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IntelliShop verschwindet: Revenexx will Shopsystem "neu denken"
29.06.2026 Aus IntelliShop wird Revenexx - der frühere Enterprise-Anbieter will kein Shopsystem mehr sein, sondern eine ganz neue Business-Kategorie erschaffen.
Revenexx verabschiedet sich nicht nur von seinem bisherigen Code, sondern gleich von der kompletten Shopsystem-Denke. Der Online-Shop soll nicht länger der Mittelpunkt digitaler Projekte sein, sondern nur noch ein Baustein in einer umfassenderen Plattform für digitale Erlösmodelle. Revenexx nennt diese neue Kategorie "Revenue Cloud".
Der Angriff richtet sich dabei nicht mehr nur auf das Enterprise-Segment, mit dem IntelliShop lange verbunden war. Revenexx will stärker in den Mittelstand - zu Unternehmen, die digitale Geschäftsmodelle, Portale, PIM, CRM, Vertrieb und E-Commerce bündeln wollen, ohne ein großes Individualprojekt aufzusetzen.
Für den Shopsystemmarkt ist das ein bemerkenswerter Schritt: Ein etablierter Anbieter verabschiedet sich von seinem eigenen Marktsegment. Was genau dahinter steckt, was Revenexx tatsächlich bietet, warum Döhler nicht mehr an den klassischen Online-Shop glaubt - und was das alles für bestehende IntelliShop-Kunden bedeutet, erklärt er im Interview.
Sie haben die frühere IntelliShop in Revenexx verwandelt. Was ist neu?
Michael Döhler: Wir haben IntelliShop nicht einfach weiterentwickelt oder verändert, wir haben ein komplett neues Produkt geschaffen. Nicht eine Zeile Code ist identisch. Aber mehr noch: Wir haben nicht einmal ein ähnliches Konzept verfolgt. Wir haben etwas völlig Neues geschaffen!Nach 20 Jahren E-Commerce-Erfahrung glauben wir nicht mehr an den klassischen Online-Shop. Denn ganz ehrlich: Davon gibt es viele - und auch sehr gute! Aber egal ob Sie eine Suite-Lösung oder ein Composable-System wählen: Am Ende bleiben die Probleme im E-Commerce immer die gleichen. Es liegt nicht an der Technik, es liegt am Konzept. Deswegen haben wir unseren Ansatz viel weiter gefasst.
Was sind die typischen Probleme?
Die Kunden kommen von zwei Enden: Einerseits wollen sie eine Standard-Lösung, die günstig und einfach zu implementieren ist. Anderseits funktioniert kein Geschäftsmodell wie das andere, und sie benötigen individuelle Anpassungen. Also wird typischerweise eine halbwegs passende Software gewählt, die dann von einer Agentur an die spezifischen Anforderungen angepasst wird. Das funktioniert zunächst auch ganz gut.Mit der Zeit kommen aber weitere Anpassungen hinzu, Mitarbeiter wechseln, die Core-Anwendung erhält Updates, Schnittstellen und Tools entwickeln sich weiter - und manchmal auseinander -, vielleicht soll dann noch die Agentur getauscht werden? Folge: Der anfängliche Prozess-Fit schrumpft und schrumpft. Das Projekt wird immer komplizierter und schwerfälliger. Am Ende wird es eine Enttäuschung. Diese Entwicklung kann man immer wieder beobachten.
Und nun? Wie sieht die Lösung aus?
Unsere erste Erkenntnis ist: Die Welt ist wie sie ist - und das ist gut so. Also muss sich die Lösung an die Realität anpassen, nicht umgekehrt. Und an dieser Stelle muss man feststellen: Bei den wenigsten Unternehmen bestand die Lösung darin, ein Shopsystem zu installieren. Es ging und geht viel mehr darum, ein komplettes, individuelles Geschäftsmodell ins digitale Zeitalter zu transformieren. Der Shop ist dabei nur ein Baustein von vielen. Deswegen haben wir unseren Ansatz weiter gefasst.Wenn Revenexx kein Shop ist - was dann?
Wir haben eine ganz neue Software-Kategorie geschaffen! Wir nennen sie "Revenue Cloud". Es geht darum, die kompletten Prozesse abzubilden, die sich aus der Digitalisierung ergeben. Wir managen jede Art von digitalem Umsatz - egal, ob er aus einem Kundenportalen stammt oder von der Vertriebsmannschaft, ob Dienstleistungen oder Subscriptionen verkauft werden oder materielle Güter in einem E-Commerce-Geschäftsmodell. Egal, ob dafür Kunden- oder Produktdaten, oder Unternehmensressourcen beliebiger Art verwaltet werden.Wir verstehen uns als eine Business Enabling Plattform für alle digitalen Erlösströme. Unsere Revenue Cloud passt für jeden digitalen Umsatz. Es gibt eine riesige Menge an Standard-Apps, aus denen sich die passende Anwendung für das eigene Geschäftsmodell zusammenklicken lässt. Genau so, wie es das Unternehmen benötigt. Ein Shopify für B2B.
An welche Unternehmen richtet sich die Lösung?
IntelliShop stand bislang für Enterprise. Nun öffnen wir uns nach unten. Unserer Kernwettbewerber sind Shopify und Shopware - auch wenn wir die umfassendere Lösung bieten. Zielgruppe sind KMUs, die einen effizienten Anschluss an die Digitalisierung suchen. Unternehmen mit vielleicht 50 bis 100 Mitarbeitern, einem Umsatz von 10 bis 30 Millionen Euro. Bislang konnten sie sich vielleicht eine Website, einen Newsletter und ein ERP leisten. Und jetzt kommen wir um die Ecke und bieten Website, PIM, Kundenportal, Shop, CRM - alles an die eigenen Bedürfnisse angepasst. Und das für 355 Euro pro Monat.Wie weit sind Sie mit der Plattform?
Am vergangenen Freitag haben wir den Softlauch gefeiert. Das heißt: Seit heute kann man uns buchen! Derzeit geht das handverlesen auf Anfrage, weil wir die Kapazitäten noch hochfahren. Bald werden wir einen echten Selfservice bieten, bei dem die einzelnen Module einfach dazugeklickt werden können.Wie lange haben Sie an der Revenue Cloud entwickelt?
Von der Konzeption bis heute sind 1,5 Jahre vergangen. Die reine Umsetzung ging aber rasant: Wir haben nur ein halbes Jahr dafür gebraucht. KI ist ein brutaler Game Changer. Deswegen werden wir dieses Tempo auch beibehalten können.Wir werden nun im Wochentakt Konnektoren zu anderen Anwendungen lancieren. Und ich meine wirklich im Wochentakt!
