt: KundInnen, NutzerInnen, Medien werden sich zunehmend dafür interessieren, wie eine Agentur zur AfD steht. Es wird eine entscheidende Frage im Branding von Dienstleistermarken.
iBusiness hat Agenturen und Dienstleister, darunter auch Freelancer, danach gefragt, wie sie mit AfD-Anfragen umgehen würden. Teilgenommen hat ein breites Spektrum, das dem des vielbeachteten iBusiness-Wirtschaftsklimas vergleichbar ist. Man darf also von einem validen Abbild der Agenturhaltungen ausgehen. Und: Bei den Antworten gibt es eine klare Marschrichtung: Alle würden, nach eigener Aussage, ablehnen. Also alles Anti-AfD? Klar, es ist erfreulich und eine klare Kante gegen rechts. Man muss aber genauer hinschauen.
Manche übernehmen grundsätzlich keine Jobs für Parteien
Einige Agenturen distanzieren sich von jeder Form parteipolitischen Engagements. "In den 25 Jahren cyperfection haben wir bisweilen sämtliche Anfragen von politischen Parteien abgelehnt und das soll auch so bleiben", sagt David Link, Geschäftsführer, cyperfection gmbh , distanziert sich aber auch explizit von antidemokratischen Parteien. Ebenso hält man es bei Unic GmbH , wo Jörg Atai-Nölke, Solution Advisor Digital Commerce ,"ebenso Geschäftsbeziehungen mit ausgewählten Industrien, wie beispielsweise Herstellern von Waffen und Militärtechnik, kategorisch aus(schließt). Unser Fokus liegt auf ethisch verantwortungsvollem Handeln und dem Aufbau von Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt und Werten basieren, die unsere Gesellschaft stärken."Auch Martina Schaba, die die Medienarbeit für DIA'LO:K verantwortet, verweist auf die unpolitische Kundenauswahl ihres Unternehmens, ergänzt aber "wir (...) fokussieren die Haltung: gegen Rechtsextremismus und für Demokratie!"
Explizite Anti-AfD-Haltung
Keine explizite Ablehnung politischer KundInnen, aber eine adamantene Ablehnung des rechten Spektrums verfolgt beispielsweise comspace GmbH & Co. KG , sagt Geschäftsführer Andreas Kämmer . "Eine Zusammenarbeit mit der AfD oder anderen rechtsextremen Gruppen lehnen wir generell ab." Auch die SEO-Küche Internet Markting GmbH kocht kategorisch keine braunen Süppchen, sagt Geschäftsführer Oliver Lindner: "Da die AfD in vielen ihrer Positionen und Äußerungen gegen unsere Grundwerte verstößt, wäre es für uns nicht vertretbar, mit dieser Partei zusammenzuarbeiten. Wir würden daher Anfragen von einer AfD-Gliederung generell ablehnen, unabhängig davon, wie diese vom Verfassungsschutz eingestuft wird. Unsere Entscheidung basiert auf der Notwendigkeit, unsere Unternehmenswerte und die Integrität unserer Arbeit zu wahren." Silvan Dolezalek, Geschäftsführer CosmoShop GmbH , lehnt "bei Anfragen aus der rechten Ecke (...) ganz klar ab." Ebenso fällt die Haltung von Dirk Pache, Gründer und Inhaber KONTOR4 GmbH , aus: "Bezüglich Projektanfragen von Parteien wie der AfD oder ähnlichen Organisationen ist unsere Haltung eindeutig und unmissverständlich: Wir lehnen solche Anfragen komplett und uneingeschränkt ab."Frank Doerr, Geschäftsführer von Spinpool Online-Marketing , lässt den Worten auch fehlende Umsätze folgen, wenn es sein muss: Der Inhaber von Marketing Natives lehnt alles ab, was von rechts kommt: "Während Corona-Zeiten habe ich mich von teils langjährigen Kunden getrennt, die Teil der Querdenker-Szene geworden sind und Fake-Videos aus der rechtsnationalen Szene geteilt haben. Insofern klare Umsatzeinbußen aufgrund meiner Haltung."
Spannend wird es, wenn es um die hellbraunen Ränder und angebräunten Cousins im Geiste der AfD geht: Wo hört die Grenze auf und wo fängt sie an, wenn es um Unterstützung der AfD geht - lehnt man nur die Kooperation mit der Partei ab oder weist man auch ihren Unterstützern die Tür?
Ablehnung von AfD und Sympathisanten
Darauf verweist etwa Holger Wiesenfahrt, Managing Partner, Bloom GmbH . Er folgt bei bei der Auswahl der Projekte und KundInnen einem Kompass Richtung "offene, freie und gerechte Gesellschaft." Daher lehne er jede Zusammenarbeit mit der AfD ab, verweist aber darauf, dass die moralische Verantwortung "ja viel tiefer (gehe). Teilnehmer des Geheimtreffens in Potsdam sind Gründer und Geschäftsführer von IT-Firmen und Agenturen für E-Commerce-Lösungen. Also sollte man sich auch seine Geschäftspartner etwas näher anschauen..."So hat am Potsdamer Treffen offenbar der Chef eines IT- und ECommerce-Dienstleisters teilgenommen, der zu einiger tragischer Berühmtheit kam, als er versuchte, mit gerichtlicher Hilfe seine Verbindungen zur NPD geheim zu halten, wie Netzpolitik berichtet. Da es sich bei dem Ilmenauer Unternehmer auch um einen Thüringer Gründerpreis-Träger handelt, prüft das Land Thüringen mittlerweile eine Aberkennung der Auszeichnung .
Für Katrin Link, PR-/Communications Managerin der PR-COM Beratungsgesellschaft für strategische Kommunikation GmbH , ist "eine Zusammenarbeit mit der AfD oder einer ihr nahestehenden Organisation auch nicht im Entferntesten denkbar. Ersuchen dieser Art würden wir höflich, aber bestimmt ablehnen." Die Agentur habe außerdem bereits an Anti-AfD-Demos teilgenommen. "Nie für die AfD oder andere rechtspopulistische Parteien oder Institutionen arbeiten", würde Johannes Milla, Kreativdirektor und CEO, Milla & Partner GmbH , und Argin Vartanian, Inhaber der Marketing Natives , unterstützt "kein Unternehmen, Partei oder Person die offensichtlich mit den Gedanken der AFD harmoniert."
Ablehnung von AfD, aber nicht zwingend von Sympathisanten
Für manche Agenturen kommt also nicht einmal die Kooperation mit AfD-Unterstützern oder AfD-nahen Institutionen in Frage - das ist eine Trennschärfe, die es für andere Dienstleister, trotz grundsätzlicher Ablehnung der AfD, so nicht gibt. Ein Sprecher der Agentur Beyond the Deal (BTD) GmbH etwa erklärt, "niemals Projekte für die AfD (zu) machen", eventuell aber für Unternehmer machen, die "der AfD gewogen sind, allerdings nur dann, wenn diese nicht politisch motiviert und ethisch und moralisch einwandfrei sind. Wir glauben, dass Demokratie von unterschiedlichen Meinungen und Ansichten lebt und wir verurteilen niemanden aufgrund seiner Ansichten. Wir behalten es uns aber vor nur mit solchen Personen geschäftlich tätig zu werden, die unsere Werte teilen." Benedict Rehbein, Geschäftsführer der pioneer communications GmbH , lehnt direkte Zusammenarbeit ebenfalls ab, jenseits davon, bei Partei-Unterstützern oder Mitgliedern "kommt es dann stark auf den Einzelfall an und es stellen sich viele Fragen: Wie direkt ist die Verbindung zur Partei tatsächlich? Welcher Art ist die Zusammenarbeit? Um welche Inhalte soll es im Projekt gehen? Und welchen Ermessenspielraum haben wir in der Kommunikation, wie können wir auf Inhalte zum Beispiel Einfluss nehmen?""Wir nehmen generell nur Projekte an, welche für uns aus 'menschlicher Sicht passen'", sagt Robert Nabenhauer, Geschäftsführer Nabenhauer Consulting . "Es kann sein, dass wir bestimmte Firmen, Branchen oder auch Parteien nicht bearbeiten würden. In dem vorliegenden Fall ganz klar: AFD würden wir nichts machen. Haben wir nicht nötig."
Wenn persönliche Gründe im Wege stehen
Für manche Agenturen ist die Ablehnung eine persönliche Sache. Sie lehnen aus individuellen Gründen wie Herkunft, Vergangenheit oder auch aus Furcht vor Konflikten mit dem bestehenden Kundenportfolio ab. "Würde diese Partei eine Agentur anfragen, dessen Geschäftsführer Diversity-Botschafter des Landes Hessen ist und pakistanisch-indische Wurzeln hat?", fragt etwa Murtaza Akbar, Gesellschafter bei Wortwahl - Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation . "Ich denke, eher nicht. Unsere Antwort darauf wäre definitiv eine klare Absage."Uns würde die AfD niemals anfragen", ist sich Alex Karst, Geschäftsführer von Die Bildbeschaffer GmbH , sicher: "Wir arbeiten sehr eng mit der Bildagentur-Tochter der dpa/Picture Alliance zusammen, korrekte Nachrichten hier - KI-generierter Schwachsinn auf AfD-Postings oder Stock-Bilder auf Plakaten mit Menschen, die man vorher hätte fragen müssen, dort - das geht nicht zusammen." Auch Stephan Probst, Geschäftsführer der DRIVE GmbH & Co.KG , geht davon aus, die AfD müsse "nur einen Blick auf unsere Webseite werfen, und mitkriegen, mit wem sie es zu tun haben, (dann) kommen die sowieso nicht zu uns."
Laura Krauel, PR- und Marketing-Managerin bei der Projecter GmbH , verweist bei ihrer Ablehnung von AfD-Aufträgen auf das "Team, das dies nicht tolerieren würde. Projecter-Teammitglieder, darunter auch die GeschäftsführerInnen von Projecter, äußern sich vor allem auf ihren persönlichen Accounts proaktiv zu politischen Themen. Unsere Positionierung gegen Rechts ist daher für Unternehmensangehörige, KundInnen und Geschäftspartner*innen kein Geheimnis und wird von allen wahrgenommen und akzeptiert." Und keinen Bock auf Konflikte mit BestandskundInnen hat Professorin Julia Kühne, Geschäftsführerin der Gold & Wirtschaftswunder GbR : "Bei unserem Kundenspektrum, das auch aus öffentlichen Einrichtungen, wie dem Verfassungsschutz BW oder sozialen Organisationen wie Brot für die Welt besteht, ist es extrem unwahrscheinlich, dass die AfD anfragt. Aber falls doch, würden wir eine Zusammenarbeit ablehnen."
Unvereinbar mit Demokratie-Bekenntnis und Leitbild
Manche Agenturen verweisen auch auf die Leitlinien, deren demokratischer Leitgedanke eine Zusammenarbeit ausschließe: "Wir übernehmen prinzipiell keine politische Arbeit, würden aber insbesondere kein Projekt für die AfD oder eine Gliederung übernehmen, da sich die Denkweise der AFD deutlich von unserem Wertesystem unterscheidet.", sagt Florian Jetzlsperger, Senior Director, German Market Lead, Acceleration Partners . Nora Feist, Geschäftsführerin von Mashup Communications GmbH , erklärt: "Mashup Communications wird niemals Projekte der AfD oder von anderen antidemokratischen Organisationen annehmen. Unsere Agentur lebt demokratische Werte und lehnt jede Form von Diskriminierung ab", während laut Digital Business Analyst Agnieszka Herrmann ihr Arbeitgeber dotSource SE dafür einsteht, "dass die Gesellschaft weltoffen, bunt und demokratisch bleibt. Dementsprechend kommt es für uns nicht infrage, ein Projekt für eine AfD-Gliederung umzusetzen, sollte uns solch eine Anfrage erreichen." Ähnlich argumentiert Dominique Korschinek, CEO/Managing Partner bei THE DIGITALE GmbH , "jede Anfrage einer als extremistisch eingestuften Partei abzulehnen, die sich gegen die pluralistische Grundordnung und Demokratie richtet.""Wir setzen uns aktiv dafür ein, Werte in unserem täglichen Handeln zu leben und damit einen positiven Beitrag zu einer Gesellschaft zu leisten, in der jeder Mensch Anerkennung und Wertschätzung erfährt", sagt Marco Pfotenhauer, CEO/OWNER ROOTS 48 GmbH .
Keine Angabe von Gründen
Kurz, aber entschlossen lehnen manche Dienstleister ohne explizite Gründe ab: "Mit der AfD oder einer ihrer Gliederungen werden wir nicht zusammenarbeiten", sagt Carsten Meyer-Heder, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter beim team neusta GmbH . "Würden Auftrag ablehnen.", meint Managing Partner Harald Müller von Oplayo GmbH . "Schon alleine der AFD wieder eine Plattform zu geben ist uns zu viel und wir hoffen, dass Sie dies auch nicht tun werden in ihrem Artikel", ist die deutliche Meinung von Osman Zöllner, Inhaber von Osman Zöllner Marketing Strategen . Und "sollte eine AfD-Gliederung uns für ein Projekt anfragen, würden wir sofort ablehnen - ohne Kompromisse", versichert Kristina Bonitz, CEO bei diffferent GmbH .Diese Agenturen haben bereits Anfragen der AfD abgelehnt
Einige Dienstleister haben in ihren Antworten sogar auf bereits abgelehnte AfD-Aufträge verwiesen: "Uns haben bereits in den letzten zwei bis drei Jahren sowohl Projektanfragen der AfD als auch AfD-naher Stiftungen erreicht", sagt Lutz Hirsch, CEO von Hirschtec . "Diese haben wir allesamt abgelehnt, da wir diese Organisationen nicht unterstützen. Ebenso lehne ich die Teilnahme an Veranstaltungen ab, an denen AfD-Politikerinnen und -Politiker oder aktive Unterstützerinnen und Unterstützer teilnehmen. Niemand darf einem Herrn Höcke den Steigbügel halten! Diese Botschaft wird auch immer 1:1 so an die Veranstalter und Anfragenden übermittelt."Andreas Liehr, Geschäftsführer der huth+wenzel GmbH , hat nach einer Recherche festgestellt, "dass eine Kundenanfrage mit der AfD in Verbindung steht. Die Anfrage haben wir abgelehnt." Und Patrick Lambertus, Geschäftsführer von PIXELHAUS , erreichte die "Anfrage einer Partei, die einen Parteitag per Luftbild fotografisch dokumentiert haben wollte. Ich habe zurückgefragt, um welche Partei es sich handelte. Für die AFD hätten wir NIEMALS in irgendeiner Form gearbeitet!"
