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KI versus ROI

Betriebe verwenden KI - aber geben es manchmal lieber nicht zu

20.01.2026 Unternehmen verfolgen bei KI zunehmend pragmatische Strategien - statt eines Experimentierfeldes ist sie Bestandteil von Entscheidungsprozessen. Dabei verlagert sich der Fokus 2026 klar auf Mehrwert. Und der muss messbar sein.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Im Mittelpunkt stehen belastbare Governance-Strukturen, leistungsfähige Daten- und IT-Infrastrukturen, klare Verantwortlichkeiten sowie die gezielte Qualifizierung der Mitarbeitenden - das geht aus zwei internationalen Studien des Capgemini Research Institute   hervor, für die in 2025 über zweitausend Führungskräfte aus Großunternehmen befragt wurden.

Die Ergebnisse liefern insbesondere für Agenturleiter relevante Orientierung. KI-Investitionen werden nicht länger allein an Produktivitätsgewinnen gemessen. Zunehmend rücken Kriterien wie Umsatzwachstum, Risikomanagement, Compliance, Wissensmanagement sowie Kundenerlebnis und Personalisierung in den Vordergrund. Gleichzeitig gewinnt Datensouveränität an Bedeutung, da immer mehr Unternehmen sicherstellen wollen, dass sensible und regulierte Informationen unter eigener Kontrolle bleiben.

Euphorie auf Pause geschaltet


Laut der Studie "The multi-year AI advantage: Building the enterprise of tomorrow" haben bereits 38 Prozent der befragten Organisationen Anwendungsfälle generativer KI in den operativen Betrieb überführt. Sechs von zehn Unternehmen prüfen aktuell den Einsatz agentischer KI, die komplexe Aufgaben selbstständig ausführen kann. Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt in China, wo fast jedes zweite Unternehmen entsprechende Lösungen bereits pilotiert oder implementiert und damit vor den Vereinigten Staaten und Europa liegt.

Zwei Drittel der Führungskräfte sind überzeugt, dass Unternehmen strategische Chancen verspielen, wenn sie KI nicht mindestens so schnell skalieren wie ihre Wettbewerber. Gleichzeitig zeigt sich eine neue Nüchternheit: Fast zwei Drittel der Organisationen haben Projekte mit geringem Mehrwert bereits pausiert, um Budgets gezielt auf Anwendungen mit klar definierten Prozessen und messbaren Ergebnissen zu konzentrieren. Für 2026 planen Unternehmen im Durchschnitt, rund fünf Prozent ihres Jahresbudgets in KI zu investieren, nach drei Prozent im Jahr 2025. Schwerpunkte sind dabei Infrastruktur, Daten, Governance und die Weiterbildung der Mitarbeitenden.

Siegreich mit ROI: Erfolge müssen messbar werden


Die Bewertung von KI-Projekten hat sich deutlich erweitert. Neben Effizienz und Kostensenkung zählen heute vor allem:
  • Umsatzwachstum und neue Geschäftsmodelle
  • Risikomanagement und regulatorische Sicherheit
  • Kundenerlebnis, Personalisierung und Wissensmanagement
Diese Entwicklung unterstreicht, dass KI zunehmend als strategisches Instrument verstanden wird, das Wachstum und Resilienz gleichermaßen unterstützen soll. Für Agenturen bedeutet das, Kunden nicht nur technologische Lösungen zu liefern, sondern auch bei Governance, Organisation und Change-Prozessen zu beraten.

"Die KI-Euphorie weicht einer Hands-on-Pragmatik. Der Fokus verlagert sich auf langfristige, unternehmensweite Implementierungen, die Produktivität steigern und die Entscheidungsfindung von Führungskräften verbessern", sagt Felizitas Graeber, Managing Director von Capgemini Invent in Deutschland und Mitglied der Geschäftsführung der Capgemini Deutschland GmbH. "KI hat eine entscheidende Schwelle überschritten: Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie KI in die Unternehmensstruktur integriert wird. Starke Grundlagen aus Daten, Governance und dem Zusammenspiel von Mensch und KI sind dabei entscheidend. Nun kommt es darauf an, dass Führungskräfte eine klare Vision vermitteln und Verantwortung übernehmen".

Die zweite Studie "How AI is quietly reshaping executive decisions" zeigt, dass KI bereits heute fest in Entscheidungsprozesse auf Vorstandsebene eingebunden ist. Mehr als die Hälfte der befragten CXOs nutzt KI aktiv oder selektiv zur Unterstützung strategischer Entscheidungen, ein weiteres Drittel befindet sich in einer strukturierten Experimentierphase. In den kommenden drei Jahren erwarten Führungskräfte, dass KI weniger operative Aufgaben unterstützt, sondern verstärkt strategisches Denken ergänzt und hinterfragt.

Vom Prestige-Tool zur Sub-Rosa-Technologie


Der frühe Einsatz zahlt sich aus. Mehr als die Hälfte der CXOs berichtet von sinkenden Zeit- und Kostenaufwänden bei Entscheidungen sowie von höherer Kreativität und größerer strategischer Weitsicht. Gleichzeitig bleibt das Bewusstsein für die Grenzen der Technologie hoch. Nur ein Prozent der Befragten geht davon aus, dass KI in den nächsten ein bis drei Jahren bestimmte strategische Entscheidungen vollständig autonom treffen könnte.

Trotz wachsender Nutzung herrscht Zurückhaltung bei der öffentlichen Kommunikation. Nur elf Prozent der Führungskräfte geben an, den Einsatz von KI in Geschäftsentscheidungen aktiv zu kommunizieren oder dies zu planen. Gründe sind vor allem Reputationsrisiken bei Fehlentscheidungen, rechtliche Unsicherheiten sowie Bedenken hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit KI-gestützter Entscheidungen. Diese Zurückhaltung zeigt, dass neben Technologie vor allem Vertrauen, Erklärbarkeit und Governance über den nachhaltigen Erfolg von KI entscheiden.
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