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Nachhaltigkeit

Nachlassende Kaufkraft bremst Nachhaltigkeit aus

03.11.2022 Fast die Hälfte der KonsumentInnen in Deutschland achtet auf nachhaltige Produkte. Aber: Nachhaltigkeit kostet. 2022 verzichten immer mehr Menschen aufgrund von Preissteigerungen auf den Kauf nachhaltiger Produkte. Die Kontroverse zwischen Preis und nachhaltigem Bewusstsein zeigt sich insbesondere bei jungen KonsumentInnen.

 (Bild: Bkrmadtya Karki auf Pixabay)
Bild: Bkrmadtya Karki auf Pixabay
­Nachhaltigkeit hat viele Facetten, auf die Konsumentinnen und Konsumenten verstärkt achten. Ob lokale Herkunft, Bio-Siegel, faire Produktionsbedingungen oder Kreislaufwirtschaft: Wertvorstellungen rund um einen nachhaltigen Lebensstil1 werden von einer Trendbewegung immer mehr zum Lebensstil - insbesondere bei jungen KonsumentInnen zwischen 18 und 29 Jahren. Aber welchen Einfluss haben Inflation und Preissteigerungen auf ein nachhaltiges Konsumverhalten? Diese Frage stellt die neue Studie 'Nachhaltiger Konsum - In guten wie in schlechten Zeiten?' des ECC KÖLN   und kommt zu dem Fazit: Konsumverzicht und Sparverhalten wirkt sich auch auf Nachhaltigkeit aus. Profiteur - insbesondere in Sachen Lebensmittel - sind vor allem Discounter, die in den letzten Monaten verstärkt aufgesucht werden.

Preis versus Nachhaltigkeit?

58 Prozent der KonsumentInnen geben an, dass eine nachhaltige Lebensweise im Angesicht aktueller Preiserhöhungen nur schwer mit einem hohen Lebensstandard vereinbar sei. In der Folge wird vermehrt auf den Kauf nachhaltiger Produkte verzichtet (30 Prozent). Besonders ausgeprägt ist diese Umorientierung bei den jungen KonsumentInnen, die oft weniger Haushaltsbudget zur Verfügung haben. Aber: Rund jede und jeder Zweite der 18- bis 29-Jährigen gibt an, wieder mehr zu nachhaltigen Produkten zu greifen, wenn die Preissteigerungen sich wieder zurückbewegen.

Eine nachhaltige Lebensweise steht nicht immer in Konkurrenz zu Preisaspekten. Das zeigt sich vor allem bei den Trends Second-Hand-Shopping und Up-Cycling, aber auch im bewussteren Umgang mit Lebensmittelen: So passiert der Griff zu nicht-tierischen Produkten öfter aufgrund von Nachhaltigkeit (37 Prozent), als aufgrund von Preisargumenten (18 Prozent). Beim Thema Energiesparen ist die Intention ambivalent: Während generelles Energiesparen meist ein Kostengrund ist (59 Prozent vs. 31 Prozent aufgrund von Nachhaltigkeit); ist der initiale Kauf von energiesparenden Alternativen häufiger eine Nachhaltigkeits- (30 Prozent) als Preisentscheidung (22 Prozent).

(Grafik: ECC KÖLN)

Nachhaltige Zukunft: Gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Fragt man KonsumentInnen, wer für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft verantwortlich ist, belegt der Sektor Hersteller und Industrie Platz 1 (Mittelwert von 8,0)2. Dicht gefolgt von Politik (7,9) und Handel (7,6). Eine Wahrnehmung, die durchaus Kaufentscheidungen und Markenimage steuert und verschiedene Handlungsmöglichkeiten mit sich bringt. So können Händler und Hersteller beispielsweise durch die Vermeidung von Plastikverpackungen sowie transparente Informationen zu Material, Herkunft und Inhaltsstoffen klare Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit setzen.

"Händler kommen nicht mehr umhin, Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsmodell aktiv mitzudenken - wer jetzt nicht dabei bleibt, verliert die KonsumentInnen der Zukunft. Denn für die jungen Menschen ist Nachhaltigkeit nicht nur die Art und Weise des Konsumierens, sondern eine Lebenseinstellung. Und zwar auf allen Ebenen: ökologisch, ökonomisch und bei sozialen Fragen", empfiehlt Julia Frings, Projektmanagerin am ECC KÖLN.
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