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Webanalyse-Verweigerung: Was Googles Opt-out für Folgen hat
23.04.2010 Mit seiner Ankündigung, Nutzern die Webanalyse-Verweigerung zu erlauben, indem diese sich per Browser-Plug-in der Erfassung durch Google Analytics entziehen können, hat Google für viel Wirbel in der Blogosphäre gesorgt. Nur ein Sturm im Wasserglas oder kommen schwere Zeiten auf Webanalyse-Spezialisten zu?
Eigentlich noch gar nichts. Doch in seinem Analytics Blog hat Google am 18. März angekündigt , dass es innerhalb "weniger Wochen" ein Opt-out-Plug-in für Web-Browser zur Verfügung stellen wird. Damit werden sich Websurfer beim Besuch von Seiten und Shops, die Google Analytics (GA) verwenden, der Erfassung durch das Webanalyse-Tool entziehen können. Das heißt, ihre Besuche und ihre Aktionen auf diesen Seiten werden nicht mehr gezählt, ihre IP-Adresse nicht an Google übermittelt. Amy Chang, Group Product Manager: "Im Lauf des vergangenen Jahres haben wir verschiedene Methoden evaluiert, wie die Nutzer größeren Einfluss auf die Erfassung ihrer Daten durch Analytics bekommen können. Unsere Erkenntnis war, dass das am besten mit einem Browser-Plug-in zu realisieren ist." Der Vorgang ist insofern bemerkenswert, weil Google nur äußerst selten Produkte vorab ankündigt.
Warum ist das relevant?
GA ist das weltweit am weitesten verbreitete Webanalyse-Tool, kostenlos und im Vergleich zu kommerziellen Lösungen recht leistungsfähig. Laut einer Studie der University of California , Berkeley, wird es von 92 der Top-100-Webseiten im Netz verwendet und ist bei 88 Prozent der insgesamt fast 400.000 untersuchten Domains im Einsatz. Das bedeutet: Ein ganz erheblicher Teil der Webwirtschaft verlässt sich auf GA bei der Analyse seiner Nutzerdaten. Durch ein Opt-out in großem Stil wäre die Integrität der gewonnenen Daten in Gefahr, dementsprechend groß war die Aufregung in der Blogosphäre.
Warum macht Google freiwillig etwas, das die Ergebnisse verschlechtert?
Hierzu kursieren zweierlei Spekulationen. Zum einen hat Google vor kurzem die Zulassung bekommen, dass Google Analytics in den USA bei Behörden für deren Websites eingesetzt werden darf. Es wird vermutet, dass die Opt-out-Lösung eine der Voraussetzungen für diese Zulassung war. Da bei diesen Websites große Datenmengen anfallen und sich Google das Recht vorbehält, die via GA erfassten Daten selbst nutzen zu dürfen, ist dieser Bereich sehr interessant für den Anbieter.
Die andere Spekulation dreht sich darum, dass Google damit verschärften Datenschutzvorschriften vor allem in Europa zuvorkommen will. In Deutschland hatten die Datenschutzbeauftragten von Berlin und Schleswig-Holstein vor zwei Jahren erhebliche Bedenken gegen die Nutzung des Trackingsystems Google Analytics durch deutsche Webseitenbetreiber angemeldet. Zeitweise war sogar über ein mögliches Verbot in Deutschland spekuliert worden.
Kann ich als Websurfer heute schon verhindern, dass ich getrackt werde?
Im Prinzip Ja. Zum Beispiel, indem die Funktionen des Browsers für das Setzen von Cookies oder die Ausführung von Javascript ausgeschaltet werden. Allerdings ist diese Methode unkomfortabel, weil dann auch andere Funktionalitäten nicht zur Verfügung stehen. Eine bessere Lösung ist zum Beispiel das Javascript Sakk Trakk , das Webseitenbetreiber in den HTML-Code ihrer Seiten integrieren können und das dann Google Analytics Opt-out nur für diese Site bereitstellt.
Wird Webanalyse durch das Opt-out ad absurdum geführt?
Nein, auf keinen Fall. "Die gute Nachricht bei der ganzen Sache ist, dass vermutlich nur ein sehr kleiner Teil der Anwender dieses Plug-in installieren und benutzen wird," so Patricio Robles
von der Beratungsfirma eConsultancy. Auch der Analyst Joseph Stanhope
von Forrester Research winkt ab: "Das schadet Google Analytics und seinen Kunden kaum. Auch mit Opt-out wird es weiterhin verlässliche Daten geben. Es hat Web Analytics schließlich auch nicht den Todesstoß versetzt, dass sich Cookies löschen lassen und Javascript zu deaktivieren ist."
Der Beleg für diese These: Einen Opt-out-Mechanismus bieten viele andere Webanalysehersteller längst an - wie etwa DoubleClick , Coremetrics oder Omniture , ohne dass deren Ergebnisse deswegen grundsätzlich in Frage gestellt werden.
Zumal es Möglichkeiten gibt, die möglicherweise wegfallenden Daten zu kompensieren: "Mithilfe statistischer Verfahren, die die GA-Daten etwa mit den Server-Logfiles vergleichen, lässt sich die Qualität der Daten sicherstellen", so Antonio Petra
, Head of Digital Strategy beim Dienstleister Cambrient.
Worin liegt eigentlich das Datenschutzproblem bei Google Analytics?
Im Wesentlichen darin, dass die IP-Adresse des Surfers erfasst wird. Beispiel: Ein Anwender surft anonym auf einer Pornoseite, wo seine IP-Adresse mit GA getrackt und an Google übermittelt wird. Als nächstes loggt er sich mit der gleichen IP-Adresse bei Googlemail ein, wo er sich mit richtigen Namen angemeldet hat. Theoretisch könnte Google durch einen Abgleich nun feststellen, welche Person auf der Pornoseite war. Allerdings schließt Google einen solchen Abgleich aus und bislang gibt es keinerlei Hinweise auf einen Verstoß dagegen. In Deutschland ist es bislang rechtlich umstritten, ob die IP-Adresse zu den personenbezogenen Daten zählt oder nicht.
Gibt es eine Möglichkeit, Besucher zu tracken und trotzdem den Datenschutz zu gewährleisten?
Experten sehen diese Möglichkeit durch eine Anonymisierung der IP-Adressen gegeben. Beispielsweise bietet der Analyseanbieter Nedstat dieses Verfahren. Geschäftsführer Ralf Haberich
: "Dabei werden die jeweils letzten Bits der Adresse per Zufallsgenerator geändert. Die Auswirkungen auf die Genauigkeit dieses Verfahrens haben wir in den vergangenen Wochen mit folgendem Ergebnis analysiert: Nach einer 4-Bit-Randomisierung ist die Domain nur um 0,09% ungenauer."
Macht der Datenschutz das Thema Webanalyse künftig viel schwieriger?
Eine typisch US-zentrierte Sicht vertritt in dieser Frage der Webanalyse-Berater Eric T. Peterson
von der Consulting-Firma Web Analytics Demistified: "Die einzigen Leute, die sich nach meiner Erfahrung wirklich für Opt-out interessieren, sind Datenschützer, Extrem-Techies und ein paar Europäer."
Aber auch hiesige Experten sehen die Debatte um den Datenschutz bei der Webanalyse als überzogen an. "Das Thema Datenschutz ist eine sehr theoretische Debatte, die - wenn man Europa betrachtet - nur in Deutschland einen solchen Hype auslöst"
, so Nedstats Ralf Haberich.
Zu: Webanalyse-Verweigerung: Was Googles Opt-out für Folgen hat
Schön traditionell: awstats zur Logfileanalyse verwenden. Ist freie Software, kann dreimal so viel wie Google Analytics, ist nach kurzer Einarbeitung gut handhabbar, keine Cookies, kein Javascript, die IP-Adresse wird nur auf dem Webserver gespeichert und es werden alle Zugriffe ausgewertet, nicht nur die, die von Google kommen.
