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Brockhaus' digitale Kapriolen
18.12.2008 Die Grande Dame unter den Lexika wechselt zum Jahresanfang unter das Dach von Bertelsmann. Werden die Gütersloher den Brockhaus ebenso im Web veröden lassen, wie der Vorbesitzer Bibliographisches Institut? Sie halten sich derzeit eine kleine digitale Hintertür offen. Ein iBusiness-Rückblick über die digitalen Kehrtwenden und Kapriolen beim Brockhaus - und einen Konkurrenten, der weiß, wie es geht.
Die Jahre gingen ins Land - und mit ihnen erhielten dann auch CD-ROMs und später DVDs den Einzug in die Bibliotheken und Privathaushalte. Nach wie vor wurde immer wieder die Auflage überarbeitet und als gedruckte Version unters Volk gebracht. Bis zum heutigen Tage gibt es Downloads, Mobilapplikationen und andere Anwendungen unter dem namen Brockhaus sowie Line Extensions. Im Web allerdings betrieb das Bibliographische Institut bisher nur den Webseiten-Friedhof Brockhaus.de . In diesem Jahr ging die Politik des 'Rin in die Kartoffeln - raus aus die Kartoffeln' weiter. Nachdem man zunächst öffentlichkeitswirksam androhte, künftig keine 30-bändigen gedruckten Lexika mehr produzieren zu wollen, ruderte man dann zurück. Zwar habe man in Leipzig eine Brockhaus-Redaktion, die die Befüllung der Website vorbereite, aber man werde natürlich auch noch Gedrucktes unters Volk bringen.
Konkret sollte am 15. April 2008 ein contenreiches und durch Werbung finanziertes Brockhaus-Portal freigeschaltet werden. Bifab sprach von "massiven Investitionen" und "neuen Maßstäbe in der multimedialen Ausstattung". Als Chefredakteurin wurde die Journalistin Sigrun Albert verpflichtet, vormals Redaktionsleiterin von Brigitte.de und YoungMiss.de , dem heutigen Bym.de. Das geplante umfangreiche Brockhaus-Angebot ging dann allerdings doch nicht live.
Mit dem Verkauf aller Markenrechte an Bertelsmann gibt es nun erste Statements des neuen Rechteinhabers. Der Brockhaus wird - zumindest auf absehbare Zeit - in Buchform und auch auf DVD erscheinen. Das Portal sei nicht monetarisierbar, heißt es gegenüber iBusiness. Allerdings könne man sich bei Wissenmedia, wo Bertelsmann den Brockhaus ab Januar unterbringt, durchaus auch digitale Line Extensions oder Contentergänzungen vorstellen. Das macht aus Sicht der Bertelsmänner Sinn. Mit Wissen.de betreibt man schon ein Portal, das von dem Transfer profitieren könnte.
Doch die wechselhafte Geschichte der Marke Brockhaus zeigt: Auch nach 15 Jahren hat man sich auf keine einheitliche Digitalstrategie einigen können. Nun besteht unter dem Neu-Eigentümer immer noch die Chance aus Brockhaus.de eine der mehr als 200-jährigen Tradition angemessene Web-Präsenz zu schaffen. Wie so etwas ausschauen kann, kann man von der noch angeseheneren Lady unter den Lexika lernen, der Encyclopedia Britannica nämlich. Die leistet sich etwa ein aktives und preisgekröntes Blog und bietet Video-Content sowie Feeds an.
