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Nach dem Aus: Quo vadis, Quelle.de?

22.10.2009 Die Rettung des größten deutschen Versandhändlers ist gescheitert. Auch die Zukunft der erfolgreichsten Konzernsparte E-Commerce steht auf der Kippe. Branchenexperten skizzieren mögliche Zukunftsszenarien für Deutschlands zweitgrößten Onlineshop - und den Online-Versandhandel insgesamt.

 (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
 (Bild: Microsoft)
Bild: Microsoft
Auch der Massekredit über 50 Millionen Euro im Sommer hat das endgültige Aus nicht mehr verhindern können: Die Verkaufsanstrengungen für Quelle Deutschland   sind erfolglos geblieben. Die insolvente Konzernmutter Arcandor   hat bestätigt, bis zum Ende der Angebotsfrist keine Offerte für die Primondo   erhalten zu haben, in der die Versandhandels- und ECommerce-Aktivitäten gebündelt sind. Für die Abwicklung von Quelle Deutschland gebe es nun keine Alternative mehr.

Neben Quelle, die rund zwei Drittel der Umsätze in der Versandsparte erwirtschaftet hat, zählen noch kleinere Versender zum Primondo-Verbund, die größtenteils profitabel arbeiteten, darunter Hess Natur  , Baby-Walz   und Damenmodenanbieter Madeleine  . Experten schätzen, dass ihnen ein ähnliches Schicksal wie das von Quelle erspart bleiben könnte, da spezialisierte Angebote, die leichter übers Internet zu verkaufen sind, als zukunftsträchtig gelten.

Bereits vor der Arcandor-Insolvenz hatte Quelle-Konkurrent Otto   Interesse an Onlineshops der Holding bekundet (iBusiness berichtete). Medienberichten zufolge   zeigt die Hamburger Otto-Group auch jetzt Interesse.

 (Bild: HighText Verlag)
Bild: HighText Verlag



Ein Vorwurf, den sich Quelle dieser Tage häufig anhören muss, betrifft verpasste Chancen im Onlinegeschäft. Während der Hamburger Versandhändler Otto sein Angebot schnell auch auf das Internet ausweitete, habe man diese Entwicklung bei Quelle anfangs total verschlafen.

Patrick Palombo , ECommerce-Berater und bis 1999 für die gesamte Neue-Medien-Strategie des Konzerns und für die operative Umsetzung verantwortlich, will davon allerdings nichts wissen. Mit Quelle verliere die Versandhandelsbranche nicht nur das ehemalig größte Versandhaus Europas, sondern "den Wegbereiter auf manchen elektronischen Vertriebswegen", betont der ehemalige Quelle-Manager und skizziert Quelles Online-Werdegang.



Bereits Anfang der 80er habe Quelle den Bildschirmtext (BTX) als interaktiven Kommunikationsweg zu seinen Kunden genutzt und bis zum Start des Internets damit hohe Millionenumsätze mit einem oft als "Flop" apostrophierten Medium verzeichnet. Zudem sei Quelle der erste Versender in Deutschland gewesen, der im August 1995 in den elektronischen Handel per Internet einestiegen sei. "Bis zuletzt lagen Ratings des ECommerce-Business von Quelle noch vor den Wettbewerbern, inkl. Otto, Amazon, etc."
Im iBusiness-Ranking der 100 umsatzstärksten deutschen Onlineshops liegt Quelle mit einem ECommerce-Umsatz von 1,13 Milliarden Euro hinter Amazon mit 1,65 Milliarden und vor Otto mit 833 Millionen Euro.

Was die Zukunft von Quelle.de betrifft, kann sich Palombo durchaus eine Übernahme durch einen Wettbewerber wie Otto vorstellen, "wenn die Markenführung beibehalten wird, d.h. dass das Ganze unter Quelle-online weitergeführt würde". Das hieße aber auch, dass es jeder übernehmen könnte, der die Backend- und Backoffice-Prozesse bereit und funktionell halte.

Auch Otto könnte davon profitieren und unter einer Zwei-Marken-Strategie durchaus unterschiedliche Sortimente und/oder unterschiedliche Zielgruppen in den Mittelpunkt stellen, skizziert Palombo. Im Vorfeld müsste aber noch abgeschätzt werden, welche Zugkraft die Marke Quelle nach den Irrungen und Wirrungen der letzten Zeit noch hat. "Ich persönlich glaube schon, dass sich diese Marke durchaus revitalisieren ließe. Sie müsste nur um neue, vertrauensbildende Elemente aufgeladen und repositioniert werden. Rezepte dafür gäbe es einige", ist sich Palombo sicher.



Wäre Quelle.de eine echte Online-Marke, könnte man den Wert einfach errechnen. "So aber muss sich ein Investor darüber im Klaren sein, dass der Wert aus einer Summe von Faktoren außerhalb des Netzes stammt: Kataloge, Shops, Breitenwerbung. Es gibt wenig Erfahrung dazu, wie diese Kanäle exakt unterstützen und was Quelle.de ohne sie wäre", gibt Martin Groß-Albenhausen zu bedenken. Der Chefredakteur des Branchendienstes Der Versandhausberater plädiert für eine Komplettübernahme der Marke Quelle.

"Um dann ein Maximum an Wert zu realisieren, wird ein möglicher Investor anfangs zumindest noch Kataloge auflegen, um die alte Stammkundschaft zu pflegen. Das würde mehr Wert erzeugen und einen höheren Preis rechtfertigen als eine reine Onlinestrategie. Letztere wäre aber vermutlich auf kleinerem Niveau eher rentabel zu fahren", meint er.


 (Bild: BVH)
Bild: BVH



Für den E-Commerce und den Versandhandel allgemein sieht die Branche keine Konsequenzen. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH)   erwartet für den Onlinehandel mit Waren in diesem Jahr ein Umsatzplus von 15 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. In Frankreich hat im letzten Jahr der zweitgrößte Versender CAMIF dicht gemacht, zieht Groß-Albenhausen als Parallele heran: "Es gab ein kurzes Beben, danach herrschte business as usual, allerdings bei allen mit noch mehr Augenmerk aufs Internet." Marktführer La Redoute   geht jedoch gerade den umgekehrten Weg und hat zum ersten Mal einen zusätzlichen Winterkatalog auf den Markt gebracht.



Auch Ulrich Hafenbradl , Geschäftsführer der Trusted Shops GmbH  , schätzt die Auswirkungen auf den ECommerce-Markt als "relativ gering" ein, denn Quelle zähle als Traditionsversender nicht unbedingt zu den Innovationsführern in Sachen Onlinehandel. In Deutschland werden sich die Versandhandelsumsätze weiter in Richtung Onlinehandel verlagern, ist sich Hafenbradl sicher.

Der Quelle-Onlineshop allerdings geht nach seiner Einschätzung einer ungewissen Zukunft entgegen: "Ob, wie und durch wen das Geschäftsmodell Universalversand auf allen Kanälen (Katalog, E-Commerce, Stationärhandel) jedoch weitergeführt werden kann, ist zur Zeit nicht abzusehen." Für Hafenbradl ist denkbar, dass die Marke Quelle aber auch mit einem anderen "Unterbau" weiterlebe, wie es einige kleinere Marken in der letzten Zeit vorgemacht haben: Plus.de   ist nach dem Verkauf der Ladengeschäfte an Edeka jetzt ein reiner Onlineshop. Auch Promarkt   hat seine Ladengeschäfte bis auf wenige Abholmärkte in Berlin verkauft und versucht sein Glück als mehr oder weniger reiner Webshop. "Ein solches Modell hätte allerdings mit der Quelle, wie man sie bisher kannte, nur noch sehr wenig zu tun", schließt Hafenbradl.

Thema: Nach dem Aus: Quo vadis, Quelle.de?

Kommentar von Christina Rose

Wer rettet Deutschlands zweitgrößten Onlineshop?

Nach monatelangem Siechtum geht nun alles sehr schnell: Noch vor Weihnachten sollen bei Quelle die Lichter ausgehen. Darum ist Eile geboten, wenn das ECommerce-Geschäft gerettet werden soll.

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 (ms)
Bild: ms
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