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Sprachassistenz: Nicht mehr aufzuhalten
07.03.2017 Gefährlich? Überflüssig? Unbrauchbar? Die Meinungen über Sinn und Zweck der Sprachassistenzsysteme gehen derzeit noch weit auseinander. Aufzuhalten sind sie deswegen aber nicht.
- Datenschutz: Viele Nutzer haben Befürchtungen, dass Smart-Home-Lautsprecher dazu eingesetzt werden können, um die Gespräche in der Wohnung zu belauschen.
Die Befürchtung ist real. Wer sollte sicherstellen, dass ein NSA sich die Gelegenheit entgehen lässt, auf die hochentwickelten Echo-Mikrofone zuzugreifen, wenn sich die Gelegenheit bietet? Der Geheimdienst hat in der Vergangenheit immerhin schon Router auf dem Postweg abgefangen, die Firmware kompromittiert, und sie anschließend dem Empfänger zugestellt. Genügend kriminelle Energie ist also vorhanden.
Andererseits ist dieses Phänomen nicht auf Sprachsteuerung begrenzt. Unsere gesamte IT - von vielen Fingerabdruckscannern über die Webcams, Tastaturen und Mikrofone in Laptops und Smartphones - ist angreifbar. Es handelt sich also um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das viel größer als die Sprachassistenz ist. Das Problem wird daher auch in diesem Maßstab adressiert - und hoffentlich gelöst.
- Usability: Viele Nutzer fühlen sich unwohl, wenn sie mit dem Smartphone reden. Alle Umstehenden schauen automatisch herüber und oft funktioniert die Sprachsteuerung dann nicht.
Selbstverständlich: Wer heute in der U-Bahn anfängt eine E-Mail zu diktieren, bekommt mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb ist. Und wer mit Freunden das erste Mal die Pizza per Sprache bestellt, steht leicht im Verdacht, bloß mit seinen neuesten Gadgets angeben zu wollen.
Doch diese Effekte nutzen sich schnell ab. Denken Sie nur an die Einführung von Handys. In der Straßenbahn telefonieren? Damit machte man sich Mitte der 90er automatisch zum Affen und im Café drehten sich automatisch die Köpfe um. Heute: Vergessen.
Genauso entwickeln sich Sprachassistenzsysteme. Zunächst werden sie in unbeobachteten Momenten ausprobiert. Sobald hier eine Gewöhnung eingesetzt hat, werden immer weniger Menschen verstehen, warum sie nicht auch am S-Bahnhof ihr Ticket per Sprachbefehl kaufen sollen.
Für mich steht fest: Im Jahre fünf nach Siri steht das Wachstum der Sprachassistenzsysteme erst bevor. Dazu muss man nur die eigene Nutzung beobachten.
