Zero Click Search verstehen

Gastbeitrag von Antonia Hertlein

Wie KI-Suche SEO grundlegend verändert - Die Spielregeln der digitalen Sichtbarkeit haben sich grundlegend verschoben. Über viele Jahre hinweg folgte Suchmaschinenoptimierung einer einfachen Logik: Gute Rankings führen zu Klicks und Klicks zu Traffic, Leads und Umsatz. Doch genau dieses Prinzip verliert zunehmend an Wirkung.

 (Bild: Löwenstark Online Marketing GmbH (KI-generiert))
Bild: Löwenstark Online Marketing GmbH (KI-generiert)

Immer häufiger erhalten Nutzer*innen Antworten direkt innerhalb der Suchumgebung - etwa in AI Overviews oder in Tools wie ChatGPT - ohne dafür noch eine Website besuchen zu müssen.

Die Sichtbarkeit bleibt bestehen, jedoch wird der klassische Weg über den Klick aus den Google-Suchergebnissen zunehmend seltener

Die Mehrheit der Suchen endet ohne Klicks

Wie weit diese Entwicklung bereits fortgeschritten ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut SparkToro enden rund 60 Prozent der Google-Suchen ohne Weiterleitung auf externe Seiten. Mit KI-Funktionen wie den AI Overviews verstärkt sich dieser Trend weiter. Analysen von Ahrefs zeigen, dass ihre Einblendung die Klickrate auf Top-Ergebnisse deutlich reduziert. Gleichzeitig geht Bain & Company davon aus, dass rund 40 Prozent der Suchanfragen durch KI-generierte Antworten beeinflusst werden.

Zero-Click-Suchen sind damit längst kein Ausnahmefall mehr, sondern nehmen zunehmend eine zentrale Rolle im Suchverhalten ein.

Vom Ergebnis zur Antwort

Der Wandel hängt eng mit der Entwicklung der Suchsysteme zusammen. Plattformen wie Google liefern nicht mehr nur Verweise, sondern bereiten Inhalte zunehmend direkt auf - etwa mit AI Overviews.

Statt reiner Linklisten sehen Nutzer heute eine Mischung aus:

  • hervorgehobenen Antwortboxen (Featured Snippets)
  • Wissensmodulen (Knowledge Panels)
  • KI-generierten Zusammenfassungen

Damit verlagert sich ein Teil der Informationssuche direkt in die Suchoberfläche.

Sichtbarkeit ohne Website-Besuch

Für Marketingverantwortliche entsteht daraus eine neue Situation: Inhalte können präsent sein, ohne messbaren Traffic zu erzeugen. Marken erscheinen in Antworten und Kontexten, ohne dass Nutzer aktiv auf sie klicken. Klassische Kennzahlen wie Seitenaufrufe oder CTR greifen hier zu kurz. Die zentrale Frage verändert sich damit spürbar: Nicht mehr "Wie viele kommen auf die Website", sondern "Werden wir überhaupt in relevanten Kontexten berücksichtigt?"

Warum weniger Traffic nicht automatisch schlechter ist

Der Rückgang von Klicks bedeutet nicht zwangsläufig weniger Wirkung. Im Gegenteil: Die Qualität des verbleibenden Traffics kann steigen. Wer sich trotz vorhandener Antworten für einen Klick entscheidet, bringt meist eine klarere Absicht mit. Diese Nutzer*innen sind informierter und häufig näher an einer Entscheidung. Die Folge: kürzere Entscheidungswege und gezieltere Interaktionen.

Neue Maßstäbe für Sichtbarkeit

Vor diesem Hintergrund verändern sich auch die relevanten Erfolgsgrößen.

Wichtiger als reine Besuchszahlen wird, wo und wie eine Marke erscheint:

  • Präsenz in Antwortformaten und KI-Zusammenfassungen
  • Sichtbarkeit in thematischen Suchkontexten
  • Erwähnungen innerhalb von KI-Antworten
  • steigende Nachfrage nach der Marke selbst

Sichtbarkeit entsteht damit zunehmend unabhängig vom eigentlichen Website-Besuch.

Ein plattformübergreifender Wandel

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf klassische Suchmaschinen. Auch andere Plattformen folgen ähnlichen Prinzipien.

Auch andere Plattformen entwickeln sich in diese Richtung: YouTube setzt auf automatische Kapitel, KI-gestützte Suchfunktionen und Zusammenfassungen, während soziale Netzwerke zunehmend Such- und KI-Funktionen integrieren. Dialogbasierte Systeme wie ChatGPT oder Perplexity gehen noch einen Schritt weiter: Sie liefern direkte Antworten, statt Nutzer*innen zunächst klassische Ergebnislisten anzuzeigen.

Das gemeinsame Ziel: Informationen ohne Umwege bereitstellen. Der Klick wird zur Option, nicht mehr zur Voraussetzung.

Content muss neu gedacht werden

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Inhalte müssen anders aufgebaut sein. Der Fokus verschiebt sich weg vom reinen Traffic-Gedanken hin zu Inhalten, die auch ohne Website-Besuch funktionieren. Wichtige Grundlagen sind:

  • klare Antworten auf konkrete Fragestellungen
  • eine nachvollziehbare Struktur
  • verständliche, prägnante Formulierungen
  • Inhalte, die auch für Systeme leicht auswertbar sind

Konkrete Handlungsempfehlungen:

  • Inhalte entlang realer Nutzerfragen aufbauen (z. B. FAQ-Strukturen)
  • Kernaussagen direkt am Anfang von Abschnitten platzieren
  • Bullet Points, Listen und strukturierte Formate gezielt einsetzen
  • Überschriften thematisch klar und mit relevanten Keywords formulieren
  • Inhalte regelmäßig aktualisieren, um als aktuelle Quelle wahrgenommen zu werden

Vom SEO zur erweiterten Sichtbarkeitsstrategie

Auch die Rolle von SEO verändert sich. Klassische Optimierung bleibt wichtig, reicht aber allein nicht mehr aus. Zunehmend geht es darum, Inhalte so aufzubereiten, dass sie von KI-Systemen erkannt, eingeordnet und verwendet werden können.

In diesem Kontext gewinnt Generative Engine Optimization (GEO) an Bedeutung. Dabei steht weniger die einzelne Keyword-Position im Fokus, sondern:

  • thematische Einordnung
  • Glaubwürdigkeit der Inhalte
  • klare, zitierfähige Aussagen
  • strukturierte Aufbereitung

Der Fokus verschiebt sich damit von Ranking-Positionen hin zu der Relevanz innerhalb von Antwortsystemen.

Praxis: Sichtbarkeit strategisch nutzen

Unternehmen, die sich erfolgreich anpassen, betrachten Content nicht mehr nur als Traffic-Quelle, sondern als strategisches Instrument für Präsenz.

Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • klare Themenpositionierung
  • konsequente Ausrichtung an Nutzerfragen
  • Aufbau von Vertrauen und Autorität

Gerade im B2B-Umfeld kann das entscheidend sein, da viele Entscheidungen bereits in frühen Recherchephasen eingeordnet werden.

Fazit: Sichtbarkeit wird neu definiert

Zero Click Search ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels. Die Suche entwickelt sich von einer Navigationshilfe zu einem eigenständigen Informationsraum. Für Unternehmen bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich weg vom Klick hin zur tatsächlichen Wahrnehmung von Inhalten. Oder anders formuliert: Sichtbarkeit entsteht heute dort, wo Antworten gegeben werden und nicht nur dort, wo Links platziert sind. Wer seine Inhalte entsprechend ausrichtet, bleibt auch in einer KI-geprägten Suchwelt relevant.

Praxis-Tipp

Wer wissen möchte, wie stark die eigene Marke bereits in KI-generierten Antworten präsent ist, kann dies mit unserem GEO-Score-Check analysieren. Das Tool zeigt, wie sichtbar ein Unternehmen aktuell in Systemen wie ChatGPT, Claude oder Google Gemini ist und macht transparent, wo Potenziale für mehr Sichtbarkeit in generativen Suchumgebungen liegen. Grundlage dafür ist eine Auswahl relevanter Prompts, anhand derer die Präsenz und Einbindung der Marke systematisch ausgewertet wird.

Kurzvita
Antonia Hertlein ist seit Juli 2023 bei https://www.loewenstark.com/]https://www.loewenstark.com    tätig und verantwortet dort als Head of SXO die strategische Weiterentwicklung des Bereichs Search Experience Optimization. Sie blickt auf mehr als zehn Jahre Erfahrung in den Bereichen SEO, Content und Digital Strategy zurück. Darüber hinaus ist sie Product Ownerin für das Thema GEO und KI-Search und leitet die GEO-Taskforce bei Löwenstark. Ihr Fokus liegt auf der Verbindung von strategischer Sichtbarkeit, nutzerzentrierten Inhalten und den neuen Anforderungen, die sich aus generativen Suchsystemen ergeben.

Quellen zu Studien:
https://sparktoro.com/blog/2024-zero-click-search-study-for-every-1000-us-google-searchesonly-374-clicks-go-to-the-open-web-in-the-eu-its-360/ https://ahrefs.com/blog/ai-overviews-reduce-clicks/  
https://www.bain.com/about/media-center/press-releases/20252/consumer-reliance-on-aisearch-results-signals-new-era-of-marketing--bain--company-about-80-of-search-users-relyon-ai-summaries-at-least-40-of-the-time-on-traditional-search-engines-about-60-of-searchesnow-end-without-the-user-progressing  

Verantwortlich für den Inhalt dieses Beitrags ist ausschließlich das herausgebende Unternehmen:

Löwenstark Online-Marketing GmbH

  • 38100 Braunschweig
  •  k.A.
Die Löwenstark Online Marketing GmbH ist eine Full-Funnel-Agentur für KMU. Mit über 250 Experten bieten wir Leistungen in SEO, SEA, Social-Media, Content-Marketing, KI, Entwicklung von Websites und Onlineshops sowie digitale Beratung ? alles aus einer Hand, mit dem Ziel: mehr Reichweite, Leads und Umsatz für Ihr Unternehmen.

Weitere Gastbeiträge dieses Unternehmens

Verantwortlich für den Inhalt der Gastbeiträge sind die jeweils herausgebenden Unternehmen.

Ihr Gastbeitrag fehlt hier? Einfach Plus-Mitglied werden und dann zum Eintrag Ihres Unternehmens im Dienstleister-Verzeichnis hochladen.