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Das VolksPad: Wie der SmartPad von 1&1 den Tablet-Markt umkrempeln kann
28.07.2010 Die iPad-Geräteklasse bekommt Zuwachs - vom Provider 1&1. Mit einer Marketing-Aktion soll dessen 'SmartPad' in hoher Stückzahl auf den Markt drängen. Der Vorstoß zeigt die Zukunft des Branchensegments der Tablet-PCs. Denn Ipad und Smartpad bedienen völlig unterschiedliche Zielgruppen und Anwendungs-Segmente.
Diese Marketing-Aktion könnte dem Gerät auf Anhieb eine beträchtliche Reichweite bescheren. Der App-Shop für Android-Geräte, AndroidPIT , mit dem 1&1 zusammenarbeitet, rechnet bereits mit "mehreren Hunderttausend Nutzern", die damit als potenzielle Kunden in Frage kommen.
Mit dem Namen SmartPad ist die Definition fast schon vollständig: Es reiht sich ein in die Geräteklasse, die Apple mit seinem iPad geprägt hat: Ein mobiler Computer in handlicher Größe mit einem Touchscreen, der für multimediale Anwendungen gedacht ist und sich via UMTS oder WLAN mit dem Internet verbinden kann. So weit, so gleich. Doch damit endet schon die Vergleichbarkeit. Das "Volkspad" des Providers ist für andere Nutzergruppen und eine etwas andere Nutzung gedacht.
Hohe Reichweite bei anderem Schwerpunkt
Das SmartPad setzt offenbar einen etwas anderen Schwerpunkt: Das Gerät ist auch mit einem Infrarot-Sender ausgestattet. Darüber lässt sich der Tablet-PC vor allem als ebenso üppige wie universelle Fernbedienung innerhalb der HomeNet-Gerätefamilie von 1&1 verwenden und steuert dann die heimische Musikanlage ebenso wie Fernseher und Video. Verwendet der Nutzer Geräte anderer Hersteller, sollten diese Heimanlagen ebenfalls den UPnP- bzw. DNLA-Standard integriert haben.
Auch sonst adressiert das Gerät ein anderes Marktsegment als der Vorreiter aus Cupertino: Weniger mobil, mehr Heimanwendung. Eher breite Zielgruppen als den Premium-Ver(sch)wender. Auch der App-Markt für das SmartPad folgt anderen Gesetzen als Marktführer Apple mit seinem App-Store. Das hat zunächst schlicht technische Gründe.
Abgesehen von diesen Heimanwendungen ist die Hardware zumindest im Prinzip mit dem iPad vergleichbar - und weist doch - bei dem Kampfpreis - Abstriche in der Ausstattung auf:
| Technische Daten | SmartPad/1&1 | iPad/Apple |
| Bildschirm/Auflösung | 7 Zoll (800 x 400) | 9,7 Zoll (1024 x 768) |
| Prozessor | 500 MHz | 1 GHz |
| Speicher | 256 MB DDR RAM, 1 GB Flash, per SD-Karte um 2 GB erweiterbar | 16, 32 oder 64 GB Flash |
| Sensoren | Licht, Bewegung | Beschleunigung, Umgebungslicht |
| Anschlüsse | USB 2.0, Audio 3,5 mm | Dock, Audio 3,5 mm |
| Akku | 2.800 mAh Lithium-Ionen | Lithium-Polymer |
| Integrierter Internet-Anschluss | WLAN | WLAN + UMTS, GSM/EDGE (3G Modell) |
| Weitere Funk-/Drahtlos-Techniken | Infrarot-Sender | Bluetooth 2.1 |
| Ortungsfunktion | Keine | Digitaler Kompass, GPS, Funknetz, WiFi |
| Weitere Ausstattung | Integrierte Lautsprecher | Mikrofon, integrierte Lautsprecher |
| Abmessungen (B,H,T) | 196,6 x 130 x 22 mm | 189,7 x 242,8 x 13,4 mm |
| Gewicht (Gramm) | 465 | 680 (WiFi) /730 (WiFi - 3G) |
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich auch das SmartPad per UMTS mit dem Internet verbinden kann - allerdings muss dafür ein UMTS-Surf-Stick an die USB-Schnittstelle gesteckt werden. Die Unterschiede sind wohl gewollt. Der Provider tritt nicht in Konkurrenz zum großen Player aus den USA, er hat ein anderes Segment im Visier.
Zunächst ist mit beiden Exemplaren Surfen, Mailen, Musikhören, das Betrachten von Bildern und Videos sowie das Lesen von E-Books möglich. Das SmartPad wird mit Apps für Uhrzeit, Datum, Wetter, News und Kalender vorinstalliert ausgeliefert. Darüber hinaus nutzt das SmartPad das Android-Betriebssystem. Doch leider werden damit nicht automatisch alle Android-Apps für das Gerät nutzbar sein: Zum einen liegt das an der sehr begrenzten Speicherkapazität der Hardware, zum anderen kann sie nicht auf die Funktionen Telefon, SMS oder GPS zugreifen, da hier nicht vorhanden. Entwicklern empfiehlt der Experte Fabien Röhlinger bei AndroidPIT, Apps "Ressourcen schonend" anzulegen.
Zum Start werden 200 Apps zur Verfügung stehen
Nutzer werden weitere Apps über die Applikation "AndroidPIT" des gleichnamigen Shops ansehen und beziehen können. Zum Start rechnet Fabien Röhlinger mit etwa 200 Apps aus den üblichen Bereichen: Neben nützlichen Anwendungen werden vor allem Spiele zur Verfügung stehen. Wobei die Partner 1&1 und AndroidPIT zu Beginn der Marktentwicklung vor allem auf kostenlose Apps setzen. Ein weiterer Hinweis auf das etwas andere Branchen-Segment.
Die geringe Speicherkapazität dieses Volkspads wird die multimediale Nutzung vor allem mobil beschränken: So kann ein Spielfilm in HD-Auflösung locker einige GByte umfassen. Diese Auflösung schafft aber schon der Bildschirm nicht. Doch selbst Sendungen in normaler PAL-Auflösung fressen als Datei ordentlich Speicherplatz. Die Videobibliothek bleibt hier zuhause.
Speicher begrenzt das multimediale Erleben unterwegs
Aber auch mit anderen Inhalten stößt das SmartPad schnell an Grenzen. Die bislang erschienenen und ob ihrer Interaktivität viel gelobten iPad-Ausgaben der US-Zeitschrift "Wired" etwa liegen zwischen ca. 330 und 520 MByte. Beim Spiegel geht es schlanker zu: Rund 25 MByte Speicherplatz kostet eine Ausgabe für das iPad. Allerdings erscheint das Nachrichtenmagazin wöchentlich. Wer ein Halbjahres-Abonnement gebucht hat, belegt mit seiner Sammlung am Ende mehr als ein halbes GByte.
Aber auch einzelne Anwendungen für das iPad fallen schon mal üppig aus: Da können einzelne Apps locker einen Umfang von zig MByte annehmen. Beispiel: Die Gratis-App der Bayerischen Staatsbibliothek , die deren Schätze zeigt: Da stehen 59,9 MByte zum Download an. Derlei wird sich für das SmartPad von vornherein verbieten. Auch die Neigung mancher iPad-Besitzer, ihre umfangreiche App-Sammlung wie Panini-Sammelbände stolz zu hegen und zu pflegen, sind auf dem Volkspad ausgeschlossen: Dafür reicht einfach der (Speicher-)Platz nicht.
So wird das günstige SmartPad des Providers einen anderen Markt adressieren: Als schlankes Einsteigermodell lässt es breitere Nutzergruppen am multimedialen Erleben via Touchscreen teilhaben, ohne den vollen Umfang des Originals aufbieten zu können. Gerade der mobile Nutzen ist durch den knapp bemessenen Speicher doch begrenzt. Wer das SmartPad mobil nutzen will, muss sich auf wenige und Ressourcen schonende Apps beschränken sowie die Inhalte vorab sorgfältig wählen, die er dann unterwegs verwenden will. Das Volkspad ist damit eher ein Zusatzgerät für den Hausgebrauch. Genau dort aber könnte es seine Konsumenten finden: Als Ergänzung daheim für breitere Zielgruppen. Ein wenig mobile Nutzung ist auch drin, wenn die Ansprüche nicht in den Himmel wachsen.
Auch das Geschäft mit den Apps ist hier anders aufgestellt: Kernbereiche werden abgedeckt, darüber hinaus wird es sicher einige schlanke Anwendungen für den kleinen Gebrauch nebenher geben. Die entsprechende Entwicklerszene soll sich in einer bereit gestellten Community bilden. Am Ende stammen zwar beide Geräte aus einer Art, stehen jedoch nicht in direkter Konkurrenz. Die Branche spaltet sich in unterschiedliche Nutzungsarten und Zielgruppen auf.
