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KI und Agentur-Geschäftsmodell

Warum jetzt die Stunde der mutigen Agenturchefs schlägt

11.07.2025 Die Lage ist ernst - aber nicht hoffnungslos: Künstliche Intelligenz verändert das Agenturgeschäft von Grund auf. Wer jetzt auf KI setzt, kann nicht nur bestehen - sondern gestärkt aus der Transformation hervorgehen.

 (Bild: grollmann / midjourney)
Bild: grollmann / midjourney
Wir erleben gerade den Anfang vom Ende des alten Agenturmodells. Bis 2026 könnte KI einen signifikanten Teil des Umsatzes von Marketing- und Digitalagenturen übernehmen. Viele Standardleistungen - wie Content-Erstellung, Bild- oder Video-Produktion - werden zunehmend automatisierbar, sodass Agenturen viel Umsatz an KI-basierten Tools verlieren könnten (siehe iBusiness: So viel Agenturumsatz frisst 2026 die KI) . Wie diese Welt aussehen könnte, hat Meta-Chef Mark Zuckerberg erst kürzlich skizziert. Kurz zusammengefasst: "Nenne der Plattform deine Ziele, gibt ihr dein Geld - den Rest erledigt die KI". Was Deutschlands Agenturchefs von dieser Vision halten (nämlich nicht viel), haben wir in dieser Geschichte aufgeschrieben: "KI regelt den Rest" - Wie Mark Zuckerberg Agenturen überflüssig machen will. Dass sie die Bedrohung trotzdem ernst nehmen, steht hier: Performance, Media, Kreation: So brutal verändert KI die Agentur-Welt.

KI hat jedenfalls das Zeug dazu, Verschiebungen tektonischen Ausmaßes in der Agenturlandschaft zu erzeugen. Dazu passt die Meldung, dass einer der größten Kommunikationskonzerne der Welt, die WPP-Gruppe  , gerade mit Cindy Rose erstmals einer ausgewiesenen Technologie-Expertin die Führung der globalen Werbeholding übertragen hat. Zuletzt war Rose als Chief Operating Officer Global Enterprise bei Microsoft   tätig. Allgemein wird ihre Berufung als deutliches Zeichen gewertet: Die Holding will ihre Kompetenzen in Künstlicher Intelligenz, digitaler Transformation und datengetriebener Markenführung ausbauen.

Wie ernst es WPP mit dieser Ausrichtung meint, hat das Unternehmen erst kurz zuvor bewiesen, als es ankündigte, jährlich 300 Millionen Pfund in Künstliche Intelligenz, Daten und Technologie zu investieren. Erster Erfolg dieser Offensive: Mit eigens entwickelten KI-Werkzeugen für die Erstellung von Apps und Webanwendungen wollen die Werber bereits Effizienzgewinne von bis zu 25 Prozent erreicht haben. Des Weiteren steht mit WPP Open eine KI-basierte Marketingplattform in den Startlöchern, die der gesamten Gruppe zur Verfügung stehen soll.

Diese Offensive lässt wohl kaum einen Zweifel daran, wie die Zeichen für Agenturen stehen:

  1. Erheblicher Umsatzanteil steht auf dem Spiel
  2. Schon in kurzer Zeit wird KI einen signifikanten Teil des Umsatzes von Marketing- und Digitalagenturen übernehmen. Viele Standardleistungen - wie Content-Erstellung, Bild- oder Video-Produktion - werden zunehmend automatisierbar, sodass Agenturen einen großen Umsatz an KI-basierten Tools verlieren könnten.

  3. "Weiter so" mit KI reicht nicht
  4. Einfach nur KI-Tools ins bestehende Dienstleistungsportfolio zu integrieren, reicht nicht aus. Wer weiterhin wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss Prozesse, Geschäftsmodelle und Kundenerlebnisse komplett neu denken - weg von reiner Tool-Integration, hin zu strategischer Transformation.

  5. Intelligenzwert steigern, nicht Technik kopieren
  6. Agenturen sollten ihren eigenen Mehrwert durch Kreativität, Beratung, Markenstrategie und menschliche Expertise verstärken. Die Aufgabe besteht darin, Künstliche Intelligenz als Hebel einzu­setzen - nicht als Ersatz - und so das eigene "Intelligenzwertversprechen" zu erhöhen.

Um die KI-Welle zu reiten, müssen Agenturen ihre Rolle neu definieren: Die Automatisierung mit Künstlicher Intelligenz stellt alles infrage, was das Agenturgeschäft bisher ausgezeichnet hat: manuelle Kreation, klassische Rollenverteilung, projektbezogene Abrechnung, lineare Prozesse.

Ja - das ist eine Zumutung.

Aber: Es ist auch eine riesige Chance.

Denn nie war die Nachfrage nach Orientierung, Kontext, Relevanz, Vertrauen und echter Markenführung größer. Nie war der Bedarf an BeraterInnen so hoch, die Technologie in Sinn übersetzen können. Nie war der Moment so günstig, Agentur neu zu denken.

Was jetzt zu tun ist

Wer heute eine Agentur führt, braucht vor allem zwei Dinge: Mut zur Lücke - und Lust auf Neues. Denn der Markt fragt nicht mehr nach "Wer kann das bauen?", sondern nach "Wer hilft mir, das zu verstehen, zu kontrollieren, zu verantworten?"

Deshalb wird es jetzt entscheidend sein:
  • KI nicht nur einzuführen - sondern strategisch zu verankern.
  • Beratungsleistungen neu zu denken - datengetrieben, modular, tief.
  • Teams zu befähigen, mit KI nicht zu konkurrieren, sondern zu kollaborieren.
  • Prozesse zu vereinfachen, Angebote zu produktisieren, Wert neu zu definieren.

Agenturen, die das schaffen, werden relevanter sein als je zuvor. Sie werden gebraucht - als Lotsen, Kuratoren, Übersetzerinnen zwischen Mensch, Marke und Maschine.
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