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In Deutschland klafft eine Social-Media-Lücke
15.09.2016 In keiner anderen Nation wie in Deutschland klafft eine derart große Nutzungslücke zwischen jungen Social-Media-Nutzern und älteren Social-Muffeln: Nur vier von zehn Über-35jährigen nutzen aktiv Social Media, aber doppelt so viele Unter-35er, staunt das Institut der duetschen Wirtschaft in Köln
Von den über 35-jährigen Internetnutzern sind nur 39 Prozent in den sozialen Netzwerken aktiv, von den unter 35-Jährigen aber 81 Prozent - damit beträgt der 'Social Media Age Gap' in Deutschland satte 42 Prozentpunkte.
Größer ist die Alterslücke in keinem anderen der 30 Länder, deren Bürger vom amerikanischen Forschungsinstitut Pew Research Center zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt wurden. Vergleichbar ist der Abstand zwischen Jung und Alt lediglich in Frankreich, wo er bei 41 Prozentpunkten liegt. Schon beim drittplatzierten Vietnam sind es nur 37 Punkte.
Für den Social Media Age Gap sind nicht Smartphone-Verbreitung oder Infrastruktur ausschlaggebend:
Altersbedingte Ursachen Ältere Erwachsene müssen den Umgang mit den sozialen Medien erst lernen. Zu erkennen ist das zum Beispiel daran, dass sie viel seltener Bilder und Videos teilen. Zudem sind Angehörige der Generation 40 plus meist nur mit jenen Menschen über Facebook und Co. verbunden, mit denen sie auch im realen Leben besser bekannt oder befreundet sind. Viele Digital Natives dagegen nehmen jeden, zu dem sie einen Berührungspunkt haben, in ihr virtuelles Netzwerk auf - und leiten aus dessen Größe ihren sozialen Status ab.
Für viele Jüngere geht es schon deshalb nicht mehr ohne WhatsApp und Instagram, weil alle Freunde diese Kommunikationsmedien nutzen - und wer sich verweigert, wird zum Außenseiter.
Wirtschaftliche und politische Gründe Dass der Social Media Age Gap in Deutschland und vielen anderen Industriestaaten so groß, in wirtschaftlich schwachen Ländern dagegen klein ist, hängt auch mit der Altersstruktur der jeweiligen Bevölkerung zusammen: Es gibt hierzulande aufgrund des demografischen Wandels relativ gesehen wenige "Digital Natives", die die Älteren mitziehen könnten.
Eine wichtige Rolle spielen aber auch der Ausbau der sonstigen Kommunikationsnetze und die politische Unabhängigkeit der Massenmedien. So bietet beispielsweise das Fernsehen in Deutschland verlässliche Informationen, und wichtige Dokumente werden nach wie vor noch per Post verschickt. In Kenia dagegen lassen sich Daten am einfachsten via Smartphone austauschen, in politisch unruhigen Ländern wie Venezuela oder der Türkei sind die sozialen Netzwerke die schnellste Informationsquelle - und vom Staat am schlechtesten zu kontrollieren.

