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Digitale Souveränität

Siri AI: Wie erpressbar ist die EU?

12.06.2026 Apple verspricht seinen Nutzern und Nutzerinnen endlich die KI-Funktionen, die schon 2024 angekündigt wurden. Doch ausgerechnet in Europa bleiben viele davon vorerst gesperrt. Hinter dem Streit um Siri AI steckt mehr als ein technisches Problem: Apple und die EU liefern sich eine Machtprobe darüber, wer künftig die Regeln im digitalen Ökosystem bestimmt.

Das Tauziehen um Apples Siri AI hat gerade erst begonnen. (Bild: Grollmann (erstellt mit ChatGPT))
Bild: Grollmann (erstellt mit ChatGPT)
Das Tauziehen um Apples Siri AI hat gerade erst begonnen.
Apple hat auf der WWDC 2026 am vergangenen Montag etwas Bemerkenswertes geschafft: Das Unternehmen ließ sich für Funktionen feiern, die es eigentlich schon vor zwei Jahren abliefern wollte. Die neue Siri - jetzt mit dem Zusatz "AI" - soll endlich verstehen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Sie soll persönliche Informationen sinnvoll in den Kontext einordnen und sich natürlicher mit ihren NutzerInnen unterhalten können. Alles Fähigkeiten, die Apple bereits 2024 angekündigt hatte. Nun sollen sie - unterstützt durch die KI-Modelle von Google Gemini - tatsächlich Realität werden.

Ein Durchbruch ist das nicht - trotzdem könnte Apple mit dem Glück des Nachzüglers aus dem verpatzten Start herausgehen. Denn während die Konkurrenz längst an agentischen KI-Systemen arbeitet, die eigenständig Aufgaben planen, Entscheidungen treffen und ganze Arbeitsabläufe übernehmen können, bleibt Apple bemerkenswert zurückhaltend. Der Konzern aus Cupertino verfolgt stattdessen eine Philosophie, die man eher als defensiv denn als visionär bezeichnen könnte.

Fehlstart mit glücklichem Ausgang?

Und Apple könnte damit richtig liegen. Denn möglicherweise hat sich auch die Welt inzwischen in diese Richtung gedreht. Die Euphorie der frühen KI-Jahre ist einer nüchterneren Betrachtung gewichen. Datenschutz, Transparenz und die Frage, wer eigentlich Zugriff auf die eigenen Daten erhält, beschäftigen inzwischen deutlich mehr Menschen als noch 2024. Ausgerechnet aus seinem Fehlstart könnte der Konzern am Ende noch Profit schlagen.

Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet die Bürger der 27 EU-Mitgliedsstaaten zunächst auf viele der neuen KI-Funktionen von iOS 27 verzichten müssen. Apple macht dafür die europäische Regulierung verantwortlich. Im Zentrum steht der Digital Markets Act (DMA), mit dem die Europäische Union verhindern will, dass große Plattformbetreiber ihre Marktmacht abschotten. Apple (und andere Hersteller) sollen daher ihre Geräte auch für KI-Assistenten anderer Hersteller öffnen.

Nach Darstellung Apples greift die EU damit jedoch an einer empfindlichen Stelle ein. Die neue Siri ist tief in das Betriebssystem integriert und erhält Zugriff auf besonders sensible Nutzerdaten. Würde Apple die von Brüssel geforderte Öffnung umsetzen, müssten nach eigener Auffassung auch konkurrierende KI-Assistenten vergleichbare Zugriffsrechte erhalten. Das gefährde Sicherheit und Datenschutz.

Worum es im Konflikt mit der EU geht

Als Kompromiss schlug Apple einen sogenannten "Trusted System Agent" vor - eine Vermittlungsschicht, die konkurrierenden KI-Diensten Funktionen des iPhones zugänglich machen soll, ohne ihnen direkten Zugriff auf sensible Daten zu gewähren. Nach Angaben des Unternehmens fand dieser Vorschlag bei der EU-Kommission keine Zustimmung.

Brüssel wiederum weist diese Darstellung entschieden zurück. Die Kommission betont, der DMA verhindere keineswegs die Einführung neuer Produkte. Apple habe bislang lediglich keine Lösung vorgelegt, die sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch den eigenen Datenschutzversprechen gerecht werde. Die Entscheidung, Siri AI in Europa vorerst nicht anzubieten, sei allein von Apple getroffen worden.

Damit wird die Einführung von Siri AI zu weit mehr als einer Produktfrage. Sie entwickelt sich zu einer Machtprobe zwischen den amerikanischen Technologiekonzernen und der Europäischen Union. Kann Europa die Spielregeln für die mächtigsten Digitalkonzerne der Welt bestimmen? Oder werden die Konzerne ihre Marktmacht nutzen, um politischen Druck aufzubauen?

Cupertino will Druck auf Brüssel aufbauen

Apple spielt in diesem Konflikt eine bemerkenswerte Karte. Indem das Unternehmen europäischen Nutzern Funktionen vorenthält, die anderswo verfügbar sind, erhöht es den Druck auf die Regulierer. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wenn ihr diese KI wollt, müsst ihr euch bei Brüssel beschweren.

Für einen Konzern mit einem Marktanteil von rund 38 Prozent in Europa und einer außergewöhnlich loyalen Nutzerbasis ist das eine erfolgversprechende Strategie. Sie könnte die öffentliche Debatte über die europäische Regulierung erheblich beeinflussen.

Am Ende verteidigt Apple nicht nur Datenschutz und Sicherheit. Das Unternehmen verteidigt auch ein Geschäftsmodell, das auf maximaler Kontrolle des eigenen Ökosystems beruht. Apple setzt also seine Marktmacht ein, um seine Marktmacht zu zementieren. Es liegt auf der Hand, dass dies keine gesunde Entwicklung in Gang setzen dürfte.
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