Gemeinsam nachhaltige IT voranbringen
Gastbeitrag von Heiner von Brachel, Senior Manager bei Reply, und Manaëlle Perchet, ESG, Sustainable IT & Ethical AI Managerin bei Reply
Nachhaltige IT wird zu einer strategischen Managementaufgabe. Themen wie die Begrenzung des Datenwachstums, die Messung des CO2-Fußabdrucks von IT-Systemen oder der verantwortungsvolle Einsatz von KI stellen Unternehmen heute branchenübergreifend vor ähnliche Herausforderungen. Die entscheidende Frage lautet deshalb, wie sich wirksame Maßnahmen trotz unterschiedlicher Ausgangslagen und Reifegrade schnell und nachhaltig realisieren lassen.
Unternehmen können vom Austausch in Netzwerken profitieren. Viele beschäftigen sich mit denselben Fragestellungen und entwickeln parallel oftmals vergleichbare Lösungsansätze. Durch den Austausch von Erfahrungen, das Vorstellen praxiserprobter Methoden und die Wiederverwendung bewährter Ansätze können sie schneller vorankommen und Ressourcen effizienter einsetzen. Vor diesem Hintergrund hat Reply 2022 die IT Sustainability User Group ins Leben gerufen, die heute mehr als 20 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern vereint und zusammen praxistaugliche Ansätze für eine nachhaltige IT umsetzt.
Im Mittelpunkt stehen der fachliche Austausch unter Expertinnen und Experten sowie die Erarbeitung konkreter Arbeitsergebnisse, zu denen Leitfäden, Best Practices, Bootcamps, Umfragen und Handlungsempfehlungen zählen. Die vierteljährlichen Treffen komplementieren themenspezifische Arbeitsgruppen, in denen die Teilnehmenden zwischen den Veranstaltungen an verschiedenen Fragestellungen arbeiten. Das hybride Treffen mit rund 40 Teilnehmenden im Frühjahr 2026 in München zeigte, wie aus dem Austausch Lösungen für die Praxis entstehen.
Datenwachstum gezielt begrenzen
Ein Schwerpunkt der User Group ist der verantwortungsvolle Umgang mit Daten. Im Workstream "Rightsizing Data Growth" wurden bewährte Vorgehensweisen für Microsoft 365-Anwendungen wie Outlook, SharePoint, OneDrive und Teams sowie für führende Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure, AWS, Google Cloud, SAP und Salesforce systematisch zusammengetragen und ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine nachhaltige IT nicht zwangsläufig mit komplexen Transformationsprogrammen beginnen muss. Schon die konsequente Optimierung bestehender Datenbestände entfaltet eine erhebliche Wirkung. So konnten Millionen veralteter Dateiversionen entfernt und Hunderte Terabyte Speicherplatz gespart werden. Damit können sowohl die Infrastrukturkosten als auch die CO2-Emissionen reduziert werden. Für IT-Verantwortliche ergibt sich daraus ein pragmatischer Ansatz, dessen Nutzen wirtschaftlich wie ökologisch nachvollziehbar ist.
Den CO2-Fußabdruck der IT belastbar messen
Wer Nachhaltigkeit wirksam steuern möchte, benötigt belastbare Daten. Deshalb arbeitet die User Group an Leitlinien und einem einheitlichen Verständnis für die Messung des CO2-Fußabdrucks von IT-Systemen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch praktischer Erfahrungen und die Weiterentwicklung bestehender Methoden.
Diese Schritte helfen Unternehmen dabei, Emissionen vergleichbar zu erfassen, Maßnahmen zu priorisieren und Fortschritte kontinuierlich zu bewerten. Nur eine transparente Datengrundlage ermöglicht eine systematische Steuerung von Nachhaltigkeitszielen und fundierte Entscheidungen.
KI gemeinsam nachhaltiger gestalten
Mit der schnellen Verbreitung generativer KI rücken auch deren ökologische Auswirkungen stärker in den Fokus. Der steigende Rechen- und Ressourcenbedarf moderner Modelle, die begrenzte Transparenz über den Energie- und Wasserverbrauch sowie die bislang fehlenden einheitlichen Bewertungsstandards stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen.
Der Workstream "Sustainable AI" verfolgt drei Schwerpunkte: den Vergleich von Tools zur Bewertung der Umweltauswirkungen von KI-Systemen, Workshops zu ethischen Fragestellungen anhand realer Anwendungsfälle und Maßnahmen zur Sensibilisierung von Unternehmen. Das Ziel besteht darin, eine fundierte Grundlage für den verantwortungsvollen Einsatz von KI zu schaffen und den Wissenstransfer zwischen den beteiligten Unternehmen zu fördern.
Darüber hinaus bündelt die User Group Anforderungen aus der Praxis, um Anbieter von KI-Technologien für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Dazu gehören unter anderem transparente Angaben zum Energie- und Wasserverbrauch, Informationen zur eingesetzten Hardware sowie Optionen für ressourcenschonende kleinere Modelle oder die gezielte Deaktivierung besonders energieintensiver Funktionen.
Wissen teilen, Transformation beschleunigen
Charakteristisch für die Arbeit der IT Sustainability User Group ist ihr konsequenter Praxisbezug. Erkenntnisse bleiben nicht in einzelnen Unternehmen, sie werden in Form wiederverwendbarer Arbeitsergebnisse aufbereitet. Dazu gehören Leitfäden, Kommunikationsmaterialien, Governance-Konzepte, Moderationsformate und weitere Vorlagen, die die Mitgliedsunternehmen unmittelbar für ihre eigenen Initiativen nutzen können.
So entsteht eine kontinuierlich wachsende Wissensgrundlage, die Unternehmen dabei unterstützt, eine nachhaltige Digitalisierung schnell und effizient umzusetzen. Gleichzeitig wächst eine europäische Community, die den Austausch fördert und Best Practices umsetzt.
Transformation durch Zusammenarbeit
Die Herausforderungen einer nachhaltigen Digitalisierung auf technologischer, organisatorischer und regulatorischer Ebene sind komplex. Die Zusammenarbeit in der User Group ermöglicht es, erfolgreiche Ansätze weiterzuentwickeln, bewährte Lösungen für andere Unternehmen nutzbar zu machen. Umso wichtiger ist es deshalb, erfolgreiche Ansätze in der Gruppe weiterzuentwickeln und bewährte Lösungen für andere Unternehmen nutzbar zu machen.
Die IT Sustainability User Group versteht sich als Plattform, auf der Unternehmen diesen Austausch organisieren, eigene Praxisbeispiele einbringen und zugleich von den Erkenntnissen anderer profitieren. Denn die Fähigkeit, voneinander zu lernen und Veränderungen kooperativ voranzutreiben, ist für eine nachhaltige Digitalisierung von entscheidender Bedeutung.
