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Ranking: Deutschlands wichtigste E-Commerce-Systeme
15.05.2017 Shop-Baukasten oder professionelle ECommerce-Plattform? iBusiness zeigt, welche Systeme im deutschen Onlinehandel wirklich verbreitet sind - und welche für ein Wachstum quer durch alle Umsatzregionen geeignet sind.
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Rund 40 nennenswerte Shopsysteme hat allein iBusiness im deutschen Markt identifiziert, die Out-of-the-Box, als Plug-In-, als Miet- oder als Agenturlösung angeboten werden. Dazu kommen zahlreiche Derivate, Weiter- und Eigenentwicklungen, die von Agenturen, IT-Dienstleistern oder dem Shopbetreiber selbst hergestellt werden.
18 Millionen gecrawlte URLs, 362.336 installierte Shops
Bislang fehlten in diesem System-Dschungel belastbare Zahlen zu den Marktanteilen. Kein Wunder: Schließlich gibt es selbst zur Zahl der existierenden Onlineshops nur wenige - und teils widersprüchliche - Zahlen. Immerhin konnte iBusiness in einer umfangreichen Analyse errechnen, dass es in Deutschland rund 634.000 Unternehmen gibt, die Onlinehandel betreiben (siehe iBusiness: Studie: So viele ECommerce-Unternehmen gibt es 2017 in Deutschland). Dazu zählen aber nicht nur Händler mit eigenem Shopsystem, sondern auch EBay- und Marktplatzhändler, Versandhändler und Affiliates.Auf die Anzahl der installierten Shopsysteme lässt sich diese Zahl daher nicht übertragen. Darüber, welche Marktanteile die einzelnen Shopsysteme haben, sagt die Zahl erst recht nichts aus.
iBusiness hat daher eine neue Studie gestartet. Mit einem Crawler wurden alle in Deutschland registrierten Domains besucht und die dahinter liegenden Websites daraufhin geprüft, ob sie Merkmale (Tags, Verzeichnisse, Scripte etc.) aufwiesen, die sich einem der 40 geprüften Onlineshops eindeutig zuordnen ließen. iBusiness hat auf diese Weise im Zeitraum Ende April / Anfang Mai 2017 rund 18 Millionen URLs aus dem .de-Domainraum gecrawlt. Insgesamt konnte iBusiness bei dieser wohl umfangreichsten Prüfung der jüngsten Zeit exakt 362.336 installierte Shopsysteme auf konnektierten .de-Domains aufspüren.
Woocommerce führt vor ePages
Ein genaues Bild zeichnet der Spider dagegen von den Marktanteilen der Shopsysteme im Long Tail. Die meist installierten Shopsysteme in Deutschland führen das Wordpress-Plug-In Woocommerce sowie der Mietshop ePages den Markt an*:Mit insgesamt beinahe 240.000 Installationen machen allein die Top-3-Systeme zwei Drittel des Marktes unter sich aus. Ein guter Teil der Shops dürfte allerdings in den ECommerce-Longtail fallen, der lediglich geringe oder gar keine Umsätze erwirtschaftet. Umsatzmäßig relevanter sind daher oft Shopsysteme mit weit geringerer Installationsbasis. Diese sind in der nachstehenden Tabelle aufgelistet.
| Rang | Shopsystem | Installationen |
|---|---|---|
| 12 | PrestaShop | 4.341 |
| 13 | OpenCart | 2.767 |
| 14 | PlentyMarkets | 2.729 |
| 15 | osCommerce | 2.711 |
| 16 | SmartStore | 1.917 |
| 17 | VEYTON | 1.569 |
| 18 | wpShopGermany | 1.527 |
| 19 | Zen Cart | 1.389 |
| 20 | ShopFactory | 954 |
| 21 | 4SELLERS | 890 |
| 22 | Intershop | 885 |
| 23 | Mauve | 688 |
| 24 | wp-e-commerce | 573 |
| 25 | Demandware | 535 |
| 26 | Xonic | 528 |
| 27 | Mallux | > 500 |
| 28 | websale | > 500 |
| 29 | jigoshop | > 500 |
| 30 | Xanario | > 500 |
| 31 | Cosmoshop | > 500 |
| 32 | Zaunz/mietshop.de | > 500 |
| 33 | Xonsoft/powershop | > 500 |
| 34 | Mondo Media | > 500 |
| 35 | Cyberline | > 500 |
| 36 | Apt eBusiness | > 500 |
| 37 | PowerGap | > 500 |
| - | Commercetools | nicht erfasst |
| - | IBM WebSphere Commerce | nicht erfasst |
| - | IntelliShop | nicht erfasst |
| - | Oracle | nicht erfasst |
| - | SAP Hybris | nicht erfasst |
| - | Spryker | nicht erfasst |
Von Genauigkeiten und Ungenauigkeiten
Auch mit dieser vermeintlich genauen Prüfung lässt sich freilich nur ungefähr auf die tatsächlich operativ tätigen Onlineshops schließen. Zwei Einflussfaktoren - ein über- und ein untertreibender - sind zusätzlich zu berücksichtigen:- Übertreibend: Der iBusiness-Crawler prüft rein technisch, ob die Website Merkmale eines bestimmten Shopsystems aufweist. Deswegen werden Test- und Experimentierumgebungen genauso mitgezählt wie längst verwaiste ECommerce-Ruinen, Shops ohne Umsatz oder zweckentfremdete Shop-Templates ohne Funktion.
- Untertreibend: Umgekehrt ist der iBusiness-Crawler nicht darauf ausgelegt, unbekannte, selbstprogrammierte oder versteckte Onlineshops zu erkennen. Er spürt Standardinstallationen der gängigen Shopsysteme zuverlässig auf. Von dieser Einschränkung sind auch ECommerce-Plattformen der gehobenen Liga - etwa Commercetools, SAP Hybris oder IBM Websphere - betroffen. Diese Systeme sind zu individuell integriert, als dass sie valide automatisch erkannt werden können.
Trotzdem gibt das System eine zuverlässige Orientierung über die Gesamtzahl Onlineshops und deren Marktverteilung, solange es nicht auf die exakte Zahl ankommt. Der übertreibende und untertreibende Effekt dürften sich in der Summe ungefähr ausgleichen. Einfache und günstige Onlineshops machen die große Masse der Systeme aus. Hier beherrschen Standardinstallationen das Bild, die der Spider sehr gut erfassen kann.
Bei den professionellen Online-Shopsystemen mit Umsätzen jenseits der Millionen-Grenze sinkt die Erkennungsrate dagegen erheblich. Legt man die Liste der Top-1.000-Shops zugrunde, die das EHI Retail-Institut regelmäßig veröffentlicht, werden in dieser Liga weniger als 50 Prozent der Shops zuverlässig erkannt. Allerdings ist die Bedeutung dieser Shops für die Gesamtzahl auch geringer. Geht man von 100.000 Shops in der Ein-Million-Plus-Liga aus, würden etwa 50.000 in der Statistik fehlen. Diese Zahl wird kompensiert durch die Vielzahl der verwaisten Shop-Projekte, die im 300.000 Shops langen ECommerce-Prekariat mitgezählt wurden.
Auswertung der Top-1.000- und der Top-100-Shops
Ganz anders sieht es aus, wenn lediglich die Top-1.000-Onlineshops in Deutschland betrachtet werden. Nicht nur die Marktverteilung der Online-Shopsysteme ändert sich drastisch - auch die Fallzahlen sind geringer und die Anzahl der Websites steigt, deren Shopsysteme sich einem Crawler nicht mehr zu erkennen geben steigt.Aus diesem Grund hat iBusiness für diese Betrachtung zusätzlich auf Material des Medienpartners EHI Retail Institute zurückgegriffen. In der gemeinsam mit dem Forschungsinstitut herausgegebenen Studie E-Commerce-Markt Deutschland werden nicht nur die Online-Umsätze der größten Shops in Deutschland fundiert gelistet, sondern durch Befragung und öffentlich zugängliche Quellen ermittelt, welche ECommerce-Plattform dem Shop zugrunde liegt.
Diese Angaben hat iBusiness um das Crawler-Ergebnis ergänzt, so dass 556 der Top-1.000-Shopsysteme identifiziert werden konnten.
In dieser Betrachtung sind die Shopsysteme von Magento, Oxid E-Shop und Shopware deutlich führend. Aber auch Enterprise-Lösungen von SAP Hybris, Demandware , IBM Websphere und Intershop finden hier ihre Kunden. Überraschend leistungsfähig zeigen sich auch die Lösungen xt:- und osCommerce , PlentyMarkets und Websale , die in dieser Liga nicht unbedingt zu erwarten sind. Allerdings dürften einige dieser Shops bereits durch intensive Anpassungsarbeiten am Rande zu einer Eigenprogrammierung sein.
Überhaupt: In der Liga der Top-1.000-Shops, die mindestens 5,5 Millionen Euro Jahresumsatz mitbringen, haben bereits 44 Prozent der Unternehmen ihre Shopsoftware so stark angepasst, dass das verwendete Grundsystem nicht mehr erkennbar war oder ohnehin komplett selbst entwickelt wurde.
Dieser Anteil steigt in der Betrachtung der Top-100-Shops weiter. Hier stellen Eigenentwicklungen mit 64 Prozent bereits die Mehrzahl der Systeme:
Unter den Enterprise-Systemen gehören dagegen SAP Hybris, IBM Websphere und Intershop zu den führenden Systemen der Oberliga. Die weiteste Spreizung indes weisen die Software-Produkte von Magento, Oxid ESales und xt:Commerce auf: Sie finden sich unabhängig von der betrachteten Shopgröße immer in den Top-Ten. In Sachen Skalierbarkeit und Preis-/Leistungsverhältnis haben die Systeme offensichtlich einen deutlichen Vorsprung zur Konkurrenz.
* Update: In einer früheren Version des Textes wurden Zahlen für das Joomla-Plugin Virtua Mart genannt. Diese Zahlen waren aufgrund einer fehlerhaften Zählweise des Scriptes falsch und sind inzwischen entfernt.
