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Bazon Brock: Internet ist totalitär
07.06.2010 Bazon Brock ist nicht nur Professor für Kunst und Ästhetik, sondern gern eingeladener Talkgast. Vor allem für provokante Thesen ist Brock immer gut. Seine neueste: Das Internet ist totalitär. Im Kurz-Interview mit iBusiness erläutert er seine Gründe.
Antwort Professor Bazon Brock: "Das globale Netz trägt bereits als System das Potenzial zu Totalisierung in sich. Denken Sie allein an die Datensicherheit. Zugleich herrscht ein riesiger Druck, sich dem System Internet zu unterwerfen. Damit erzwingt es die Legitimation zu Gleichschaltung und härtester Kontrolle. insofern ist es auch eine Gleichschaltungskampagne."
Frage: Ist dieser Vergleich zum Totalitarismus nicht etwas weit hergeholt?
BB: "Nur durch einen Vergleich werden auch Unterschiede deutlich. Aber noch einmal: Wir erleben im Netz den systematischen Versuch, Gesellschaften aufzulösen. Es herrscht dort kollektive Verantwortungslosigkeit bei gleichzeitiger Abwesenheit bürgerlicher Rechte. Die demokratische Legitimation dagegen fehlt.
Frage: Bietet das Netz nicht auch das Potenzial zur demokratischen Teilhabe?
BB: "Ich sehe vor allem eine Tendenz zur Entindividualisierung, zur Beherrschung der Gehirne. Das sogenannte Weltwissen des Netzes ist vor allem getrieben von einer Gossip-Industrie mit beliebigen Inhalten. Die Überwältigungsstrategien des Netzes durch seine Überflutung mit einzelnen Informationen verhindern Wissen als Verarbeitungsform von Infomation. Und wer sich wehrt, wird mit Stigmatisierung oder gar Exkommunikation bedroht."
Frage: Sie rücken das Internet in die Nähe von Religion?
BB: "Das Netz ist heute die säkularisierte Form des Gottesauges: Es sieht alles. Der Rest sind Meinungen und Gerüchte wie in den religiösen Überlieferungen. Die ungeprüfte Information ist dort überwiegend vertreten."
Frage: Sie wollen damit provozieren. Wen genau?
BB: "Die Provokation muss sich vor allem an die richten, die sonst mit höchstem Pathos der Demokratie das Wort reden und nicht sehen wollen, wie aus dem Netz ein Weltreich der Politik gemacht wird. Es droht die Herrschaft der Algorithmen an der Grenze der Rationalität (siehe Systemabstürze in der Welt der vernetzten Investmentbanken)."
