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Die P-AI-ten: Die Herrscher hinter der KI-Ökonomie

03.06.2026 Mit Rekordgeschwindigkeit hat sich KI zu einer Billionen-Ökonomie entwickelt. Hinter dem Hype-Business steckt eine erstaunlich homogene Interessengemeinschaft mächtiger Entscheider.

 (Bild: Sebastian halm/ChatGPT-generiert)
Bild: Sebastian halm/ChatGPT-generiert
Die junge Generation wird von Technologie-Evangelisten gerne als Speerspitze der Aufgeschlossenheit gefeiert, wenn man der Skepsis älterer NutzerInnen etwas entgegenhalten muss. Widerstand und Adaptionshemmungen würden sich quasi mit dem Lauf der Zeit ausmendeln, so die Logik. Die Karten für KI dagegen werden anders gemischt: In Umfragen äußert sich die Generation Z deutlich besorgter als ältere Menschen, was die Folgen von KI für ihre Zukunft betrifft. Etwa die Hälfte äußert in solchen Befragungen Angst um ihre Jobs, Jugendstudien verzeichnen eine wachsende Furcht vor der neuen Technologie. Eine lebhafte Bestätigung dieser Haltung lieferten die Szenen bei mehreren Abschlussreden vor US-StudentInnen.

Google-Ex-CEO Eric Schmidt etwa wurde ausgebuht, als er das Thema ansprach, dem stehen Redner gegenüber, die KI demontierten und kritisierten und von den jungen Akademikern gefeiert wurden. Es zeigt sich also eine deutliche Schere zwischen den Pionieren und Advokaten der Technologie und deren nachrückenden, jungen NutzerInnen.

Worin könnte diese auffällige Abweichung begründet sein? Wieso nutzen junge Menschen KI und haben zugleich Furcht vor ihr? Eine Betrachtung der Strippenzieher hinter dem weltweiten KI-Hype ist vor diesem Hintergrund spannend: Sie zeigt, dass die Befürworter der Künstlichen Intelligenz, die in Opposition zur Jungend argumentieren, ein recht homogenes Grüppchen bilden und von synchron laufenden Interessen geeint werden.

Aber wer sind denn die Grauen Eminenzen der KI?
Person Rolle Unternehmen Alter / Vermögen / Politik Land / Standort Warum wichtig
Sam Altman

Sam Altman (Bild: Village Global)
Bild: Village Global
Bild: Village Global unter Creative Commons Lizenz by
Sam Altman

CEO, Mitgründer OpenAI   41, ca. 3 Milliarden Dollar Nettovermögen, liberal-technokratisch USA (San Francisco) Gesicht von ChatGPT und GPT-Modellen
Dario Amodei

 (Bild: TechCrunch)
Bild: TechCrunch

CEO, Mitgründer Anthropic   42/43, ca. 1,2 Milliarden Dollar Nettovermögen, mitte-links USA (San Francisco) Entwickler von Claude, Fokus auf sichere KI
Demis Hassabis

Demis Hassabis (Bild: John Sears)
Bild: John Sears
Demis Hassabis

CEO Google DeepMind   49, ca. 800 Millionen Dollar Nettovermögen, mitte-links UK / USA Führender KI-Forscher, AlphaGo, Gemini
Sundar Pichai

 (Bild: European Union)
Bild: European Union

CEO Alphabet / Google   53, ca. 1,4 Milliarden Dollar Nettovermögen, liberal USA Treibt Googles gesamte KI-Strategie
Jensen Huang

 (Bild: The White House)
Bild: The White House

CEO, Mitgründer Nvidia   63, ca. 180 Milliarden Dollar Nettovermögen, wirtschaftsliberal USA Dominanter Anbieter von KI-Chips
Mark Zuckerberg

 (Bild: Anthony Quintano)
Bild: Anthony Quintano

CEO Meta   42, ca. 210 Milliarden Dollar Nettovermögen, mitte-rechts USA Massive KI-Offensive bei Meta AI und Llama-Modellen
Satya Nadella

 (Bild: Brian Smale and Microsoft)
Bild: Brian Smale and Microsoft

CEO Microsoft   58, ca. 1,1 Milliarden Dollar Nettovermögen, liberal USA Strategische Allianz mit OpenAI
Elon Musk

 (Bild: Gage Skidmore)
Bild: Gage Skidmore

Gründer xAI   54, ca. 700-800 Milliarden Dollar Nettovermögen, rechts-libertär USA Entwickler von Grok und KI-Infrastruktur
Mira Murati

 (Bild: SWinxy)
Bild: SWinxy

CEO, Gründerin Thinking Machines Lab   37, ca. 250 Millionen Dollar Nettovermögen, progressiv USA Frühere CTO von OpenAI, neue Frontier-KI-Firma
Alexandr Wang

 (Bild: Village Global)
Bild: Village Global

Gründer Scale AI   29, ca. 3 Milliarden Dollar Nettovermögen, konservativ-technokratisch USA Dateninfrastruktur für KI-Training
Fei-Fei Li

 (Bild: ITU Pictures)
Bild: ITU Pictures

Professorin, KI-Pionierin Stanford / World Labs   49, ca. 120 Millionen Dollar Nettovermögen, links-liberal USA Eine der wichtigsten KI-Wissenschaftlerinnen
Yann LeCun

 (Bild: Ecole polytechnique)
Bild: Ecole polytechnique

Chief AI Scientist Meta 65, ca. 60 Millionen Dollar Nettovermögen, links USA / Frankreich Pionier neuronaler Netze
Geoffrey Hinton

 (Bild: Arthur Petron)
Bild: Arthur Petron

KI-Forscher ehemals Google 78, ca. 60 Millionen Dollar Nettovermögen, links-progressiv Kanada "Godfather of AI"
Andrew Ng

 (Bild: TechCrunch)
Bild: TechCrunch

Gründer DeepLearning.AI   50, ca. 120 Millionen Dollar Nettovermögen, zentristisch USA Prägender KI-Ausbilder und Unternehmer
Mustafa Suleyman

 (Bild: Christopher Wilson)
Bild: Christopher Wilson

CEO AI Microsoft AI 41/42, ca. 700 Millionen Dollar Nettovermögen, progressiv UK / USA Mitgründer von DeepMind
Lisa Su

 (Bild: Fuzheado)
Bild: Fuzheado

CEO AMD   56, ca. 1,3 Milliarden Dollar Nettovermögen, wirtschaftsliberal USA Nvidia-Konkurrent bei KI-Chips
Arthur Mensch

 (Bild: Jan2342342423)
Bild: Jan2342342423

CEO Mistral AI   33, ca. 500 Millionen Dollar Nettovermögen, liberal Frankreich Europas wichtigstes KI-Startup
Liang Wenfeng

 (Bild: Deepseek)
Bild: Deepseek

Gründer DeepSeek   40/41, ca. 1-2 Milliarden Dollar Nettovermögen, staatsnah-autoritär China Chinas aufstrebender LLM-Player
Robin Li

 (Bild: China News Service)
Bild: China News Service

CEO Baidu   57, ca. 10 Milliarden Dollar Nettovermögen, staatsnah China Führt Chinas große KI-Plattform
Pony Ma

 (Bild: TechCrunch)
Bild: TechCrunch

CEO Tencent   54, ca. 49 Milliarden Dollar Nettovermögen, staatsnah-pragmatisch China KI-Integration in Chinas Super-Apps
Alex Karp

 (Bild: UK Government)
Bild: UK Government

CEO Palantir   58, ca. 11 Milliarden Dollar Nettovermögen, liberal-konservativ USA KI für Militär, Geheimdienste und Unternehmen
Eric Schmidt

 (Bild: Charles Haynes)
Bild: Charles Haynes

Ehemaliger CEO, Investor, KI-Berater Google / Alphabet / Relativity Space   71, ca. 32 Milliarden Dollar Nettovermögen, liberal-technokratisch USA Baute Google zum globalen Techkonzern aus und ist heute einer der einflussreichsten Investoren und Strategen im KI- und Sicherheitsbereich
Peter Thiel

 (Bild: Gage Skidmore)
Bild: Gage Skidmore

Investor, Mitgründer, Chairman Palantir   / Founders Fund   58, ca. 27,5 Milliarden Dollar Nettovermögen, libertär-konservativ USA / zeitweise Argentinien PayPal-Mitgründer, Palantir-Chairman, früher Facebook-Investor und einflussreicher Tech-Finanzier mit politischem Netzwerk

Wie ticken die AI-Bosse genau?

Oberflächlich betrachtet sind die Top-KI-Größen keine einheitliche Gruppe, ihr Alter reicht von knapp 30 bis fast 80, es ist eine relativ diverse Gruppe mit verschiedenen Ethnien und Geschlechtern. Dann wird es aber auch schon eng, was die Diversität angeht und die objektiven wie inhaltlich-flüchtigen Gemeinsamkeiten drängen ins Bild.

Hire lawyers to clean up the mess
(Eric Schmidt , zum Vorschlag, Sprachmodelle konkurrierender Plattformen nachbauen und deren Inhalte und Nutzerdaten übernehmen zu lassen. Bei Erfolg sollten die Anwälte den geistigen Diebstahl abschmettern.)

Reiche Konservative: Von dieser Liste sind 14 Menschen Milliardäre, darunter der reichste Mensch der Welt sowie zwei weitere aus der TopTen: (Zuckerberg und Huang) - 17 der 20 sind Männer, 16 sind entweder aus den USA oder arbeiten in US-orientierten Unternehmen/Orten. Die politische Ausrichtung der KI-Eminenzen zeigt einen Rechtsdrall. Der erscheint zwar nur leicht, dabei ist indes zu berücksichtigen, dass liberale und mittige Positionen bei den mehrheitlich vertretenen US-Amerikanern oftmals tendenziell eher als borderline konservativ oder neo-liberal einzuschätzen sind.

(Grafik: Sebastian Halm/ChatGPT-generiert)

Stark ausgeprägter militärischer Komplex Das Narrativ von der weltheilenden Technologie, den Technokraten ebenso oft bemühen wie die vorgebliche Warnung vor ihren missbräuchlichen Potenzialen, zerfällt relativ schnell - außer man sieht Investitionen in Kriegsgerät als humanitären Invest an.
  • Peter Thiel (gilt als einer der wichtigsten Geldgeber im Bereich der militärischen Spitzentechnologie und Drohnen)
  • Alex Karp (Palantir)
  • Elon Musk (Starlink, SpaceX, Pentagon-Projekte)
  • Sam Altman (OpenAI-Kooperationen mit US-Regierung)
  • Satya Nadella (Microsoft-Verträge mit Pentagon)
  • Sundar Pichai (Google Cloud, Verteidigungsprojekte)
  • Jensen Huang (Nvidia-Chips für Militär- und Geheimdienst-KI)
  • Mark Zuckerberg (Meta-Llama für Verteidigungsanwendungen diskutiert)
  • Dario Amodei (Anthropic arbeitet mit US-Sicherheitsbehörden)
  • Eric Schmidt (Herstellung von Kamikazedrohnen)

Indirekte oder technologische Verbindungen bestehen außerdem bei Demis Hassabis, Mustafa Suleyman, Liang Wenfeng, Robin Li, Pony Ma und Alexandr Wang.

Frauenfeindliche Positionen: Misogyne Statements oder Vorwürfe übergriffigen Verhaltens am Arbeitsplatz sind für die Liste der KI-Entscheider überdurchschnittlich oft belegt. Prominenteste Beispiele sind Mark Zuckerbergs Schwärmereien über die Rückkehr aggressiver maskuliner Energie, Peter Thiels lautes Nachdenken über das Frauenwahlrecht als negativen Einflussfaktor oder Nadellas Empfehlung an weibliche Angestellte, nicht nach Gehaltserhöhungen zu fragen. Alex Karp sinnierte über eine Machtverschiebung mittels KI weg von den weiblichen Akademikerinnen und Elon Musk hat ein ganzes Album sexistischer Tweets vorzuweisen, so seien Frauen von Medien und Lehrern programmiert, Männer zu hassen - und er retweetete ein Statement über Frauen als Eigentum, das zwischen den Patriarchen von Stämmen hin- und hergeschoben werde.

Beste Rivalen: Zwischen einigen der Aufgezählten bestehen geschäftliche Konkurrenzen, die mitunter den Charakter von Fehden gewinnen: Altman etwa attackiert gerne mal seinen Ex-Kollegen von OpenAI, Dario Amodei. Grund: Amodei hat nach dem OpenAI-Ausstieg die Konkurrenzfirma Anthropic gegründet und wurde dann vom OpenAI-Boss angeklagt, Amodeis Firma baue eine Bombe und verkaufe zeitgleich Bunker   - vermutlich ist das weniger humanistische Empörung auf Seiten Altmans als vielmehr der Neid, diese Geschäftsidee nicht zuerst gehabt zu haben. Denn tatsächlich baut und vertreibt Altman über diverse Beteiligungen zwar keine Bunker, aber immerhin Dienstleistungen und Produkte, die unmittelbar vom KI-Boom profitieren, etwa Atomenergie-Start-ups wie Energie Helion Energy und Oklo oder auf AI-Attacken spezialisierte Security-Lösungen (WorldCoin).

I no longer believe that freedom and democracy are compatible
(Peter Thiel, er sieht vor allem das Frauenwahlrecht kritisch, da es libertäre Positionen ausbremse. )

Dann ist da die kurze aber für Elon Musk sehr erfolglose Fehde mit Sam Altman, die ebenfalls ins Geflecht der Dramen aus dem KI-Clan gehört. Im Grunde hat jeder mal mit jedem gearbeitet und nun versucht fast jeder fast jedem anderen einen Holzschuh ins Getriebe zu werfen, um den Vorsprung auf die Konkurrenz zu vergrößern.

Jenseits dieser Rivalitäten besteht aber eine in ein geteiltes finanzielles Fundament gegossene Interessengleichheit der KI-Gebilde, denen unsere Gruppe vorsteht. Zirkuläre Invests lautet das Stichwort.

Investor Zielunternehmen Was investiert wird Was zurückfließt Zirkulär?
Microsoft OpenAI >13 Mrd. Dollar Azure-Cloudumsätze Ja
Microsoft Anthropic Milliardeninvestment Azure-Nutzung Ja
Amazon Anthropic bis zu 8 Mrd. Dollar AWS- und Trainium-Nutzung Ja
Google Anthropic 2-3 Mrd. Dollar TPU-/Google-Cloud-Nutzung Ja
Nvidia OpenAI direkte Beteiligung GPU-Käufe Ja
Nvidia xAI Milliardeninvestment massive GPU-Bestellungen Ja
Nvidia Anthropic Beteiligung Nvidia-Architektur Ja
SoftBank Stargate/OpenAI Infrastrukturfinanzierung KI-Infrastrukturmärkte Teilweise
Oracle Stargate/OpenAI Cloud- und Rechenzentrumskapazität Infrastrukturumsätze Ja
Meta Scale AI / Infrastrukturpartner KI-Infrastrukturdeals Datennetzwerke / KI-Ökosystem Teilweise

Wo vermeintliche Gegner miteinander den Rest der Welt abkassieren

Die KI-Branche wirkt nach außen wie ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen OpenAI, Google, Meta, Amazon, Microsoft oder xAI. Tatsächlich sind die Unternehmen jedoch finanziell und technologisch inzwischen so eng miteinander verflochten, dass sich ein Knoten an zirkulären Invests entwickelt hat, der nicht leicht aufzudröseln ist. Konkurrenten finanzieren sich gegenseitig, nutzen dieselbe Infrastruktur und profitieren oft gleichzeitig voneinander.

Palantir is here to disrupt and make the institutions we partner with the very best in the world and, when it's necessary, to scare enemies and on occasion kill them
(Alex Karp, Seine Idee von Frieden ist es, bestehende Strukturen aufzubrechen und seine Partner zu den besten der Welt zu machen und gegebenenfalls Gegner einzuschüchtern und gelegentlich auch zu töten.)

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist Anthropic. Das Unternehmen konkurriert direkt mit OpenAI, Google Gemini, Meta Llama und xAI. Trotzdem investieren sowohl Amazon als auch Google Milliarden in das Startup. Amazon profitiert davon, dass Claude auf AWS läuft und möglichst viele Trainium-Chips eingesetzt werden. Google wiederum verdient an der Nutzung seiner Cloud- und TPU-Infrastruktur durch Anthropic. Nvidia ist zusätzlich als Investor und Hardwarelieferant beteiligt und profitiert über GPU-Verkäufe. Selbst das gute alte Microsoft verdient indirekt mit, weil Anthropic Teil des wachsenden Enterprise-KI-Marktes ist.

Das Paradoxe daran: Anthropic wird ausgerechnet von Unternehmen finanziert, mit denen es direkt konkurriert. Gleichzeitig steckt das Startup für den enormen Rechenbedarf eben jenen Cloudanbietern Geld für IaaS zu, die eigentlich Rivalen sind. Wo eine Hand die andere wäscht, stehen am Ende alle sauber da - also, alle Tech-Firmen.

Some creative jobs maybe will go away, but maybe they shouldn't have been there in the first place.
(Mira Murati, sie legt nahe, vielleicht hätte es manche Kreative, die wegen KI ihren Job verlieren, sowieso nie geben sollen, findet Murati)

Noch deutlicher zeigt sich dieses Muster bei OpenAI. Microsoft ist dort der dominierende Investor und hat Milliarden in das Unternehmen gesteckt. OpenAI nutzt wiederum massiv die Azure-Infrastruktur von Microsoft. Für den Betrieb dieser Rechenzentren werden dann wieder enorme Mengen Nvidia-Chips benötigt, wodurch Nvidia gigantische Umsätze erzielt (Nvidia verdient im Grunde überall mit, siehe unten). Zusätzlich treten Oracle   als Rechenzentrumspartner sowie Investoren wie SoftBank   oder MGX   als Infrastrukturfinanzierer auf.

So entsteht ein Kreislauf: Microsoft investiert in OpenAI, OpenAI nutzt Azure, Azure benötigt Nvidia-GPUs - und Nvidia investiert wiederum selbst in KI-Unternehmen. Dadurch verdient Nvidia fast unabhängig davon, welcher Anbieter am Ende den Wettbewerb gewinnt - es verkauft die Schaufeln im Goldrausch.

Nvidia als Schlüsselfigur der KI-Industrie

Good Karma
(Satya Nadella, auf einer Konferenz zur Ehrung von Frauen in der Techbranche erklärte Nadella die positiven Folgen für Frauen, die nicht nach Gehaltserhöhungen fragen)

Tatsächlich profitiert Nvidia heute praktisch von allen relevanten KI-Konkurrenten gleichzeitig, dass man nicht anders als staunen kann: OpenAI setzt auf Nvidia-GPUs, Google DeepMind nutzt sie zusätzlich zu eigenen TPUs, Anthropic arbeitet damit ebenso wie Meta, Microsoft, Amazon oder xAI. Selbst Unternehmen, die eigene Chips entwickeln, greifen weiterhin massiv auf Nvidia-Hardware zurück. Dadurch nimmt Nvidia die komfortable Sonderrolle ein, zuzusehen, wie alle anderen Unternehmen um Marktanteile kämpfen, denen es die technische Grundlage für fast alle KI-Systeme verkauft. Historisch erinnert diese Position an Intel im PC-Zeitalter, Standard Oil im Energiemarkt oder Cisco während des frühen Internetbooms.

Gegenseitige Abhängigkeit zeigt sich indes am besten bei Amazon und Google: Beide Konzerne investieren gleichzeitig Milliarden in Anthropic. Amazon verfolgt dabei das Ziel, Claude stärker an AWS und die eigenen Trainium-Chips zu binden. Google wiederum möchte erreichen, dass Anthropic möglichst viele Google-TPUs und Google-Cloud-Dienste nutzt. Das Absurde daran: Googles eigenes Modell Gemini konkurriert direkt mit Claude. Trotzdem verdient Google an Anthropic mit - obwohl Anthropic gleichzeitig ein ernsthafter Wettbewerber ist. Das dürfte keine Verschwörung oder brillanter Plan sein (obwohl es möglich ist), sondern es ist vielmehr so, wie es der US-Komiker George Carlin einst attestierte: Diese Milliardäre brauchen keine Verschwörung, sie haben derart gleiche Interessen, dass sich das von selbst regelt.

Auch Meta ist Teil dieses Systems. Das Unternehmen positioniert Llama offiziell als Open-Source-Gegengewicht zu OpenAI. Gleichzeitig kauft Meta jedoch gigantische Mengen an Nvidia-GPUs. Damit profitiert Nvidia massiv vom Open-Source-KI-Boom, während Meta indirekt wiederum die Infrastrukturmacht von Nvidia stärkt.

Partner und Konkurrenten zugleich

Hinzu kommt, dass inzwischen selbst Microsoft und OpenAI teilweise miteinander konkurrieren. Im Bereich Enterprise AI treten Microsoft Copilot und ChatGPT gegeneinander an. Auch bei Entwicklerplattformen konkurrieren Azure AI und die OpenAI-APIs zunehmend direkt.

You have said the actual truth
(Elon Musk, als Antwort an einen Nutzer auf X, der behauptet hatte, jüdische Gemeinschaften würden Hass gegen Weiße schüren)

Google verfolgt parallel eine ähnliche Strategie. Der Konzern bekämpft OpenAI offensiv mit Gemini, besitzt mit DeepMind eine eigene KI-Spitzenforschung und investiert gleichzeitig Milliarden in Anthropic. Dahinter steckt eine strategische Absicherung: Sollte Gemini Marktanteile verlieren, verdient Google dennoch über die Infrastrukturgeschäfte mit Anthropic weiter mit.

Im Kern besteht die KI-Branche heute aus drei Ebenen: Chips, Cloud und Modelle.

  • Im Chipmarkt dominiert Nvidia.
  • Die Cloud-Infrastruktur kontrollieren vor allem Microsoft, Amazon und Google.
  • Auf der Modellebene konkurrieren OpenAI, Anthropic, Meta oder xAI.
Das Problem beziehungsweise die Besonderheit: Diese Ebenen sind inzwischen vollständig miteinander verflochten. Daraus entstehen gegenseitige Abhängigkeiten, gemeinsame Gewinne, gemeinsame Investoren - und gleichzeitig weiterhin harter Wettbewerb.

Aufsteigende AI-Akteure: Neue Größen im Spiel der Rechenpower

Doch da nichts für ewig hält, erst recht nicht in der Hochgeschwindigkeitswelt der KI mit ihren glühenden Prozessoren, drängen freilich neue Größen auf den Markt. Einige darf man im Auge behalten.
  • SoftBank, ein massiver Infrastrukturfinanzierer - etwa von Stargate, OpenAI und globalen Rechenzentren.
  • Oracle, wo Larry Ellison die Firma zunehmend als KI-Rechenzentrumsbetreiber und OpenAI-Infrastrukturpartner positioniert, als 81-jähriger Multimilliardär von beinahe Muskschem Vermögen und rechtsdrehender Ausrichtung würde er gut in den Club der AI-Mächtigen passen.
  • die staatliche Investmentgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate MGX mit Sitz im KI-umtriebigen
  • sowie Abu Dhabi: Der souveräne Staatsfonds investiert massiv in OpenAI, Infrastruktur, Halbleiter, und Rechenzentren.

Der Prototyp des KI-Mächtigen

Filtriert man aus den hier untersuchten Figuren der wirtschaftlichen KI-Elite eine Art Prototyp heraus, oder anders formuliert: Würde man einer KI sagen, aufgrund der vorliegenden Datenbasis den Urstoff des KI-Entscheiders zu beschreiben, landete man bei zwei Typen: Der eine ist ein weitgehend unauffälliger Technologie-Evangelist, tendenziell eher staatstreu und reich und extrem gut vernetzt. Ach ja, und ein Mann ist er auch.

Der andere, spannendere und klarer einzuordnende Typus besitzt ebenfalls diese Eigenschaften - er ist ein reicher, weißer Mann mittleren bis gehobenen Alters, doch lassen sich seine Ziele und Überzeugungen klarer erkennen, da er mit breitbeinigem Sendungsbewusstsein in die ihm dargebotenen Mikrofone spricht: Seine Gender-Ideologie ist patriarchalisch bis misogyn, er ist rechtsgerichtet oder sucht zumindest die Kooperation mit (auch) autokratischen Regimen, da ihm diese eine Durchsetzung seiner Geschäftsinteressen erlauben und eventuell sogar seiner antidemokratischen DNA entgegenkommen. Denn Regulation und Solidarität mit dem Maschinenraum der Gesellschaft wird tendenziell vom KI-Machtmenschen als hinderlich empfunden. Er bewegt sich in einem kaum entwirrbaren Geflecht aus sich gegenseitig nährenden zirkulären Investitionen und ist eng dem militärischen Komplex verbunden. Die wirtschaftliche Machtsphäre, in der er sich bewegt, hat mitunter einen fließenden Übergang zur politischen Einflussnahme.
Thema: Die P-AI-ten: Die Herrscher hinter der KI-Ökonomie

Kommentar von Sebastian Halm

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iBusiness-Analyst Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
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