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Social Media

Das nackte B2B-Netzwerk: LinkedIn-Hacks für Marken und Agenturen

04.11.2024 LinkedIn ist für Marken und Agenturen alternativlos - allerdings wird es zunehmend schwerer hier aufzufallen, selbst mit Top-Content. Ein Strategie-Guide für das letzte B2B-Netzwerk.

Nirgendwo geben Business-Kontakte so viel preis wie auf LinkedIn. (Bild: Sebastian Halm/Midjourney)
Bild: Sebastian Halm/Midjourney
Nirgendwo geben Business-Kontakte so viel preis wie auf LinkedIn.

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TL;DR
Erfolg auf LinkedIn bedeutet - für Marken wie Agenturen: Über regelmäßigen, relevanten Content eine Nische erobern und hier hartnäckig bleiben. LinkedIn-Marketing kommt langsam, aber nachhaltig in Schwung.
"Die größte Fehleinschätzung ist, dass LinkedIn ein Netzwerk für B2B ist", sagt Dr. Michael Kausch , Geschäftsführer von vibrio. Kommunikationsmanagement  . Was wie eine provokante These klingt, die man mal in die Runde wirft, damit den Marketing-Altvorderen die Monokel aus dem Antlitz plumpsen, hat aber eine ganz geerdete Begründung für den Social-Media-Experten: "LinkedIn ist ein Netzwerk für P2P, also für People-to-People. Denn in LinkedIn kommunizieren Menschen mit Menschen, nicht Betriebe mit Betrieben." Nicht die Unternehmensseiten seien das Wichtigste, sondern die Profile der Unternehmer, "und noch genauer: die Aktivitäten der Menschen, das was sie dort kommunizieren und das was sie dort suchen und lesen."

Nach dem Abstieg von Xing, den die lange Zeit führende deutsche Alternative selbst fleißig mitbefeuert hat, indem es allen beliebten Funktionen den Stecker zog, ist "LinkedIn die einzige verbliebene 'richtige' B2B-Plattform", sagt Felix Beilharz  , Berater für Online- und Social-Media-Marketing. "Damit sei es im B2B quasi unverzichtbar." Ende Oktober gab LinkedIn    selbst die monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer mit 6,8 Millionen an. Und zwar fand eine gewisse Granularisierung statt - immer mehr und immer spitzere Netzwerke, zugefeilt auf spezielle Interessen.

Aber in Beilharz Wahrnehmung hat sich dennoch "da in den letzten Jahren nicht viel geändert. Klar gibt es jetzt mehr Plattformen wie Bluesky  , Threads  , BeReal  , Mastodon   et cetera... aber das Gros der Menschen tummelt sich nach wie vor aufFacebook  , Instagram  , YouTube  , TikTok  , Snapchat   und im Business-Kontext eben LinkedIn. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen stark. Die meisten TikTok-Videos tauchen früher oder später auch auf Instagram Reels und YouTube Shorts auf und jetzt sogar im LinkedIn Video-Feed." Der Gedanke 'für das gehe ich auf Plattform A und für das auf Plattform B' sei eher falsch, sagt Beilharz.

Was aber macht LinkedIn so speziell, was man sich nicht mal eben zusammensuchen oder auf den Unternehmensseiten selbst finden kann?

Dienstag und Donnerstag sind PDF- und Video-Tage auf LinkedIn.
Dienstag und Donnerstag sind PDF- und Video-Tage auf LinkedIn. (Grafik: Felix Beilharz)
Für Michael Kausch ist der "Goldschatz von LinkedIn die Informationen über die Mitglieder: Für was interessieren sich die Leute auf LinkedIn? Über was schreiben sie? Was liken sie? Niemand weiß mehr über die Menschen, als LinkedIn, nicht einmal Google  ." Gegen LinkedIn sei Google ein armer Dummkopf: "Wirklich nackig sind wir nur in LinkedIn."

Mythos Content ist alles auf LinkedIn: Was ist dran?

LinkedIn betont stets selbst, dass Content der Schlüssel sei, der die Pforte zum B2B-Erfolg aufschließe und, so Felix Beilharz, "das stimmt durchaus, Fachinhalte performen hier besser als auf anderen Plattformen. Trotzdem sind die wirklich viralen Posts fast immer eher wenig fachlich und nutzwertig."

Seine Erfahrung zeigt, dass politische Diskussionen, Selfies mit meinungsstarken Beitragstexten, Aufreger und Diskussionen abseits vom Business sehr stark performen. "Meine reichweitenstärksten Beiträge waren zum Beispiel: 'Ich habe alle KI-Tools durch den Wahl-O-Mat gejagt' (750.000 Views), 'Heute wird ICQ abgeschaltet' (830.000 Views) und 'Kamala Harris könnte die Wahl gewinnen' (730.000 Aufrufe)."

Der Prototyp des erfolgreichen Profils: Der Corporate Influencer


Ein per Direkt-Nachricht  ausgestellter Link zahlt als einziges Format sowohl auf Reichweite als auch auf Konversion ein.
Ein per Direkt-Nachricht ausgestellter Link zahlt als einziges Format sowohl auf Reichweite als auch auf Konversion ein. (Grafik: Felix Beilharz)
Für Klaus Eck   , Content-Strategie-Berater und Experte für Corporate Influencer Consulting, ist es der emotionale, charismatische Mitarbeiter, dem auf LinkedIn die Herzen zufliegen: "Über ihre Mitarbeiter können Unternehmen auf der Plattform sehr gut ihre Kunden, Bewerber und anderen Stakeholder erreichen. Allerdings klappt das mit organischen Inhalten besser über die eigenen Mitarbeiter, nicht unbedingt so gut über Unternehmensaccount." Denn für letzteren müssten Organisationen viel Geld in Advertising investieren, um nennenswerte Reichweiten zu erzielen. "Corporate-Influencer-Programme dienen den Unternehmen dazu, über ihren Content besser und sympathischer wahrgenommen zu werden." Darüber würden Recruiting, Employer Branding und Content Marketing unterstützt.

Das gelte auch für Agenturen, die auf LinkedIn erfolgreich sein wollen, so Eck. Sie sollten "dafür einige ihrer Mitarbeitenden als Corporate Influencer gewinnen.

Erst der Content, dann die Geduld: Von der LinkedIn-Taktik zur LinkedIn-Strategie

Auf Dauer zählt gutes Storytelling, das neugierig auf die eigenen Themen macht."
Für gute Stories hat Eck ein paar Tipps:
  • Der Content muss immer auf die Marke einzahlen, wenn er seine Wirkung entfalten soll.
  • Sichtbarkeit erhalten Marken nur, wenn sie in einem regelmäßigen Rhythmus längere Beiträge veröffentlichen, die im jeweiligen Markt relevant sind.
  • Langweiliger Content wird auf LinkedIn gemieden. Denn es gibt genügend großartigen Content.
  • Ohne Emotionen funktionieren selbst Fachtexte auf LinkedIn nicht mehr. Dafür ist Persönlichkeit wichtig. Das macht Inhalte authentischer.
  • Ein großes No-Go sind für Eck "Kalendersprüche, Selbstbeweihräucherung und belanglose Postings - sie werden auf LinkedIn abgelehnt." Wer dort nichts zu sagen habe, findet mit seinen Botschaften nicht statt.
  • Neben Text-Bild-Inhalten funktionieren zunehmend auch Videos. Entscheidend für den Erfolg seien gute Einstiege in Text oder Video, "allerdings sollten LinkedIn Mitglieder auf Clickbaiting verzichten", sagt Eck. "Einem guten Hook sollten immer nutzwertige Inhalte folgen, von denen die Leser etwas lernen können."
Das weitgehend nutzlos gewordene Hashtag verliert gegen eine positive Reaktion eines/r verlinkten NutzerIn, die deutlich mehr für die Reichweite tut.
Das weitgehend nutzlos gewordene Hashtag verliert gegen eine positive Reaktion eines/r verlinkten NutzerIn, die deutlich mehr für die Reichweite tut. (Grafik: Felix Beilharz)
Ebenso sehr wie die inhaltlichen Aspekte, zählt die strategische Einbettung des Tools 'LinkedIn' in die Unternehmensaktivitäten. Michael Kausch empfiehlt einige grundlegende Vorgehensweisen:
  • Machen Sie LinkedIn einerseits zum alltäglichen Werkzeug im Kommunikations-Mix.
  • Definieren Sie zweitens klare Themenkompetenzen im Unternehmen.
    • Wer spielt welche Themen?
    • Wer betreibt das Plugging mit Botschaften zu diesen Themen in den verschiedenen Netzwerken?
  • Etablieren Sie im Vertrieb eine Social-Selling-Strategie, die auf Langfristigkeit ausgelegt ist, statt auf schnellen Erfolg.
Es sei wichtig, Geduld an den Tag zu legen: "LinkedIn verkauft nicht schnell. Sondern nachhaltig."

Wer viel Konkurrenz hat, braucht eine Nischenstrategie

Der Nischencontent wachse auch auf LinkedIn zunehmend an, sagt Klaus Eck, "weil die Reichweite sinkt, während die Zahl der aktiven LinkedIn-Mitglieder hierzulande rasant steigt." Wer wahrgenommen werden wolle, müsse sich also spezialisieren: "Das kann auch für Netzwerke gelten, wobei es vielen Anbietern schwer fällt, darüber Gewinne zu erwirtschaften."
Thema: Das nackte B2B-Netzwerk: LinkedIn-Hacks für Marken und Agenturen

Kommentar von Sebastian Halm

Eine Nische für alle

LinkedIn-Erfolg braucht Zeit - Geduld wird belohnt. Wichtig ist auch ein kleines Zuhause für den Content.

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Hat seine Nische gefunden: iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Sebastian Halm/Midjourney)
Bild: Sebastian Halm/Midjourney
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