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Was die Straße von Hormus mit der Digitalwirtschaft macht
17.04.2026 Die Prognosen für die Digitalbranche waren bislang eigentlich nicht schlecht - zumindest im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. Doch seit Donald Trump den Iran-Konflikt eskalierte und einen globalen Energiepreisschock auslöste, hat sich die Ausgangslage grundlegend geändert. Auf welche Folgen sich Agenturen, Plattformen und digitale Geschäftsmodelle nun einstellen müssen.
Auch der Branchenverband Bitkom prognostizierte der Branche ein Wachstum von 4,4 Prozent auf rund 245 Milliarden Euro Umsatz. Damit entwickelt sich die Digitalwirtschaft deutlich dynamischer als die Gesamtwirtschaft, für die lediglich ein Wachstum von etwa ein bis zwei Prozent erwartet wird. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Software, Cloud-Services und Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz.
Doch nun hat sich durch den Iran-Krieg und den damit verbundenen Energiepreisschock schon wieder alles geändert. Der Konflikt hat innerhalb kurzer Zeit zu massiven Verwerfungen auf den Energiemärkten geführt: Öl- und Gaspreise sind sprunghaft gestiegen, teilweise um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau, und auch die Inflation zieht wieder an. Gleichzeitig warnen Ökonomen, dass diese Entwicklung das Wachstum dämpfen und die wirtschaftliche Erholung in Europa deutlich bremsen könnte.
Was bedeutet dies nun für die Digitalwirtschaft?
Sollte sich die gesamtwirtschaftliche Lage stärker eintrüben als bislang angenommen, wäre zunächst mit einem deutlichen Rückgang der Erwartungen zu rechnen. Erfahrungsgemäß wird sich das Wirtschaftsklima schnell eintrüben, auch wenn die tatsächliche Geschäftslage erst mit einiger Verzögerung nachziehen wird. Ein ähnlicher Verlauf war bereits in den Jahren nach dem Boom 2021 zu beobachten.Die Digitalwirtschaft dürfte die negativen Auswirkungen trotzdem unmittelbar spüren. Um Investitionen zu bremsen, Budgets einzufrieren und Projekte zu verschieben, genügt es, wenn die Unternehmen verunsichert sind. Vor allem die Bereiche Marketing, E-Commerce oder innovationsgetriebene Projekte leiden zuerst. All das sind klassische Digitalagentur-Themen.
Verschiebung statt Einbruch
Gleichzeitig zeigt sowohl die ursprüngliche Prognoselage als auch die historische Entwicklung, dass die Digitalwirtschaft in Krisensituationen weniger stark einbricht als andere Branchen. Statt eines flächendeckenden Rückgangs ist eher mit einer Verschiebung der Nachfrage zu rechnen. Es kommt zum Ketchupflaschen-Effekt: Investitionen werden zurückgestellt, es passiert erst einmal nichts. Ist der Pfropfen dann aber durchbrochen, läuft es richtig. Die Investitionen verlagern sich dann typischerweise hin zu Lösungen, die Effizienz steigern und Kosten senken - etwa Automatisierung, Cloud-Services oder KI-Anwendungen. Gerade diese Segmente zählen laut Bitkom-Prognose auch 2026 zu den stärksten Wachstumstreibern.Die Grafik unterstützt diese Interpretation: Als die ifo-Geschäftserwartung 2020 Corona-bedingt massiv einbrach, konnte die Digitalwirtschaft sogar zunächst profitieren. Der Überfall Russlands auf die Ukraine - gepaart mit einer ersten Energiekrise, massiv steigender Inflation und damit einhergehendem Einbruch der Kaufkraft - zog zwar auch die Digitalwirtschaft in eine Krise (die bis heute anhält), verglichen mit der gesamtwirtschaftlichen kam sie aber mit einem blauen Auge davon.
Die Folgen werden lange spürbar bleiben
Auch der Iran-Krieg dürfte wieder deutliche Spuren hinterlassen. Selbst unter günstigen Umständen dürften Monate vergehen, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben. Und selbst dann werden die Folgen noch Monate lang spürbar sein. Dünger, der nun nicht ausgebracht oder teuer eingekauft werden muss, wird noch im kommenden Frühjahr auf die Lebensmittelpreise durchschlagen - selbst wenn Diesel dann wieder billig wäre. Die Gasspeicher, die in den kommenden Monaten zu Rekordpreisen gefüllt werden, schlagen im kommenden Winter voll ins Kontor - selbst wenn Erdgas dann wieder billig wäre. Der Spaß bleibt uns also noch einige Zeit erhalten.Die Digitalbranche wird sich dieser konjunkturellen Entwicklung nicht entziehen können - aber sie wird typischerweise früher, differenzierter und schneller reagieren, wenn es wieder aufwärts geht. Insgesamt deutet die Kombination aus Prognosen und Wirtschaftsklima darauf hin, dass die Digitalwirtschaft auch in einem verschärften Krisenszenario widerstandsfähig bleibt.
Und: Auf Phasen der Unsicherheit folgte bislang stets eine Phase der Stabilisierung und Anpassung. Es ist also zu erwarten, dass auf den akuten Preisschock eine Phase folgen wird, in der in politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit investiert wird - und fast immer ist dabei auch ein Digitalprojekt Teil der Antwort.
