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Do-it-Yourself Homepage von 1&1: Die Agentur-Konkurrenz
10.08.2010 Mit einer groß angelegten Werbekampagne wildert die 1&1 Internet AG beim Kerngeschäft regionaler Interaktiv-Agenturen: Die Entwicklung von Websites für kleine und mittelständische Unternehmen. iBusiness analysiert die tatsächliche Bedrohung der Kampagne für Agenturen. Und enthüllt, was 1&1 mit der gefährlichen Bielefeld-Verschwörung verbindet.
(Video: United Internet Ag)
Zum Preis von 9,99 Euro pro Monat bietet das Angebot Templates für mehr als 100 Branchen, die man mit fünf Designs und neun Basis-Farben per Mausklick individualisieren kann - Standardtexte und Standardfotos inklusive. Im Gegensatz zur Konkurrenz wie beispielsweise Strato ist das Anlegen von Unterseiten im Preis enthalten.
Für 19,99 Euro bietet 1&1 zusätzlich Shop, Newsletter-Tool und Produktkatalog, für zehn Euro mehr im Monat gibt die 1&1 Internet AG auch die SEO-Agentur: "Konkrete Vorschläge zur Seitenoptimierung und der persönliche Einsatz unserer Experten sorgen für eine optimale Positionierung bei den wichtigsten Suchmaschinen wie Google, Yahoo und Bing".
Damit wildert der Hoster im Kerngeschäft der Agenturen. Websites für Handwerker, Freiberufler und lokale Läden sind vor allem für regional aktive Internetagenturen das Brot- und Buttergeschäft. Doch auch für die Großen der Branche kann es zu einem Problem werden, so für die im Internet-Agenturranking 2010 auf Platz 6 der größten Agenturen platzierten Euroweb Internet GmbH . Der ob seiner Akquise-Methoden umstrittene Top-Ten-Wachstumssieger Euroweb (plus 39,3 Prozent) hat sich auf regionale Unternehmen spezialisiert. Die Euroweb Group ist nach eigenen Angaben mit über 20.000 Kunden in diesem Segment Marktführer für Webdesign.
"Es bleiben die Nachteile eines Templates, das individuelle Gestaltung und Funktion ausschließt"
Bei drei Millionen mittelständischen Unternehmen, so argumentiert Pressechefin Melanie Schyja , sei "für alle Agenturen noch ein großes Stück vom Kuchen übrig". Zwar seien die 1&1-Produkte "erfahrungsgemäß sehr ausgereift, dennoch bleiben die Nachteile eines Templates, das individuelle Gestaltung und Funktion ausschließt. Viele KMUs können und wollen darauf nicht verzichten und bevorzugen die Leistungen einer Agentur." Tatsächlich verlangt Euroweb von seinen mittelständischen Kunden laut Preisliste zwischen 1.300 und 18.100 Euro für eine Webpräsenz - und eine zusätzliche "Servicepauschale" zwischen 100 und 450 Euro monatlich.Melanie Schyja sieht trotz der großen Preisdifferenz keine Konkurrenz: "Die Erfahrung in unserem Agenturalltag zeigt, dass KMUs zeitlich sehr eingespannt sind." Euro-Kunden seien dankbar dafür, dass die Agentur ihre Website betreue: "So übernehmen wir nicht nur das Design, sondern kümmern uns um Leistungen wie Suchmaschinenoptimierung, Hosting und die Produktion von Onlinevideos. Besonders weniger technikaffine Unternehmer schätzen unsere kostenlose Supporthotline".
Wer allerdings kein Onlinevideo braucht und keine regelmäßige Website-Betreuung will, der hat zumindest auf dem Papier bei Agenturen wie 1&1 sowohl SEO als auch Design und Hosting - also eine direkte Konkurrenzsituation.
"Derartige Angebote stören das Agentur-Geschäft natürlich massiv"
Der Gesellschafter der Salzburger Agentur.net , Martin Sternsberger , ist da nicht so optimistisch, was die Konkurrenzsituation angeht: "Neben 1&1 gibt es ja eine Reihe derartiger Lösungen wie Webnode . Derartige Angebote stören dasAgentur-Geschäft natürlich massiv, aber nicht weil sie preisgünstig oder gar gratis sind, sondern weil sie billig und umsonst sind."
Für ihn ist es nur die halbe Wahrheit, einfach nur eine Web-Präsenz zu besitzen: "Einfach eine Website ohne klare Zielsetzung zu basteln, produziert ausschließlich Enttäuschung und Misserfolg." Er stellt die Beratungsfrage: "Was ist mit begleitenden Werbemaßnahmen und wie passt sich das in das Unternehmenskonzept ein?"
"Agenturen gibt es immer noch"
K.-Ulrich Louis , Chef der Agentur Louis Internet und der Softwareschmiede Lilabs hatte beim Betrachten der 1&1-Werbung ein Déjà-vu: "Als vor vielen Jahren die ersten WYSIWYG-Editoren wie Dreamweaver oder Frontpage auf den Markt kamen, sagte man uns Agenturen das baldige Ende nach. Doch uns gibt es noch - mehr denn je."
Auch bei Eins und Eins: Die Bielefeld-Verschwörung
Eine Beruhigung für Agenturen: Die Webseite des in dem TV-Spot vorgeführten Architekt Markward existiert wirklich. Dort existiert weder eine Umsatzsteuer-ID ("[bitte eintragen]"), noch eine Wirtschafts-Identifikationsnummer ("[bitte eintragen]"), weder zuständige Kammer noch berufsrechtliche Regelungen ("[bitte eintragen]"). Kein Wunder: Architekt Max Markward in Bielefeld existiert nicht. An seiner angeblichen Adresse "Heinrichstr. 21" steht im angeblichen "Bielefeld" ein Wohnhaus. Dass entsprechende Einträge in Google Maps und Branchenbüchern gefälscht sind, würden Verfechter der Bielefeld-Verschwörung argumentieren. Für sie existiert Bielefeld schließlich genauso wenig wie der 1&1-Kunde Max Markward:
Allerdings außerhalb von Bielefeld scheint es dennoch eine wachsende Zahl von Kunden zu geben, die das 1&1-Angebot annimmt: Eine Referenzliste zeigt, dass man mit standardisierten Baukasten-Elementen durchaus in vielen Branchen parallel punkten kann.
Am: 10.08.2010
