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Duzen oder Siezen: Das denkt die Interaktivbranche
02.03.2020 In der Interaktivbranche ist das vertraute 'Du' schneller ausgesprochen als in vielen anderen Bereichen des Geschäftslebens. Aber ist das so eine gute Idee? Wir haben die Branche gefragt.
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Auf die Frage Du oder Sie zieht sich Niels Dahnke, Head of SEO bei der Suxeedo GmbH , mit einem Ausweichmanöver aus Freiherr von Knigges Schusslinie und antwortet: "Ja".
Das ist allerdings dem nach Orientierung dürstenden Digitalarbeiter keine rechte Hilfe - mehr arbeiten kann man da schon mit den regionalen Entscheidungshilfen, wie sie etwa Jan Eppers, Geschäftsführer Agentur Frische Fische , anbietet: "In Frankfurt, Düsseldorf und München = Sie. Sonst Du." Zumindest der Aussage über die Formalität in der rheinischen Karnevalsmetropole mag André Koegler, Performance Consultant, SIP.marketing , nicht recht zustimmen und warnt vor Exilierung: "Wenn Du in Düsseldorf ein förmliches 'Sie' anfängst, schicken Sie Dich nach Köln." Das käme der Höchststrafe gleich für einen Eingeborenen der Gemeinde, die der Domstadt in liebevoller Feindschaft verbunden ist.
Jürgen Kübler, Leiter Management Digital Channels Market Die Schweizerische Post , will im Duzen etwas gefunden haben, in dem die Schweizer angeblich schneller sind als ihre Nachbarn aus der gerne als 'Nordkanton' verspotteten Wirtschaftsmacht: "Gefühlt: In der Schweiz nach 2 Min Du. In Deutschland nach 5 Jahren immer noch Sie."
| Fünf nutzlose Fakten zum Duzen/Siezen |
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Eine elaborierte Antwort kommt von Tibor Bauer, Affiliate Consultant: "Ich habe eine altmodische Einstellung. Du ist für mich Augenhöhe. Ein Azubi muss sich das 'Du' verdienen. Es hat was mit Respekt zu tun. Ich reagiere echauffiert wenn das 'Du' gerade von Schulabgängern als normal angesehen wird. Und genauso halte ich es auch im Gespräch. Wenn ich finde dass mein Gegenüber ein 'Sie' verdient, weil ich respektvoll sein will, dann nutze ich das auch. Zu späterem Zeitpunkt kann man switchen. Wie gesagt es ist vielleicht eine überholte, altmodische Einstellung, aber ich finde es gibt einige Sachen die immer gelten und entdecke aus der Vergangenheit immer mehr Ansichten auf die ich gerne Wert legen möchte."
Auch Norbert Nordbergh Diedrich, Communication Consultant and Copywriter , mag und lebt den Unterschied: "Manches "You" und "You" weist größere Unterschiede auf, als ein "Sie" und "Du". Das ausschließliche "Du" können viele gar nicht.
Ich mag und lebe die Unterscheidung, denn sie ist sprachlich verwurzelt und sollte niemanden an seine/ihre intellektuellen Grenzen führen. Sie vereinfacht aus meiner Sicht den Umgang miteinander - sie ist benutzerfreundlich. ABER es sind natürlich 2 Wörter statt nur 1.
Bonus: Man kann so manche Leute in den richtigen Situationen mit einem "Du" viel besser treffen, als mit einer Beleidigung.
So halte ich es im Privat- wie im Geschäftsleben.
Damit braucht man indes Dorin Popa, Blogger and Bouncer nicht zu kommen: "Du. Das Sie kommt kurz vor der Schlägerei." Dann kann er immerhin konfliktfrei bei Constantin Rehbergs Arbeitgeber einchecken, denn der Chief Digital Officer, prizeotel - THE ECONOMY HOTEL erklärt: "Wir sagen im Hotel zu allen Gästen du!"
Karin Falkenberg, Museumsleiterin im Spielzeugmuseum Nürnberg , nutzt das Alter als Maßstab "Ü50: Sie - U50: du.". Dagegen zählt für Chris Szepanski , CEO der EffektX UG , vor allem die Konsistenz im Gebrauch: "Egal wie, dann aber immer gleich, falls wir über den Einsatz formeller oder informeller Ansprache auf einer Website sprechen."
Christof Fischoeder, Fischoeder Kommunikationsberater , beweist ein Herz für Akademiker, verlangt aber im Austausch bedingungsloses Duzen : ""Wie Du es willst, für Dich aber immer noch Du, Herr Dr." Und Thomas Koch, Geschäftsführer und Gesellschafter, Kongress Media , bewundert die Trinkfestigkeit der Manieren mancher Nachwuchs-Manager: "Branchenabhängig - gerade an der Hotelbar zwei jüngere Kollegen aus der Baustoffbranche gesehen die sich auch nach dem x-ten Bier hartnäckig siezten."
Wenn auch der Branchenkonsens mit leichter Mehrheit zum Digital-Du tendiert, gibt es nach wie vor genug Menschen, die auch unter Alkoholeinfluss den Wunsch nach formeller Ansprache respektieren - es ist also nicht verkehrt, die Du/Sie-Frage zu Anfang offen abzuklären. Tut ja nicht weh.
