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Top Ten: Das sind die erfolgreichsten Shopsysteme 2020

16.10.2020 Welche Shopsysteme werden von Deutschlands Top-1.000-Händlern eingesetzt? iBusiness hat's ausgezählt. An der Spitze kündigt sich inzwischen ein Führungswechsel an - und von unten drängt ein prominenter Newcomer in den Markt.

 (Bild: kreatikar / pixabay.com)
Bild: kreatikar / Pixabay

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TL;DR
Shopsystem-Ranking unter den deutschen Top-1.000-Shops: Diese Shopsysteme werden von Deutschlands größten Händlern eingesetzt.
Die Wahl des richtigen Shopsystems ist keine einfache Entscheidung. Performance, Wartbarkeit, Bedienungsaufwand, Integrationsfähigkeit, Dienstleisterlandschaft, Implementationsaufwand und Lizenzmodell wollen neben dem reinen Leistungsumfang (der inzwischen durchaus austauschbar geworden ist) ermittelt, abgewogen und berücksichtigt werden.

Doch auch wenn für eine genaue Evaluierung letztlich eine genaue Prüfung der einzelnen Anbieter unabdingbar ist, hilft zur ersten Orientierung auch ein viel einfacheres Mittel: Ein Blick auf den Markt. Das Einzelhandelsinstitut EHI   hat gemeinsam mit dem Statistikunternehmen Statista   in seiner Studie "E-Commerce-Markt Deutschland 2020" die Top-1.000-Onlineshops in Deutschland untersucht - unter anderem auch daraufhin, welche Systeme bei den verschiedenen Händlern eingesetzt werden. iBusiness hat die Studie ausgewertet und daraus die wichtigsten Shopsysteme Deutschlands ermittelt.

Zur Erfassung der Shopsysteme hat sich EHI/Statista der Browser-Add-ons Wappalyzer   und Builtwith   bedient.

Das sind die Top-Ten-Shopsysteme

Die Shopsoftware Magento    - seit 2018 im Adobe-Universum angesiedelt - machte 2020 einen gewaltigen Sprung nach vorn: Nachdem der Marktanteil zuletzt drei Jahre in Folge gebröckelt ist, wuchs er zuletzt wieder um 1,6 Punkte auf nun 15 Prozent. Damit dominiert Magento weiterhin unangefochten das Feld.

Das Shopsystem Magento ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent das meistinstallierte System unter den Top-1.000-Händlern in Deutschland. Der Marktanteil wuchs zuletzt um 1,6 Prozentpunkte.
Das Shopsystem Magento ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent das meistinstallierte System unter den Top-1.000-Händlern in Deutschland. Der Marktanteil wuchs zuletzt um 1,6 Prozentpunkte. (Grafik: Quelle: EHI, Statista; Grafik: HighText Verlag)


Magento konnte damit zuletzt sogar seinen Vorsprung auf den Verfolger Shopware    wieder etwas ausbauen. Letzterer entwickelte sich in den vergangenen Jahre zu einem wahren Überflieger in den Top 1.000 und konnte seit 2016 seinen Marktanteil kontinuierlich von 5,7 Prozent auf nun 12,2 Prozent steigern. Auch 2020 legten die Shop-Macher aus dem Münsterland um 0,9 Punkte zu. 2,8 Prozentpunkte trennen sie nun noch von der Marktführerschaft.

Weniger gut entwickelt hat sich dagegen die Situation für Oxid eShop  . Zuletzt schien es, als könnten die Freiburger Pioniere ihren anhaltenden Abwärtstrend stoppen. In diesem Jahr setzt sich die Entwicklung jedoch fort. Der Marktanteil sank um einen Punkt auf nunmehr 6,7 Prozent. Zum Vergleich: 2016 lief Oxid noch bei 9,3 Prozent der Top-1.000-Händlern.

Salesforce setzt schon einmal den Blinker links

Damit ist die Salesforce   Commerce Cloud auf Schlagdistanz herangerückt. Nur noch 0,5 Punkte trennen das US-Unternehmen, das sich 2016 mit Demandware in den Markt gekauft hat, vom dritten Platz. Das Wachstum (2020: Plus 1,1 Punkte) hält seit 2016 dauerhaft an. Schon im kommenden Jahr könnte Salesforce mehr Installationen unter den deutschen Top-1.000-Händlern ausweisen als Oxid.

Schlecht vom Fleck zu kommen scheint dagegen die SAP   Commerce Cloud. Seit der Walldorfer IT-Gigant 2013 den aufstrebenden Münchner Shopsystem-Entwickler Hybris übernommen hat, haben sich die Marktanteile lediglich im Promillebereich verändert. 2016 waren es 4,4 Prozent, 2020 kam SAP auf auf 4,7 Prozent.

Auf den hinteren Rängen hat sich dagegen nur wenig getan. Bei der Interpretation der Zahlen darf nicht vergessen werden, dass Marktveränderungen im Promillebereich wenig aussagekräftig sind, insbesondere wenn sich die Installationsbasis eher auf kleinere Shops bezieht. Denn die Basis der Top-1.000-Shops ändert sich ebenfalls in jedem Jahr und gerade auf den hinteren Rängen herrscht naturgemäß eine höhere Fluktuation. Insbesondere bei kleineren Anbietern unterliegen die Schwankungen der Marktanteile daher einer gewissen Zufälligkeit.

Trotzdem springen zwei Auffälligkeiten ins Auge: Zum einen ist dem ewigen Krisenkandidaten Intershop    eine Trendumkehr gelungen und er kann wieder leicht wachsen. Das gab es seit Jahren nicht mehr. Zum anderen macht sich der kanadische Shooting-Star Shopify   erstmals in den Top Ten bemerkbar. Zwar ist die Installationsbasis mit acht Systemen durchaus noch homöopathisch, das Wachstum mit sechs zusätzlichen Installationen aber beträchtlich.

Trend zur Standard-Software

Auch in diesem Jahr hält der Trend zur Standardsoftware an. Der Anteil der selbst programmierten oder stark veränderten Systeme, die daher nicht erkannt werden konnten, ist erneut um 3,8 Prozent gesunken. 2016 blieb mit 48,3 Prozent noch fast die Hälfte der Shop-Systeme unerkannt. Nun ist dieser Anteil auf 38,1 Prozent gesunken.

Nicht täuschen lassen darf man sich dagegen vom Marktanteil der unter "Sonstige" subsummierten Software. Vordergründig ist er zwar um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Allerdings sind im diesjährigen Ranking drei Positionen doppelt vergeben (Ränge 7, 8 und 10). Im Vorjahr trat dies nur bei einem Rang auf. Während sich der Marktanteil der Top-10-Systeme im Vorjahr also aus 11 Systemen zusammensetzte, sind es in diesem Jahr 13. Um diesen Effekt bereinigt, wäre der Anteil der "sonstigen Shopsysteme" nicht um 0,4 Prozentpunkte gesunken, sondern um 1,2 Punkte gewachsen. In Anbetracht der um 3,8 Prozent verbesserten Erkennungsrate kann trotzdem von einer behutsamen Konsolidierung des Marktes gesprochen werden.

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

1. Magento

Marktdaten Magento
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
150
+ 16)
Beste Position:26
Durchschnittsrang:582
Klar führendes Shopsystem bleibt die Software von Magento    mit 150 Installationen (15 Prozent Marktanteil). Das Shopsystem profitiert von seiner breiten Dienstleisterunterstützung, seiner Flexibilität und der damit einhergehenden großen Spannbreite und Universalität. Der bestplatzierte Magento-Shop findet sich auf Rang 26 der Top-1.000-Liste (Vorjahr: 31). Dies zeigt, dass Magento in der Oberliga mitspielen kann, obgleich der Durchschnittsrang aller Magento-Installationen bei 582 (Vorjahr: 587) liegt und beweist, dass die Bandbreite bis in das untere Mittelfeld hinein reicht.

2. Shopware

Marktdaten Shopware
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
122
+ 9)
Top-Position:39
Durchschnittsrang:617
Shopware konnte auch in diesem Jahr weiter zulegen, wenngleich sich das Wachstum verlangsamt hat. Gegenüber dem Vorjahr sind neun Installationen hinzugekommen. Mit insgesamt 122 Installationen konnte sich Shopware damit weiter von seinem ehemaligen Rivalen Oxid distanzieren. Wie bei Magento beweist die Topposition 39 (Vorjahr: 37) die hohe Leistungsfähigkeit der Software. Der Durchschnittsrang von 617 (Vorjahr: 618) zeigt zugleich, dass das System auch für kleinere Shops eine gute Wahl ist. Zugleich ein Hinweis auf die Wachstumsstrategie: Shopware gewinnt seine Marktanteile nicht, weil einige Top-Player ihr Shopsystem wechseln, sondern weil Shopware-Anwender in die Top-1.000-Liste hineinwachsen. Irgendetwas müssen sie also richtig machen.

3. Oxid Eshop Community & Enterprise

Marktdaten Oxid Eshop
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
67
- 10)
Top-Position:50
Durchschnittsrang:586
Zuletzt hatte Oxid keinen so guten Lauf: Vor drei Jahren war der zweite Platz im Ranking noch fest für die Freiburger reserviert. Inzwischen ist nicht nur Shopware uneinholbar davongezogen, sondern auch Salesforce auf Schlagdistanz herangerückt. Das liegt auch an eigener Schwäche: Immerhin zehn Installationen musste Oxid in den Top-1.000 abgeben. Oxid adressiert ebenfalls das obere Mittelfeld der Top 1.000, wie der Durchschnittsrang von 586 (Vorjahr: 568) sowie Rang 50 des bestplatzierten Oxid-Shops zeigen. Oxid scheint sich als System für das Mittelfeld etabliert zu haben, droht aber den Nachwuchs aus den Augen zu verlieren, während die Shops an der Spitze herauswachsen.

4. Salesforce Commerce Cloud

Marktdaten Salesforce Commerce Cloud / Demandware
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
62
+ 11)
Top-Position:40
Durchschnittsrang:519
Standardsoftware aus einer Hand - mit dieser Strategie versucht Salesforce den Markt aufzurollen. Dem Unternehmen kommt dabei seine eigene Position als CRM- und Marketing-Suite-Anbieter ebenso zupass, wie die Ausrichtung der Full-Service-Lösung Demandware, die der Salesforce Commerce Cloud zugrunde liegt. Das Konzept scheint aufzugehen. Immerhin konnte Salesforce erneut zulegen, in diesem Jahr um elf Installationen. Die Top-Position 40 (Vorjahr: 44) sowie der Durchschnittsrang von 519 (Vorjahr: 513) blieben fast unverändert und zeigen einerseits, dass die Lösung weit vorn mitspielen kann und für das obere Mittelfeld attraktiv ist. Andererseits, dass das Unternehmen mit dieser Ausrichtung auch noch weiter wachsen kann.

5. SAP Commerce Cloud / Hybris

Marktdaten SAP Commerce Cloud / Hybris
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
46
- 1)
Top-Position:23
Durchschnittsrang:371
Zu den Highflyern der vergangenen Jahre gehört SAP Commerce Cloud (ehemals: Hybris). Die Strategie ist durchaus mit Salesforce vergleichbar: Der Anbieter einer Standardsoftware erweitert sein Portfolio um eine ECommerce-Branchenlösung. Nach einigem Erfolg in den ersten Jahren musste das System inzwischen allerdings Federn lassen: Von 53 Installationen in der Spitze (2017) sind nun noch 46 Installationen übrig geblieben. Die Topposition 23 (Vorjahr: 15) als auch der Durchschnittsrang von 371 weisen darauf hin, dass SAP nach wie vor für Shops der Spitzenklasse attraktiv ist.


7. Intershop

Marktdaten Intershop
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
17
+ 2)
Top-Position:18
Durchschnittsrang:452
Intershop ist wahlweise der Pionier unter den Onlineshops oder das Urgestein, in jedem Fall aber seit Jahren ein Krisenkind, dem kontinuierlich Marktanteile verloren gingen. 2020 erstmals nicht mehr. Das Plus von zwei Installationen unter den Top 1.000 mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, unter dem Aspekt der Trendumkehr ist es jedoch beachtenswert. Dafür spricht auch, dass Intershop offenbar eine Neuausrichtung gelungen ist: Während sich das System bislang ausschließlich an die Elite (Toprang 18, Vorjahr 17) wandte, hat das Wachstum diesmal auf das Mittelfeld durchgeschlagen, wie die Veränderung des durchschnittlichen Rangs zeigt, der sich von 331 (2019) auf 452 (2020) deutlich veränderte. Aber wie bei jedem Erfolg, gilt auch bei Intershop: Einmal ist Zufall, zweimal ist Glück, dreimal ist Können. 2022 wissen wir also mehr.

10. Shopify

Marktdaten Shopify
Installationen:
(Veränderung gg. VJ.
8
+ 6)
Top-Position:471
Durchschnittsrang:723
Auf den hinteren Rängen der Top Ten sind kleine Marktveränderungen generell wenig aussagekräftig. Einerseits, weil etwa Novomind, Shopify und Websale aus rein formalen Gründen in die Top Ten gerutscht sind (weil die Ränge sieben und acht doppelt belegt sind). Andererseits, weil gerade auf den hinteren Rängen der Top-1.000-Liste eine hohe Händlerfluktuation herrscht. Wenn sich die Installationsbasis dann nur um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte ändert, hat dies oft weniger mit dem Shopsystem zu tun, als mit der zufälligen Performance einzelner Händler oder Handelssegmente. Trotzdem springt die Entwicklung von Spotify ins Auge. Die vielgehypte Handelsplattform aus Kanada konnte immerhin um sechs Installationen wachsen. Sollte diese Tendenz anhalten, wäre dem System bald ein fester Platz in den Top Ten sicher.
Thema: Top Ten: Das sind die erfolgreichsten Shopsysteme 2020

Kommentar von Dominik Grollmann

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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