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KI vs Meta-Versum: Was uns Zuckerbergs Vollflop über KI verrät
20.03.2026 Während sich KI Panne auf Panne leistet, ist ihr Siegeszug ungebremst. Da ging das Aus für das Metaversum fast unter. Was das über Interaktivbranche und KI-Zukunft verrät.
Das könnte man als Nebensache abtun - schließlich hat Google schon unzählige Anwendungen und Dienste auf den Friedhof geschickt und immer wieder gehen Anwendungen vom Netz, weil sie einfach nicht mehr genutzt werden oder nie wirklich Anklang gefunden hatten. Doch das mit Metas 3D-Welt ist insofern spannender, als es ein spektakuläres Scheitern markiert: Ende 2021, als die virtuelle Welt das nächste große Ding suchte, beschloss Mark Zuckerberg, das Metaversum werde die nächstgroße Revolution. So sicher war er sich, dass er gleich den ganzen Konzern nach seinem neuen Liebling umbenannte - im Oktober 2021 war das, zwei Monate vor dem Start von Horizon Worlds. Zuckerberg konnte nicht ahnen, dass ein knappes Jahr später die wirkliche Revolution stattfinden würde. Doch da hatte er sein ganzes Geld schon auf das falsche Pferd gesetzt.
Im November 2022 kam ChatGPT heraus. Selten ist deutlicher geworden, wie sich ein wahrer Hype zu einem künstlich erzeugten Hype verhält als beim Vergleich der Akzeptanz von Metaverse und OpenAIs LLM. Zuckerberg hatte verloren - er war in den falschen Zug eingestiegen. Und jetzt scheint er es endgültig begriffen zu haben.
Kaufen wir doch einfach ein gefaktes KI-Netzwerk!
Denn vor etwa zwei Wochen hat Meta die Plattform Moltbook gekauft - ein Netzwerk, in dem KI-Bots miteinander kommunizieren, naja - fast. Aber der Reihe nach: Das Moltbook-Team wird in Metas "Superintelligence Labs" integriert, um neue Einsatzmöglichkeiten für KI-Agenten in Unternehmen und Alltag zu entwickeln.Moltbook sorgte zuletzt für die in KI-Diskussionen fast schon obligate Aufregung, weil dort KI-Systeme eigenständig Gespräche führten - angeblich teils sogar über ihre menschlichen Nutzer "tratschen". Nachdem sich die Schnappatmung aber gelegt hatte, zeigte sich, dass ein Teil der Inhalte wohl nicht rein autonom entstand, sondern durch menschliches Eingreifen oder gesteuerte Bots beeinflusst wurde - was das Bild einer vollständig unabhängigen KI-Kommunikation, nun ja - relativierte.
Doch Meta setzt nun vollends auf seine KI-Strategie und investiert verstärkt in autonome KI-Agenten. Und die Datenbrillen, mit denen wir durchs Metaversum flanieren sollten? Kommen die jetzt in den Müll? Nicht zwingend, der kreative Geist kann auch andere Verwendungen für sie finden, wie eine kuriose kleine Fußnote zur virtuellen Weltgeschichte zeigt: Im Verfahren um die Liquidation einer litauischen Firma vor einem englischen Gericht trug der Zeuge eine Datenbrille und erhielt offenbar in Echtzeit Anweisungen von seinen Hintermännern. Das fiel auf, weil bei dem technischen Wunderwerk irgendwann die Bluetooth-Verbindung abrauchte und stattdessen das Handy des Zeugen per Lautsprecher für alle hörbar zu reden anfing. Zur etwa gleichen Zeit muss irgendwo in Kalifornien Mark Zuckerberg den Pressetermin für das Aus von Horizon Worlds angesetzt haben.
Large Language Models - Die reale Gefahr von Stagnation und Zielverfehlung
Die gute Frage nun lautet, ob die Welt mit KI besser dran ist als mit dem Metaverse. Da hätten sich die Techbros nur an einer virtuellen Welt ausgetobt, statt nun die echte mit Fail auf Fail zu torpedieren. Denn KI ist genau wie das Metaverse sehr weit davon entfernt, ihre Anfangsversprechen einzulösen - nur hat die KI eben einen Morderfolg. Und das?- Obwohl die Agenten aktuell weit an den Bedürfnissen der Arbeitswelt vorbei entwickelt werden: Laut Branchendienst Decoder testen Hersteller die Anwendungen überwiegend mit Programmieraufgaben, obwohl diese nur einen kleinen Teil der realen Jobs ausmachen. Die wichtigen Fähigkeiten - Kommunikation oder komplexe Interaktion - kommen kaum vor und bei realistischeren, gemischten Aufgaben stoßen die künstlichen Schlauberger schnell an ihre Grenzen.
- Auch im E-Commerce lösen die Agenten aktuell Probleme, die kein Kunde wirklich hat: Die KäuferInnen wünschen sich Hilfe bei Produktsuchen, die KI dagegen empfiehlt und personalisiert so stark, dass sich Misstrauen regt, wie Neuhandeln berichtete.
- Und brauchen wir wirklich eine KI-gesteuerte Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen, bei der die Algorithmen die Cops losschicken, wenn sie "auffällige Verhaltensmuster" wie zielloses Herumlaufen registrieren? Wenn die KI nicht mal eine Umarmung von einem Würgeangriff unterscheiden kann, wie Zeit Online berichtet.
- Wobei das, was KI neulich McKinsey angetan hat, wohl eher für diebische Freude gesorgt haben dürfte - na gut, außer den Leuten von McKinsey : Die interne KI-Plattform der für drastische Einschnitte berühmten Wirtschaftsberatung namens "Lilli" - benannt nach der ersten weiblichen Angestellten - hat mal eben alles Vertrauliche ausgespuckt, womit man sie gefüttert hatte: Forschern des Start-ups Codewall gelang es nach eigenen Angaben, in nur zwei Stunden vollständigen Zugriff auf die interne Plattform "Lilli" zu erhalten. Dabei hätten sie 46,5 Millionen Chatnachrichten, Hunderttausende Dateien mit Kundendaten und Zehntausende Nutzerkonten einsehen können, berichtete das Handelsblatt .
Wie eine KI ohne TechBro-Hype aussehen könnte: Hoffnungsträger LeCun
Vor diesem Hintergrund wirkt es wie eine hoffnungsvolle Nachricht und zugleich wie ein finaler Schlag in Zuckerbergs Gesicht, was ein Herr namens Yann LeCun treibt. Der hat in Paris sein neues KI-Start-up vorgestellt, AMI (Advanced Machine Intelligence) Labs heißt es. LeCun, ein Promi in der KI-Welt, bemängelt, wie sich Konzerne auf große Sprachmodelle konzentrieren. Diese seien "keine wirklich intelligenten Systeme", weil sie nicht in der Lage seien, die beste Lösung unter mehreren zu finden. Mit AMI Labs will LeCun das korrigieren und Weltmodelle erforschen, die beispielsweise entscheidende Fortschritte in der autonomen Robotik bringen sollen. In einer ersten Finanzierungsrunde sammelte das Unternehmen bereits 890 Millionen Euro ein.Wieso das doof für Zuckerberg ist? LeCun arbeitete bis vor wenigen Monaten noch bei Meta, bevor ihm dessen KI-Ambitionen zu richtungslos wurden.
Vielleicht lässt sich aus dem Debakel des einen und dem Erfolg des anderen Hypes ja etwas ziehen. Etwa: Hypes sind kein Geschäftsmodell. Wer wie beim Metaverse zu früh und zu einseitig auf eine Vision setzte, hat eventuell massive Fehlinvestitionen getätigt. Und auch bei KI sind wir noch weit davon entfernt, die Pionierphase zu verlassen: Technologien müssen sich an realen Nutzungsbedürfnissen orientieren - nicht an internen Wunschbildern. Es klingt banal, doch entscheidend ist, ob Lösungen echte Probleme lösen. Oder ob man erstmal auf die Suche nach dem Problem gehen muss, für das man gerade eine Lösung gekauft hat.
