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Neckermann will "echter Onlinehändler" werden
29.10.2009 Neckermann will den Vertrieb übers Internet ausbauen. Die neue Ausrichtung des Unternehmens trage bereits Früchte. So werden die Umsatzziele für 2009 laut Vorstand Henning Koopmann sogar "leicht übererfüllt".
"Die Zukunft des Versandhandels liegt im Internet", sagte Koopmann mit Verweis auf die Marktentwicklungen. Deshalb richte Neckermann das Unternehmen auf diesen Vertriebskanal aus. "Wir wollen ein echter Online-Händler werden. Bereits heute machen wir rund 60 Prozent unserer Umsätze online, und wachsen aktuell in diesem Vertriebskanal um elf Prozent. Jeden Tag gewinnen wir online mehr als 4.000 Kunden neu dazu. Und im Schnitt setzen wir mit dieser Kundengruppe pro Kopf rund 200 Euro pro Jahr um", berichtet Koopmann.
Gleichzeitig werde es in Zukunft weiterhin gedruckte Werbemittel geben, da diese auch als Impuls für Einkäufe im Internet dienen. "Ob wir in zehn Jahren noch einen 1000 Seiten starken Katalog haben, bezweifle ich allerdings", sagte Henning Koopmann. Bereits heute arbeite man an neuen Angebotskonzepten, die auch Werbemittel einschließen. Nach Unternehmensangaben ist die aktuelle unternehmerische Entwicklung von Neckermann.de gut. 2010 erwarte man wir für die Neckermann-Gruppe eine 'schwarze Null'. "2012 wollen wir fünf Prozent Rendite erwirtschaften" gab Koopmann als Ergebnisziel aus.
Den Shift hin zu 80 Prozent ECommerce-Umsatz, der geplant ist, erkauft Neckermann allerdings mit sinkenden Umsätzen: Der Außenumsatz sank von 1,3 Mrd. Euro im Jahr 2003 auf 940 Mio. Euro 2007 und 820 Mio. 2008 auf geplante 750 Mio. in diesem Jahr. Die Investoren haben die Gnadenfrist um zwei weitere Jahre verlängert. Ursprünglich wollte Sun Capital Neckermann bis 2010 profitabel sehen. Jetzt kann man bis 2012 Zeit lassen.
Von der Arcandor-Insolvenz nicht betroffen
Die weitere Entwicklung von Neckermann.de sei von der Insolvenz des Minderheitsgesellschafters Primondo , der zum Arcandor-Konzern gehört, nicht betroffen. Im Gegenteil: "Das überraschende Aus für Quelle führt zu zahlreichen Anfragen von Quelle-Kunden", sagte Marketing-Geschäftsführer Ulf Cronenberg . Bis 2008 war Neckermann.de Teil des Konzerns. Die Entflechtung vom Arcandor-Konzern sei nahezu abgeschlossen.
Ausrichtung auf E-Commerce erhöht Flexibilität
Ludger Schöllgen , Geschäftsführer Einkauf, erläutert die Auswirkungen der Online-Ausrichtung des Unternehmens am Beispiel der Preisgestaltung: "Früher hat Neckermann.de als Schwerpunkt zwei mal im Jahr einen Katalog versendet. Das bedeutete: die Preise waren jeweils für diesen Zeitraum fixiert. Dank innovativer Technologien und der stark erhöhten Markttransparenz im Internet müssen dort hingegen die Preise täglich überprüft werden, um wettbewerbsfähig zu sein", sagte Schöllgen. Außerdem sei die Planung der Warenbestände deutlich flexibler geworden. Das spare auch Kosten und schränke gleichzeitig die Verfügbarkeit der Waren nicht ein, ergänzte Schöllgen.
Investitionen in die IT
Die Ausrichtung des Unternehmens auf den Internet-Handel unterstreichen auch die Investitionspläne von Neckermann.de. 2009 hat das Unternehmen rund 20 Millionen Euro in IT investiert. Bis 2012 sollen noch einmal mehr als 40 Millionen Euro hinzu kommen, erklärte Dr. Helmut Steurer , Geschäftsführer Finanzen, IT und Logistik.
Die neue Geschäftsführung von Neckermann.de - neben Henning Koopmann sind dies Ulf Cronenberg (Marketing und Vertrieb), Ludger Schöllgen (Einkauf) und Helmut Steurer (Finanzen, IT und Logistik) - ist seit rund einem halben Jahr im Amt.
