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Greenwashing

Klimaschutz ist für Manager nur Blabla, aber essentiell für Mitarbeiter

11.11.2022 Die meisten Unternehmen haben sich dem Ziel von Netto-Null-Emissionen verpflichtet, allerdings besteht weiterhin eine Kluft zwischen den langfristigen Ambitionen und konkreten Maßnahmen. Mit anderen Worten: Viel wird geredet, fast nichts getan, weil: Bringt doch nichts für den Gewinn. Glaubt das Management zumindest. Mächtigster Hebel für echten Wandel sind die eigenen MitarbeiterInnen.

 (Bild: Pixabay)
Bild: Pixabay
Einer Studie zufolge unterschätzen EntscheidungsträgerInnen weithin den unternehmerischen Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen; lediglich jeder fünfte sieht ihn als gegeben an.

Nachhaltigkeitsziele werden durchaus in Geschäftsstrategien integriert und weltweit sagen fast zwei Drittel (64 Prozent; in Deutschland 60 Prozent) der ManagerInnen, dass Nachhaltigkeit auf der Agenda jedes Mitglieds der Geschäftsführung ihres Unternehmens steht. Es klafft jedoch noch immer eine Lücke zwischen den Ambitionen und konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz: Erst knapp die Hälfte (49 Prozent, in Deutschland 51 Prozent) hat eine Reihe von Klimaschutz-Initiativen für die nächsten drei Jahre definiert. Nur etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten weltweit - in Deutschland fast die Hälfte (46 Prozent) - gibt an, dass ihr Unternehmen das Betriebsmodell hin zu mehr Nachhaltigkeit umgestaltet. Insgesamt belaufen sich die Investitionen in Dekarbonisierungsaktivitäten bei Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 20 Milliarden US-Dollar auf durchschnittlich 0,41 Prozent des Gesamtumsatzes. Kleinere Unternehmen mit einem Umsatz zwischen einer und fünf Milliarden US-Dollar investieren mit durchschnittlich 2,81 Prozent ihres Gesamtumsatzes mehr. Zum Vergleich: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen bei 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen im Jahr 2020 bei durchschnittlich vier Prozent.

Die Studienergebnisse zeigen, dass es vielen Unternehmen an einer kollektiven Vision sowie an funktionsübergreifender Koordination ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen mangelt und dass die unterschiedlichen Teams noch immer isoliert voneinander arbeiten. So geben beispielsweise weltweit nur 43 Prozent - in Deutschland 49 Prozent - der Befragten an, dass nachhaltigkeitsbezogene Daten verfügbar sind und innerhalb der gesamten Organisation zugänglich gemacht werden. Bei 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland stehen diese Daten auch für externe Stakeholder wie Investoren, Aktivisten, Regierungsstellen und Konsumenten zur Verfügung. International ist dies bei 48 Prozent der Fall. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) der Unternehmen weltweit, in Deutschland exakt die Hälfte (50 Prozent), wirbt gezielt neue Talente mit starken Nachhaltigkeitskompetenzen an.

Die stärksten Motive für Dekarbonisierung: Erwartungen der Mitarbeitenden und Regulatorik

Zu den wichtigsten Beweggründen für Nachhaltigkeitsmaßnahmen zählt aktuell für 60 Prozent der EntscheidungsträgerInnen international (63 Prozent in Deutschland) der Druck von bestehenden und potenziellen Mitarbeitenden; für 57 Prozent (in Deutschland 64 Prozent) ist es das Bestreben, schärferen zukünftigen Regularien zuvorzukommen. 52 Prozent der Führungskräfte versprechen sich steigende Einnahmen davon. Nur einer von fünf Befragten (21 Prozent international, 18 Prozent in Deutschland) sieht einen klaren unternehmerischen Nutzen in Nachhaltigkeit, während 53 Prozent weltweit sowie 51 Prozent in Deutschland der Meinung sind, die Kosten für derartige Maßnahmen überstiegen den potenziellen Nutzen. Aus der Studie geht jedoch hervor, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeit priorisieren, schon jetzt erfolgreicher sind als Unternehmen, die dies nicht tun.

Unternehmen werden sich zunehmend des ökologischen Fußabdrucks ihrer IT bewusst und setzen neue Tools ein, um ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Laut mehr als der Hälfte (55 Prozent) der Befragten kennt ihr Unternehmen die Menge an CO2-Emissionen seiner IT - digitaler Tools, Apps, IT-Systeme und Rechenzentren. Dieser Anteil erreicht in der industriellen Fertigung 63 Prozent und 61 Prozent bei Konsumgüter- und Energieunternehmen. Um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, setzen nach eigenen Angaben 58 Prozent der Unternehmen international sowie in Deutschland bereits KI und Automatisierung ein, insbesondere im Energiesektor (72 Prozent). Weltweit investiert mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen in digitale Technologien wie Augmented und Virtual Reality oder Kollaborationstools, um die Reisetätigkeit ihrer Mitarbeitenden zu reduzieren.

Im Rahmen dieser Studie befragte das Capgemini Research Institute   im August und September 2022 insgesamt 2.004 Manager und Managerinnen aus 668 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar.
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