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Japanisches Dinner für Zweitausend
28.09.2011 Couponing wird in Deutschland immer nur ein Stein im Marketing-Mosaik sein. Sinnvoll und einflussreich bei richtiger Anwendung - sonst vergeblich bis verheerend.
Tatsächlich ist ein Siegeszug des Coupons nach amerikanischem Vorbild bei uns unwahrscheinlich. Zum einen sind deutsche Preiskalkulationen knapper gehalten, sie arbeiten bereits häufig am niedrigstmöglichen Level. Rabatt, Nachlass und Schnäppchen sucht sich der Deutsche lieber in Super- und Fachmärkten, deren Namen Synonyme für "preiswert" sind.
Zum anderen sind die USA ein Flächenland: Wer dort mitunter meilenweit zur nächsten Shopping-Mall gefahren ist, der löst häufiger alles ein, was sich in den vergangenen Wochen an Coupons gesammelt hat, wenn er schon mal vor Ort ist. Bei uns dagegen wird man mittlerweile mit Apps und Deals totgeschmissen.
Ob die Couponing-Anbieter den Händlern, mit denen sie kooperieren, so etwas sagen? Ob sie sie immer optimal beraten, was Grenzen und Fallstricke einer Couponing-Aktion angeht? Ob sie sich mit ihren Kunden hinsetzen und alles durchrechnen?
Ich habe meine Zweifel. Denn einmal habe ich einen Deal abgegriffen.
Den Coupon (Japanisches Dinner für zwei) hatte meine Frau geschenkt bekommen. Als wir ankamen, standen vor uns zwei oder drei Leute mit dem gleichen Coupon in der Hand an. Im Laufe des Abends kamen fast nur noch Kunden mit dem gleichen, ausgedruckten Deal in das Restaurant. Am Ende hatte die Kellnerin einen dicken Packen Coupons vor sich liegen. Und dabei war die Aktion nicht mal auf diesen einen Abend beschränkt: Der Gutschein galt ein Jahr. Wahrscheinlich rennen denen immer noch Menschen mit den gleichen Coupons die Bude ein. Dinner für zwei? Eher für Zweitausend!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Besitzerin das so geplant hatte (Notiz an Gehirn: Mal gucken, ob es den Laden noch gibt).
Die schwindelerregend hohen Bewertungen, die entsprechende Anbieter derzeit erhalten, die offenbar für die Börsenaufsicht nicht immer nachvollziehbaren Bilanzen - das legt nahe, dass hier entweder Exitstrategien gefahren werden oder unrealistische Erwartungen im Spiel sind.
Couponing wird seine Zukunft haben, wenn sich der Hype erstmal gelegt hat. Dann wird Couponing seinen Weg in den Marketingmix finden, es wird sorgfältiger geplant werden (zumindest von denen, die es richtig anpacken) und einige Couponing-Anbieter werden bis dahin vom Markt verschwunden sein. Vermutlich auch einige Händler, die mit ihnen kooperiert haben.

