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Das Ende der Datenbrillen? Microsoft, Apple und Meta kämpfen mit der Realität
04.10.2024 Microsoft stellt die Produktion der HoloLens ein, Apples Vision Pro verkauft sich schleppend und das Metaverse will einfach nicht zünden. Während die Technik immer besser wird, bleibt der Erfolg von VR- und AR-Geräten aus. Woran liegt das? Ein Blick auf die aktuellen Herausforderungen einer Technologie, die noch weit hinter ihren Erwartungen zurückbleibt.
Genauso geht es Meta mit seiner gerade erst vorgestellten Hightech AR-Brille Orion . Aus der richtigen Kameraperspektive wirkt sie weit filigraner als die Apple Vision Pro, ist trotzdem mit Hightech vollgestopft und kann schon "richtiges" AR - hat also durchlässige Gläser, während Apple-Nutzer kontinuierlich auf Bildschirme starren. Wie gut das Gerät wirklich funktioniert, lässt sich derzeit allerdings kaum beurteilen. Es existieren nur Prototypen. Und dabei wird es zunächst auch bleiben. Denn bei den derzeitigen Herstellungskosten müsste Meta wohl ein Preis von rund 10.000 US-Dollar verlangen. Utopisch.
Für den Massenmarkt setzt das Unternehmen daher lieber auf die neueste Meta Quest in Version 3S. Die ist bei einem Preis von 330 Euro durchaus Weihnachtsbaum-tauglich kalkuliert. Ob das den entscheidenden Unterschied machen wird, bleibt allerdings fraglich. Denn auch die besser ausgestattete Quest 3 hat bislang "nur" rund 550 Euro gekostet - keine unüberwindbare Hürde, wie ein Blick auf die im öffentlichen Nahverkehr allgegenwärtigen Over-Ear-Kopfhörer im 500-Euro-Plus-Segment zeigt.
Also liegt es doch an der noch jungen Technik? Wer schon einmal eine der neuesten Gerätegenerationen aufgesetzt hat, weiß: Die Dinger funktionieren ziemlich gut. Allein mit den Schwächen hinsichtlich Motion-Sickness, Bildschirmauflösung oder Akkulaufzeit lässt sich der mangelnde Erfolg nicht schlüssig erklären. Die versprochene beeindruckende dreidimensionale Illusion erreichen jedenfalls alle Geräte, die Bedienung ist akzeptabel und der Witz, den die Vermischung von Realität und digitaler Welt bietet, erklärt sich von selbst. Jeder versteht sofort, was die Geräte leisten können.
Und trotzdem bleibt "die Technik von morgen, schon heute" (Apple-Chef Tim Cook über die Vision Pro), die "das mobile Internet ersetzen" werde (Meta-Chef Mark Zuckerberg über das Metaverse) meilenweit hinter den Erwartungen zurück. Woran also liegt's?
Ein bißchen wie 3D-Cinema
Wenn es Preis und Technik nicht sind, kann es nur an der Anwendung selbst liegen. Und tatsächlich: Wer VR/AR mal ausprobiert hat, kennt bestimmt das anfängliche Gefühl von Begeisterung und Spaß - das recht schnell verfliegt. Es ist ein bißchen wie ein Jahrmarkts-Gag: Macht einen Riesen-Spaß, aber irgendwann langt es auch wieder. Arbeiten in der virtuellen Welt? Erledigt man leichter am Laptop. Video-Call mit Kollegen? Sicher nicht mit Datenbrille auf der Nase! VR-Konferenz mit Avataren? Alberner geht es wirklich nicht. Fernsehabend vor der riesigen VR-Leinwand? Klar - wenn man den Abend gerne alleine verbringt. Navigationshinweise und AR-Infos für die Orientierung in der realen Welt? Diesen Use-Case ziehen nicht einmal mehr Apple oder Meta ernsthaft in Betracht.Ein wenig erinnert das alles an das unsterbliche 3D-Kino und -Fernsehen: Die Idee ist so überzeugend, dass sie alle paar Jahrzehnte wieder geboren wird - jetzt mit viel besserer Technik! Nur: Funktionieren tut's irgendwie wieder nicht ...
Trotzdem aller Misserfolge: Ein richtiger Flop wird VR/AR nicht werden
Und trotzdem wäre es falsch VR/AR vorzeitig abzuschreiben. Scheitern wird die Technik wohl nur in Relation zu den überzogenen Erwartungen. Wie jede Technologie wird sie eine Nische finden. Vielleicht zunächst als Oberklassen-TV für Geschäftsreisende auf Langstrecken-Flügen. Und von dieser Anwendung langsam und kontinuierlich doch noch zu einer gewissen Verbreitung. So ähnlich wie es mit Sprachassistenten und Videotelefonie passiert ist. Auch hier gab es keinen "iPhone-Moment". Die Technik war ihren Anwendern Jahre voraus und hat sich nur langsam durchgesetzt.Für Agenturen und Unternehmen heißt das: Wer in VR/AR investiert, muss unbedingt Augenmaß walten lassen. Es geht nicht darum, in einem beginnenden Hype Marktanteile zu sichern und Claims abzustecken. Im Gegenteil: Wenn sich das Invest nicht gleich auszahlt, stehen die Chancen gut, dass es sich nie auszahlt.
Für Apple, Microsoft und Meta mag dieser Ratschlag zu spät kommen - für Sie vielleicht nicht.
In diesem Sinne wünscht Ihnen einen unverstellten Blick,
Ihr
Dominik Grollmann
Analyst
