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Ranking: Deutschlands wichtigste E-Commerce-Systeme

15.05.2017 Shop-Baukasten oder professionelle ECommerce-Plattform? iBusiness zeigt, welche Systeme im deutschen Onlinehandel wirklich verbreitet sind - und welche für ein Wachstum quer durch alle Umsatzregionen geeignet sind.

Das Shopsystem stellt das Herzstück eines jeden Onlineshops dar - bei der Auswahl des Systems ist höchste Sorgfalt gefragt - und Kenntnis über die Ausrichtung der Systeme. (Bild: geralt / www.pixabay.com)
Bild: geralt / Pixabay
Das Shopsystem stellt das Herzstück eines jeden Onlineshops dar - bei der Auswahl des Systems ist höchste Sorgfalt gefragt - und Kenntnis über die Ausrichtung der Systeme.

HANDLUNGSRELEVANZ

 
Operativ
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heute
morgen
übermorgen
Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Was zu tun ist:
Heute: Die passenden Auswahlkriterien festlegen
Morgen: System-Evaluierung nach strategischen Überlegungen durchführen
Übermorgen: Prozesse verschlanken und Bedienbarkeit verbessern
Die Frage nach den wichtigsten Shopsystemen in Deutschland ist nicht einfach zu beantworten: Auf der einen Seite gibt unzählig es viele kleine Onlineshops, One-Man-Shows und Nebenerwerbshändler, die von einer ganzen Reihe von Shopsystem-Herstellern umworben werden. Auf der anderen Seite sind hochklassige Plattformen wie SAP Hybris   , IBM Websphere   oder Commercetools    angesiedelt, deren Stärke besonders in Integrierbarkeit, Anpassbarkeit und Skalierbarbeit liegen. Dazwischen ist ein Mittelbau von Systemen wie Oxid eSales   , Intershop    oder Magento    angesiedelt, der professionellen Anspruch mit einer breiten und vielfältigen Agenturunterstützung kombiniert und so das Beste aus Standardlösung, Anpassbarkeit und Leistungsfähigkeit kombinieren will.

Rund 40 nennenswerte Shopsysteme hat allein iBusiness im deutschen Markt identifiziert, die Out-of-the-Box, als Plug-In-, als Miet- oder als Agenturlösung angeboten werden. Dazu kommen zahlreiche Derivate, Weiter- und Eigenentwicklungen, die von Agenturen, IT-Dienstleistern oder dem Shopbetreiber selbst hergestellt werden.

18 Millionen gecrawlte URLs, 362.336 installierte Shops

Bislang fehlten in diesem System-Dschungel belastbare Zahlen zu den Marktanteilen. Kein Wunder: Schließlich gibt es selbst zur Zahl der existierenden Onlineshops nur wenige - und teils widersprüchliche - Zahlen. Immerhin konnte iBusiness in einer umfangreichen Analyse errechnen, dass es in Deutschland rund 634.000 Unternehmen gibt, die Onlinehandel betreiben (siehe iBusiness: Studie: So viele ECommerce-Unternehmen gibt es 2017 in Deutschland). Dazu zählen aber nicht nur Händler mit eigenem Shopsystem, sondern auch EBay- und Marktplatzhändler, Versandhändler und Affiliates.

Auf die Anzahl der installierten Shopsysteme lässt sich diese Zahl daher nicht übertragen. Darüber, welche Marktanteile die einzelnen Shopsysteme haben, sagt die Zahl erst recht nichts aus.

iBusiness hat daher eine neue Studie gestartet. Mit einem Crawler wurden alle in Deutschland registrierten Domains besucht und die dahinter liegenden Websites daraufhin geprüft, ob sie Merkmale (Tags, Verzeichnisse, Scripte etc.) aufwiesen, die sich einem der 40 geprüften Onlineshops eindeutig zuordnen ließen. iBusiness hat auf diese Weise im Zeitraum Ende April / Anfang Mai 2017 rund 18 Millionen URLs aus dem .de-Domainraum gecrawlt. Insgesamt konnte iBusiness bei dieser wohl umfangreichsten Prüfung der jüngsten Zeit exakt 362.336 installierte Shopsysteme auf konnektierten .de-Domains aufspüren.

Woocommerce führt vor ePages

Ein genaues Bild zeichnet der Spider dagegen von den Marktanteilen der Shopsysteme im Long Tail. Die meist installierten Shopsysteme in Deutschland führen das Wordpress-Plug-In Woocommerce   sowie der Mietshop ePages den Markt an*:

(Grafik: Quelle: iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Mit insgesamt beinahe 240.000 Installationen machen allein die Top-3-Systeme zwei Drittel des Marktes unter sich aus. Ein guter Teil der Shops dürfte allerdings in den ECommerce-Longtail fallen, der lediglich geringe oder gar keine Umsätze erwirtschaftet. Umsatzmäßig relevanter sind daher oft Shopsysteme mit weit geringerer Installationsbasis. Diese sind in der nachstehenden Tabelle aufgelistet.

RangShopsystemInstallationen
12PrestaShop  4.341
13OpenCart  2.767
14PlentyMarkets  2.729
15osCommerce  2.711
16SmartStore   1.917
17VEYTON  1.569
18wpShopGermany  1.527
19Zen Cart  1.389
20ShopFactory  954
214SELLERS  890
22Intershop   885
23Mauve  688
24wp-e-commerce  573
25Demandware   535
26Xonic  528
27Mallux  > 500
28websale  > 500
29jigoshop  > 500
30Xanario  > 500
31Cosmoshop   > 500
32Zaunz/mietshop.de  > 500
33Xonsoft/powershop  > 500
34Mondo Media  > 500
35Cyberline  > 500
36Apt eBusiness  > 500
37PowerGap  > 500
-Commercetools   nicht erfasst
-IBM WebSphere Commerce  nicht erfasst
-IntelliShop  nicht erfasst
-Oracle  nicht erfasst
-SAP Hybris   nicht erfasst
-Spryker  nicht erfasst

Von Genauigkeiten und Ungenauigkeiten

Auch mit dieser vermeintlich genauen Prüfung lässt sich freilich nur ungefähr auf die tatsächlich operativ tätigen Onlineshops schließen. Zwei Einflussfaktoren - ein über- und ein untertreibender - sind zusätzlich zu berücksichtigen:

  • Übertreibend: Der iBusiness-Crawler prüft rein technisch, ob die Website Merkmale eines bestimmten Shopsystems aufweist. Deswegen werden Test- und Experimentierumgebungen genauso mitgezählt wie längst verwaiste ECommerce-Ruinen, Shops ohne Umsatz oder zweckentfremdete Shop-Templates ohne Funktion.

  • Untertreibend: Umgekehrt ist der iBusiness-Crawler nicht darauf ausgelegt, unbekannte, selbstprogrammierte oder versteckte Onlineshops zu erkennen. Er spürt Standardinstallationen der gängigen Shopsysteme zuverlässig auf. Von dieser Einschränkung sind auch ECommerce-Plattformen der gehobenen Liga - etwa Commercetools, SAP Hybris oder IBM Websphere - betroffen. Diese Systeme sind zu individuell integriert, als dass sie valide automatisch erkannt werden können.

Trotzdem gibt das System eine zuverlässige Orientierung über die Gesamtzahl Onlineshops und deren Marktverteilung, solange es nicht auf die exakte Zahl ankommt. Der übertreibende und untertreibende Effekt dürften sich in der Summe ungefähr ausgleichen. Einfache und günstige Onlineshops machen die große Masse der Systeme aus. Hier beherrschen Standardinstallationen das Bild, die der Spider sehr gut erfassen kann.

Bei den professionellen Online-Shopsystemen mit Umsätzen jenseits der Millionen-Grenze sinkt die Erkennungsrate dagegen erheblich. Legt man die Liste der Top-1.000-Shops zugrunde, die das EHI Retail-Institut regelmäßig veröffentlicht, werden in dieser Liga weniger als 50 Prozent der Shops zuverlässig erkannt. Allerdings ist die Bedeutung dieser Shops für die Gesamtzahl auch geringer. Geht man von 100.000 Shops in der Ein-Million-Plus-Liga aus, würden etwa 50.000 in der Statistik fehlen. Diese Zahl wird kompensiert durch die Vielzahl der verwaisten Shop-Projekte, die im 300.000 Shops langen ECommerce-Prekariat mitgezählt wurden.

Auswertung der Top-1.000- und der Top-100-Shops

Ganz anders sieht es aus, wenn lediglich die Top-1.000-Onlineshops in Deutschland betrachtet werden. Nicht nur die Marktverteilung der Online-Shopsysteme ändert sich drastisch - auch die Fallzahlen sind geringer und die Anzahl der Websites steigt, deren Shopsysteme sich einem Crawler nicht mehr zu erkennen geben steigt.

Aus diesem Grund hat iBusiness für diese Betrachtung zusätzlich auf Material des Medienpartners EHI Retail Institute zurückgegriffen. In der gemeinsam mit dem Forschungsinstitut herausgegebenen Studie E-Commerce-Markt Deutschland werden nicht nur die Online-Umsätze der größten Shops in Deutschland fundiert gelistet, sondern durch Befragung und öffentlich zugängliche Quellen ermittelt, welche ECommerce-Plattform dem Shop zugrunde liegt.

Diese Angaben hat iBusiness um das Crawler-Ergebnis ergänzt, so dass 556 der Top-1.000-Shopsysteme identifiziert werden konnten.

(Grafik: Quelle: iBusiness, EHI; Grafik: HighText Verlag)


In dieser Betrachtung sind die Shopsysteme von Magento, Oxid E-Shop und Shopware    deutlich führend. Aber auch Enterprise-Lösungen von SAP Hybris, Demandware   , IBM Websphere und Intershop    finden hier ihre Kunden. Überraschend leistungsfähig zeigen sich auch die Lösungen xt:-   und osCommerce  , PlentyMarkets   und Websale  , die in dieser Liga nicht unbedingt zu erwarten sind. Allerdings dürften einige dieser Shops bereits durch intensive Anpassungsarbeiten am Rande zu einer Eigenprogrammierung sein.

Überhaupt: In der Liga der Top-1.000-Shops, die mindestens 5,5 Millionen Euro Jahresumsatz mitbringen, haben bereits 44 Prozent der Unternehmen ihre Shopsoftware so stark angepasst, dass das verwendete Grundsystem nicht mehr erkennbar war oder ohnehin komplett selbst entwickelt wurde.

Dieser Anteil steigt in der Betrachtung der Top-100-Shops weiter. Hier stellen Eigenentwicklungen mit 64 Prozent bereits die Mehrzahl der Systeme:

(Grafik: Quelle: iBusiness, EHI; Grafik: HighText Verlag)


Unter den Enterprise-Systemen gehören dagegen SAP Hybris, IBM Websphere und Intershop zu den führenden Systemen der Oberliga. Die weiteste Spreizung indes weisen die Software-Produkte von Magento, Oxid ESales und xt:Commerce auf: Sie finden sich unabhängig von der betrachteten Shopgröße immer in den Top-Ten. In Sachen Skalierbarkeit und Preis-/Leistungsverhältnis haben die Systeme offensichtlich einen deutlichen Vorsprung zur Konkurrenz.


* Update: In einer früheren Version des Textes wurden Zahlen für das Joomla-Plugin Virtua Mart genannt. Diese Zahlen waren aufgrund einer fehlerhaften Zählweise des Scriptes falsch und sind inzwischen entfernt.
Thema: Ranking: Deutschlands wichtigste E-Commerce-Systeme

Kommentar von Dominik Grollmann

Die beste, nicht die teuerste Lösung entscheidet

Teure Shopsysteme müssen nicht automatisch besser sein. Das zeigt der weite Aufstieg einiger Lowend-Shopsysteme bis in die obere Mittelklasse hinein. Entscheidender als der Preis dürfte auf jeden Fall die Frage sein, mit welchem Aufwand man ein System nach oben biegen will. Die Dienstleisterlandschaft entscheidet.

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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