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Madgets bringen interaktiven Tischen die Haptik zurück

19.08.2010 Wissenschaftler der RWTH Aachen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Multitouch-Tische benutzerorientiert zu verbessern. Dabei helfen Madgets, die mit Hilfe eines Magnetfeldes Eingaben des Nutzers an den Tisch weitergeben.

 (Bild: RWTH Aachen)
Bild: RWTH Aachen
Interaktive Tische sind spätestens seit Microsofts Surface-Tisch eine von der Interaktiv-Branche intensiv beobachtetes Endgerät. Doch ihre berührungsempfindlichen Tischplatten, auf die ein Computerbild projiziert wird, haben auch gravierende Nachteile gegenüber Maus und Tastatur: Buttons und andere Eingabeflächen sind auf der glatten Oberfläche nicht zu "ertasten", und auch Tippen ist mühsam, weil man die projizierte Tastatur nicht fühlen kann.

Madgets ("magnetic widgets) sind passive Eingabegeräte, die über mehrere Magneten verfügen und sich vom Rechner steuern lassen. Bereits 2009 konnten Prof. Dr. Jan Borchers   und Dipl.-Inform. Malte Weiss   mit der Entwicklung von SLAP-Widgets   ("Silicone ILluminated Active Peripherals") die Steuerungsfunktionen verbessern.

SLAP-Widgets sind passive, transparente, bewegliche Knöpfe, Schieberegler und Tastaturen aus Acryl und Silikon, die auf der Tischplatte vom Computer erkannt werden und als Eingabegeräte fungieren. Der Computer des Tisches projiziert dann die passenden Informationen auf sie. Drückt der Nutzer einen solchen Knopf, erkennt auch das der Computer und gibt die Eingabe an das laufende Programm weiter.

Doch die physikalischen, passiven Schieberegler und
Knöpfe hatten ein zentrales Problem: Sie konnten nicht vom Computer eingestellt werden, wenn sich ein Wert softwareseitig änderte. Madgets bieten die Lösung.

Der Einsatz von Madgets  


Die Technik hinter Madgets ist komplex: Über dem Feld von Elektromagneten enthält der Tisch einen umgebauten Flachbildschirm als Tischoberfläche. Über ein Raster von Glasfasern werden die Fussabdrücke der Madgets auf der Tischoberfläche an mehrere Kameras unter dem Tisch weitergereicht, um den Ort und Zustand jedes Madgets zu erkennen. Genauso erkennen die Kameras auch Fingereingaben durch den Benutzer.

Mit Madgets ist den Forschern des Lehrstuhls für Medieninformatik der Aachener Hochschule ein weiterer Fortschritt in der Nutzbarkeit interaktiver Tische gelungen. Madgets sind eine Weiterentwicklung der SLAP-Widgets: Die Knöpfe lassen sich via Magnetfeld von der Computersoftware steuern. Unter der Tischplatte befindet sich ein großes Feld von hunderten kleiner Elektromagnete, die vom Rechner gesteuert werden können. So kann ein Magnetfeld erzeugt werden, um beispielsweise den Schieberegler auf einem Madget softwaregesteuert an eine neue Position zu fahren oder einen Knopf ein- oder auszurasten.

Wird ein Madget beispielsweise nicht mehr zur Eingabe benötigt, schiebt der Computer es an den Rand der Tischplatte und somit aus dem Weg. Die neue Technik bietet zahlreiche weitere Möglichkeiten. So können mehrere Multitouch-Tische, die Madgets nutzen, miteinander verbunden werden.

Die Bewegungen auf einem Tisch werden dabei auch auf andere Platten übertragen. Das ermöglicht zum Beispiel Regisseuren, von verschiedenen Orten aus gemeinsam am Schnitt eines Films zu arbeiten. Die Arbeitsschritte des Anderen können dann genau verfolgt werden.

Madgets sollen im Oktober 2010 auf der ACM UIST 2010  , der Konferenz über Benutzerschnittstellen, vorgestellt werden.


iBusiness-Autor Hendrik Härter ist Redakteur der Elektronik-Praxis. Sein Artikel über Madgets   erschien in Kurzform zuerst dort.
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